Tour in Berlin-Lichtenberg · Alle Touren und Wege
Plattenbau ist nicht gleich Plattenbau. Das habe ich auf der Inforoute „Platte & Co“ in Berlin-Friedrichsfelde gemerkt: gut fünf Kilometer vom U-Bahnhof Friedrichsfelde zum U-Bahnhof Tierpark, auf denen Häuser aus fast hundert Jahren Wohnungsbau nebeneinanderstehen. Sie reichen vom Block der 1920er Jahre bis zur Großtafel der späten 1970er.
Ich bin die Route zweimal gelaufen, einmal in jede Richtung, und beschreibe sie hier von Friedrichsfelde zum Tierpark. Die Gegenrichtung gibt es ebenfalls auf Komoot. Auf engem Raum steht hier fast jeder Typ aus der DDR-Zeit. Wer vorher nur „Platte“ gesagt hat, sieht danach plötzlich Unterschiede. Ich bin kein Experte für Wohnungsbautypen oder Plattenbau, mich interessiert das Thema einfach, und ich mag die Plattenbauästhetik. Wer mehr wissen will, ist bei den verlinkten Quellen besser aufgehoben als bei mir. Die Nummern der Stationen gehören zu meiner Karte und stimmen nicht mit den Tafelnummern vor Ort überein.
Inhalt dieser Tour
- Steckbrief
- Darum lohnt sich die Tour
- Anreise
- Die Route
- Die Plattenbautypen im Überblick
- Das Viertel: Friedrichsfelde Süd
- 1. WBS 70 an der Franz-Mett-Straße
- 2. Q3A: Großblöcke an der Volkradstraße
- 3. Das Mittelganghaus an der Schwarzmeerstraße
- 4. WHH 17 an der Volkradstraße
- 5. QX an der Balatonstraße
- 6. P2/6 an der Balatonstraße
- 7. QP 64: Das Studentenwohnheim an der Sewanstraße
- 8. QP an der Mellenseestraße
- 9. P2/11 an der Sewanstraße
- 10. Die Splanemann-Siedlung
- 11. Dathepromenade und WHH GT 18
- 12. Die SK-Scheibe an der Erich-Kurz-Straße
- Ziel: U-Bahnhof Tierpark
- Alle Stationen im Überblick
- Am Wegesrand
- Gut zu wissen
- Fazit
Steckbrief
Strecke
5,1 km
Gehzeit
1:24 h
Schwierigkeit
leicht
Art
Streckentour, einfach
Start
U-Bahnhof Friedrichsfelde
Ziel
U-Bahnhof Tierpark
ÖPNV
U5 zum Start und ab dem Ziel
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Auf gut fünf Kilometern läufst du durch fast hundert Jahre Wohnungsbau, von der Splanemann-Siedlung der 1920er Jahre bis zur WBS 70 der späten 1970er.
- Plötzlich siehst du die Unterschiede: verputzter Block, Querwandbau, Großtafel, Skelettbau und Hochhaus stehen quasi Tür an Tür.
- Dazwischen warten Wandbilder, Kunst am Bau, ein Brunnen mit Fontane-Zitat und am Ende Mosaike im U-Bahnhof.
- Es ist flach, du startest und endest an der U5 und brauchst nichts außer bequemen Schuhen.
Anreise
Start und Ziel liegen an der U5. Zum U-Bahnhof Friedrichsfelde kommst du mit der U5 aus der Innenstadt, am U-Bahnhof Tierpark endet die Tour. Von dort fährst du mit der U5 zurück Richtung Alexanderplatz und Hauptbahnhof. Wer die Gegenrichtung laufen möchte, startet am U-Bahnhof Tierpark.
Die Route
Die Inforoute ist ein Rundgang des Bezirksamts Lichtenberg durch das Viertel. Sie wurde am 11. November 2015 eröffnet, Ausgangspunkt ist der Heinrich-Dathe-Platz gegenüber dem Tierpark. Tafeln mit historischen Bildern, Zitaten und Geschichten von Bewohner*innen erzählen die Geschichte von Friedrichsfelde Süd. Der Flyer des Bezirks führt 15 Stationen auf, die Projektseite spricht von 18 Tafeln. Ich bin in der Reihenfolge meiner Strecke gelaufen und habe benachbarte Häuser zusammengefasst, deshalb sind es bei mir zwölf Stationen.
Die Plattenbautypen im Überblick
Bevor es losgeht, lohnt ein Blick auf die Typen, denen du unterwegs begegnest. Block-, Streifen- und Plattenbauweise wurden in der DDR fast zeitgleich eingeführt, deshalb sind sie auf der Route nicht in einer sauberen Reihenfolge zu sehen. Praktisch zum Einordnen ist die Laststufe, also das schwerste Teil, das der Kran heben muss. Je mehr ein Haus aus großen Plattenbauteilen besteht, desto höher die Laststufe.
| Typ | Bauzeit | Geschosse | Laststufe | Merkmal | Auf der Route |
|---|---|---|---|---|---|
| Q3A | 1956 bis 1970 | 4, ab 1968 auch 5 | 0,75 t | Außenwände aus Leichtbeton, beidseitig geputzt; Ofen- oder Zentralheizung | Station 2 |
| QX | 1961 bis 1965 | 4 und 5 | 2,0 t | Querwandkonstruktion | Station 5 |
| QP 64 | 1964 bis 1970 | 8 und 10 | 5,0 t | Keramikverkleidung mit geschlossener Fuge | Station 7 |
| P2 | 1966 bis 1990 | 5, 10 und 11 | 5,0 t | Innenküche, Loggia, Fernwärme | Stationen 6 und 9 |
| WBS 70 | 1972 bis 1990 | 5, 6 und 11 | 6,3 t | Raster 6 mal 6 Meter | Station 1 |
| WHH GT 18/21 | 1970 bis 1984 | 18 und 21 | nicht angegeben | Wohnhochhaus in Großtafelbauweise | Station 11 |
Eine verständliche Einführung in einige dieser Typen gibt es bei degewo (WBS 70, WHH GT 18/21 und P2) und bei Zeitklicks. Q3A, QX und QP findest du in den Datenblättern aus der Tabelle.
Zeitraffer
Wohnungsbau in Friedrichsfelde
- 1926 bis 1930Splanemann-SiedlungDie ersten Plattenbauten
- 1955Der Tierpark eröffnet
- 1961 bis 1966Hans-Loch-ViertelGilt als erste Neubau-Großsiedlung Ost-Berlins
- 1964QX an der BalatonstraßeViergeschosser
- 1965MittelganghausSchwarzmeerstraße
- 1968WHH 17Volkradstraße
- 1973U-Bahn bis TierparkDer erste U-Bahn-Neubau der DDR
- 1974P 2/11Sewanstraße
- 1977 bis 1979WBS 70Franz-Mett-Straße
- 1979P 2/6Balatonstraße
Das Viertel: Friedrichsfelde Süd
Das Hans-Loch-Viertel wuchs von 1961 bis 1966 auf etwa 80 Hektar. Geplant waren rund 5.000 Wohnungen für etwa 15.300 Menschen. Mittendrin stehen drei Elfgeschosser, drumherum ziehen sich überwiegend viergeschossige Zeilen vom Typ QX, ab 1965 kamen im Süden Achtgeschosser dazu. Laut MieterEcho mussten für das Neubaugebiet Kleingartenkolonien weichen, in denen viele Familien ohne Wasser und Strom lebten und auf eine Neubauwohnung hofften. Das Viertel galt als gemischt: Dort soll der Busfahrer neben dem Professor gewohnt haben.
Namensgeber war Hans Loch, ein DDR-Finanzminister. Die Sewanstraße hieß von 1961 bis 1992 Hans-Loch-Straße, vorher Triftweg. Den Tierpark gibt es schon seit 1955, die U-Bahn fährt seit dem 25. Juni 1973 bis dorthin. Nur wenige Monate später, am 2. Oktober 1973, beschloss die SED ein Wohnungsbauprogramm, das die Wohnungsfrage bis 1990 lösen sollte. Aus dieser Zeit stammen die jüngeren Bauten am Ende der Route.
1. WBS 70 an der Franz-Mett-Straße
Ich starte am U-Bahnhof Friedrichsfelde. Gleich in der Nähe, zwischen Alfred-Kowalke-Straße, Franz-Mett-Straße und Am Tierpark, stehen die Häuser der WBS 70, gebaut von 1977 bis 1979. Die Wohnungsbauserie 70 wurde von 1972 bis 1990 gebaut und arbeitet mit einem Raster von sechs mal sechs Metern. Die schwersten Bauteile wiegen 6,3 Tonnen, so viel hebt auf der Route kein anderer Typ. Laut Flyer gehören die Häuser der Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts.
2. Q3A: Großblöcke an der Volkradstraße
An der Volkradstraße 1A bis 1E steht ein Q3A, der älteste Haustyp der Route. Die Außenwände sind aus Leichtbeton und beidseitig verputzt. Im Beton steckt laut Flyer Ziegelsplitt aus Kriegstrümmern, die Stadt hat hier also buchstäblich aus ihren Ruinen gebaut. Beheizt wurden die Häuser überwiegend mit Öfen, es gab aber auch Zentralheizung. Die Serie lief nach BBR von 1956 bis 1970.
3. Das Mittelganghaus an der Schwarzmeerstraße
Das Mittelganghaus an der Schwarzmeerstraße 23 bis 25 und der Rhinstraße fällt schon von Weitem durch seine Aufzugstürme auf. Es entstand 1965 nach einem Wettbewerb von 1963, laut Flyer in Großplattenbauweise, hergestellt in Fließfertigung auf einer Taktstraße, also fast wie am Fließband. Die Wohnungen erreichst du über einen Gang in der Mitte des Hauses. Die Türme sind mit kleinen Fliesen in gedeckten Farben verkleidet, das sieht man erst aus der Nähe. Wie viele Geschosse das Haus hat, wird unterschiedlich angegeben, deshalb nenne ich keine Zahl.




4. WHH 17 an der Volkradstraße
Das Hochhaus Volkradstraße 8 ist ein WHH 17 und trägt den Namen „Dresden“. Es wurde 1968 gebaut und hat laut Flyer 17 Stockwerke, davon 16 mit Wohnungen. Am Eingang soll laut Flyer ein farbiges Keramikmosaik zu sehen sein. Mir fallen vor allem die beigen Balkonbänder und die blaugrau gefliesten Schmalseiten auf. An der Volkradstraße stand bis etwa 2002 außerdem die „Passage“, das Gemeinschaftszentrum des Viertels mit Läden, Dienstleistungen, Grundschule und Bibliothek. Sie wurde um 2002 und 2003 abgerissen.



5. QX an der Balatonstraße
Die Häuser an der Balatonstraße von 1964 gehören zu den frühen Bauten des Viertels. Der Flyer führt hier zwei Stationen auf: Die Hausnummern 22 bis 30 und 32 bis 40 tragen den Titel „Eine Hausgemeinschaft“ (Typ QX, Genossenschaft WBG DPF), die Nummern 33 bis 57 und die Moldaustraße 14 bis 30 gehören zu PRIMA. Der Typ QX wurde von 1961 bis 1965 gebaut, die schwersten Teile wiegen nur 2,0 Tonnen, deutlich weniger als bei den späteren Typen. Die Balatonstraße heißt übrigens erst seit dem 9. Juli 1965 so, vorher hieß sie schlicht Neubaustraße 1.

6. P2/6 an der Balatonstraße
Die Häuser Balatonstraße 54 bis 68 auf der geraden Seite sind P2-Bauten mit sechs Geschossen und stammen von 1979. Der Typ P2 wurde von 1966 bis 1990 gebaut, in fünf, zehn und elf Geschossen. Typisch sind die Innenküche und die Loggia, die Wärme kam aus dem Fernwärmenetz. Mit fünf Tonnen Laststufe ist der P2 deutlich schwerer als der QX.
7. QP 64: Das Studentenwohnheim an der Sewanstraße
Das Haus Sewanstraße 209 bis 219 führt der Flyer als QP 64 und als Studentenwohnheim des Studentenwerks. Der Typ wurde nach BBR von 1964 bis 1970 gebaut, mit acht oder zehn Geschossen. Die Fassade ist mit Keramikplatten verkleidet. Laut Flyer ist das Haus von Anfang an ein Wohnheim.
