Berliner Ortsteile / Neukölln / Britz
Britz
Ortsteil im Bezirk Neukölln · Ortsteil 21 von 97
Britz ist der Neuköllner Ortsteil mit Dorfkern, Gutshof, Welterbesiedlung und einem Park, der für eine Gartenschau angelegt wurde. Am 26. September 2021 bin ich hier 14,6 Kilometer gelaufen: vom Dorfkern mit Schloss durch den Britzer Garten in die Hufeisensiedlung und weiter zu einem hinduistischen Tempel.

Kurz gesagt
- Britz war ein Dorf mit Rittergut, wurde 1304 erstmals erwähnt und gehört seit 1920 zu Groß-Berlin.
- Am Weg liegen drei Zeitschichten: Schloss und Gutshof aus dem Barock, die Hufeisensiedlung von Bruno Taut aus den 1920er Jahren und der Britzer Garten von 1985.
- Die Tour ist 14,6 Kilometer lang und bleibt von Anfang bis Ende in Britz.
Was Britz ausmacht
Britz ist ein Dorf, das in der Großstadt geblieben ist. Der Ort wurde 1304 erstmals urkundlich erwähnt und gehört mit Buckow zu den Dörfern, die älter sind als Rixdorf, das heutige Neukölln. Kirche, Schloss und Gutshof sind davon erhalten, auch wenn ringsum längst gebaut wurde.
Dazu kommen zwei Anlagen aus dem 20. Jahrhundert: die Siedlung aus den 1920er Jahren und der Park aus den 1980ern. Seit 2013 steht an der Blaschkoallee außerdem ein hinduistischer Tempel. Die Gropiusstadt dagegen ist seit 2002 ein eigener Ortsteil.
Die Orte liegen weit auseinander. Vom Gutshof bis zum Britzer Garten sind es gut zwei Kilometer, vom Garten bis zur Hufeisensiedlung knapp drei.
Geschichte
Im Mittelalter entstand in Britz ein Rittergut. Anfang des 18. Jahrhunderts folgte an der Stelle eines Fachwerkhauses das Herrenhaus, das heute Schloss Britz heißt. Es gehörte hohen preußischen Hofbeamten und Ministern. Seine beste Zeit hatte das Gut unter Ewald Friedrich von Hertzberg, der es zum Mustergut für moderne Landwirtschaft machte und den Seidenbau einführte.
Im 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer, und aus dem Mustergut wurde ein Betrieb mit Brennerei: in den 1820er Jahren baute der Gutsbesitzer Carl Jouanne die Wirtschaftsgebäude neu und ließ eine dampfbetriebene Spritfabrik einrichten, die erst 1959 und 1960 abgerissen wurde. 1865 kaufte Wilhelm Julius Wrede das Gut, ein Bankier und Fabrikant. 1920 wurde Britz zusammen mit Neukölln, Buckow und Rudow nach Groß-Berlin eingemeindet. Vier Jahre später verkauften die Wrede-Erben das Gut an die Stadt.
Die Stadt nutzte die Felder sofort: Ab 1925 baute die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft GEHAG hier die Großsiedlung Britz, nach Plänen von Bruno Taut, mit Martin Wagner als Stadtplaner. Sie entstand in sechs Bauabschnitten bis 1930. Seit 2008 gehört sie zum Welterbe Siedlungen der Berliner Moderne.
Das Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Heim für Flüchtlinge und Kinder. Der Bezirk Neukölln ließ es von 1985 bis 1988 restaurieren und den Park rekonstruieren. 1985 entstand außerdem für die Bundesgartenschau der Britzer Garten.
Orte, die sich lohnen
Dorfkirche Britz
Nach gut zweieinhalb Kilometern erreichst du den alten Dorfkern. Die Dorfkirche steht in der Backbergstraße auf einer Anhöhe über dem Teich, der zum alten Dorf gehört. Sie ist ein Feldsteinbau vom Anfang des 14. Jahrhunderts und war früher die Patronatskirche des Ritterguts.
1888 wurde sie nach Plänen von Carl Busse umgebaut. Außen an der Chorwand steht eine Grabkapelle. Gutsherr Hertzberg ließ sie im 18. Jahrhundert für sich errichten, und sie wurde 1992 und 1993 restauriert, weil sie zu zerfallen drohte. Im Innern steht ein barocker Kanzelaltar von 1720. Der Turm brannte im Dezember 1943 bei einem Bombenangriff aus, die mittelalterliche Marienglocke ging dabei verloren.
Schloss Britz
Von der Kirche ist es nicht weit bis zum Schloss. „Schloss“ ist ein großer Name für das Herrenhaus eines Ritterguts, das 1706 fertig wurde. Hertzberg ließ das Haus um 1770 ausbauen und innen ausmalen. Seine Bibliothek und seine Gemäldegalerie machten Britz zu einem Anziehungspunkt für Besucher.
Seine heutige Gestalt bekam das Haus in den 1880er Jahren. Damals ließ der Besitzer die Fassade im Stil der Neorenaissance erneuern und einen Turm anbauen, die Denkmalliste nennt 1883. Seit 1971 steht das Schloss unter Denkmalschutz. Im Haus ist in fünf Räumen eine Dauerausstellung zur Wohnkultur der Gründerzeit eingerichtet, dahinter liegt der Schlosspark, der den Zustand um 1880 wiedergibt.

Eigener Beitrag
Schloss und Gutshof Britz
- Bauherr*in Sigismund von Erlach (Steinhaus 1706), Umbau für Wilhelm Julius Wrede
- Ort Alt-Britz 73 und 81, Berlin-Britz
- Gebaut 1706, Umbau 1880 bis 1883
- Zustand erhalten, Baudenkmal (Gesamtanlage)
- Nächste Haltestelle Fulhamer Allee (ca. 310 m), Britzer Damm/Mohriner Allee (ca. 320 m)
Gutshof und Museum Neukölln
Der Gutshof schließt sich an das Schloss an. Der Wirtschaftshof entstand um 1880 im Stil italienischer Landhäuser. Im umgebauten Pferde- und Ochsenstall ist seit 2010 das Museum Neukölln untergebracht, das zuvor in anderen Häusern des Bezirks saß. Seine Dauerausstellung „99 x Neukölln“ erzählt die Geschichte des Bezirks.

Im ehemaligen Kuhstall gibt es heute den Kulturstall für Konzerte, im früheren Gutsverwalterhaus probt die Paul-Hindemith-Musikschule. Das Kulturprogramm auf dem Gelände trägt seit 1989 die Kulturstiftung Schloss Britz. Danach geht es auf einem langen Stück nach Süden zum Britzer Garten.
Britzer Garten
Nach gut fünf Kilometern beginnt der Britzer Garten, und ich bin etwa drei Kilometer durch ihn hindurchgelaufen. Der Park wurde für die Bundesgartenschau 1985 angelegt, die 178 Tage lang von April bis Oktober dauerte. Davor war das Gelände kahles Ackerland am Südrand von West-Berlin. Den Park entwarf der Landschaftsarchitekt Wolfgang Miller.
Im Zentrum liegt ein künstlicher See von etwa zehn Hektar. Mit dem Aushub entstanden drei Hügel, die bis zu 63 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Dazu kommen Sichtachsen und Aussichtspunkte auf die Stadtlandschaft, ein Rundweg um den See und eine kleine Parkeisenbahn, die quer durch den Park fährt. Insgesamt umfasst der Garten etwa 90 Hektar. Die alte Britzer Mühle am Buckower Damm liegt ein Stück abseits der Tour.


Die meisten Skulpturen und Bauten im Park entstanden 1985 im Programm Kunst am Bau. Mittelpunkt ist der Kalenderplatz an der Kunstachse, mit Brunnen und mehreren Skulpturen aus den 1980er Jahren. Ich bin am Kalenderplatz vorbeigekommen und dann weiter an den Seen vorbeigelaufen.

Auf einem der Hügel standen Ziegen unter einem hohen Baum. Die Beete waren bunt bepflanzt, unter anderem mit Dahlien. Nach gut acht Kilometern verlässt die Tour den Park und führt Richtung Hufeisensiedlung.



Eigener Beitrag
Britzer Garten
- Planer*in Wolfgang Miller, Landschaftsarchitekt
- Ort Mohriner Allee 152 und weitere Eingänge, Berlin-Britz
- Gebaut 1985, Bundesgartenschau
- Zugang Eintritt kostenpflichtig
- Nächste Haltestelle Bus M44 bis Britzer Garten (Buckower Damm), Bus 181 bis Rotkopfweg (Mohriner Allee)
Hufeisensiedlung
Hinter dem U-Bahnhof Parchimer Allee, nach knapp elf Kilometern, beginnt die Hufeisensiedlung. Die Denkmalliste führt sie als Gesamtanlage von Bruno Taut und Martin Wagner, die Gärten stammen von Leberecht Migge und Ottokar Wagler. Bauherr war die GEHAG. Taut machte Asymmetrie und versetzte Zeilen zum Planungsprinzip: Dreigeschossige Zeilenbauten rahmen zweigeschossige Reihenhäuser.
Der Namensgeber ist ein hufeisenförmiger Block, etwa 350 Meter lang. Er umschließt einen eiszeitlichen Pfuhl, in dessen Gelände Taut das Hufeisen einband. Eine breite Treppe führt vom Gebäude hinunter zum Teich. Ich bin an diesem Teich entlanggelaufen.
Die Siedlung hat knapp 2.000 Wohnungen, davon 679 Reihenhäuser mit Garten. Jede Wohnung hatte ein eigenes Bad und eine eigene Küche. Um die Kosten zu senken, waren Türen, Fenster und Treppen genormt. Mit Farbe vermied Taut die Eintönigkeit. Die Anlage folgt dem Konzept „Luft, Licht und Sonne“, und die Häuser bekamen trotz genormter Teile ein eigenes Gesicht: Die Haustüren gibt es in mehreren Farbvarianten desselben Entwurfs, die Fassaden sind weiß und die Loggien himmelblau.

Eigener Beitrag
Hufeisensiedlung in Britz
- Architekt*innen Bruno Taut und Martin Wagner
- Ort Fritz-Reuter-Allee, Berlin-Britz
- Gebaut 1925 bis 1930
- Zustand erhalten, Baudenkmal und UNESCO-Welterbe
- Nächste Haltestelle U Parchimer Allee (ca. 250 m), U Blaschkoallee (ca. 480 m)
Sri Mayurapathy Murugan Tempel
Von der Siedlung geht es nach Norden zur Blaschkoallee. Dort steht der Sri Mayurapathy Murugan Tempel, 2013 eröffnet und dem Gott Murugan geweiht. Sein Gopuram, der Torturm über dem Eingang, ist mit bunt bemalten Götterfiguren besetzt.

Der Tempel ist im Stil Südindiens gebaut, mit einer rot-weiß gestreiften Außenwand. Die Gemeinde besteht überwiegend aus tamilischen Hindus aus Sri Lanka, viele von ihnen Geflüchtete des Bürgerkriegs oder deren Nachkommen. Vorher hatte die Gemeinde einen kleineren Tempel in der Urbanstraße. Der Grundstein wurde im Sommer 2009 gelegt, der Neubau dauerte rund fünf Jahre und wurde aus Spenden, Rücklagen und einem Bankkredit finanziert.
Siedlung Ideal
Ein Stück abseits der Tour liegt am Buschrosenplatz die Siedlung Ideal. Auch sie plante Bruno Taut, 1929 bis 1930 für die Baugenossenschaft Ideal, die Gärten gestaltete Leberecht Migge. Die Häuser stehen am Buschrosenplatz, an der Franz-Körner-Straße, der Hannemannstraße, der Hippelstraße und der Rungiusstraße, dazu kommt ein Waschhaus.
Meine Tour
Ich bin am 26. September 2021 14,6 Kilometer gelaufen und war gut viereinhalb Stunden unterwegs. Die Tour beginnt im Norden von Britz und führt zuerst am Kanal und an Industrieanlagen vorbei zum Dorfkern mit Kirche, Schloss und Gutshof. Danach geht es nach Süden und rund drei Kilometer durch den Britzer Garten. Von dort bin ich nach Nordosten gelaufen, am U-Bahnhof Parchimer Allee vorbei durch die Hufeisensiedlung, über die Blaschkoallee zum Tempel und weiter zum Hafen Britz Ost, wo die Tour endet. Start und Ziel liegen rund 1,4 Kilometer auseinander.
Am Wegesrand
Ein Milchmädchen aus Zarskoje Selo. Im Gutspark steht ein Bronzeabguss der Brunnenfigur „Milchmädchen“. Das Original von Pawel Sokolow aus dem Jahr 1816 steht im Park von Zarskoje Selo, der Abguss kam 1998 nach Britz, zum zehnten Jahr der Partnerschaft mit dem dortigen Museum.
Der älteste Ginkgo Berlins. Im Schlosspark steht ein Ginkgo, der zwischen 1880 und 1890 gepflanzt wurde und etwa 20 Meter hoch ist. Er ist der älteste Ginkgo der Stadt.
Jahrzehntelang ein Kinderheim. Nach dem Krieg zogen Flüchtlinge und Waisen ins Schloss, danach war es bis in die 1980er Jahre ein Kinderheim. Seit 1989 ist das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich.
Zwei Siedlungen an einer Allee. Die Stadt teilte das Land aus politischen Gründen auf zwei Wohnungsgesellschaften auf. Westlich der Fritz-Reuter-Allee baute die GEHAG die Siedlung von Bruno Taut, östlich davon die DEGEWO mit traditionellen Fassaden im Heimatstil.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die U7 hält an der Parchimer Allee direkt an der Tour und an der Blaschkoallee unweit der Hufeisensiedlung.
Mehr auf dieser Seite: Der Britz-Buckower-Weg, der Grüne Hauptweg 10, führt um den Britzer Garten herum und endet an der Grenze zu Buckow. Weitere Wege dieser Art findest du in der Übersicht der Grünen Hauptwege in Berlin. Nördlich von Britz liegt der Ortsteil Neukölln, den ich ebenfalls gelaufen bin.
Von Britz aus weiter
7 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.