Unterwegs zu Fuß

High-Deck-Siedlung in Neukölln

Hochdeck der High-Deck-Siedlung in Neukölln: mehrgeschossige Wohnzeilen mit Balkonen und farbigen Fassadenteilen beiderseits eines erhöhten Fußwegs, Rampen an den Seiten

Eines der High-Decks der High-Deck-Siedlung in Neukölln, 1975 bis 1984 gebaut.

Die High-Deck-Siedlung liegt in Neukölln am südlichen Ende der Sonnenallee, nahe dem früheren Grenzübergang Sonnenallee. Gebaut wurde sie von 1975 bis 1984, heute ist sie als Gesamtanlage eingetragen. Die erhöhten Wege heißen High-Decks, über sie erreichen die Bewohner*innen ihre Wohnungen.

Geschichte

Den städtebaulichen Wettbewerb entschieden 1970 die Architekten Rainer Oefelein und Bernhard Freund für sich. Auftraggeber war das landeseigene Wohnungsunternehmen Stadt und Land. Vorgesehen waren terrassierte Häuser, doch die Terrassierung entfiel, nur das oberste Geschoss springt zurück.

Baubeginn war 1975, die ersten Wohnungen waren 1976 bezugsfertig, 1984 war die Siedlung fertig. Je nach Quelle entstanden rund 2.400 oder 2.500 Wohnungen. In den 1970er Jahren waren sie wegen der großzügigen Grundrisse und der grünen Lage beliebt. Im Film des Landesdenkmalamts erzählen Mieter*innen der ersten Stunde, wie sie in eine damals sehr gefragte Wohnung nahe dem Grenzübergang Sonnenallee zogen.

Wohnen über dem Autoverkehr

Fußgänger*innen und Autos sind in der Siedlung auf zwei Ebenen getrennt. Unten laufen Fahr- und Parkverkehr, die Wohnungen werden über aufgeständerte High-Decks erschlossen. Die Bebauung ist niedrig, aber dicht, anders als in den höheren und lockerer gebauten Großwohnsiedlungen der Zeit. Unter dem Netz der High-Decks liegen mehr als 1.000 Parkplätze und Garagen, die Häuser haben meist fünf bis sechs Geschosse.

Die Wohnhäuser stehen in parallelen Nord-Süd-Zeilen. Auf der einen Seite liegen die High-Decks, auf der anderen Gartenbereiche, kürzere Ost-West-Zeilen machen daraus Höfe. Die geplante Begrünung der Decks wurde nur teilweise umgesetzt. Eine einseitig verglaste Zeile überspannt die Sonnenallee, dazu kommt ein Ladenzentrum um einen quadratischen Platz.

Die Wohnungsgesellschaft HOWOGE, der ein Teil der Siedlung gehört, zählt zehn High-Decks, fünf nördlich und fünf südlich der Sonnenallee. Brücken und Rampen verbinden sie miteinander. Ursprünglich sollten die Decks autofreie Wege zur Bushaltestelle oder zum Einkaufen sein, dazu Treffpunkte und Spielflächen.

Wer sie gebaut hat

Rainer Oefelein, Bernhard Freund und Horst Grünberg haben die Siedlung entworfen. Bauherren waren die Stadt und Land Wohnbauten GmbH und die Arbeitnehmer-Wohnungsbaugesellschaft. Die Fassaden bestehen aus sichtbaren Betonfertigteilen mit kräftig farbigen Fenstern, Rücksprünge schaffen Loggien und Terrassen. An den Wegen stehen Kugelleuchten, wie sie für die Zeit typisch sind.

Die Siedlung heute

Mehrere Wohnungsunternehmen sind vor Ort vertreten, darunter HOWOGE, Stadt und Land und die Genossenschaft EVM Berlin. Seit 1999 begleitet ein Quartiersmanagement das Gebiet Sonnenallee und High-Deck-Siedlung, in dem rund 8.300 Menschen in etwa 3.600 Wohnungen leben.

Die zwei Ebenen und die gleichförmigen Zeilen machen die Orientierung schwierig. Deshalb gibt es seit Juli 2024 ein Leitsystem: Vier Eingänge haben Übersichtstafeln, an mehr als 150 Stellen weisen Schilder auf Brücken und Aufgängen den Weg. Die High-Decks und Querwege tragen Namen, die sich an den Straßen darunter orientieren, etwa „Fritzis Deck“. Das Designbüro brueder creative cooperative hat das System nach den Wünschen der Bewohner*innen entworfen. Der zunächst kräftig farbige Entwurf musste nach der Unterschutzstellung angepasst werden.

In der Heinrich-Schlusnus-Straße 8 bis 12 zeigt eine Fassade rund 150 Vogelmotive, die 2009 mit dem Künstler Halim Bensaid entstanden. Das Haus heißt Voliére. Überregional bekannt wurde die Siedlung außerdem als Drehort der Serie „4 Blocks“, wie das Landesdenkmalamt schreibt.

Seit 2020 Denkmal

Seit November 2020 steht die Siedlung in der Denkmalliste. Bauliche Maßnahmen, auch Sanierungen, müssen seitdem mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden.

Eingetragen ist die Siedlung als Gesamtanlage, einzelne Bereiche sind ausgenommen: die Voliére, die Maisonettewohnungen an der Fritzi-Massary-Straße und die Sonnenallee 317 bis 323. Für die Siedlung wurde ein Denkmalpflegeplan erarbeitet, der Genehmigungen für Instandhaltung und Instandsetzung beschleunigen soll. Das Landesdenkmalamt hat der Siedlung außerdem den Film „Gebaute Utopie“ gewidmet. Darin führt Landeskonservator Christoph Rauhut durch die Anlage, und Felix Oefelein, der Sohn des Architekten, erklärt das ursprüngliche Konzept der High-Decks (siehe auch Berliner Mieterverein).

Architekt*in

Rainer Oefelein, Bernhard Freund und Horst Grünberg

Ort

Fritzi-Massary-Straße, Michael-Bohnen-Ring und weitere Straßen beiderseits der Sonnenallee, Berlin-Neukölln

Gebaut

1975 bis 1984

Zustand

erhalten, Baudenkmal (Gesamtanlage)

Nächste Haltestelle

Peter-Anders-Straße (ca. 60 m), Michael-Bohnen-Ring (ca. 280 m), Sonnenallee/Baumschulenstraße (ca. 330 m)

HPeter-Anders-StraßeHMichael-Bohnen-RingHSonnenallee/Baumschulenstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch Neukölln vorbeigekommen: Neukölln.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich