Das Lichtspieltheater der Jugend steht in der Heilbronner Straße am westlichen Rand der Innenstadt von Frankfurt (Oder), nicht weit vom Lennépark. Seit 1998 ist es geschlossen. Es soll zum Standort des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst werden.
Vom Gartensaal zum Kino
Die Geschichte des Hauses beginnt im Kaiserreich. Am 30. September 1919 eröffneten die Decla-Lichtspiele mit Stummfilm und Klavierbegleitung. Das Kino entstand durch den Umbau von Saal und Gartenlokal der Frankfurter Aktien-Brauerei. In den 1930er Jahren wurde das Haus technisch umgebaut und lief später als Ufa-Theater.
Wiederaufbau 1954 und 1955
1954 begann der Wiederaufbau, 1955 eröffnete das Haus als Lichtspieltheater der Jugend. Den Entwurf für den Eingangsbereich machten Wilhelm Flemming, Karl Irmler und Gerhard Oßwald. Die Straßenfassade mit klassizistischen Formen gilt als Wahrzeichen des Hauses, die Fachzeitschrift Bauwelt spricht von stalinistischem Klassizismus. Im Foyer gibt es Wände aus Travertin und Geländer aus Messing.
Zur Ostmoderne gehört das Haus nur bedingt. Das Land Brandenburg nennt es einen frühen Vertreter der DDR-Moderne, stilistisch steht es der Architektur der frühen 1950er Jahre näher.
Kunst am Eingang
Neben der Freitreppe stehen zwei Betonfiguren von Edmund Neutert, ein Stahlwerker und eine Frauenfigur, die als Trümmerfrau oder als Bäuerin bezeichnet wird. Beide sind 2,10 Meter hoch und stammen von 1955. An den Seitenflügeln zeigen zwei Wandbilder von Rudolf Grunemann Industrie und Landwirtschaft, jedes rund 3,60 mal 7 Meter groß. Das Haus steht mit Vorplatz und beiden Skulpturen unter Denkmalschutz.


Leerstand und Rückkauf
Neben Filmen gab es im Haus Konzerte, Kulturveranstaltungen und Jugendweihen. 1998 wurde der Betrieb eingestellt, nachdem in der Innenstadt ein größeres Kino eröffnet hatte. Danach wechselten die Eigentümer mehrmals. Pläne für ein Casino, eine Disco oder ein Theater scheiterten, die Eingänge wurden zugemauert und das Dach wurde beschädigt. Die Sicherungen, die die Stadt anordnete, setzten die Eigentümer nicht um.
Schüler*innen des Karl-Liebknecht-Gymnasiums vermaßen das Haus und bauten ein Modell im Maßstab 1:100. Im Dezember 2018 beschlossen die Stadtverordneten den Rückkauf, 2019 ging das Haus an die Stadt zurück.
Ein Museum für moderne Kunst
Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst bekommt hier einen Standort. Den Wettbewerb 2022 gewann das Berliner Büro BHBVT mit einem roten Erweiterungsbau, der den historischen Saal an drei Seiten umschließt. Die Bauarbeiten sollen 2027 beginnen, die Eröffnung ist für 2030 geplant.
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Steckbrief
Ort
Heilbronner Straße 18, Frankfurt (Oder)
Gebaut
Kino ab 1919, Wiederaufbau 1954 bis 1955, eröffnet 1955
Zustand
leerstehend, nur von außen zu sehen, denkmalgeschützt
Bahnanschluss
RE 1 bis Frankfurt (Oder), von dort zu Fuß
Am Weg
Liegt an der Tour Rundweg durch Frankfurt (Oder): Oderufer, Marienkirche und Ostmoderne.
