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Gropius­stadt

Ortsteil im Bezirk Neukölln · Ortsteil 26 von 97

Die Gropiusstadt ist ein Ortsteil im Süden von Neukölln, den es erst seit 2002 gibt. Am 17. Oktober 2021 bin ich 7,6 Kilometer durch die Großsiedlung gelaufen, vom östlichen Rand nach Westen bis zur Lipschitzallee und zurück. Der Weg führt an Hochhäusern, einer Schule von Walter Gropius und einer Kirche mit Kegeldach vorbei.

Länge der Tour7,6 km
Gehzeit1:30 h
Gelaufen am17. Oktober 2021
Einwohner*innen39.573
Fläche2,67 km²

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Kurz gesagt

  • Die Gropiusstadt entstand von 1962 bis 1975 nach Plänen von Walter Gropius und ist seit 2002 ein eigener Ortsteil.
  • Sie wurde viel dichter und höher gebaut als geplant: für rund 50.000 statt für 15.000 Menschen.
  • An der Tour liegen unter anderem das Gropiushaus und die Walter-Gropius-Schule, beide stehen unter Denkmalschutz.

Was die Gropiusstadt ausmacht

Die Gropiusstadt liegt im Süden Berlins an der Landesgrenze zu Brandenburg und besteht zu großen Teilen aus Hochhäusern. Gebaut wurden rund 18.500 Wohnungen, etwa 90 Prozent davon im sozialen Wohnungsbau. Etwa 70 Prozent der Wohnungen liegen in Hochhäusern, dazwischen stehen Einfamilien- und Reihenhäuser. Typisch sind Wohnhochhäuser, Punkthochhäuser, Zeilenbauten und Kettenhaussiedlungen.

Zur Siedlung gehören Grünzüge, vor allem entlang der U-Bahn-Trasse und am Wildmeisterdamm. Dazu kommen viele Grünflächen, gewachsener Baumbestand und Wege abseits der Straßen, die zu Fuß zu Läden und Wohnhäusern führen. Die U7 war von Anfang an die Verbindung in die Innenstadt, der Abschnitt bis zum Zwickauer Damm wurde am 2. Januar 1970 eröffnet.

Neben den Wohnungen gibt es eine ganze Reihe von Einrichtungen für den Alltag: 19 Kitas, zwei Grundschulen, drei Gemeinschaftsschulen, ein Oberstufenzentrum, neun Spielplätze und ein Kombibad. Auf dem Weg wechseln sich Wohnhochhäuser, niedrigere Wohnhäuser, eine Schule, ein Gemeinschaftshaus, eine Kirche und Grünflächen ab.

Geschichte

Die Planung begann 1955 auf Initiative von Karl-Heinz Peters von der Wohnungsbaugesellschaft Gehag. Zunächst waren 8.000 bis 9.000 Wohnungen vorgesehen, später verlangte der Senat mehr. 1959 wurde Walter Gropius mit der Planung beauftragt. Gropius war 1883 in Berlin geboren, hatte das Bauhaus gegründet und war in die USA emigriert, wo er das Büro The Architects Collaborative (TAC) mitgründete. Die Siedlung entstand am Rand von Britz, Buckow und Rudow und hieß zunächst Britz-Buckow-Rudow, daran erinnert noch der BBR-Grünzug. Sechs Wohnungsunternehmen und Genossenschaften sowie private Bauherren waren beteiligt.

Das Leitbild war ein durchgrüntes Viertel nach dem Motto „Licht, Luft und Sonne“, mit höchstens fünf Geschossen. Mit dem Mauerbau 1961 stieg der Bedarf an Wohnungen in West-Berlin. Er verhinderte eine flachere, weitläufigere Anlage, und die Planung wurde verdichtet. Am 7. November 1962 legten der Regierende Bürgermeister Willy Brandt und Gropius den Grundstein, Bauherrin war die Gehag.

Als die Siedlung 1975 fertig war, bot sie Wohnraum für rund 50.000 statt der geplanten 15.000 Menschen, und es standen Hochhäuser mit bis zu 30 Geschossen dort. Grünflächen mussten Schulen, Kitas, Supermärkten und Parkplätzen weichen, weil deutlich mehr Menschen einzogen als gedacht. Nach dem Falkenhagener Feld in Spandau und dem Märkischen Viertel in Reinickendorf war die Gropiusstadt die dritte große Stadterweiterung West-Berlins. Gropius war mit dem Ergebnis unzufrieden und ging auf Distanz, er zeigte sich empört. Fertig erlebte er die Siedlung nicht mehr, er starb 1969.

In den 1980er Jahren wurde das Wohnumfeld umgestaltet. In den 1990er Jahren zogen verstärkt Menschen mit geringem Einkommen und mit Migrationshintergrund her, nach dem Mauerfall waren viele Bewohner*innen weggezogen. 2002 wurde die Gropiusstadt als eigener Ortsteil abgetrennt, seit 2005 gibt es ein Quartiersmanagement. 2019 stellte das Land Berlin das Gropiushaus unter Denkmalschutz, und für den nordwestlichen Teil der Siedlung gilt seit November 2020 eine soziale Erhaltungsverordnung, der sogenannte Milieuschutz.

Orte, die sich lohnen

Ortsschild am Ostrand

Die Tour beginnt ganz im Osten, wo die Gropiusstadt an Rudow grenzt. Hier steht das Ortsschild. Der Name der Siedlung geht auf Walter Gropius zurück.

Wutzkyallee

Von hier geht es nach Westen zum U-Bahnhof Wutzkyallee. Am Bahnhof, auf dem Rotraut-Richter-Platz, findet ein Wochenmarkt statt. Die Häuser an der Strecke sind schon hier hoch und stehen gestaffelt nebeneinander.

Ideal-Hochhaus

An der Fritz-Erler-Allee 120 steht das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal, das ab 1969 bezogen wurde. Den Entwurf lieferten Walter Gropius und sein Büro TAC. Das Haus hat rund 30 Etagen und steht gleich neben dem Gropiushaus.

Gropiushaus

Das Gropiushaus liegt ein Stück neben dem Weg, zwischen Fritz-Erler-Allee und Lipschitzallee. Es ist ein halbrundes Wohnhaus mit bis zu 18 Geschossen, gebaut von 1972 bis 1974 nach einem Entwurf von Gropius und TAC. Der Grundriss gilt als Hommage an die Hufeisensiedlung in Britz.

Aussparungen im Außenradius gliedern die Baumasse, die obersten zwei Geschosse sind Maisonettewohnungen mit abweichender Fassade. Die Wohnungen sind so gemischt, dass auf allen Etagen verschiedene Typen liegen: Alleinlebende und Familien sollten sich begegnen, reine Nordwohnungen gibt es nicht. Im Süden umschließt das Haus einen großen Gartenhof mit zwei öffentlichen Durchgängen und einem Brunnenplatz in der Mitte. Haus, Gartenhof und Parkhaus stehen seit 2019 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Wohnhochhäuser zwischen Gropiushaus und Schule

Nach dem Gropiushaus geht es ein langes Stück an weiteren Wohnhochhäusern entlang. Sie sind weiß, grau oder braun, manche haben runde Balkone und Treppenhaustürme.

Walter-Gropius-Schule

An der Fritz-Erler-Allee 86 bis 94 liegt die Walter-Gropius-Schule, gebaut von 1965 bis 1969 nach einem Entwurf von Walter Gropius für das Land Berlin. Zur Anlage gehören fünf sternförmige Klassenbauten, dazu Gebäude für Fachräume und Werkstätten, eine Sporthalle und eine Kita. Die Schule liegt ein kleines Stück neben dem Weg und steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Von hier führt die Tour im Bogen nach Südwesten und dann zurück nach Osten.

Gemeinschaftshaus und Lipschitzplatz

Das Gemeinschaftshaus am Bat-Yam-Platz 1 wurde im April 1973 eröffnet. Es bietet Veranstaltungen, Ausstellungen und Seniorenangebote. Der Lipschitzplatz ist der zentrale Platz der Gropiusstadt. Für ihn hat der Bezirk 2026 ein Kunstwettbewerbsverfahren angekündigt, als Teil der Reihe „Gropius‘ Kulturinseln“. Die vier Orte sind der Lipschitzplatz, der Wildmeisterdamm, der Pavillonplatz im Grünzug und der Apfelsinenplatz. Am Platz liegt der U-Bahnhof Lipschitzallee. Kurz vorher bin ich an einem großen Wandbild an einem Hochhaussockel vorbeigekommen.

St. Dominicus

Die katholische Kirche St. Dominicus an der Lipschitzallee 74 wurde von 1975 bis 1977 gebaut. Sie steht auf einem quadratischen Grundriss und hat ein steiles, mit Aluminium verkleidetes Kegeldach. Die Kirche liegt direkt am Weg, danach geht es nach Südosten zurück.

Jungfernmühle

Die Jungfernmühle liegt nicht an dieser Tour. Ich bin bei meiner Buckow-Tour am 19. Dezember 2021 an ihr vorbeigekommen, das Bauwerk steht aber im Ortsteil Gropiusstadt, am Baumläuferweg 57. Die Mühle ist ein Baudenkmal und wurde 1892 fertiggestellt, 1992 und 1993 umgebaut. Woher sie kam, wird unterschiedlich angegeben: Das Stadtentwicklungsamt nennt Rixdorf als früheren Standort, wo die neue Bebauung der Mühle den Wind nahm. Die Tourismusseite des Bezirks beschreibt sie als Holländerwindmühle, die ursprünglich in Potsdam stand. In jedem Fall ist sie älter als die Großsiedlung um sie herum.

Meine Tour

Die Tour am 17. Oktober 2021 ist 7,6 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Sie beginnt im Osten am Ortsschild und führt über den U-Bahnhof Wutzkyallee nach Westen, an der Fritz-Erler-Allee am Ideal-Hochhaus, am Gropiushaus und an der Walter-Gropius-Schule vorbei. Im Westen läuft sie in einem Bogen nach Süden und kommt über den Lipschitzplatz, den U-Bahnhof Lipschitzallee und St. Dominicus zurück nach Osten. Sie endet am U-Bahnhof Zwickauer Damm, rund 300 Meter vom Start entfernt.

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Am Wegesrand

Ein Rundhaus statt dreizehn. Für die Siedlung waren dreizehn kreisförmige Gebäude vorgesehen, die sich unterschiedlich weit zu einer Seite öffnen sollten. Nach mehreren Planänderungen blieb ein einziges hohes Rundhaus übrig, das Gropiushaus.

Milchbar am Parkhaus. Vor dem Gropiushaus steht ein Parkhaus mit zwei großen Spindelrampen, dazu gehört ein Milchpavillon, den das Denkmalamt auch als einstige Milchbar führt.

Eine Bibliothek mit Namen. Die Bezirksverordnete Gertrud Junge setzte sich für ein Haus für Kultur, Freizeit und Gemeinschaft in der Gropiusstadt ein, 1973 wurde das Gemeinschaftshaus eröffnet. Die Bibliothek im Haus heißt Gertrud-Junge-Bibliothek.

Der Bahnhof am Ende der Tour. Der U-Bahnhof Zwickauer Damm wurde 1967 bis 1969 nach Plänen von Rainer G. Rümmler gebaut, mit einem Eingangspavillon, und war ursprünglich als Endpunkt der Linie gedacht. Das Bezirksamt führt ihn unter den Denkmalen der Gropiusstadt, die Denkmalliste ordnet ihn dem Ortsteil Buckow zu.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Die U7 hält an der Tour an den Bahnhöfen Wutzkyallee, Lipschitzallee und Zwickauer Damm.

Markt: Der Wochenmarkt am U-Bahnhof Wutzkyallee findet mittwochs und samstags auf dem Rotraut-Richter-Platz statt.

Mehr auf dieser Seite: Die Hufeisensiedlung, auf die das Gropiushaus anspielt, steht im Ortsteil Britz. Die Jungfernmühle und der U-Bahnhof Zwickauer Damm gehören zur Tour durch Buckow. Mehr zum Bezirk steht auf der Seite zum Ortsteil Neukölln.

Von Gropiusstadt aus weiter

3 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

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