8. QP an der Mellenseestraße
Die Mellenseestraße 5 ist laut Flyer ein QP, gebaut für die Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg. Der Flyer betont, hier seien erstmals in der DDR raumgroße Elemente verbaut worden.
9. P2/11 an der Sewanstraße
Die Sewanstraße 241 bis 255 ist ein P2/11, der Flyer nennt das Baujahr 1974. Es ist die elfgeschossige Variante mit zwei Aufgängen pro Haus. Die Wohnungsgenossenschaft Vorwärts beschreibt in ihrer Mitgliederzeitung, dass im vierten, siebten und zehnten Stockwerk Wohnungen zusammengefasst sind und ein Verteilergang den Aufzug anschließt.
10. Die Splanemann-Siedlung
Die Splanemann-Siedlung ist der älteste Teil der Route. Sie entstand von 1926 bis 1930 auf Initiative von Stadtbaurat Martin Wagner. Die Architekten Primke und Goettel passten seinen Entwurf an, der zunächst für Ziegelbau gedacht war. Gebaut wurde sie für Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene, die Straße hieß deshalb zunächst Kriegerheimstraße. Seit dem 31. Mai 1951 trägt sie den Namen von Herbert Splanemann, einem Werkzeugmacher aus dem kommunistischen Widerstand, der 1945 in Brandenburg hingerichtet wurde. Mehr dazu findest du auf der Seite zur Splanemann-Siedlung.
Das Besondere ist, wie sie gebaut wurde. Nach dem niederländischen Verfahren Bron wurden Betonplatten von meist 7,5 mal 3 Metern und bis zu sieben Tonnen direkt auf der Baustelle gegossen. Ein Portalkran mit 20 Metern Spannweite setzte sie wie riesige Bausteine an ihren Platz. Wirtschaftlich war das Verfahren kein Erfolg, weil die Platten zu schwer und der Kran zu unbeweglich waren. Als Vorbild gilt das Betondorp in Amsterdam. Die Hintergründe stammen vor allem aus der Berlinischen Monatsschrift.

Ursprünglich gab es 138 Wohnungen. Ein Block mit 20 Wohnungen wurde im Krieg zerstört, übrig blieben 118 Wohnungen in 27 Häusern, mit Kachelöfen und Mietergärten. Die Siedlung steht seit 1981 unter Denkmalschutz und wurde denkmalgerecht saniert. Wer von den großen Plattenbauten kommt, spürt den Unterschied sofort: Hier stehen niedrige Häuser mit steilen Giebeln, mal grau, mal rot gestrichen. Über die Gleichförmigkeit sollen sich schon die ersten Bewohner*innen beschwert haben, wie Stadtkönigin schreibt, ein Vorwurf, den später auch die Plattenbauten zu hören bekamen.






11. Dathepromenade und WHH GT 18
Die Dathepromenade führt vom Heinrich-Dathe-Platz ins Viertel und heißt seit dem 7. November 2005 so. Im selben Jahr begann der Stadtumbau, der erneuerte Platz wurde am 16. Juli 2008 eingeweiht. In der Mitte steht der Fontanebrunnen, dazu kommen Meilensteine aus Klinker. An den Laternen entlang der Promenade hängen 27 Vogelschilder, die Karin Rosenberg unter dem Titel „Zugunruhe“ angebracht hat. Mehr dazu findest du auf der Seite zum Fontanebrunnen am Heinrich-Dathe-Platz.
Das Hochhaus Dathepromenade 3 ist ein WHH GT 18, gebaut 1976, laut Flyer in Großtafelbauweise gebaut und im Besitz der Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts. In Berlin wurde der Typ von 1970 bis 1984 mit 18 und 21 Geschossen gebaut. Die Tafel hier geht außerdem auf die Gesellschaftsbauten des Viertels ein, also öffentliche Einrichtungen, die das Wohnen ergänzen.



12. Die SK-Scheibe an der Erich-Kurz-Straße
Die Scheibe an der Erich-Kurz-Straße 9 bis 11 ist ein SK, ein Skelettbau, gebaut 1980, laut Flyer im Besitz der HOWOGE. Beim Skelettbau trägt ein Gerüst aus Stahlbeton das Haus, die Fassadenplatten sind nur davor eingehängt. Der Flyer nennt zwölf Wohngeschosse plus ein Gewerbegeschoss, der Tagesspiegel schreibt von 14 Geschossen. Hier lebte von 1979 bis 1993 der Dramatiker Heiner Müller, im 14. Stockwerk, wie die Gedenktafel angibt. Der Aufzug fuhr laut Tagesspiegel nur bis zur 13. Etage, den Rest musste er zu Fuß gehen. An der Giebelseite hängt ein großes Wandbild von 1010, mehr dazu bei „Am Wegesrand“.
Ziel: U-Bahnhof Tierpark
Mein Weg endet am U-Bahnhof Tierpark. Die U-Bahn fährt seit dem 25. Juni 1973 bis hierher, es war der erste U-Bahn-Neubau der DDR. Im Bahnhof gibt es einiges zu entdecken. Das Wandmosaik „Tierwelt“ stammt von Dagmar Glaser-Lauermann und wurde 1973 zur Eröffnung fertig. Es ist gut acht Meter lang und besteht aus Steinzeug, Glas und Granit. In der Mitte sitzt eine Sonne mit Gesicht, drumherum wachsen Pflanzen und leben Tiere (Angaben nach Bildhauerei in Berlin). Die Terrakotta-Reliefs stammen von Ulrich Jörke. Er hatte die Fliesen laut einem Interview ursprünglich für den U-Bahnhof Friedrichsfelde gemacht, sie lagen lange unverbaut in Kisten und wurden später zum Teil im Verbindungstunnel zum Tierpark angebracht. Am Treppenaufgang sind außerdem Decke und Stützen mit Laub und Vögeln bemalt. Wer das gemalt hat, konnte ich nicht herausfinden. Der Tierpark gegenüber geht auf Heinrich Dathe zurück. Aufbauen wollte er ihn ursprünglich gar nicht, wie sein Sohn dem Berliner Kurier erzählt hat: Dathe hätte lieber die zerstörten Zoos in Leipzig und Halle wieder aufgebaut.




Alle Stationen im Überblick
| Nr. | Typ oder Name | Adresse | Baujahr |
|---|---|---|---|
| 1 | WBS 70 | Franz-Mett-Straße, Alfred-Kowalke-Straße | 1977 bis 1979 |
| 2 | Q3A | Volkradstraße 1A bis 1E | Typ 1956 bis 1970 |
| 3 | Mittelganghaus | Schwarzmeerstraße 23 bis 25 | 1965 |
| 4 | WHH 17 | Volkradstraße 8 | 1968 |
| 5 | QX | Balatonstraße 22 bis 57, Moldaustraße | 1964 |
| 6 | P2/6 | Balatonstraße 54 bis 68 | 1979 |
| 7 | QP 64, Studentenwohnheim | Sewanstraße 209 bis 219 | Typ 1964 bis 1970 |
| 8 | QP | Mellenseestraße 5 | Typ ab 1959 |
| 9 | P2/11 | Sewanstraße 241 bis 255 | 1974 |
| 10 | Splanemann-Siedlung | Splanemannstraße | 1926 bis 1930 |
| 11 | WHH GT 18 | Dathepromenade 3 | 1976 |
| 12 | SK-Scheibe | Erich-Kurz-Straße 9 bis 11 | 1980 |
| Ziel | U-Bahnhof Tierpark | Am Tierpark | 1973 |
Am Wegesrand
Neben den Wohnhäusern gibt es an der Route einige Dinge, die ich nicht verpassen wollte. Zu manchen schreibe ich später eigene kurze Beiträge unter „Besondere Orte“.
Das Keramikwandbild an der Schwimmhalle
An der Schwimmhalle Sewanstraße 229 hängt ein großes Wandbild aus glasierten Keramikfliesen mit dem Titel „Mensch und Natur“, auch „Freizeitgestaltung, Mensch und Natur“ genannt. Es stammt von Rolf Lindemann (Entwurf) und Lothar Scholz (Ausführung) und wurde 1978 geschaffen. Das Dach der Halle fällt auf: Die Kante schwingt wie eine Welle, und die Glasfront reicht bis zum Boden. Angaben zum Wandbild findest du bei Bildhauerei in Berlin. Mehr dazu findest du auf der Seite zum Keramikwandbild an der Schwimmhalle.




Tropfen und Ringe von 1010
Die Giebelwand der Scheibe an der Erich-Kurz-Straße 9 bis 11 trägt das Wandbild „Tropfen und Ringe“ des Künstlers 1010. Es wurde im Juli 2017 fertig und ist etwa 30 Meter hoch. Der Künstler grundierte die Wand zuerst ganz schwarz und hellte sie dann Schicht für Schicht mit Farbrollern auf, die Schatten kamen aus der Sprühpistole. Die Idee kam ihm an einem Regentag beim Blick auf Tropfen in Pfützen. Laut der Projektdokumentation dauerte das vom 3. bis 14. Juli 2017. Unten im Haus sitzt die Bibliothek.

Fontanebrunnen, Gedenkstein und Zugunruhe
Der Fontanebrunnen mit dem Zitat „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen“ stammt von Hans-Detlef Hennig und von 1982, also aus DDR-Zeiten. Er steht in der Mitte des Heinrich-Dathe-Platzes (Bildhauerei in Berlin). Das Bronzeband mit dem Zitat sitzt allerdings so hoch, dass man die Inschrift von unten kaum lesen kann. Nahe der KultSchule an der Sewanstraße erinnert seit dem 16. Februar 2011, ihrem 100. Geburtstag, ein Gedenkstein an die Schauspielerin Agnes Kraus, die über 20 Jahre in Friedrichsfelde gewohnt hat. Die Vogelschilder „Zugunruhe“ zeigen Zugvögel und Aussagen aus der Verhaltensforschung.
Mosaik und Reliefs im U-Bahnhof Tierpark
Zum Schluss lohnt sich ein Blick in den U-Bahnhof Tierpark. Dort hängt das Wandmosaik „Tierwelt“ von Dagmar Glaser-Lauermann von 1973, dazu kommen Terrakotta-Reliefs von Ulrich Jörke und die bemalten Treppenaufgänge. Mehr dazu und die Fotos findest du oben beim Ziel.
Gut zu wissen
- Du gehst fast nur auf Gehwegen und Wegen durch das Grün. Es ist flach, Ausrüstung brauchst du nicht.
- Wie lang die Inforoute offiziell ist, habe ich nirgends gefunden. Meine Strecke auf Komoot misst 5,1 km.
- Bei der Zahl der Tafeln sind sich die Quellen nicht einig: Der Flyer nennt 15 Stationen, die Projektseite 18 Tafeln.
- Zur Orientierung hilft der Flyer des Bezirks mit allen Stationen und Adressen. Auf der Projektseite steht, wie die Inforoute entstanden ist.
- Wenn du lieber vom Tierpark startest: Die Gegenrichtung gibt es ebenfalls auf Komoot.
Fazit
Die Inforoute ist keine klassische Wanderung, aber ein Stadtspaziergang mit Hintergrund. Man sieht auf kurzer Strecke, wie aus verputzten Blöcken die Großtafel wurde, und dass Plattenbau nicht gleich Plattenbau ist. Überraschend ist, wie unterschiedlich die Häuser wirken, wenn man genauer hinschaut: Fassaden, Eingänge, Balkone und Aufzugstürme unterscheiden sich von Station zu Station. Für mich zeigt die Route, dass in dem Wort „Platte“ mehr steckt als Einheitsgrau. Und ich mag sie einfach, diese Plattenbauästhetik mit ihren Fliesen, Balkonbändern und Farbtupfern.
Das Buch zum Thema
Plattenbau Berlin
Prestel
Plattenbau Berlin
Ein fotografischer Rundgang durch die Berliner Plattenbauten von etwa 1950 bis 1990, nach Stadtteilen geordnet und zweisprachig. Wer durch die Großsiedlungen läuft, sieht danach genauer hin.
