Das Georgium ist ein Landschaftspark im Norden von Dessau, mit einem kleinen Schloss und einer Auenlandschaft, die bis an die Elbe reicht. Er gehört zum Gartenreich Dessau-Wörlitz und liegt zwischen Hauptbahnhof, Bauhaus und Elbe. Auf meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau bin ich durch den Park gelaufen, am Schloss und an der Ruinenbrücke vorbei.
Steckbrief
Bauherr*in
Prinz Johann Georg von Anhalt-Dessau
Architekt*in
Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (Schloss und Parkbauten)
Gestaltung
Johann Friedrich Eyserbeck, Johann Georg Schoch (Garten)
Gebaut
ab 1780, Seitenflügel 1893
Ort
Puschkinallee 100, Dessau-Roßlau
Zugang
Park ganzjährig frei zugänglich; Gemäldegalerie Mi bis Mo 10 bis 18 Uhr, Di geschlossen
Nutzung heute
Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Nächste Haltestelle
Puschkinallee/Tierpark
Ein Park für den Bruder des Fürsten
Bauherr war Prinz Johann Georg von Anhalt-Dessau (1748 bis 1811), der jüngere Bruder von Fürst Leopold III. Friedrich Franz, der das Gartenreich anlegen ließ. Ab 1780 entstand nordwestlich der Residenzstadt ein Landschaftspark nach englischem Vorbild, mit klassizistischen und romantischen Bauten und Skulpturen wie in Wörlitz. Der Park wurde in einem Auenwald angelegt und ist nach seinem Bauherrn benannt.
Den Garten gestalteten die Gärtner Johann Friedrich Eyserbeck und Johann Georg Schoch. Das Landhaus und die kleinen Parkbauten entwarf der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Der größte Teil der Anlage war fertig, als Johann Georg 1804 nach Wien zog. Damals umfasste sie fast drei Quadratkilometer.
Im 19. Jahrhundert wurde der Park kaum noch gepflegt. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs Dessau, und die Wohnhäuser rückten bis an den Kern des Gartens heran. Später mussten Rasenflächen, Wege und Sichtachsen deshalb Stück für Stück wiederhergestellt werden.
Das Schloss
Das Landhaus war zuerst ein Sommersitz. Im Erdgeschoss empfing der Prinz seine Gäste, im ersten Stock lagen die Privaträume von ihm und seiner Frau. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus zu einem vollwertigen Wohnsitz ausgebaut. 1893 kamen zwei Seitenflügel dazu, damit verdoppelte sich die Wohnfläche.
Das Schloss, das heute im Park steht, ist also nicht mehr nur der Bau von Erdmannsdorff. Bis 1945 wohnte hier Erbprinzessin Elisabeth von Anhalt, danach wurde das Schloss zum Museum.
Die Anhaltische Gemäldegalerie
Die Gemäldegalerie hat eine lange Vorgeschichte. Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau hatte deutsche und niederländische Gemälde gesammelt, und ihre Amalienstiftung zeigte sie ab 1793 in Dessau öffentlich. 1927 machte der Freistaat Anhalt diese Sammlung zum Grundstock eines Landesmuseums für Kunst, das im Palais Reina an der Kavalierstraße einzog. Das Palais wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Danach war die Galerie eine Zeit lang im Schloss Mosigkau und im Dessauer Palais Bose untergebracht.
1958 zogen die Sammlungen ins Georgium, seit 1959 ist hier die Dauerausstellung zu sehen. Nach einer jahrelangen Sanierung des Schlosses ist die Galerie seit Weihnachten 2023 wieder geöffnet. Seitdem ist erstmals das ganze zweite Obergeschoss Ausstellungsfläche, ein Aufzug führt zu allen Ebenen, und der Eingang liegt auf der Westseite. Zur Wiedereröffnung waren von rund 1.800 Gemälden etwa 260 ausgestellt. Hauptwerke stammen von Lucas Cranach dem Älteren und von Johann Friedrich August Tischbein, der in Dessau Hofmaler von Fürst Franz war.
Ruinenbrücke und andere Parkbauten
Weiter nördlich liegt die Ruinenbrücke zwischen Viereckteich und Franzosenteich. Sie ist aus Backstein gemauert, auf einer Seite steht ein Bogen, der wie der Rest eines römischen Bauwerks aussieht. Die Ruine war von Anfang an so gewollt. Um 1800 war die Brücke schon ein Bildmotiv: Heinrich Theodor Wehle zeichnete sie für die Chalcographische Gesellschaft zu Dessau, die Aquatinta von 1800 liegt heute im Winckelmann-Museum in Stendal.

Die Ruinenbrücke ist nicht die einzige künstliche Ruine im Park. Die Römische Ruine ist ein eigener Bau, dazu kommen zwei nachgebaute römische Torbögen, ein Rundtempel und das Fremdenhaus. Hinter dem Garten liegt der Beckerbruch, ein naturnaher Auenwald von 97 Hektar, in dem ebenfalls kleine Bauten und Denkmäler stehen. Ganz im Norden, zur Elbe hin, stehen der Elbpavillon und die künstliche Ruine Wallwitzburg. Von dort geht der Blick weit über die Gartenlandschaft an der Elbe.
Welterbe
Seit 2000 gehören Park und Schloss zum UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Das Georgium ist dabei ein Teil des Ganzen, kein eigener Eintrag. Die Anlage verwaltet die Stadt Dessau-Roßlau, die auch die Galerie betreibt. Außer im Schloss zeigt sie Kunst im Fremdenhaus, wo die Grafische Sammlung untergebracht ist, und in der Orangerie mit Sonderausstellungen.
Gut zu wissen
Der Park ist das ganze Jahr frei zugänglich, Eintritt kostet er nicht. Die Gemäldegalerie im Schloss hat mittwochs bis montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, dienstags ist sie geschlossen. Tickets gibt es vor Ort, der Einlass läuft in Zeitfenstern von 15 Minuten. Vom Hauptbahnhof ist das Georgium zu Fuß zu erreichen, die nächste Haltestelle heißt Puschkinallee/Tierpark.
Am Weg
Der Georgengarten liegt an meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.
Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
