Unterwegs zu Fuß

Flugplatz Brand: die verlassene sowjetische Garnison

Lenin-Porträt im Profil aus Keramikscherben an einer freistehenden Betonwand im Wald bei Brand

Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Brand stehen im Wald südöstlich der Halle von Tropical Islands die Reste einer sowjetischen Garnison. Als ich im Mai 2021 dort war, gab es noch ein Lenin-Mosaik, eine Soldatenplastik und mehrere Ruinen. Das Gelände darf nicht betreten werden, dieser Beitrag beschreibt deshalb keinen Weg dorthin.

Steckbrief

Ort

bei Brand, Landkreis Dahme-Spreewald

Lage

im Wald südöstlich der Tropical-Islands-Halle

Zustand

verlassen, Ruinen, Betreten verboten

Geschichte: vom Fliegerhorst zur Garnison

Der Flugplatz Brand entstand ab 1938 als Fliegerhorst der Luftwaffe. Nach 1945 übernahmen sowjetische Truppen den Platz und erweiterten ihn stark.

Zur Garnison gehörte eine eigene Wohn- und Versorgungssiedlung. Laut dem Fachbuch Rote Plätze hatte sie über 450 Wohnungen in mehrgeschossigen Bauten und eine Schule für die Kinder der Offiziere.

Bis 1989 war das 116. Garde-Jagdbomberregiment in Brand stationiert, danach das 911. Jagdbomberregiment mit MiG-27. Im Sommer 1992 verließ es den Platz.

Nach dem Abzug

In den 1990er Jahren wurde der Flugplatz entkernt und für eine Nachnutzung vorbereitet. Ab 1998 kaufte die CargoLifter AG Flächen für den Bau von Luftschiffen, 2000 wurde die große Halle eingeweiht. Nach der Insolvenz übernahm ein malaysischer Investor die Halle, seit Dezember 2004 steht dort Tropical Islands. Die Garnison im Wald war an dieser Nachnutzung nicht beteiligt und ist kein Ausflugsziel.

Der Spitzname

Im Netz heißt der Ort manchmal „Little Prypjat“. Das ist kein amtlicher Name und hat mit dem Reaktorunglück von Tschernobyl nichts zu tun.

Lenin und der Soldat

Im Mai 2021 stand mitten im Wald eine freistehende Betonwand mit einem Lenin-Porträt im Profil. Das Bild besteht aus gelb-orangen und rotbraunen Keramikscherben, dahinter ragte ein Backsteinschornstein aus den Bäumen.

Auch die Soldatenplastik gab es damals noch: ein Reliefkopf mit Helm an einer Stele aus Kieselbeton.

Was im Wald steht

Zwischen den Bäumen standen mehrgeschossige Backsteinruinen, einzelne Schornsteine ragten aus dem Wald. Wie viel hier einmal gebaut war, zeigen die Luftbilder der Landesvermessung Brandenburg: Auf den Luftbildern vom 9. Mai 2021 und vom 12. Mai 2024 stehen im Wald mehrere Blockbauten, im umgebenden Wald zeichnen sich die Fundamente abgetragener Gebäude ab.

Im Wald lag ein Becken mit grünem Wasser, die Betonwände waren besprüht. Ich vermute, dass es früher ein Schwimmbecken war.

Dazu gab es erdüberdeckte Bauten mit Torbogen und Gewölbe. Ob sie zu den geschlossenen Flugzeugunterständen gehören, die nach Rote Plätze ab 1969/70 gebaut wurden, lässt sich von außen nicht sagen.

Viele Wände sind besprüht. Zu sehen waren unter anderem ein Bär mit zwei Bogenschützen und eine Figur im Schutzanzug mit Sprühdose. Sie stammt von Ken Plotbot.

Dazu kamen ein Vegvisir und ein Kopf mit Pilotenhelm und Atemmaske.

Neben den Figuren gab es kleinere Motive wie einen Fisch neben einem Angry-Birds-Vogel und großflächige Schriftbilder an Innenwänden.

Grober Ausschnitt der Gegend um Brand. Der Ort selbst ist bewusst nicht markiert.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Gut zu wissen

Die verlassenen Militär- und Kasernenbauten dürfen nicht betreten werden. Eine öffentliche Besichtigung ist nicht freigegeben, die verfallenen Bauten sind ein Risiko. Alle Beobachtungen stammen vom Mai 2021, wie es dort heute aussieht, weiß ich nicht.

Weitere Eindrücke

Blick in einen Bogenbau mit Wellblechgewölbe auf dem Gelände des früheren Flugplatzes Brand
Stirnseite eines Gewölbebaus mit gelben Toren und einer Pilotenfigur als Wandbild am ehemaligen Flugplatz Brand
Blick durch eine Gewölbehalle mit Trümmern auf dem Boden am ehemaligen Flugplatz Brand
Blaues Pixel-Wandbild auf einer Backsteinwand am ehemaligen Flugplatz Brand
Wandbild einer springenden Figur an einer Backsteinruine am ehemaligen Flugplatz Brand
Buntes Graffiti mit Skelett auf einer Betonwand am ehemaligen Flugplatz Brand
Verfallenes zweigeschossiges Gebäude mit der Hausnummer 78 und zugewachsenem Eingang am ehemaligen Flugplatz Brand

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich