Tour im Oderbruch · Alle Touren und Wege
Wriezen war einmal Hafenstadt und Fischmarkt, obwohl die Oder längst woanders fließt. Diese Tour führt vom Bahnhof durch die Stadt zum alten Hafen, auf einem Bahndamm hinaus ins Bruch und über die Alte Oder nach Altranft und Bad Freienwalde. Knapp 22 Kilometer von Bahn zu Bahn, flach und ohne schwierige Stellen.
Ich bin die Strecke am 9. Februar 2025 gegangen, an einem Wintersonntag mit blauem Himmel und tief stehender Sonne. Die Bäume waren kahl, an den Gräben stand trockenes Schilf, und auf manchen Feldern zeigte sich schon das erste Grün.
Inhalt dieser Tour
- Steckbrief
- Darum lohnt sich die Tour
- Anreise
- Die Route
- Wriezen: Vom Bahnhof zum Markt
- Durch die Friedrichstraße zur Mauerstraße
- St. Laurentius und der jüdische Friedhof
- Am alten Hafen
- Auf dem Bahndamm ins Bruch
- Über die Felder zur Alten Oder
- Neugaul: Die Brücke über den alten Strom
- Am Graben entlang nach Altranft
- Altranft: Schule, Kirche und Schloss
- Am Landgraben nach Bad Freienwalde
- Am Wegesrand
- Gut zu wissen
- Fazit
Steckbrief
Strecke
21,7 km
Gehzeit
4:23 h
Schwierigkeit
mittel
Art
Streckentour, einfach
Start
Bahnhof Wriezen
Ziel
Bahnhof Bad Freienwalde (Oder)
ÖPNV
RB 60 zum Start und ab dem Ziel
Darum lohnt sich die Tour
- Wriezen zeigt auf den ersten vier Kilometern mehr, als man der kleinen Stadt zutraut: eine wiederaufgebaute Kirchenruine, einen der besterhaltenen jüdischen Friedhöfe Brandenburgs und zwei Kalköfen am alten Hafen.
- Gut zweieinhalb Kilometer läufst du schnurgerade auf einem alten Bahndamm, über den früher Züge zur Oder und weiter in die Neumark fuhren.
- Bei Neugaul stehst du über der Wriezener Alten Oder, die bis 1753 der Hauptstrom war.
- In Altranft liegen Dorfkirche, Schloss und Oderbruch Museum direkt am Weg. Danach geht es am Landgraben entlang bis zum Ziel.
- Start und Ziel sind Halte der RB 60, und in Altranft kannst du die Tour abkürzen. Du brauchst kein Auto.
Anreise
Start und Ziel liegen an der RB 60, die zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder) fährt, laut VBB täglich im Stundentakt. Aus Berlin nimmst du einen Regionalzug bis Eberswalde Hbf, zum Beispiel den RE 3, und steigst dort um. Wriezen ist der zweite Halt hinter Bad Freienwalde, dazwischen liegt nur Altranft. Auf dem Hinweg fährst du also schon einmal an deinem Ziel vorbei. Das Deutschlandticket gilt auf der ganzen Strecke. Verbindungen suchst du am besten in der Fahrinfo des VBB oder über die Reiseauskunft der Deutschen Bahn.
Zurück geht es vom Bahnhof Bad Freienwalde mit derselben Linie nach Eberswalde. Weil du beide Male an der RB 60 bist, lässt sich die Tour gut als Tagesausflug aus Berlin gehen.
Die Route
Die Tour hat drei Teile. Die ersten vier Kilometer gehören Wriezen, mit Markt, Friedhof und Hafen. Dann kommt das offene Bruch: ein Bahndamm, Felder, die Alte Oder und das kleine Neugaul. Ab Altranft läufst du am Landgraben entlang auf Bad Freienwalde zu.
Wriezen: Vom Bahnhof zum Markt
Ich starte am Bahnhof Wriezen. Das weiße Empfangsgebäude trägt seinen Namen in großen Buchstaben über dem Eingang, im Erdgeschoss sind einige Fenster verschlossen. Der Bahnhof war einmal ein Knoten. Von hier fuhren Züge nach Berlin, über die Oder in die Neumark und mit der Oderbruchbahn quer durchs Bruch. Geblieben ist die RB 60. Das erste Empfangsgebäude wurde im April 1945 teilweise zerstört, der heutige Bau stammt aus den frühen 1950er Jahren und steht mit weiteren Bahnanlagen unter Denkmalschutz.

Wenn du aus Berlin kommst, kennst du den Namen vielleicht vom Wriezener Bahnhof am heutigen Ostbahnhof. Dort fuhren früher die Züge der Wriezener Bahn ab. Seit 1998 fährt zwischen Tiefensee und Wriezen kein Zug mehr.
Vom Bahnhof ist es nur ein kurzes Stück zum Markt. Dort steht die Marienkirche, eine Hallenkirche aus Backstein. Im April 1945 brannte sie bis auf die Mauern aus, und laut Stadtchronik brannte am 18. April die ganze Stadt. Das erklärt auch, warum Wriezen trotz seiner langen Geschichte so wenige alte Häuser hat. Jahrzehntelang blieb die Kirche eine Ruine, nur ein Teil des Chors diente als Kapelle. Inzwischen hat sie wieder Dächer: Im April 2024 wurde sie nach dem Wiederaufbau neu eingeweiht und ist heute Kirche, Gemeindezentrum und Schulkirche.
Vor dem Chor steht ein Brunnen aus Findlingen und Bronzefiguren. Der Bildhauer Horst Engelhardt hat ihn Lebensbrunnen genannt, in Wriezen heißt er Teufelsbrunnen. Als er im August 1997 aufgestellt war, ließ die Stadt über ihn abstimmen. 980 Stimmen waren für den Brunnen, 481 dagegen, so steht es in der Stadtchronik. Er durfte bleiben.

Durch die Friedrichstraße zur Mauerstraße
Hinter dem Markt gehe ich durch die Friedrich-Fröbel-Straße. An einem Flachbau steht ein Schriftzug, wie er früher an vielen Kindergärten hing: „Kindertagesstätte Freundschaft“, rote Buchstaben auf gelbem Grund. Die Kita gibt es noch. 2002 hat sie ihren 30. Geburtstag gefeiert.

Über die Gartenstraße komme ich in die Friedrichstraße. Hier stehen Bürgerhäuser mit verzierten Fassaden, eines davon hellgrün mit weißen Fenstergewänden. Ein kurzer Abstecher führt in die Mauerstraße zu einem alten Backsteinbau: drei Geschosse, Holztore, davor Kopfsteinpflaster. Was er einmal war, konnte ich nicht klären.


St. Laurentius und der jüdische Friedhof
Von der Krausenstraße aus gehe ich stadtauswärts nach Nordwesten. An der Freienwalder Straße steht die katholische Kirche St. Laurentius, ein heller Putzbau mit hohem Turm und angebautem Pfarrhaus. Sie wurde 1913 geweiht, entworfen hat sie der Darmstädter Architekt Theodor Sohm. Eine katholische Gemeinde gab es in Wriezen seit 1846. Anfangs bestand sie vor allem aus Saisonarbeiter*innen aus Polen und Schlesien, wie der Förderkreis Alte Kirchen schreibt.

Ein paar hundert Meter weiter liegt am Ende einer Wohnstraße der jüdische Friedhof, umgeben von einer Mauer aus Feldsteinen. Seine Geschichte steht unten bei Am Wegesrand.
Am alten Hafen
Vom Friedhof geht es durch ein Wohngebiet und über die Gleise nach Osten. Nach gut dreieinhalb Kilometern stehe ich vor einem grauen Fabrikgebäude mit hohem Schornstein und Laderampe, daneben Hallen. Hier wurde am Wasser gearbeitet. 1902 bekam Wriezen einen Hafen mit 300 Meter langem Kai, an dem Kohle, Kalk, Getreide, Dünger und Baustoffe umgeschlagen wurden. 1969 war Schluss, ein Teil des Beckens wurde zugeschüttet.

Ein Stück weiter stehen eine Klinkervilla und ein kegelförmiger Ofen aus Backstein. Das sind die Reste der Kalkbrennerei, um die es unten bei Am Wegesrand geht. Auf der Alten Oder kannst du von hier bis nach Oderberg paddeln.
Ein Hafen so weit von der Oder wirkt erst einmal seltsam. Aber die Alte Oder war bis 1753 der Hauptstrom und blieb danach noch lange ein Wasserweg, und Wriezen war die Hauptstadt des Bruchs. Die Fischer der umliegenden Dörfer mussten ihren Fang auf den Wriezener Markt bringen. Eine eigene Zunft, die Hechtreißer, zerlegte die Hechte, salzte sie ein und verschickte sie tonnenweise nach Berlin. 1740 hatte sie laut Stadtchronik 47 Mitglieder. Fontane erzählt im Oderland-Band seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, in manchen Jahren habe man die Hechte bei Wriezen mit Händen greifen können.
Hinter dem Hafen komme ich durch den Altkietz. Ein Kietz war im Mittelalter eine Dienstsiedlung am Wasser. Ihre Bewohner*innen hatten kein Ackerland, dafür Fischereirechte. Der Wriezener Kietz wird 1343 zum ersten Mal erwähnt und blieb bis 1930 eine eigene Gemeinde. Als die Oder verlegt wurde, traf es die Fischer hier hart. 1755 klagten sie, die Fischerei sei ihnen abgeschnitten, sie seien nun „die elendsten Untertanen unter allen Bruchdörfern“. Das Zitat überliefert das Oderbruch Museum. Am Ortsende quere ich die Wriezener Alte Oder.
Auf dem Bahndamm ins Bruch
Gleich hinter der Brücke beginnt ein schmaler Asphaltweg, der schnurgerade nach Nordosten läuft. Er liegt auf einem niedrigen Damm, links und rechts sind nur Felder. Gut zweieinhalb Kilometer ändert sich daran nichts.
Die Gerade ist kein Zufall. Ich gehe auf der Trasse der Bahn, die von Wriezen über die Oder nach Jädickendorf fuhr, dem heutigen Godków. Was aus ihr und ihrer Brücke geworden ist, steht unten bei Am Wegesrand. Ausgeschildert ist der Weg als Abzweig des Oderbruchbahn-Radwegs, auch wenn die Oderbruchbahn selbst woanders fuhr. Du teilst ihn dir mit Radfahrer*innen.
Kurz vor dem Ende der Geraden schneidet die Trasse den alten Oderdeich. An der Schutzhütte dort zweigt der Radweg nach Altwriezen ab, ich bleibe auf dem Damm. An der Landstraße bei Altmädewitz, wo früher der Haltepunkt des Dorfes lag, verlasse ich die Bahn und biege nach Westen ab.
Über die Felder zur Alten Oder
Ein Plattenweg führt zurück in die Felder. An seinem Rand steht ein großer kahler Baum, ein Stück weiter liegt ein Kieferngehölz wie eine Insel im Acker.


Danach geht es an den wenigen Häusern von Ausbau am Damm vorbei. Dann stehe ich am Ufer der Wriezener Alten Oder und folge ihr ein kurzes Stück nach Norden, bis zur Straßenbrücke bei Neugaul.
Neugaul: Die Brücke über den alten Strom
Von der Brücke schaue ich auf ein ruhiges, breites Wasser zwischen flachen Ufern. Die Sonne steht tief und spiegelt sich darin. Bis 1753 floss die Oder von Güstebiese über Wriezen und Freienwalde in einem großen Bogen nach Norden. Dann bekam sie am Ostrand des Bruchs ein neues, gerades Bett. 1832 wurde der alte Lauf bei Güstebiese ganz abgeriegelt. Seitdem sammelt die Alte Oder nur noch das Wasser aus den Gräben, und ihr Spiegel liegt rund dreieinhalb Meter tiefer als der des Hauptstroms.
An dieser Brücke kreuzt sich die Tour mit meiner Wanderung von Altranft an den Oderdeich. Dort steht mehr darüber, wie der neue Oderlauf gebaut wurde.
Neugaul selbst besteht aus wenigen Häusern. Hinter dem „Neu“ im Namen steckt hier keine Kolonistengründung, sondern ein Brand. Das alte Dorf Gaul brannte 1797 zweimal ab und wurde zwei Kilometer entfernt neu aufgebaut. Was vom alten Ort blieb, hieß von da an Altgaul. An einem der Höfe fällt mir eine weiß getünchte Wand auf, mit kleinen, türkis gerahmten Fenstern und trockenen Ranken.

Am Graben entlang nach Altranft
Hinter Neugaul verlasse ich die Straße und gehe auf einem Weg durch die Felder nach Nordwesten. Am Rand steht trockenes Schilf, dahinter ist die Saat schon grün.

Dann begleitet mich ein Graben mit kahlen Bäumen und einer alten Kopfweide. Er führt Richtung Altranft und heißt dort Freienwalder Landgraben. Der fließt weiter nach Bad Freienwalde und mündet erst hinter der Stadt in die Alte Oder. Ich werde ihm bis zum Ziel immer wieder begegnen.


