An der Kreuzung vor den Meisterhäusern steht ein kleiner weißer Kiosk in einer Mauer. An dieser Stelle stand der einzige Bau, den Ludwig Mies van der Rohe in Dessau verwirklicht hat. Der heutige Kiosk ist ein Neubau von 2014, der an das Original erinnert. Nach meiner Wanderung von Roßlau nach Dessau bin ich hier noch vorbeigekommen.
Steckbrief
Architekt*in
Ludwig Mies van der Rohe, Zeichnung Eduard Ludwig; Neubau Bruno Fioretti Marquez
Gebaut
1932, Neubau 2014
Ort
Ebertallee 59, Dessau-Roßlau
Zustand
Original in der DDR abgerissen, Neubau von 2014
Nutzung heute
Kiosk
Nächste Haltestelle
Meisterhäuser (Bus 10)
Ein Kiosk für die Kreuzung
Mies war der dritte und letzte Direktor des Bauhauses. Gebaut hat er in Dessau nur dieses eine Haus, die Trinkhalle von 1932. Die Bauhaus Kooperation erklärt das mit der Weltwirtschaftskrise, die öffentliche Bauaufträge fast zum Erliegen brachte. Schon 1995 erschien ein kleines Buch von Helmut Erfurth und Elisabeth Tharandt mit dem Titel Die Trinkhalle, sein einziger Bau in Dessau.
Die Anregung für eine Erfrischungshalle an dieser Ecke kam vom Stadtplanungsamt. Die Idee stammte von Mies, die Bauzeichnung fertigte sein Schüler Eduard Ludwig. Ludwig hatte in der Werkstatt seines Vaters Tischler gelernt und kam zum Wintersemester 1928/29 ans Bauhaus, wo er zu den bevorzugten Schülern von Mies gehörte. Im Juni 1932 machte er bei ihm sein Diplom mit Auszeichnung. Im selben Jahr wurde die Trinkhalle gebaut.
Fenster in der Mauer
Der Kiosk wurde in die Mauer gebaut, die das Grundstück der Meisterhäuser zur Straße hin begrenzte. Zur Straße hin waren nur ein Verkaufsfenster und ein flaches, vorstehendes Dach zu sehen. Verkauft wurden alkoholfreie Getränke, Süßigkeiten, Tabakwaren und Ansichtskarten. Das Fenster war aus Stahl, lief auf Rollen und ließ sich ganz in der Wand versenken.
Abriss und Rückkehr
Die Trinkhalle überstand den Krieg weitgehend unbeschadet, anders als das Direktorenhaus hinter ihr, das 1945 von Bomben zerstört wurde. In der DDR wurde der Kiosk abgerissen, an seine Stelle kam ein Zaun.
Zurück kam die Trinkhalle mit der Neuordnung der Meisterhaussiedlung. Das Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez, das auch die neuen Häuser Gropius und Moholy-Nagy entwarf, baute sie bis 2014 wieder auf. Wie bei den Häusern ist es keine Kopie, sondern eine zeitgemäße Fassung in anderen Materialien. Geblieben ist die Grundform, ein schlichter weißer Kiosk in der Mauer mit einem flachen Dach.
Die Trinkhalle heute
Seit Juni 2016 ist die Trinkhalle wieder ein Kiosk. Während der Pandemie musste sie schließen, seit dem 1. Juni 2023 wird sie wieder betrieben. Es gibt kalte Getränke, Kaffee und kleine Snacks. Hinter dem Kiosk liegt der Garten des Hauses Gropius, dort gibt es schattige Plätze.
Gut zu wissen
Die Trinkhalle hat von April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Von außen ist sie jederzeit zu sehen, sie liegt an der Kreuzung Sieben Säulen direkt am Haus Gropius.
Am Weg
Die Trinkhalle steht am Ziel meiner Tour Von Roßlau nach Dessau.
Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
