Im Wald bei Vogelsang (Oberhavel) liegt das Gelände einer früheren sowjetischen Garnison. Die militärische Nutzung begann nach Angaben der Stadt Zehdenick 1949, die letzten Einheiten verließen den Standort im März 1994. Seit 2003 wird das Gelände zurückgebaut, ein großer Teil der Gebäude ist inzwischen abgerissen.
Die Fotos zeigen den Zustand zur Zeit der Wanderung. Seither wurde weiter zurückgebaut, wie es heute dort aussieht, ist offen.
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Rundgang


Betonbauten wie dieser stehen verstreut im Wald. Welche Funktion der einzelne Bau hatte, ist nicht belegt, die Quellenlage steht im Abschnitt Operation Atom 1959.

Die schwarze Figur gehört zu TOBO, einem Berliner Streetart-Künstler. Zu ihm und seiner Figur steht mehr im Abschnitt TOBO und sein Bär.

Ein Lenin-Relief der Garnison wurde 2017 geborgen und steht seitdem nicht mehr hier. Dieses Relief mit kyrillischer Schrift stand zur Zeit der Wanderung noch an seinem Platz.

Welche Funktion dieser Flachbau hatte, ist nicht belegt. Für die Garnison insgesamt sind unter anderem Schule, Offizierskasino, Kino- und Theatersaal und Sporthalle belegt, etwa im Bericht des Landkreises Oberhavel; einzelnen Gebäuden lassen sie sich nicht zuordnen.

In der Garnison lebten Tausende Soldaten und Familienangehörige. Eine feste Zahl nennt die Stadt Zehdenick bewusst nicht, weil die Belegung schwankte.

Im Sommer 1989 zog die 25. Panzerdivision ab, im März 1994 verließen die letzten Einheiten den Standort, so der Landkreis Oberhavel. Seit 2003 läuft der Rückbau.

Die Tierfiguren in dieser Halle lassen sich keiner Künstlerin und keinem Künstler zuordnen.

Das Backsteinhaus gehörte zu den Gebäuden, die zur Zeit der Wanderung noch standen. Ob es heute noch steht, ist nicht bekannt.

Der Rückbau läuft seit 2003, die Brandenburgische Boden Gesellschaft ist daran beteiligt. Auf diesem Sandweg lagen zur Zeit der Wanderung Schutthaufen.
Mehr vom Gelände
Bunker und Wald
Neben den großen Gebäuden stehen kleinere Betonbauten, Tore und Reste von Technik im Wald. Was die Quellen zu Bunkern rund um Vogelsang belegen, steht im Abschnitt Operation Atom 1959.







Auch diese Betonwand im Wald trägt eine Figur von TOBO, dazu den Spruch gegen Nutzungsbedingungen, der zu seinen Motiven mit Sprechblasen passt.
Gebäude und Höfe
Zur Zeit der Wanderung standen noch zahlreiche Gebäude mit Außentreppen und Innenhöfen. Die belegten Zahlen zum Bestand stehen im Abschnitt Rückbau seit 2003.






Wandbilder
Graffiti und Wandbilder verschiedener Hände bedecken viele Wände, darunter die Figuren von TOBO mit ihren Sprechblasen.










Die Wandmalerei mit dem roten Halbkreis hat keine belegte Entstehungszeit und keinen bekannten Urheber.
Hinweis: Wandbilder werden übermalt oder verschwinden mit dem Haus. Kann sein, dass die Wand heute anders aussieht.
Räume, Flure und Treppenhaus
Für keinen dieser Räume lässt sich belegen, zu welchem Gebäude er gehörte und wofür er genutzt wurde.













