An der Chaponstraße steht ein Portal in Form eines Triumphbogens, dahinter liegt der Historische Friedhof. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff hat ihn 1787 bis 1789 als Neuen Begräbnisplatz vor der Stadt angelegt, ein Friedhof ohne Grabsteine und ohne Kirche. Ich bin auf meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau hier vorbeigekommen.
Steckbrief
Gestaltung
Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff
Bauherr
Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau
Gebaut
1787 bis 1789
Ort
Chaponstraße, Dessau-Roßlau
Zustand
seit 1875 geschlossen, Grünanlage seit Ende der 1960er Jahre, Portal saniert bis 2022
Zugang
öffentliche Grünanlage, Haupteingang Erdmannsdorffportal
Nächste Haltestelle
Historisches Arbeitsamt (ca. 150 m), Chaponstraße (ca. 260 m)
Ein Friedhof vor der Stadt
Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ließ den Begräbnisplatz ab 1787 anlegen, den Entwurf lieferte sein Architekt Erdmannsdorff. Der Friedhof lag damals außerhalb der Stadt und gehörte zu keiner Kirche. Er stand allen christlichen Konfessionen offen. Der Neue Begräbnisplatz gilt als erster kommunaler Friedhof Deutschlands, der nach antikem Vorbild vor der Stadt angelegt wurde.
Vorbild waren die italienischen Camposanti. Die Anlage ist streng symmetrisch gegliedert, mit einem Wegekreuz in der Mitte. Eine etwa anderthalb Meter hohe Mauer umschließt sie, in die Grabgewölbe eingebaut sind. Den Haupteingang bildet das Portal im Norden, im Osten und Westen gibt es kleine Seiteneingänge.
Grabsteine waren auf den Feldern nicht erlaubt. Die Gräber waren nur gleichmäßig bepflanzte Hügel, der Stand eines Menschen sollte im Tod keine Rolle mehr spielen. Dahinter steckt die Idee der Aufklärung von der Gleichheit im Tod. Um 1800 gab die Chalcographische Gesellschaft in Dessau eine Ansicht des Begräbnisplatzes heraus, gezeichnet von Heinrich Theodor Wehle. Sie zeigt den Weg zum Portal mit seinen Triumphbögen.
Das Erdmannsdorffportal
Das Portal an der Nordseite ist wie ein antiker Triumphbogen gestaltet. Figuren stellen Schlaf, Tod und Hoffnung dar. Über dem Bogen steht in goldenen Buchstaben die Inschrift „Tod ist nicht Tod, ist nur Veredlung sterblicher Natur“.
Das Portal wurde 2005 saniert, zusammen mit den Räumen am Nordtor. Ab 2019 folgte eine zweite, gründlichere Instandsetzung. Dabei wurde der alte Putz nach Befund wiederhergestellt, und die stark beschädigten Figuren von Schlaf und Tod wurden restauriert und teilweise ergänzt. Im September 2022 war die Sanierung abgeschlossen, seitdem trägt das Portal auch die vergoldete Inschrift wieder.
Erweiterung, Schließung, Grünanlage
Schon nach gut 30 Jahren war der Platz knapp. 1819 war er weitgehend belegt, zum 1. Januar 1820 kam im Süden eine Erweiterungsfläche hinzu. Ab 1861 wurden die alten Felder ein zweites Mal belegt, am 31. Dezember 1875 wurde der Neue Begräbnisplatz geschlossen. Danach gab es nur noch Beisetzungen für Familien, die dafür Rechte erworben hatten.
Aus der Erweiterung von 1820 wurde der Friedhof I. Er war bis 1890 städtischer Friedhof und wurde 1923/24 zu einem Urnenfriedhof mit Kolumbarien umgestaltet. Seit 1995 werden dort wieder Urnen beigesetzt.
Der alte Begräbnisplatz wurde Ende der 1960er Jahre zur Grünanlage umgestaltet, die Grundzüge von 1787 blieben dabei erhalten. Heute ist er eine Rasenfläche ohne Grabzeichen mit einem Wegekreuz und der Gruftmauer ringsum.
Die Bäume an den Wegen stammen nicht aus der Zeit Erdmannsdorffs. Heute stehen dort unter anderem Silberlinden, Stieleichen, Eschen und Schwarzkiefern.
Hier liegen Menschen, die die Kultur und Geschichte Dessaus geprägt haben, unter anderem der Dichter Wilhelm Müller. Viele Inschriften auf den Grabplatten sind verwittert und nur noch teilweise lesbar.
Gut zu wissen
Die Anlage steht samt Portal und Gruftmauer unter Denkmalschutz. Sie ist eine öffentliche Grünanlage, der Haupteingang ist das Erdmannsdorffportal an der Chaponstraße. Gleich daneben liegt der Friedhof I mit seinen Kolumbarien.
Am Weg
Der Historische Friedhof liegt an meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.
Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