Kurz darauf quere ich die Bundesstraße 167, die als Umgehung östlich an Altranft vorbeiführt, und komme von Süden in den Ort. Erst geht es durch eine Siedlung, dann parallel zur Bahn bis in die Von-Hacke-Straße.
Altranft: Schule, Kirche und Schloss
Der Straßenname erinnert an die Grafen von Hacke, denen das Gut Altranft von 1820 bis 1916 gehörte. An der Straße steht ein heller Putzbau mit rotem Walmdach und Rautenmustern zwischen den Fenstern, auf dem First eine Sirene. Das ist die Neue Schule von 1926. Bei ihrer Eröffnung galt sie laut Oderbruch Museum als schönstes und modernstes Schulgebäude im Kreis Oberbarnim. Unterrichtet wurde hier bis 1999. Ein Stück weiter, an der Alten Heerstraße, steht ein niedriges Fachwerkhaus mit grünen Fensterläden.


Altranft war jahrhundertelang ein Fischerdorf an einem Seitenarm der Oder. Mehr dazu und zu den beiden ältesten Häusern des Ortes steht in meinem Bericht zur Tour von Altranft nach Bad Freienwalde, die hier beginnt.
Über die Schlossstraße komme ich zum Anger. Dort steht die Dorfkirche. Das Schiff wurde 1752 eingeweiht, den neobarocken Turm stiftete 1901 die Gräfin Veronika von Hacke.

Gleich dahinter liegt das Schloss. Der ältere Teil geht auf einen Umbau um 1670 zurück, den großen Flügel mit dem Mansarddach ließ Graf Edwin von Hacke 1876 anbauen. Nach 1945 war das Haus unter anderem Schule, Bibliothek und Kulturhaus. Heute sitzt hier das Oderbruch Museum Altranft. Im Winter macht es Pause, die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf der Website.

Hinter dem Schloss beginnt der Park, dreieinhalb Hektar groß und im 19. Jahrhundert unter den Grafen von Hacke angelegt. Er ist frei zugänglich. An seinem Rand fließt der Landgraben, gesäumt von efeubewachsenen Bäumen.

Am Landgraben nach Bad Freienwalde
Die letzten gut fünf Kilometer folgen dem Landgraben nach Nordwesten. Links liegt die Bahnstrecke, hinter ihr steigen die Hänge des Barnims an. Rechts, in einiger Entfernung, verläuft die Bundesstraße, dazwischen liegen Wiesen und Felder.
Nach knapp 19 Kilometern erreiche ich Deichhof, einen Wohnplatz am Stadtrand von Bad Freienwalde. Über den Alttornower Ausbau und die Straße Am Polderdamm geht es Richtung Bahnhof. Die Namen erzählen vom Wasser. Tornow war ein Fischerdorf östlich der Stadt, 1414 wird es zum ersten Mal erwähnt. Und das tief liegende Land zwischen Altranft und Bad Freienwalde ist ein Polder, den seit 1895 ein Schöpfwerk gleich hinter dem Bahnhof trocken hält.
Der Bahnhof Bad Freienwalde ist ein langgestreckter Backsteinbau aus der Zeit um 1900, dahinter steht der Wasserturm von 1904.

Bad Freienwalde nennt sich die älteste Kurstadt Brandenburgs und liegt genau an der Kante zwischen Bruch und Barnim. Kurviertel und Aussichtstürme sind auf der anderen Seite der Stadt in den Hügeln. Nach 21,7 Kilometern steige ich hier in die RB 60.
Am Wegesrand
Drei Orte am Weg, zu denen es mehr zu erzählen gibt.
Der jüdische Friedhof von Wriezen
Der Friedhof liegt am nordwestlichen Stadtrand, ein ummauertes Rechteck von 44 mal 36 Metern. 1730 kaufte die jüdische Gemeinde das Grundstück vor der Stadt für neun Taler. Bis dahin mussten die Wriezener Jüdinnen und Juden ihre Toten in Freienwalde bestatten. Zweimal wurde der Friedhof erweitert, 1843 und 1879.

Heute stehen hier 131 Grabsteine mit Inschrift, der älteste erhaltene stammt von 1773. Die ältesten Gräber liegen hinten rechts, die linke Seite wurde ab 1880 belegt. Die Universität Potsdam hat die Anlage Stein für Stein dokumentiert. Der Friedhof gilt als einer der besterhaltenen in Brandenburg.
Die NS-Zeit hat er einigermaßen unversehrt überstanden, die letzte Beerdigung fand im April 1940 statt. Von der Gemeinde blieb sonst wenig. Die Synagoge in der Gartenstraße brannte im November 1938, mindestens 56 Wriezener Jüdinnen und Juden wurden ermordet. 1993 warfen Rechtsradikale auf dem Friedhof mehrere Steine um.
Zwei Kalköfen am Hafen
Der kegelförmige Backsteinturm neben der Villa ist ein Kalkofen. 1860 wurde am späteren Hafen eine Kalkbrennerei gegründet, aus dieser Zeit stammt der ältere der beiden Öfen. 1889 kam ein zweiter dazu, daneben steht die Fabrikantenvilla. Beide Öfen und die Villa stehen unter Denkmalschutz. Gebrannt wurde Kalkstein aus Rüdersdorf, bis der Betrieb Mitte der 1920er Jahre aufgab.

Seit 2005 gehören die Öfen und die Villa einer Wriezener Familie, ein Verein kümmert sich um das Gelände. Die Öfen sind saniert und können nach Anmeldung besichtigt werden.
Die Bahn über die Oder
Der Radweg hinter Wriezen liegt auf der Trasse der Bahn nach Jädickendorf. Sie wurde im Dezember 1892 eröffnet und querte bei Bienenwerder die Oder: erst eine Strombrücke von 338 Metern, dann ein Damm, dann noch einmal 306 Meter Vorflutbrücke.

Anfang Februar 1945 wurde die Brücke gesprengt. In den 1950er Jahren baute man sie wieder auf, aus strategischen Gründen. Regulären Verkehr hat sie danach kaum gesehen. Die Züge aus Wriezen endeten in Neurüdnitz, bis 1982 auch dort Schluss war. Um das Jahr 2000 verschwanden die Gleise, 2005 wurde der Radweg asphaltiert.
Die Brücke aber steht noch. Seit Juni 2022 ist sie als Europabrücke zwischen Neurüdnitz und Siekierki für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen geöffnet. Vom Abzweig bei Altmädewitz wären es auf dem Bahndamm noch gut acht Kilometer bis dorthin.
Gut zu wissen
- Die Strecke ist eine eigene Komoot-Route und nicht als Wanderweg markiert. Geh am besten mit dem Track. In Altranft berührt sie den Oderlandweg, der mit einem roten Punkt markiert ist.
- Knapp 22 Kilometer sind lang, aber durchgehend flach. Schwierige Stellen gibt es nicht, die Einstufung „mittel“ kommt allein von der Länge.
- Untergrund: gut die Hälfte Asphalt und befestigte Wege, dazu Feld- und Wiesenwege und in Wriezen etwas Kopfsteinpflaster.
- Auf dem Bahndamm und in den Feldern gibt es weder Schatten noch Windschutz.
- Einkehr: Zwischen Wriezen und Altranft liegt nichts am Weg. In Altranft hat das Oderbruch Museum in der Saison eine Cafeteria, in Bad Freienwalde findest du Cafés und Restaurants in der Innenstadt, etwa einen Kilometer vom Bahnhof. Nimm Proviant mit.
- Abkürzen: In Altranft kommst du nach gut 15 Kilometern in der Nähe des Haltepunkts vorbei, an dem ebenfalls die RB 60 hält.
- Auf dem jüdischen Friedhof tragen Männer eine Kopfbedeckung.
- Abstecher: das Oderbruch Museum Altranft und die Kalköfen am Wriezener Hafen, die du nach Anmeldung besichtigen kannst. Mehr Ausflugsziele in der Gegend findest du beim Seenland Oder-Spree und bei Kulturerbe Oderbruch.
Fazit
Wer das Oderbruch nur als leere Fläche kennt, bekommt auf dieser Tour ein anderes Bild. Der meiste Stoff liegt gleich am Anfang: In Wriezen kommst du auf vier Kilometern an einer wiederaufgebauten Kirche, einem jüdischen Friedhof und zwei Kalköfen vorbei, und fast alles hat mit dem Fluss zu tun, der nicht mehr da ist. Danach wird es still. Bahndamm, Felder und Gräben muss man mögen, viel Abwechslung bieten sie nicht. Mit Altranft kommt am Ende noch einmal ein Ort, für den sich ein eigener Besuch lohnt. Und wenn dir 22 Kilometer zu viel sind, steigst du dort in die Bahn.
