Mitten im Tierpark Dessau steht ein Kuppelbau mit Säulenvorhallen auf allen vier Seiten. Franz Heinrich Schwechten hat ihn 1894 bis 1898 als Grablege der Herzöge von Anhalt gebaut. Die Geschichte des Baus reicht von der Plünderung nach dem Krieg über eine Rettung in der DDR bis zur Umbettung der Toten 2019.
Steckbrief
Architekt*in
Franz Heinrich Schwechten
Bauherr
Herzog Friedrich I. von Anhalt
Gebaut
1894 bis 1898
Ort
Tierpark Dessau, Querallee 8, Dessau-Roßlau
Zustand
Kuppel seit 1985/86 mit Aluminium gedeckt, Gesamtrestaurierung steht aus
Zugang
im Tierpark, täglich ab 9 Uhr; innen nur nach Terminvereinbarung
Nutzung heute
Denkmal im Tierpark, Veranstaltungen des Fördervereins
Grablege für das Haus Anhalt
Herzog Friedrich I. von Anhalt ließ das Mausoleum bauen. Der Georgengarten war 1893 nach Osten erweitert worden, dort plante der Gartenarchitekt August Hooff einen eigenen Park um das Grabmal. Den Bau entwarf der Berliner Architekt Franz Heinrich Schwechten, der heute vor allem für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin bekannt ist. Das Mausoleum steht in der Achse des Haupteingangs zum Schloss Georgium.
Grundriss und äußere Form lehnen sich an Andrea Palladios Villa La Rotonda in Vicenza an. Die Kuppel ist 43 Meter hoch und hat 14 Meter Durchmesser. Sie ruht auf einer Stahlkonstruktion mit Holzschalung, ganz oben trägt eine Laterne ein ursprünglich vergoldetes Kupferkreuz.
Die Kuppel überragt die Bäume des Parks. Auf meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau bin ich hier vorbeigekommen, kurz vorher war sie an den Bahngleisen schon über den Bäumen zu sehen.
Innen liegt unter dem Gewölbe die Feierhalle. Sie hat einen Mosaikfußboden im römischen Stil, die Apsis ist mit Glasmosaiken im byzantinischen Stil ausgestattet. Darüber liegt die Auferstehungskapelle, darunter die Krypta. Zwischen 1898 und 1939 wurden dort zehn Angehörige des Hauses Anhalt beigesetzt, darunter die letzten Herzöge.
Plünderung und Umbettung
Nach dem Ende der Monarchie wurde die Wache abgezogen, und es kam mehrfach zu Einbrüchen. 1947 wurde das Mausoleum enteignet. Die Särge wurden geplündert und die Toten geschändet.
1958 wurden die Särge nachts und ohne Aufsehen aus der Gruft geholt. Der Pfarrer von Ziebigk erreichte, dass die Toten auf dem Friedhof Ziebigk in Einzelgräbern beigesetzt wurden. Grabsteine oder einen Gedenkstein durfte es dort nicht geben.
Tierpark und Rettung in der DDR
Im selben Jahr 1958 entstand im ehemaligen Mausoleumspark ein „Lehrpark für Tier- und Pflanzenkunde“, der heutige Tierpark. Das Mausoleum diente eine Zeit lang als Möbellager. Das Kupfer der Kuppel war inzwischen durch Dachpappe ersetzt.
Von 1977 bis 1981 setzte sich der Dessauer Mostereibetreiber Oskar Stolle für den Bau ein. Er gewann Anwohner*innen, Mitglieder der Blockpartei NDPD und Schüler*innen der Erweiterten Oberschule Philanthropinum dafür, Schutt zu räumen und die Kuppel zu sichern.
1985/86 wurde die Kuppel unter der Leitung von Wilhelm Schulze neu gedeckt. Kupfer war in der DDR knapp, deshalb bekam sie eine Verkleidung aus eloxiertem Aluminium. Diese Verkleidung hat sie bis heute.
Nach 1990
In den 1990er Jahren wurden Dächer und Fassade instand gesetzt. 2007 gründete sich der Förderverein Mausoleum, seit 2017 arbeitet am Mausoleum eine Jugendbauhütte, in der Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur machen. Sie hat unter anderem den alten Sandsteinbrunnen wieder instand gesetzt. Seit 2019 wurden der Innenraum und seine Mosaiken restauratorisch untersucht, dazu kamen Arbeiten an der Terrasse und an der Eingangstür. Eine vollständige Restaurierung des Baus steht noch aus.
Die Toten aus Ziebigk kehrten nicht ins Mausoleum zurück. Der Zustand ihrer Gräber galt als unwürdig, das Mausoleum kam aus baulichen Gründen nicht infrage. Familie, Landeskirche, Stadt und Land einigten sich Anfang 2019 darauf, sie in die Gruft der Marienkirche umzubetten. Dort liegen schon andere Mitglieder der Familie. Im April 2019 begann die Umbettung.
Gut zu wissen
Das Mausoleum steht im Tierpark an der Querallee. Der Tierpark ist täglich ab 9 Uhr geöffnet, Kassenschluss ist im Sommer 18 Uhr und im Winter 16 Uhr. Innen kannst du das Mausoleum wegen der Bauarbeiten nur nach vorheriger Terminvereinbarung mit dem Förderverein besichtigen.
Am Weg
Das Mausoleum liegt an meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.
Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
