Unterwegs zu Fuß

Bauhausgebäude Dessau: Schulbau von Walter Gropius

Glasfassade des Werkstattflügels am Bauhausgebäude in Dessau

Das Bauhausgebäude an der Gropiusallee ist das Schulhaus, das Walter Gropius für das Bauhaus gebaut hat, als die Schule 1925 von Weimar nach Dessau umzog. Es gehört zum UNESCO-Welterbe und ist heute Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau. Ich war am Tag meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau nach der Tour hier, ein Teil der Fotos stammt von einem zweiten Besuch.

Architekt*in

Walter Gropius (Baubüro Gropius)

Gebaut

1925 bis 1926, eröffnet am 4. Dezember 1926

Ort

Gropiusallee 38, Dessau-Roßlau

Zustand

erhalten, Fassade 1976 rekonstruiert, saniert 1996 bis 2006

Nutzung heute

Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau, Ausstellungen, Führungen, Übernachtung im Atelierhaus

Nächste Haltestelle

Bauhausplatz (Bus 10, 11, 12)

Ein Neubau für die Schule

Das Bauhaus war 1919 in Weimar gegründet worden und zog 1925 unter politischem Druck nach Dessau. Die Industriestadt bezahlte den Neubau und stellte ein freies Grundstück im Westen der Stadt zur Verfügung. Geplant und gebaut hat das private Büro von Walter Gropius, denn eine eigene Architekturabteilung bekam das Bauhaus erst 1927. Im Büro arbeiteten unter anderem Carl Fieger, Ernst Neufert, Otto Meyer-Ottens und Bernhard Sturtzkopf mit. Neufert überwachte den Bau. Der Rohbau war im März 1926 fertig, am 1. September 1926 zogen die ersten Bewohner*innen ins Atelierhaus. Eröffnet wurde das Gebäude am 4. Dezember 1926 mit einem Fest über zwei Tage.

Das Gebäude hat keine Schauseite. Die Bauteile sind ungleich angeordnet, deshalb erschließt sich die ganze Gestalt erst, wenn du einmal um den Bau herumgehst.

Ein Flügel für jede Aufgabe

Jede Aufgabe der Schule bekam einen eigenen Baukörper. Der dreigeschossige Werkstattflügel hat eine Glasfassade, die vor das Betongerüst gehängt ist. Mit dieser Stahl-Glas-Fassade begann in Dessau das moderne Bauen. Eine zweigeschossige Brücke führt zum dreigeschossigen Bau der Gewerblichen Berufsschule. In der Brücke saßen die Verwaltung, die Bauabteilung und das Baubüro von Gropius.

Ein flacher Zwischenbau, die Festebene, verbindet den Werkstattflügel mit dem Atelierhaus. Hier liegen das Vestibül, die Aula mit der Bühne und die Kantine. Das fünfgeschossige Atelierhaus, auch Prellerhaus genannt, hatte 28 Wohnräume von je 24 Quadratmetern für Studierende und Jungmeister*innen. An der Fassade ragen kleine Balkone heraus. Gewohnt haben hier unter anderem Josef und Anni Albers, Marcel Breuer, Marianne Brandt und Gunta Stölzl.

Die Ausstattung kam aus den eigenen Werkstätten. Marcel Breuer lieferte die Stahlrohrmöbel, Marianne Brandt und andere die Leuchten, die Türdrücker stammen von Gropius.

Innen ist das Bauhaus farbig

Von außen ist das Gebäude weiß, innen nicht. Die Farben hat die Werkstatt für Wandmalerei unter Hinnerk Scheper entwickelt. Sie sollen bei der Orientierung im Haus helfen und zeigen, wie der Bau gegliedert ist.

Was heute zu sehen ist, beruht auf Untersuchungen von Farben und Oberflächen, die die Stiftung zwischen 1996 und 2006 gemacht hat. Die Farbgebung entspricht danach weitgehend dem ursprünglichen Entwurf.

Nach dem Bauhaus

1932 musste das Bauhaus Dessau unter dem Druck der Nationalsozialisten schließen. Anhänger der NSDAP forderten sogar, das Gebäude abzureißen. Es blieb stehen und wurde unter anderem als Landesfrauenarbeitsschule und als Amtswalterschule genutzt.

Im März 1945 traf ein Bombenangriff auf Dessau auch das Bauhausgebäude. Die Glasfassade war so beschädigt, dass sie größtenteils abgenommen werden musste. Nach dem Krieg wurde das Haus notdürftig repariert, mit dünnen Ziegelwänden und Holzfenstern. Im Werkstattflügel waren nun Werkstätten für die Ausbildung im Baugewerbe, eine Lehrbaustelle für Maurer und Zimmerleute und eine Gymnastikhalle.

DDR und Rekonstruktion 1976

1964 kam das Gebäude in die Liste 1 der denkmalwerten Bauten der DDR. Zum 50. Jahrestag der Eröffnung wurde es 1976 nach dem damaligen Verständnis von Denkmalpflege wiederhergestellt, mit Glasfassade. Die neue Fassade ist allerdings aus Aluminium und Glas, nicht mehr aus Stahl und Glas wie 1926. Im selben Jahr zog das Wissenschaftlich-Kulturelle Zentrum der DDR ein und begann, eine Bauhaus-Sammlung aufzubauen.

1996 nahm die UNESCO das Gebäude zusammen mit den Meisterhäusern und den Weimarer Stätten in die Welterbeliste auf. Danach folgte bis 2006 eine Generalsanierung. Fassade und Schriftzug wurden um 2021 noch einmal saniert.

Heute

Das Bauhausgebäude ist Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau und zugleich Ausstellungsort und Arbeitsplatz. Besucher*innen können Teile des Hauses mit einem Ticket ansehen. Durch die historischen Räume führen öffentliche Führungen auf Deutsch und Englisch. Im Atelierhaus kannst du in restaurierten Zimmern übernachten, als Einzel- oder Doppelzimmer, dazu gibt es ein Einzelzimmer, das historisch eingerichtet ist.

Gut zu wissen

Das Bauhausgebäude hat von März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis Februar dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Tickets und Führungen gibt es bei der Stiftung Bauhaus Dessau, für die Führungen braucht es zusätzlich ein Eintrittsticket. Vom Hauptbahnhof sind es etwa 700 Meter über den Ausgang West und die Bauhausstraße. Der Bauhausbus, Linie 10, verbindet alle Bauhausbauten der Stadt.

Am Weg

Das Bauhausgebäude liegt nahe am Ziel meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.

Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.

HBauhausplatzHKühnauer Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich