Mitten in der Reihenhaussiedlung Törten steht ein weißer Bau, der deutlich höher ist als alles um ihn herum. Walter Gropius hat das Konsumgebäude 1928 als Laden und Wohnhaus für die Siedlung gebaut, heute beginnen hier die Führungen durch Törten. Ein zweiter Besuch in Dessau führte mich hierher.
Steckbrief
Architekt*in
Walter Gropius
Gebaut
1928
Ort
Am Dreieck 1, Dessau-Roßlau
Nutzung heute
Wohnhaus, im Flachbau Besucherzentrum der Stiftung Bauhaus Dessau
Nächste Haltestelle
Damaschkestraße (Tram 1), Konsumgebäude (Bus 10)
Die Siedlung Törten
In Törten ließ die Stadt Dessau von 1926 bis 1928 eine neue Siedlung bauen, um die Wohnungsnot zu lindern. Den Entwurf machte Walter Gropius. In drei Bauabschnitten entstanden 314 Reihenhäuser mit 57 bis 75 Quadratmetern Wohnfläche. Zu jedem Haus gehörte ein Garten mit 350 bis 400 Quadratmetern, für Obst, Gemüse und Kleintiere.
Gropius wollte Häuser, die fast wie in einer Fabrik entstehen. Auf der Baustelle zogen spezialisierte Trupps wie an einem Fließband von Haus zu Haus, die tragenden Wände bestanden aus Schlackenbetonsteinen, die Decken aus Stahlbetonträgern. Für die Bauhaus Kooperation war Törten für Gropius ein Testfeld für günstiges, serielles Bauen.
Laden, Café und drei Wohnungen
Zum Abschluss des ersten Bauabschnitts kam 1928 das Konsumgebäude dazu. Es besteht aus zwei Teilen. Im flachen Bau mit der Schaufensterfront verkaufte der Konsumverein Lebensmittel und Kolonialwaren. Mit Faltwänden ließ sich der Verkaufsraum in drei Bereiche teilen, dazu gab es ein kleines Café.
Daneben ragt der fünfgeschossige Hochbau auf. Über den Personalräumen lagen dort drei Dreizimmerwohnungen. Ganz oben gab es eine Waschküche, einen Trockenraum und eine Dachterrasse für alle. Anders als die Reihenhäuser ist der Hochbau aus verputztem Ziegelmauerwerk, der Flachbau aus Stahlbeton. Die schwarzen Geländer und Fensterrahmen setzen sich vom hellen Putz ab. Mit seiner Höhe und seiner Lage am Platz wurde der Konsum zum Mittelpunkt der Siedlung.
Die Laubenganghäuser nebenan
Kleinere und günstigere Wohnungen kamen in Törten erst später dazu. Unter Hannes Meyer, dem Nachfolger von Gropius, baute die Bauabteilung des Bauhauses 1930 gleich neben der Siedlung fünf dreigeschossige Laubenganghäuser mit kleinen Wohnungen. Sie gehören seit 2017 zum Welterbe.
Das Konsumgebäude heute
Das Konsumgebäude hat den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden und wurde in den 1990er-Jahren saniert. Der Hochbau ist heute ein Wohnhaus in Privatbesitz. Im Flachbau hat die Stiftung Bauhaus Dessau ihr Besucherzentrum für die Siedlung. Eine Dauerausstellung zeigt Idee, Baugeschichte und Bewohner*innen von Törten, und hier beginnen die täglichen Führungen. Bei einer Führung lässt sich auch das Haus Anton in der Doppelreihe besichtigen, ein Reihenhaus von 1926, das nur behutsam verändert wurde.
Gut zu wissen
Das Besucherzentrum hat von März bis Oktober täglich von 10 bis 15 Uhr geöffnet, von November bis Februar ist es geschlossen. Mit der Straßenbahn 1 fährst du bis zur Haltestelle Damaschkestraße, von dort sind es etwa 200 Meter durch die Damaschkestraße, das Konsumgebäude steht auf der rechten Seite. Das Gebäude ist nur über vier Stufen zu erreichen, öffentliche Toiletten gibt es keine.
Weitere Orte in Dessau stehen auf der Seite Wandern in Sachsen-Anhalt.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
