Unterwegs zu Fuß

Meisterhäuser Dessau: Gropius-Wohnhäuser für die Bauhausmeister

Weißer kubischer Bau an der Ebertallee in Dessau mit großer dunkler Glasfläche

In einem Kiefernwäldchen an der Ebertallee stehen die Meisterhäuser, die Walter Gropius für sich und die Meister des Bauhauses gebaut hat. Das Direktorenhaus und eine Haushälfte wurden im Krieg zerstört, an ihrer Stelle stehen seit 2014 Neubauten, die das Alte nur andeuten. Meine Wanderung von Roßlau nach Dessau endete hier.

Architekt*in

Walter Gropius; Neubauten Gropius und Moholy-Nagy: Bruno Fioretti Marquez

Gebaut

1925/26, Neubauten 2014

Ort

Ebertallee 59-71, Dessau-Roßlau

Zustand

Doppelhäuser saniert, Haus Gropius und Hälfte Moholy-Nagy als Neubauten von 2014

Nächste Haltestelle

Meisterhäuser (Bus 10)

Wohnen für die Bauhausmeister

Als das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau zog, gab die Stadt auch Wohnhäuser für die Meister in Auftrag. Gropius plante sie 1925/26 in einem Kiefernwäldchen unweit des Bauhausgebäudes: ein Einzelhaus für sich als Direktor und drei Doppelhäuser. Gebaut wurde nach einem Baukastenprinzip mit industriell vorgefertigten Teilen. Die beiden Hälften eines Doppelhauses sind nicht gleich. Eine ist das um 90 Grad gedrehte Spiegelbild der anderen, und eine ist etwas größer, wie das Goethe-Institut beschreibt.

Eingezogen sind zuerst Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy, Georg Muche und Oskar Schlemmer sowie Wassily Kandinsky und Paul Klee, jeweils mit ihren Familien. Nach ihnen sind die Doppelhäuser bis heute benannt. Später wohnten hier unter anderem Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe sowie Josef und Anni Albers. Die Häuser hatten Heizung, Warmwasser, Einbauschränke und moderne Haushaltsgeräte. Gropius und Moholy-Nagy richteten sich mit Möbeln von Marcel Breuer ein, Kandinsky und Klee entwickelten eigene Farbideen für ihre Räume.

Von außen fallen an den Doppelhäusern die hohen, schmalen Fenster auf. Hinter diesen langen Glasbändern liegen die Treppenhäuser. Die Häuser stehen bis heute zwischen hohen Kiefern.

Krieg, Umbau und Haus Emmer

Nach der Schließung des Bauhauses 1932 wurden die Häuser vermietet und stark umgebaut. Beim Luftangriff auf Dessau am 7. März 1945 wurden das Direktorenhaus und die Hälfte von Moholy-Nagy zerstört. Auf dem erhaltenen Kellerfundament der Direktorenvilla entstand 1956 ein Einfamilienhaus mit Satteldach, nach seinem Besitzer Haus Emmer genannt.

Die übrigen Häuser wurden in den 1990er-Jahren denkmalgerecht saniert: Feininger 1994, Kandinsky/Klee 2000, Muche/Schlemmer 2001. Das Doppelhaus Kandinsky/Klee wurde 2018/19 noch einmal instand gesetzt und ist seit April 2019 wieder zu besichtigen.

Neubauten mit Absicht unscharf

Wie die Lücken geschlossen werden sollten, war jahrelang umstritten. Ein offener Wettbewerb 2008 brachte zwei zweite Preise, aber keine Empfehlung zur Umsetzung. Einer der beiden Entwürfe wollte Haus Emmer erhalten, der andere es abreißen. 2010 fiel die Entscheidung gegen einen Wiederaufbau nach historischem Vorbild, den Auftrag bekam das Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez.

Die Architekt*innen nennen ihr Konzept eine „Architektur der Unschärfe“. Die neuen Häuser Gropius und Moholy-Nagy übernehmen nur die Umrisse und Fensteröffnungen der zerstörten Bauten, die Fenster sind aus milchigem Glas. Für die Außenwände wurde ein sehr heller Leichtbeton verwendet, der zusätzliche Dämmung überflüssig machte und leicht genug für die alten Fundamente war. Im Innern hat der Künstler Olaf Nicolai die Arbeit „Le pigment de lumière“ gestaltet. Haus Emmer verschwand mit dem Neubau. 2014 wurden die neuen Häuser eröffnet.

Am Doppelhaus Moholy-Nagy/Feininger stoßen Alt und Neu direkt aneinander. Die Hälfte von Feininger ist der sanierte Bau aus den 1920er-Jahren, die Hälfte von Moholy-Nagy der Neubau. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied an den Fenstern, im alten Teil ist das Glas klar, im neuen matt.

Die Meisterhäuser heute

Heute sind die Häuser auf unterschiedliche Weise genutzt. Die Stiftung Bauhaus Dessau zeigt die Neubauten und das Doppelhaus Kandinsky/Klee, im Haus Gropius erzählt eine Ausstellung die Geschichte des Direktorenhauses. Im Doppelhaus Muche/Schlemmer wohnen und arbeiten seit 2016 Künstler*innen und Musiker*innen im Rahmen der Bauhaus Residenz. Im Haus Moholy-Nagy/Feininger hat die Kurt-Weill-Gesellschaft ihren Sitz.

Die Meisterhäuser gehören mit dem Bauhausgebäude seit 1996 zum UNESCO-Welterbe „Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. Das Bauhausgebäude liegt ganz in der Nähe, an der Kreuzung vor dem Haus Gropius steht die kleine Trinkhalle von Mies van der Rohe.

Gut zu wissen

Die Häuser sind von März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis Februar dienstags bis sonntags zu denselben Zeiten. Ein Einzelticket kostet 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, es gibt auch Kombitickets mit den anderen Bauhausbauten. In jedem Haus dürfen höchstens zwölf Personen gleichzeitig sein. Barrierefrei sind die Häuser nicht, im Haus Moholy gibt es aber einen Aufzug. Zum Hauptbahnhof sind es etwa 1,2 Kilometer, am Bahnhof geht es über den Ausgang West in die Bauhausstraße und dann die Gropiusallee hinauf bis zur Ebertallee.

Am Weg

Die Meisterhäuser sind das Ziel meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.

Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.

HMeisterhäuserHKornhausstraße
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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich