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Baum­schulen­weg

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 13 von 74

Baumschulenweg hat seinen Namen von einer Firma: den Späth’schen Baumschulen, die hier seit den 1860er Jahren Bäume ziehen. Der Ortsteil liegt zwischen Spree, Teltowkanal und der früheren Grenze zu Neukölln. Am 4. August 2021 bin ich 9,6 Kilometer durch Baumschulenweg gelaufen, vom Friedhof über die Baumschulenstraße an den Mauerstreifen und zur Baumschule.

Länge der Runde9,6 km
Gehzeit1:52 h
Gelaufen am4. August 2021
Einwohner*innen19.618
Fläche4,82 km²
BahnhofS Baumschulenweg

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Kurz gesagt

  • Franz Späth verlegte die Gärtnerei seiner Familie in den 1860er Jahren auf die Wiesen zwischen Britz und Johannisthal. Der Ortsteil ist nach seiner Baumschule benannt.
  • Im alten Krematorium Baumschulenweg ließ die Stasi Mauertote einäschern, um die Umstände ihres Todes zu verschleiern.
  • Am Britzer Zweigkanal wurde am 5. Februar 1989 Chris Gueffroy erschossen, der letzte Mensch, der an der Mauer durch Schüsse starb.
  • Heute wohnen in Baumschulenweg knapp 20.000 Menschen.

Geschichte

Baumschulenweg geht auf das Gut Marienthal zurück, wo die alte Försterei Canne stand. Seinen Namen hat der Ortsteil aber von einer Gärtnerei. Christoph Späth hatte 1720 am Halleschen Tor eine Obst- und Gemüsegärtnerei eröffnet. Weil die wachsende Stadt immer mehr Platz brauchte, zog der Betrieb erst in die Köpenicker Straße und dann weiter hinaus. In den 1860er Jahren kam Franz Späth hierher. Über Jahrzehnte kaufte er die Wiesen zwischen Britz und Johannisthal von 60 verschiedenen Besitzern zusammen, bis er rund 120 Hektar am Stück hatte. 1874 ließ er sich ein Herrenhaus bauen.

Späth sorgte auch dafür, dass es gepflasterte Zufahrtsstraßen gab und an der Görlitzer Bahn eine Haltestelle, den Bahnhof Baumschulenweg. 1902 ernannte ihn Wilhelm II. zum Landesökonomierat. Um 1900 galt seine Baumschule als die größte Sortimentsbaumschule der Welt. 1905 wurden die Gleise hochgelegt, damals entstanden die heutige Überführung und der Bahnhof mit zwei Bahnsteigen. Im selben Jahr wurde die Trojanstraße bebaut.

1912 übernahm der Sohn Hellmut Späth die Firma. Er war Mitglied der NSDAP und wurde am 1. März 1943 verhaftet, laut Bezirksamt wegen kritischer Äußerungen. Am 15. Februar 1945 wurde er im KZ Sachsenhausen getötet. Wie er zum NS-Staat stand, wird unterschiedlich gesehen. In der DDR war die Baumschule volkseigen, 1997 bekamen die Erben der Familie sie zurück.

Nach dem Mauerbau 1961 lag Baumschulenweg an der Grenze. Die Mauer verlief am Britzer Zweigkanal und quer über die Sonnenallee. Bis 1989 war die Sonnenallee der einzige Grenzübergang auf den 17 Kilometern Grenze zwischen Treptow und dem Westen. Ein Teil des Ortsteils war Sperrgebiet, erst nach der Wende wurden dort viele Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut.

Was Baumschulenweg ausmacht

Rund um die Baumschulenstraße im Nordosten ist Baumschulenweg dicht bebaut, westlich davon, am Heidekampweg, stehen viergeschossige Häuser aus den 1950er Jahren. Im Südwesten wird es locker, mit Einfamilienhäusern, Kleingärten und den Feldern der Baumschule. Die Zapf-Siedlung mit ihren Reihenhäusern steht auf früherem Baumschulgelände.

Mitten durch Baumschulenweg läuft der Britzer Verbindungskanal, der früher Britzer Zweigkanal hieß. Am Kanal steht ein Rodelberg, und der ist künstlich: Er wurde aus dem Aushub des Kanals aufgeschüttet.

Orte, die sich lohnen

Friedhof und Krematorium

Meine Runde beginnt und endet an der Rixdorfer Straße. Von dort sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Friedhof. Die Kiefholzstraße teilt den Friedhof Baumschulenweg in einen alten und einen neuen Teil. Im alten Teil steht das Krematorium von Axel Schultes und Charlotte Frank. Es ist seit 1999 in Betrieb, sein Dach tragen 29 runde Säulen. Im Vorgängerbau ließ die Stasi Mauertote einäschern, damit niemand erfuhr, wie sie gestorben waren. Seit 2016 erinnert eine Gedenktafel daran: „Das alte Krematorium Baumschulenweg diente dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR als Ort der Vertuschung“.

Neben dem Krematorium steht seit 1956 ein Gedenkstein für Verfolgte des Nationalsozialismus, die in Konzentrationslagern getötet und hier bestattet wurden. Nördlich des Haupteingangs steht eine Stele von Gerhard Thieme von 1981 mit vier Figuren aus Bronze. Außerdem gibt es eine Grabfläche für Soldaten des Zweiten Weltkriegs, Italien und Polen haben 1996 und 2000 Gedenksteine für ihre Gefallenen aufgestellt.

Mehr über den Friedhof, das Krematorium und die „Trauernde“ von Fritz Cremer steht in meinem Beitrag über den Friedhof Baumschulenweg.

Siedlung Behringstraße

Vom Friedhof geht es über die Kiefholzstraße und die Gondeker Straße in die Behringstraße. Dort stehen Reihenhäuser aus den 1890er Jahren. Die Häuser Nummer 13 bis 19 und 38 bis 48 baute die Berliner Baugenossenschaft 1893 bis 1896, dazu kommen Mietshäuser von 1897/98 und eine Villa von 1918/19. Ein paar Jahre später baute dieselbe Genossenschaft weitere Reihenhäuser in der Wohlgemuthstraße. Beide Siedlungen stehen unter Denkmalschutz.

Baumschulenstraße

Ein paar Straßen weiter kommt die Runde auf die Baumschulenstraße. Sie führt mitten durch den Ortsteil bis an die Spree. An ihr steht die Kirche Zum Vaterhaus mit den zwei Türmen, gebaut 1910 bis 1912 von Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth. Von denselben Architekten stammt das Rathaus Treptow in Plänterwald. Zur Kirche gehören Pfarrhaus, Schule und Lehrerwohnhaus, im Anbau ist heute die Volkshochschule. An der Nummer 79 steht ein Brunnen von Rüdiger Roehl aus dem Jahr 1994.

Ein paar Häuser weiter, in der Nummer 92, steht ein Wohn- und Geschäftshaus von 1927/28. Am Portal steht ein Merkur von Walter Kreußel.

Vor der Nummer 90 liegen Stolpersteine für den Arzt Georg Heinsius und für Gertrude Heinsius. Beide flohen 1939 in die USA. Georg Heinsius nahm sich am 23. Dezember 1941 in New York das Leben. Vor der Nummer 12 erinnert ein Stein an Siegfried Lublinsky. Er floh 1934 über die Slowakei und die Schweiz nach Palästina und überlebte.

Sonnenallee

Hinter dem S-Bahnhof führt die Runde über die Köpenicker Landstraße ein Stück durch Plänterwald und dann an der Kiefholzstraße und am Heidekampgraben nach Süden bis zur Sonnenallee. Die Mauer teilte die Sonnenallee in einen Neuköllner und einen Baumschulenweger Teil. Nahe dem Heidekampgraben liegt im Boden die Platte „Memento“ von Rüdiger Roehl und Jan Skuin. Sie erinnert an den 9. November 1989, bestellt haben sie die Bezirke auf beiden Seiten. Enthüllt wurde sie am 20. März 1993. Dazu kommen Fernrohre von Heike Ponwitz, die an die Überwachung im Grenzgebiet erinnern.

Gedenkstele für Chris Gueffroy

Von der Sonnenallee folgt die Runde dem früheren Grenzstreifen bis an den Britzer Zweigkanal. Am 5. Februar 1989 wollten Chris Gueffroy und sein Freund Christian G. am Britzer Zweigkanal nach West-Berlin. Sie hatten von Bekannten gehört, dass an der Grenze nicht mehr geschossen werde. Das stimmte nicht. Gueffroy wurde ins Herz getroffen, sein Freund verletzt und im Mai 1989 zu drei Jahren Haft verurteilt. Es waren die letzten tödlichen Schüsse an der Mauer. Anfang April 1989 hob Honecker den Schießbefehl auf. Der Grenzsoldat, der Gueffroy getroffen hatte, bekam nach der Wende zwei Jahre auf Bewährung.

Die Stele am Kanal wurde 2003 an Gueffroys 35. Geburtstag aufgestellt. Die frühere Britzer Allee, an der die Stele steht, heißt seit 2010 Chris-Gueffroy-Allee.

Mehr über Chris Gueffroy und die Stele steht in meinem Beitrag über die Gedenkstele für Chris Gueffroy.

Späth’sche Baumschulen und Arboretum

Über die Chris-Gueffroy-Allee geht es weiter zur Späthstraße. Dort liegt bis heute die Baumschule, nach der der Ortsteil benannt ist. Sie gilt als das älteste produzierende Unternehmen Berlins. Die Baumschule steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Vor der Späthstraße 80 liegt der Stolperstein für Hellmut Späth.

1879 legte Gustav Meyer, der auch den Treptower Park geplant hat, hier einen englischen Landschaftspark an, das Späth-Arboretum. Auf 3,5 Hektar wachsen rund 1.200 Arten und Sorten von Bäumen und Sträuchern. 1961 übernahm es die Humboldt-Universität, seit 1966 kann es jede*r besuchen. Im Herrenhaus ist heute ein Institut der Universität. Im Park stehen mehrere Skulpturen aus DDR-Zeiten, unter anderem die „Komposition mit Rehen“ von Iwan Neschev aus Kupfer und der Brunnen „Der Gießer“ von Hedwig Jaenichen-Woermann.

Meine Runde

Meine Runde ist 9,6 Kilometer lang, gebraucht habe ich knapp zwei Stunden. Start und Ziel ist die Rixdorfer Straße. Zum Schluss führt die Runde durch das Wäldchen Königsheide, das schon zu Johannisthal gehört. Der S-Bahnhof Baumschulenweg liegt an der Runde.

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Am Wegesrand

Der König zieht Möhren. Als die Gärtnerei der Späths noch am Halleschen Tor lag, kam König Friedrich Wilhelm I. nach Truppenbesichtigungen vorbei und zog dort selbst Möhren aus den Beeten. Carl Späth lernte in der Charlottenburger Hofgärtnerei und pflegte später die Kastenlinden, die Friedrich der Große so mochte.

Der Kanal und das Grundwasser. Der Teltowkanal senkte das Grundwasser um etwa drei Meter. Hellmut Späth kaufte deshalb ein großes Rittergut dazu.

Eine Erle aus Baumschulenweg. Um 1908 entstand in der Baumschule eine eigene Erle, Späths Erle. Ein Exemplar steht im Treptower Park. Dort hat Späth auch das Sowjetische Ehrenmal bepflanzt.

Sonnenallee im Kino. Der Film „Sonnenallee“ von Leander Haussmann kam 1999 ins Kino. Er spielt in den 1970er Jahren am kurzen Ende der Straße, das im Osten lag. Der größte Teil der Sonnenallee gehörte zu West-Berlin.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Baumschulenweg (S8, S9, S45, S46, S47, S85) liegt an der Runde.

Späth-Arboretum: Späthstraße 80, von April bis Oktober mittwochs, donnerstags, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt 1,50 Euro.

Mehr auf dieser Seite: Die dritte Etappe des Berliner Mauerwegs führt am Britzer Zweigkanal durch Baumschulenweg. Das Mahnmal an der Kiefholzstraße für zwei 1966 erschossene Jungen liegt weiter nördlich an derselben Straße, schon in Plänterwald. Die erste Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs endet mit der Fähre am Ende der Baumschulenstraße, die nach Oberschöneweide über die Spree fährt. Auch die Tour von Köpenick nach Fennpfuhl aus meiner Serie Jüdisches Berlin kommt durch Baumschulenweg.

Von Baumschulenweg aus weiter

7 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

Plänterwald2,5 km im NordenOberschöneweide4,2 km im OstenNiederschöneweide3,1 km im OstenJohannisthal3,0 km im Südosten
Rudow4,9 km im Süden · Beitrag folgt
Britz2,6 km im Südwesten · Beitrag folgt
Neukölln2,6 km im Nordwesten · Beitrag folgt

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