Tour in Sachsen-Anhalt · Alle Touren und Wege
Die Strecke von Roßlau nach Dessau ist 19,4 Kilometer lang und beginnt am Bahnhof Roßlau (Elbe). Sie führt durch Roßlau, über die Elbe und durch die Aue in die Dessauer Innenstadt, dann durch den Georgengarten an die Elbe und endet an den Meisterhäusern. Zum Start kommst du mit dem RE 7 aus Berlin, zurück fährst du ab Dessau Hauptbahnhof.
Gelaufen bin ich die Tour am 18. September 2021, einem Samstag. Angereist bin ich mit dem Regionalzug.
Inhalt dieser Tour
Steckbrief
Strecke
19,4 km
Gehzeit
3:50 h
Art
Strecke
Start
Bahnhof Roßlau (Elbe)
Ziel
Meisterhäuser, Dessau
ÖPNV
RE 7 zum Start, zurück ab Dessau Hauptbahnhof
- Mit der Bahn erreichbar
Gelaufen am 18. September 2021
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Gleich nach dem Start liegen in Roßlau zwei Kirchen und eine Wasserburg, deren Anfänge ins 12. Jahrhundert reichen.
- Zwischen Roßlau und Dessau geht es über die Elbe und gut vier Kilometer durch die Aue des Biosphärenreservats Mittelelbe.
- In Dessau führt der Weg an drei Bauten aus dem Umfeld des Bauhauses vorbei: dem Arbeitsamt von Walter Gropius, dem Kornhaus von Carl Fieger und den Meisterhäusern.
- Der Georgengarten mit Schloss Georgium gehört zum UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz.
Anreise
Hin
RE 7 ab Berlin bis Roßlau (Elbe)
Zurück
Von den Meisterhäusern rund 1,2 Kilometer zu Fuß zum Hauptbahnhof Dessau, dort mit dem RE 7 zurück nach Berlin
Den Weg zum Hauptbahnhof beschreibt die Stiftung Bauhaus Dessau: über die Ebertallee, die Gropiusallee und die Bauhausstraße zum Ausgang West. Außerdem verbindet der Bauhausbus, die Linie 10, die Bauhausbauten der Stadt.
Alle Touren mit Bahnanreise, nach Linien sortiert: Mit der Bahn raus aus Berlin.
Die Route
Roßlau und Dessau sind seit dem 1. Juli 2007 eine gemeinsame Stadt, Dessau-Roßlau. Die Elbe liegt dazwischen. Der Weg führt zuerst durch Roßlau, dann über den Fluss und durch die Aue nach Süden bis in die Dessauer Innenstadt. Von dort geht es nach Norden durch den Georgengarten an die Elbe und am Ende nach Süden zu den Meisterhäusern.
Roßlau: Kirchen und Wasserburg
Vom Bahnhof Roßlau (Elbe) geht es nach Osten in die Altstadt. Am Schillerplatz steht die katholische Herz-Jesu-Kirche, eine neubarocke Saalkirche von 1926. Ein paar hundert Meter weiter kommt die evangelische Stadtkirche St. Marien.
Die Kirche ist neugotisch und aus Backstein. Ihre Vorgängerin war 1626 abgebrannt, eine zweite Kirche folgte in den 1650er-Jahren. Den heutigen Bau entwarf Baurat Conrad Hengst, der Grundstein wurde 1851 gelegt, geweiht wurde die Kirche 1854.


Am Rand der Altstadt liegt die Wasserburg an der Rossel. Ihre Anfänge reichen ins 12. Jahrhundert zurück, der Bergfried entstand nach einem Vortrag des Vereins für Anhaltische Landeskunde um 1180, der große Wohnturm um 1300. Heute kümmert sich der Förderverein Burg Roßlau um die Anlage, auf dem Burggelände finden Veranstaltungen statt.
Über die Elbe und durch die Aue
Von der Burg geht es zurück nach Westen zur Elbe. Die Straßenbrücke der B 184 hat einen Radweg auf der Ostseite, über den auch Fußgänger*innen gehen. Das Land Sachsen-Anhalt nannte die Elbebrücke Roßlau 2023 rund 60 Jahre alt. Eine erste hölzerne Elbbrücke gab es bei Roßlau schon 1583.

Hinter dem Fluss läuft der Weg fast schnurgerade nach Süden durch die Elbaue, gut vier Kilometer lang, ohne Häuser und Straßenverkehr. Die Elbaue um Dessau-Roßlau gehört zum Biosphärenreservat Mittelelbe, das 1979 entstand. Danach erreicht der Weg den Norden von Dessau und führt durch die Stadt bis in die Mitte.
Dessauer Altstadt: Johannbau und Marienkirche
Nach gut neun Kilometern ist die Altstadt erreicht. Hier stand das Residenzschloss der Fürsten von Anhalt-Dessau. Erhalten ist sein Westflügel, der Johannbau, um 1530 gebaut. Den Treppenturm errichtete der Steinmetz Ludwig Binder von 1531 bis 1533. Heute ist im Johannbau das Museum für Stadtgeschichte.


Gleich daneben steht die Marienkirche, eine spätgotische Hallenkirche, gebaut von 1506 bis 1554. Beim Luftangriff am 7. März 1945 brannte sie bis auf Turm, Außenmauern und Pfeiler aus. Wiederaufgebaut wurde sie erst von 1987 bis 1998, seitdem ist sie ein Veranstaltungsort der Stadt. Seit 2015 ist ihre Gruft wieder Grablege des Hauses Anhalt.
Historischer Friedhof und Arbeitsamt
Von der Marienkirche führt der Weg nach Südwesten zum Historischen Friedhof. Fürst Leopold III. Friedrich Franz ließ ihn 1787 bis 1789 vor der Stadt anlegen, für alle christlichen Konfessionen und ohne Grabsteine. Den Entwurf lieferte sein Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Heute ist der alte Begräbnisplatz eine Grünanlage mit geraden Wegen.

Eigener Beitrag
Historischer Friedhof
- Lage Chaponstraße
- Angelegt 1787 bis 1789
- Entwurf Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff
- Heute Grünanlage mit Portal
Gleich nördlich davon steht am August-Bebel-Platz das ehemalige Arbeitsamt. Walter Gropius gewann 1927 den Wettbewerb dafür, gebaut wurde von Mai 1928 bis Mai 1929. Der halbrunde Flachbau aus gelben Ziegeln war so geplant, dass die Arbeitssuchenden nach Beruf und Geschlecht getrennt hineingingen und warteten, das Licht kam über Sheddächer von oben. Am Rundbau steht heute der Schriftzug „Amt für Arbeit“, so hieß die Behörde, die 1945 einzog.

Eigener Beitrag
Ehemaliges Arbeitsamt
- Lage August-Bebel-Platz 16
- Gebaut 1928 bis 1929
- Architekt Walter Gropius
- Heute innen nicht zugänglich
Durch die Innenstadt
Vom Arbeitsamt geht es zurück nach Norden durch die Innenstadt. An der Askanischen Straße steht das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte. Das Haus wurde 1750 als Leopold-Dank-Stift fertig, ein Heim für alte, bedürftige Menschen. Den Turm bekam es 1847 nach dem Vorbild des Hospitals Santo Spirito in Rom, Museum ist es seit 1927.
Gleich danach führt der Weg am Bauhaus Museum Dessau vorbei, das 2019 eröffnet wurde. Am Rathaus steht die Friedens- und Freiheitsglocke. Sie wurde aus dem Stahl der Waffen gegossen, die die Dessauer „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ abgeben mussten. 1990 wurden die Waffen eingeschmolzen, gegossen wurde die Glocke 2000 und am 9. November 2002 neben dem Rathaus eingeweiht.

Eigener Beitrag
Bauhaus Museum Dessau
- Lage Mies-van-der-Rohe-Platz 1
- Eröffnet 2019
- Entwurf addenda architects
- Heute Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau


Das Rathaus selbst wurde 1901 fertig, entworfen von Reinhardt & Süßenguth. Bei einem Brand 1910 wurde es schwer beschädigt und bis 1912 ohne seine alten Giebel wiederhergestellt. Weiter nördlich steht vor der Johanniskirche das Denkmal für Fürst Leopold III. Friedrich Franz. Die Bronzefigur stammt von August Kiß und wurde am 20. Oktober 1858 enthüllt, genau 100 Jahre nach seinem Regierungsantritt, so die Gartenlaube von 1880.


Die Johanniskirche dahinter wurde 1702 geweiht. Sprengbomben zerstörten sie am 25. Mai 1944, am 18. Dezember 1955 wurde sie wieder eingeweiht. Danach führt der Weg nach Westen Richtung Hauptbahnhof, vorbei an einem Wohnhochhaus mit geschwungenen Balkonbändern.
Mausoleum und Georgengarten
Nördlich des Hauptbahnhofs geht es über die Gleise. Schon von dort ist die Kuppel des Herzoglichen Mausoleums über den Bäumen zu sehen. Gebaut wurde es von 1894 bis 1898 nach Plänen von Franz Schwechten als Grablege der Herzöge von Anhalt. Seit 1958 liegt es im Tierpark.

Eigener Beitrag
Herzogliches Mausoleum
- Lage im Tierpark Dessau
- Gebaut 1894 bis 1898
- Architekt Franz Schwechten
- Zugang innen nach Terminvereinbarung
Gleich daneben beginnt der Georgengarten. Prinz Johann Georg, ein jüngerer Bruder von Fürst Leopold III. Friedrich Franz, ließ ihn ab 1780 anlegen, das Schloss Georgium entwarf Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Seit 1959 zeigt die Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss ihre Sammlung. Der Park gehört zum Gartenreich Dessau-Wörlitz, das seit 2000 UNESCO-Welterbe ist, und ist frei zugänglich.
Der Weg führt quer durch den Park nach Norden. Unter den Bauwerken im Garten sind ein Rundtempel, eine römische Ruine und eine Ruinenbrücke. Der Park reicht bis an die Elbe heran.



Eigener Beitrag
Schloss Georgium und Georgengarten
- Lage Puschkinallee 100
- Angelegt ab 1780
- Schloss Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff
- Heute Anhaltische Gemäldegalerie
An der Elbe zum Kornhaus
Am Ende des Georgengartens ist wieder die Elbe erreicht. Der Weg folgt ihr auf dem Deich nach Westen bis zum Kornhaus. Carl Fieger, ein Mitarbeiter von Gropius, entwarf die Ausflugsgaststätte am Elbbogen. Den Wettbewerb von 1929 hatte er nicht gewonnen, den Auftrag bekam er trotzdem, am 6. Juni 1930 wurde das Kornhaus eröffnet, so das Landesamt für Denkmalpflege.
Der Name erinnert an einen Getreidespeicher, der hier stand und in den 1870er-Jahren abgerissen wurde. Das Kornhaus ist bis heute eine Gaststätte. Vom Kornhaus geht es nach Süden durch Ziebigk zur Ebertallee.
Ziel: Meisterhäuser
Der Weg endet an den Meisterhäusern. Walter Gropius baute sie 1925/26 in einem Kiefernwäldchen für sich als Direktor und für die Meister des Bauhauses, ein Einzelhaus und drei Doppelhäuser. In den Doppelhäusern wohnten zuerst Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy, Georg Muche und Oskar Schlemmer sowie Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Eigener Beitrag
Meisterhäuser
- Lage Ebertallee 59 bis 71
- Gebaut 1925/26, Neubauten 2014
- Architekt Walter Gropius
- Heute Ausstellungen und Bauhaus Residenz
1945 zerstörten Bomben das Direktorenhaus und die Hälfte von Moholy-Nagy. An ihrer Stelle stehen seit 2014 Neubauten, die die alten Häuser nur in Umriss und Fensteröffnungen nachzeichnen. Die Meisterhäuser gehören mit dem Bauhausgebäude seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.
An der Kreuzung vor dem Haus Gropius steht die Trinkhalle. Ludwig Mies van der Rohe baute den kleinen Kiosk 1932, es blieb sein einziger Bau in Dessau. In der DDR wurde er abgerissen, seit 2014 steht dort eine neue Trinkhalle. Auf dem Weg zurück zum Hauptbahnhof liegt das Bauhausgebäude, dorthin bin ich nach der Tour noch gegangen.

Eigener Beitrag
Trinkhalle
- Lage an den Meisterhäusern
- Gebaut 1932, neu 2014
- Entwurf Ludwig Mies van der Rohe
- Heute Kiosk

Eigener Beitrag
Bauhausgebäude
- Lage Gropiusallee 38
- Eröffnet 1926
- Architekt Walter Gropius
- Heute Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau
Gut zu wissen
- Den Track findest du bei Komoot.
- Auf dem RE 7 gibt es bis 12. Dezember 2026 Bauarbeiten, schau vor der Fahrt in die Linieninfo des VBB.
- Die Meisterhäuser haben von März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis Februar dienstags bis sonntags, so die Stiftung Bauhaus Dessau.
- Einkehren kannst du im Kornhaus, die Öffnungszeiten stehen auf der Seite des Kornhauses.
Fazit
Die Tour verbindet zwei Städte, die seit 2007 eine sind. Roßlau mit Kirchen und Burg und die lange Aue sind der ruhige Teil, in Dessau folgen auf wenigen Kilometern Residenzschloss, Kirchen, Gropius-Bauten und der Georgengarten.
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