Hintergrund
Steckbrief
Ort
Ortsteil Vogelsang der Stadt Zehdenick (Oberhavel), im Wald
Nutzung
Sowjetische Garnison, militärische Nutzung ab 1949 bis März 1994
Bauzeit
Garnisonsbauten ab 1952
Zustand
Seit 2003 im Rückbau, 2025 rund 90 Prozent der Gebäude abgerissen
Bahnanschluss
RB 12 bis Vogelsang (Oberhavel), Bedarfshalt
Geschichte: von 1949 bis zum Abzug
Die Stadt Zehdenick datiert den Beginn der militärischen Nutzung auf Mai 1949: Ein sowjetischer Befehl verlangte, im Forst Tangersdorf 3.200 Hektar für einen Schießplatz freizumachen. Die Garnisonsbauten entstanden nach ihren Angaben ab 1952.
Die beiden Abzugsdaten bezeichnen Verschiedenes: Im Sommer 1989 endete die Stationierung der 25. Panzerdivision, im März 1994 verließen die letzten sowjetischen beziehungsweise russischen Einheiten den gesamten Standort. Der Landkreis Oberhavel nennt beide Daten nebeneinander.
Operation Atom 1959
Für wenige Monate des Jahres 1959 war Vogelsang Teil der sowjetischen Raketenstationierung in der DDR, die unter dem Namen Operation Atom bekannt ist. Die Historiker Matthias Uhl und Vladimir Ivkin beschreiben sie in einem Aufsatz im Bulletin des Cold War International History Project.
Danach waren in Vogelsang die 638. Raketenabteilung und die 432. mobile raketentechnische Basis stationiert, in Fürstenberg zwei andere Einheiten. Für beide Standorte zusammen nennt der Aufsatz vier Startgeräte und zwölf Raketen vom Typ R-5M, nicht zwölf Raketen für Vogelsang allein.
Die nuklearen Gefechtsköpfe gelangten laut Aufsatz Mitte April 1959 in die DDR und wurden zu Bunkern in der Gegend um Vogelsang und Fürstenberg gebracht. Im August 1959 wurden die Raketen zurückverlegt, die Garnison blieb bis 1994 belegt.
Welche der heute sichtbaren Betonbauten zu dieser Anlage gehörten, ist strittig. Die Positionen stehen im Kasten Offen und strittig.
Rückbau seit 2003
Die Stadt Zehdenick beschreibt ein seit 2003 laufendes Ausgleichs- und Renaturierungsprojekt, an dem die Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG) und die Naturschutzbehörden beteiligt sind.
Im November 2022 berichtete der Deutschlandfunk Kultur von einer Entsiegelung im Auftrag des Landes und zählte noch 27 erhaltene Gebäude. Im August 2025 schrieb die Märkische Oderzeitung, nach rund zwei Jahrzehnten seien 90 Prozent der Gebäude abgerissen und der Rückbau gehe dem Abschluss entgegen.
Das Lenin-Relief
Das Lenin-Relief, das an einem Wandensemble der Garnison befestigt war, wurde 2017 geborgen und nach Wünsdorf gebracht. Das Dokumentationsprojekt Lenin is still around nennt als Transportdatum den 20. Mai 2017 und als damaligen Aufstellort den Platz vor dem Museum Roter Stern, die Berliner Zeitung bestätigt Bergung und Wünsdorf. Wer das Relief geschaffen hat sowie wann und wo es heute steht, ist offen.
TOBO und sein Bär
Der Berliner Streetart-Künstler TOBO hat nach Angaben der Berliner Zeitung viele Arbeiten in der Garnison Vogelsang hinterlassen. Seine wiederkehrende Figur nennt er Erik Rotheim, nach einem Erfinder der Sprühdose, und beschreibt sie als Bär mit langer Schnauze, als sein Spirit Animal, nicht als Hund.
Als Beginn der Figur nennt der Künstler etwa das Jahr 2012 an einem verlassenen Gebäude in Kleinmachnow, das ist seine eigene Angabe. Die Streetart-Dokumentation Vagabundler führt die Figur unter dem Namen TOBO und Erik Rotheim an der Rosenthaler Spray Wall in Berlin-Französisch Buchholz.
Offen und strittig
- Funktion der Betonbauten: Die BBC beschrieb 2012 eine Betonplattform mit Metallverankerung als Startort für R-5M-Raketen sowie verdeckte Bunker. Der Lokalhistoriker Mario Hoffmann bezweifelt im Deutschlandfunk Kultur (2022), dass die zwei Bogendeckungen dauerhaft Atomsprengköpfe lagerten, und hält einen vorbereitenden Einsatz für denkbar, das ist seine Hypothese. Eine Lage auf heutigen Karten ist nicht belegt.
- Belegung: Die Angaben reichen von etwa 10.000 bis 15.000 Menschen, ohne Stichtag, etwa bei der Berliner Zeitung und der BBC. Belegt ist nur, dass Tausende Soldaten und Familienangehörige dort lebten.
- Bauzeit: Der Baubeginn ab 1952 ist belegt. Abweichende Angaben (1951 oder 1953 bis 1957) sind nicht eigenständig bestätigt.
- Räume: Für Saal, Flur und Treppenhaus auf den Fotos sind weder eine frühere Funktion noch eine Gebäudenummer belegt.
- Lenin-Relief: Urheber*in, Entstehungsjahr, Maße und heutiger Standort sind offen.
- Eigentum und Zugang: Wem das Gelände heute gehört und welche Zugangsregeln gelten, ist nicht geklärt.
- TOBO: Wer hinter dem Künstlernamen steht und wann die einzelnen Bilder entstanden, ist offen.
Gut zu wissen
- Der Rückbau dauert an, der Zustand ändert sich. Die Fotos zeigen den Stand zur Zeit der Wanderung.
- Der Deutschlandfunk Kultur gab 2022 die Warnung wieder, beschädigte Gebäude nicht zu betreten, die Märkische Oderzeitung warnte 2024 ausdrücklich vor dem Betreten der Kasernen.
- Vogelsang ist ein Bedarfshalt der RB 12, der Zug hält nur auf Verlangen. Die Verbindung steht in der VBB-Fahrinfo.
Am Weg
Liegt an der Tour Von Vogelsang nach Zehdenick: Garnison, Tonstiche und Ziegeleipark.
