Unterwegs zu Fuß

Arbeitsamt Dessau: Gropius-Bau für die Arbeitsvermittlung

Ehemaliges Arbeitsamt von Walter Gropius in Dessau, gerundeter gelber Backsteinbau mit Fensterband

Am August-Bebel-Platz steht ein gelber, gerundeter Flachbau mit einem Verwaltungstrakt dahinter. Walter Gropius hat ihn 1928/29 als Arbeitsamt gebaut, und sein Grundriss ist ein Ablaufplan: Er legt fest, wer wo hineingeht, wartet und wieder hinauskommt. Ich bin auf meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau hier vorbeigekommen, ein Teil der Fotos stammt von einem zweiten Besuch.

Architekt*in

Walter Gropius

Gebaut

1928 bis 1929

Ort

August-Bebel-Platz 16, Dessau-Roßlau

Zustand

saniert 2000 bis 2003, Denkmal seit 1974

Nutzung heute

Umbau zur Begegnungs- und Fortbildungsstätte der Bundesagentur für Arbeit geplant

Nächste Haltestelle

Historisches Arbeitsamt (Bus 10); August-Bebel-Platz (Straßenbahn 3, Bus 11 und 12)

Eine neue Behörde braucht ein Haus

1927 entstand die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Vermittlung und Versicherung lagen damit in einer Hand, und für die neue Behörde gab es noch keine Vorbilder, wie ihr Haus aussehen sollte. Die Stadt Dessau schrieb im selben Jahr einen beschränkten Wettbewerb aus. Eingeladen waren nur drei Architekten: Hugo Häring, Max Taut und Walter Gropius. Gropius gewann knapp vor Taut.

Den Auftrag bekam er Anfang 1928, in den letzten Tagen seiner Zeit als Direktor des Bauhauses. Im Mai 1929 war der Bau fertig. Seine Form bezog sich auf den damals dreieckigen Askanischen Platz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Platz umgestaltet, seitdem lässt sich diese Einbindung kaum noch nachvollziehen.

Ein Haus als Ablaufplan

Gropius setzte einen halbrunden, eingeschossigen Flachbau für die Arbeitsvermittlung vor einen zweigeschossigen Verwaltungsbau. Dazu kam ein eingeschossiger Riegel mit Nebenräumen. Die Fassade ist mit gelbem Klinker verkleidet.

Die Wege durch den Rundbau waren genau geplant. Arbeitssuchende kamen je nach Beruf und Geschlecht durch eigene Eingänge herein. Hinter den Türen lagen im äußeren Ring die Warteräume, im zweiten Ring die Räume der Vermittler*innen. Wer eine Stelle bekam, verließ das Haus über einen Flur im inneren Ring, ohne noch einmal an den Wartenden vorbeizugehen. Wer leer ausging, wurde gleich zum Stempeln und zur Kasse weitergeschickt. So kamen wenige Beamt*innen mit sehr vielen Arbeitssuchenden zurecht, und das war in den Jahren der Weltwirtschaftskrise auch nötig.

Fenster in der Außenwand hatte der Rundbau anfangs nicht. Tageslicht fiel durch drei ringförmige Sheddächer und durch ein schmales Fensterband unter der Dachkante, das die Warteräume beleuchtete. Dieses Band gehört zum ursprünglichen Bau.

Den Mitarbeiter*innen fehlte bald der Blick nach draußen. 1936 bekam der Rundbau deshalb zusätzliche Fenster, und die äußeren Warteräume wurden zu Büros umgebaut. Die großen Fenster in der Außenwand sind also kein Teil des Entwurfs von Gropius.

Vom Arbeitsamt zur Kommandantur

In der NS-Zeit gab es 1937 Pläne, den Bau abzureißen. 1940 wurde im Keller ein Luftschutzraum eingerichtet, 1942 kaufte die Stadt Dessau das Gebäude.

1945 zog das Amt für Arbeit Dessau ein. Gleichzeitig saß hier zuerst die amerikanische und danach die sowjetische Kommandantur. Heute steht der Schriftzug „Amt für Arbeit“ in großen Buchstaben am Rundbau. So hieß die Behörde, die nach dem Krieg einzog.

Von 1957 bis 1989 nutzten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) und die Kreisverwaltung der Sozialversicherung das Haus. Seit 1974 steht es unter Denkmalschutz. Nach der Wende hatte die AOK hier bis 1998 eine Filiale.

Sanierung und heute

Ende der 1990er Jahre wurde das Gebäude genau untersucht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz half, diese Voruntersuchungen zu bezahlen. Die Sanierung selbst war 2003 abgeschlossen.

Danach zog das Straßenverkehrsamt der Stadt ein, später saß hier das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Bis April 2025 nutzte eine städtische Behörde das Haus. Inzwischen plant die Bundesagentur für Arbeit, die Nachfolgerin der Reichsanstalt von 1927, hier eine Begegnungs- und Fortbildungsstätte. Fertig sein soll sie im Januar 2027.

Gut zu wissen

Die Innenräume sind nicht öffentlich zugänglich, von außen kannst du dir den Bau aber jederzeit ansehen. Wegen der Sanierung gibt es Führungen nur eingeschränkt. Ab voraussichtlich Januar 2027 soll das Haus teilweise wieder öffentlich zugänglich sein.

Am Weg

Das ehemalige Arbeitsamt liegt an meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.

Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.

HHistorisches ArbeitsamtHAugust-Bebel-Platz
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich