Unterwegs zu Fuß

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Der Berliner S-Bahn-Ring zu Fuß: 70 Kilometer in vier Etappen

Blick von oben auf Bahnsteig und Gleise des Bahnhofs Gesundbrunnen in Berlin im Einschnitt

Der Berliner S-Bahn-Ring ist kein Wanderweg, sondern eine Bahnstrecke: knapp 37 Kilometer Gleis rund um die Innenstadt, 27 Bahnhöfe, eine Runde mit der S41 oder S42 dauert eine Stunde. Ich bin ihn zu Fuß abgelaufen, im Uhrzeigersinn, mit Start und Ziel am Ostkreuz. Das passt für dich, wenn du Stadt magst, Asphalt nicht scheust und wissen willst, was zwischen den Stationen liegt.

Unterwegs war ich vom 28. April bis zum 3. Mai 2021, an vier Tagen. Die Idee war einfach: Ich wollte die Bahnhöfe der Ringbahn zu Fuß verbinden. Einen ausgeschilderten Weg gibt es dafür nicht. Die Route habe ich selbst gelegt, meist auf kurzem Weg von Bahnhof zu Bahnhof, und wo links oder rechts etwas Interessantes lag, bin ich abgebogen. Das kam oft vor. Am Ende waren es 69,9 Kilometer, fast doppelt so viel, wie die Bahn für dieselbe Runde fährt.

Schema: die Berliner Ringbahn und mein Weg zu FußDie Ringbahn als Band mit ihren 27 Bahnhöfen, darüber die 69,9 Kilometer lange Strecke, die ich in vier Etappen gelaufen bin.OstkreuzTreptower ParkSonnenalleeNeuköllnHermannstraßeTempelhofSüdkreuzSchönebergInnsbrucker PlatzBundesplatzHeidelberger PlatzHohenzollerndammHalenseeWestkreuzMesse Nord/ZOBWestendJungfernheideBeusselstraßeWesthafenWeddingGesundbrunnenSchönhauser AlleePrenzlauer AlleeGreifswalder StraßeLandsberger AlleeStorkower StraßeFrankfurter AlleeETAPPE 1 · 19,7 KMETAPPE 2 · 14,1 KMETAPPE 3 · 20,1 KMETAPPE 4 · 16,0 KM70 km zu Fußum 37 km Gleis, 27 Bahnhöfe

Ringbahn mit ihren 27 Bahnhöfenmein Weg, ein Klick führt zur Etappe

Strecke

69,9 km

Gehzeit

13:13 h

Etappen

4

14,1 bis 20,1 km pro Etappe

Start und Ziel

S-Bahnhof Ostkreuz

Gelaufen

28. April bis 3. Mai 2021

Karte: der Berliner S-Bahn-Ring zu Fuß, alle vier EtappenÜbersichtskarte der vier Etappen rund um die Berliner Ringbahn, 69,9 km im Uhrzeigersinn mit Start und Ziel am Ostkreuz.Start und Ziel: Ostkreuz1 kmSüdkreuzWestkreuzGesundbrunnen
Alle vier Etappen im Überblick: 69,9 km im Uhrzeigersinn, Start und Ziel am Ostkreuz. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung. Gestrichelt: Bahnstrecken, darunter die Ringbahn.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich der Ring

  • Alle 27 Bahnhöfe der Ringbahn, vom Empfangsgebäude der Kaiserzeit bis zum Neubau von 1999
  • Zweimal über die frühere Grenze: an der Elsenstraße und durch den Gleimtunnel
  • Abstecher nach Stralau, an die AVUS, zum Schloss Charlottenburg und in die Wohnstadt Carl Legien
  • Aufhören kannst du an jedem Bahnhof, die Ringbahn fährt tagsüber alle fünf Minuten

Der Weg in Zahlen

Zusammen sind es 69,9 Kilometer in vier Etappen und 13:13 Stunden reine Gehzeit. Die längste Etappe ist die dritte mit 20,1 Kilometern vom Westkreuz nach Gesundbrunnen, die kürzeste die zweite mit 14,1 Kilometern vom Südkreuz zum Westkreuz. Jede Etappe beginnt und endet an einem Ringbahnhof, dazwischen liegen fünf oder sechs weitere.

Die Ringbahn selbst ist 36,9 Kilometer lang. Ich bin also fast doppelt so weit gelaufen, wie die Züge fahren. Das liegt an den Abstechern: Vom Westhafen zum Wedding fährt die S-Bahn eine Station, ich war dazwischen knapp sechs Kilometer unterwegs.

So ist die Ringbahn entstanden

Als Ausflugslinie war die Ringbahn nie gedacht. Berlins Fernbahnen endeten Mitte des 19. Jahrhunderts in Kopfbahnhöfen rund um die Stadt. Eine erste Verbindungsbahn von 1851 lief eingleisig und zum Teil mitten durch die Straßen, sie war bald zu schwach. 1867 fiel deshalb die Entscheidung für eine staatliche Ringbahn weit vor der Stadt, noch im selben Jahr begann der Bau. Geleitet hat ihn Ernst Dircksen, der später auch die Stadtbahn baute. Dem Staat ging es dabei zuerst um Güterzüge und Truppentransporte.

Am 17. Juli 1871 ging der erste Abschnitt in Betrieb, von Moabit über Gesundbrunnen, Stralau und Rixdorf nach Schöneberg, zunächst nur für Güterzüge. Personen fuhren ab dem 1. Januar 1872 mit, anfangs in zwei Zugpaaren am Tag. Die Strecke lief damals durch unbebautes Land, an Dörfern wie Tempelhof, Schöneberg und Wilmersdorf vorbei. Am 15. November 1877 war mit dem Westring über Charlottenburg der Ring geschlossen, und der Name Ringbahn setzte sich durch.

Im Kreis fuhren die Züge trotzdem lange nicht. Ab 1881 bogen sie im Süden über eine Spitzkehre zum Potsdamer Ringbahnhof ab und machten dort kehrt. Erst als dieser Abzweig im Zweiten Weltkrieg nach Bombenschäden aufgegeben wurde, entstand der durchgehende Kreis. Elektrisch fährt die Ringbahn seit Ende der 1920er-Jahre: Am 6. November 1928 kam der Südring an die Stromschiene, am 1. Februar 1929 der Nordring, am 18. April 1929 das letzte Stück zwischen Halensee und Westend. Seit dem 1. Dezember 1930 ist das weiße S auf grünem Grund das Zeichen der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen, die seitdem S-Bahn heißen.

Meine vier Etappen

Eingeteilt habe ich nach den vier Kreuzen, von denen eines gar nicht so heißt: Ostkreuz, Südkreuz, Westkreuz und Gesundbrunnen. Jede Etappe führt von einem dieser Umsteigebahnhöfe zum nächsten, im Uhrzeigersinn, also in der Fahrtrichtung der S41. Gelaufen bin ich am 28., 29. und 30. April und am 3. Mai 2021. Die Etappen sind zwischen 14 und 20 Kilometer lang und lassen sich auch einzeln gehen.

  • Etappe 1: Ostkreuz bis Südkreuz (19,7 km, 3:45 h, 28. April 2021). Über die Halbinsel Stralau, durch Treptow und Neukölln und quer über das Tempelhofer Feld. Die Etappe mit dem meisten Wasser.
  • Etappe 2: Südkreuz bis Westkreuz (14,1 km, 2:37 h, 29. April 2021). Die kürzeste: altes Dorf Schöneberg, RIAS-Funkhaus, Fennsee und am Ende ein großer Bogen um das Dreieck Funkturm zur AVUS.
  • Etappe 3: Westkreuz bis Gesundbrunnen (20,1 km, 3:46 h, 30. April 2021). Die längste, mit drei weiten Schleifen: Schloss Charlottenburg, Westhafen und Wandbilder in Moabit und im Wedding.
  • Etappe 4: Gesundbrunnen bis Ostkreuz (16,0 km, 3:05 h, 3. Mai 2021). Durch den Gleimtunnel nach Prenzlauer Berg, über die Wohnstadt Carl Legien und den alten Schlachthof zum Ostkreuz. Dort schließt sich der Ring.

Die 27 Bahnhöfe der Ringbahn

Die Ringbahn hat 27 Bahnhöfe. Die Leiste zeigt sie in der Reihenfolge, in der ich sie abgelaufen bin, vom Ostkreuz im Uhrzeigersinn. Jeder hat in den Etappenberichten ein Foto und einen kleinen Steckbrief mit Eröffnungsjahr, Gebäude und Umsteigemöglichkeiten. Zwei Dinge haben viele von ihnen gemeinsam. 16 hießen früher anders, dazu unten mehr. Und an 19 der 27 Bahnhöfe, allen im früheren West-Berlin, hielt nach dem Streik vom September 1980 kein Ringzug mehr. Erst zwischen 1993 und 2002 kamen die Züge zurück. Am ältesten sind Neukölln, Tempelhof und Gesundbrunnen von 1872.

Abseits der Gleise

Dass aus 37 Kilometern Gleis 70 Kilometer Fußweg geworden sind, liegt an den Abstechern. Mal waren es ein paar hundert Meter zu einer Kirche oder einem Wandbild, mal eine Schleife von mehreren Kilometern wie durch den Wedding. Mit der Bahn haben diese Stücke wenig zu tun, aber oft waren es die besten des Tages.

Der Weg im Ganzen

Der Ring fängt am Wasser an. Auf Etappe 1 bin ich knapp einen Kilometer hinter dem Ostkreuz zur Halbinsel Stralau abgebogen, an den Rummelsburger See und zur Dorfkirche. Danach wird es schnell Großstadt: die Elsenstraße hinunter, an der Heidelberger Straße über die frühere Sektorengrenze und hinein nach Neukölln, wo am Richardplatz noch der Dorfanger des alten Rixdorf liegt. Nach viel Straße kommt der härteste Wechsel der ganzen Runde, das Tempelhofer Feld: rund 300 Hektar offene Fläche, mit einer Schafherde im Gras.

Etappe 2 gehört der Stadtautobahn. Zwischen Innsbrucker Platz und Halensee liegen Bahn und Autobahn nebeneinander wie zwei Spuren derselben Trasse, und das zieht sich, vor allem hinter dem Hohenzollerndamm. Gut wurde es immer dort, wo ich ausgewichen bin: ins alte Dorf Schöneberg, zum RIAS-Funkhaus, an den Fennsee. Am Ende steht das seltsamste Stück der Runde. Von Halensee zum Westkreuz fährt die S-Bahn eine Station. Zu Fuß geht es in einem weiten Bogen um das Autobahndreieck herum, bis in die alte Nordkurve der AVUS.

Auf Etappe 3 wechselt das Bild mitten am Tag. Erst kommt Charlottenburg mit Messe, ICC und dem Schloss. Hinter dem Bahnhof Jungfernheide wird es nüchtern: gut zweieinhalb Kilometer reine Verbindung nach Moabit, dann von der Beusselbrücke der Blick über Gleise und Container zum Westhafen, am Kanal das Kraftwerk Moabit, im Wedding das frühere AEG-Gelände. So viel Industrie habe ich auf keiner anderen Etappe gesehen. In Moabit und im Wedding kommen die großen Wandbilder dazu, und sie bleiben bis zum Schluss.

Etappe 4 beginnt im früheren West-Berlin und wechselt im Gleimtunnel in den früheren Osten. Seit der Elsenstraße auf Etappe 1 war ich nur durch den alten Westen gelaufen, das ist der größte Teil der Runde. In Prenzlauer Berg und Friedrichshain liegt wieder dicht an dicht etwas am Weg: die Mauer an der Ulbricht-Kurve, das Planetarium, die Wohnstadt Carl Legien, bemalte Hochhauswände, das alte Schlachthofgelände. Zwischen Greifswalder Straße und Landsberger Allee zieht es sich noch einmal. Dann kommt von oben die Ringbahnhalle des Ostkreuzes in den Blick, an der ich fünf Tage vorher losgegangen war.

Wald gibt es auf den 70 Kilometern keinen. Grün wird es auf Stralau, auf dem Tempelhofer Feld, im Volkspark Wilmersdorf und im Schlossgarten Charlottenburg. Dazwischen liegen Gehwege.

Hintergrund

Der Ring und die geteilte Stadt

Nach 1945 betrieb die Deutsche Reichsbahn die S-Bahn in allen Sektoren weiter, als Staatsbahn der DDR auch in West-Berlin. Am 13. August 1961 wurde der Ring an zwei Stellen getrennt: zwischen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee und zwischen Treptower Park und Sonnenallee. Gesundbrunnen und Sonnenallee waren von da an Endbahnhöfe des Westrings. An beiden Stellen bin ich über die alte Grenze gelaufen, auf Etappe 1 an der Elsenstraße, auf Etappe 4 durch den Gleimtunnel. Im Osten baute die DDR noch 1961 eine neue Kurve von der Schönhauser Allee nach Pankow, die Ulbricht-Kurve. Im Westen riefen Willy Brandt und der DGB wenige Tage nach dem Mauerbau zum Boykott auf: „Wer S-Bahn fährt, bezahlt Ulbrichts Stacheldraht“. Das wirkte. 1960 hatte die S-Bahn im Westen noch 200 Millionen Fahrgäste, 1983 waren es drei Millionen.

Der Streik von 1980 und der lange Weg zurück

Im September 1980 streikten die West-Berliner Reichsbahner*innen, es ging um Löhne, Arbeitsbedingungen und drohende Entlassungen. Nach dem Streik nahm die Reichsbahn den Verkehr auf dem Westring nicht wieder auf. Am 9. Januar 1984 übernahm die BVG den Betrieb, der Ring blieb trotzdem zu.

Den ersten Spatenstich für den Wiederaufbau gab es am 25. September 1989 am Bahnhof Westend, noch vor dem Mauerfall. Danach ging es Stück für Stück: am 17. Dezember 1993 der Südring von Westend bis Neukölln, 1997 weiter nach Jungfernheide und nach Treptower Park, 1999 bis Westhafen, 2001 von der Schönhauser Allee nach Gesundbrunnen. Die letzte Lücke zwischen Westhafen und Gesundbrunnen schloss sich am 15. Juni 2002 mit einem Fest, das die Bahn „Wedding Day“ nannte. Nach knapp 41 Jahren war der Ring wieder ganz. Im Kreis fahren S41 und S42 allerdings erst seit dem 28. Mai 2006.

Bahnhöfe mit früheren Namen

Oft steckt im alten Namen der Ort, der einmal gemeint war. Das Ostkreuz hieß bis 1933 Stralau-Rummelsburg, Neukölln bis 1912 Rixdorf, Halensee zuerst Grunewald, der Heidelberger Platz bis 1993 Schmargendorf und der Bundesplatz Wilmersdorf. Andere Namen erzählen vom Zweck: Das Westkreuz ging 1928 als „Ausstellung“ in Betrieb, die Storkower Straße hieß bis 1977 Zentralviehhof, der Westhafen bis zur Stilllegung Putlitzstraße. Im Osten wechselten die Schilder mit der Politik. Die Landsberger Allee war von 1950 bis 1992 die Leninallee, die Greifswalder Straße von 1986 bis 1993 der Bahnhof Ernst-Thälmann-Park.

Der jüngste Wechsel liegt im Westen. Der Bahnhof, der 1916 als Witzleben eröffnet wurde und bei meiner Tour Messe Nord/ICC hieß, heißt seit Dezember 2024 Messe Nord/ZOB. Und einer hat seinen Namen behalten, obwohl er ihn verlieren sollte: Gesundbrunnen sollte 2006 zum „Nordkreuz“ werden, nach Protest blieb es beim alten Namen.

Hundekopf, Tarifgrenze und „innerhalb des Rings“

Auf der Karte hat die Ringlinie den Umriss eines Hundekopfs, der nach Westen schaut: die Ohren an der Landsberger Allee, die Schnauze bei Westend und Jungfernheide. Der „Hundekopf“ hat es bis in die Amtssprache geschafft. Die Umweltzone, die seit dem 1. Januar 2008 gilt, heißt beim Senat „Großer Hundekopf“ und umfasst die 88 Quadratkilometer innerhalb des S-Bahn-Rings. Auch der Nahverkehr rechnet so: Der Tarifbereich A reicht bis einschließlich S-Bahn-Ring. Und bei der Wohnungssuche ist „innerhalb des Rings“ eine Lageangabe, die in Berlin niemand erklären muss. Dabei war die Strecke beim Bau das Gegenteil einer Innenstadtgrenze, sie lief weit draußen um die Stadt herum. Ein Fotobuch von Ama Split und Riky Kiwy über alle 27 Stationen trägt den Hundekopf im Titel.

Wo der Ring das jüdische Berlin berührt

Fünf Wochen nach dem Ring bin ich im Juni 2021 sieben Touren durch das jüdische Berlin gegangen und dabei mehrmals auf meine eigene Spur gestoßen. Am Westkreuz beginnt die sechste Tour, am Gesundbrunnen die erste. Sie führt über die Putlitzbrücke und zum Gedenkort Güterbahnhof Moabit, beides liegt an Etappe 3. Am Bahnhof Neukölln (Etappe 1) endet die zweite Tour. Das RIAS-Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz (Etappe 2) kommt in der siebten wieder vor. Und von Etappe 4 sind es hinter dem Bahnhof Greifswalder Straße rund 750 Meter bis zum Jüdischen Friedhof Weißensee.

Praktisches

In welche Richtung, und gibt es eine Markierung?

Eine Markierung gibt es nicht. Den Weg zwischen den Bahnhöfen suchst du dir selbst oder nimmst meinen. Ich bin im Uhrzeigersinn gelaufen, wie die S41 fährt. Andersherum geht es genauso, und anfangen kannst du an jedem der 27 Bahnhöfe. Der nächste markierte Verwandte ist der Grüne Hauptweg Nr. 18, der Innere Parkring: 52 Kilometer rund um die Innenstadt, allerdings von Park zu Park und nicht von Bahnhof zu Bahnhof.

Wie komme ich hin und zurück?

Einfacher geht es kaum: Jede Etappe beginnt und endet an einem Ringbahnhof. S41 und S42 fahren tagsüber alle fünf Minuten je Richtung, abends alle zehn. Regional- und Fernzüge halten am Südkreuz und in Gesundbrunnen, Regionalzüge auch am Ostkreuz und in Jungfernheide. Am Westkreuz hält nur die S-Bahn.

Lassen sich Etappen kombinieren oder kürzen?

Kürzen geht überall, weil du an jedem Bahnhof in die S-Bahn steigen kannst. Zwischen zwei Ringbahnhöfen liegen auf meiner Route meist ein bis vier Kilometer, höchstens knapp sechs. Ohne die Schleifen sparst du auf Etappe 1 rund viereinhalb Kilometer und auf Etappe 3 mehrere. Die dritte Etappe lässt sich außerdem am Bahnhof Westhafen teilen, nach knapp zwölf Kilometern. Zwei Etappen an einem Tag werden schnell viel: Etappe 2 und 3 zusammen sind gut 34 Kilometer.

Wo einkehren?

Dazu kann ich wenig sagen. Im April und Mai 2021 galt in Berlin der Lockdown, Gaststätten durften nur außer Haus verkaufen. Heute gibt es an fast jedem Bahnhof Imbisse und Bäcker. Schwieriger sind Toiletten: An den reinen S-Bahnhöfen gibt es in der Regel keine. Am Ring haben nur das Ostkreuz und die Fernbahnhöfe Südkreuz und Gesundbrunnen eine WC-Anlage.

Wann ist die beste Zeit für den Ring?

Eine beste Zeit gibt es nicht. Der Ring ist ein Stadtweg auf Gehwegen und Asphalt und geht das ganze Jahr. Ich war Ende April und Anfang Mai unterwegs, da standen am Fennsee die Weiden im ersten Grün. Zwei Orte hängen am Tageslicht: Das Tempelhofer Feld ist nur tagsüber geöffnet, der Schlossgarten Charlottenburg bis zur Dämmerung. An kurzen Wintertagen musst du das auf den Etappen 1 und 3 einplanen.

Welche Karten und Bücher helfen?

Eine eigene Karte brauchst du nicht, die Bahnhöfe stehen auf jedem Stadtplan. Zur Geschichte der Strecke steht unten ein Buchtipp. Näher am Laufen ist der Stadtführer „Berlin mit der Ringbahn entdecken“ von Armin A. Woy (BeBra Verlag, 2026), der das Umfeld aller 27 Bahnhöfe zu Fuß erkundet.

Was sich seit dem Frühjahr 2021 geändert hat

Meine Etappenberichte beschreiben den Ring so, wie ich ihn im April und Mai 2021 gegangen bin. Einiges ist seither anders:

  • Der Bahnhof Messe Nord/ICC heißt seit dem 15. Dezember 2024 Messe Nord/ZOB.
  • Seit dem 15. Juni 2026 fährt die S15 zwischen Hauptbahnhof, Wedding und Gesundbrunnen.
  • Am Dreieck Funkturm wurde die Ringbahnbrücke der A 100 im März 2025 wegen Rissen gesperrt und im April abgerissen. Vom 27. März bis zum 28. April 2025 fuhr zwischen Halensee und Westend keine Ringbahn.
  • Der Abschnitt der A 100 von Neukölln zum Treptower Park, 2021 noch Baustelle, wurde am 27. August 2025 eröffnet. Die Autobahn endet seitdem am S-Bahnhof Treptower Park.
  • Verschwunden sind die drei Schornsteine des Kraftwerks Wilmersdorf am Heidelberger Platz, ihr Rückbau begann im Juni 2021. Die Friedensstatue vom Unionplatz in Moabit ließ der Bezirk im Oktober 2025 abbauen, seit Januar 2026 steht sie im ZK/U.
  • Neu sind das „Kalle Neukölln“ im früheren Kaufhaus an der Karl-Marx-Straße, eröffnet im September 2025, und die Züge selbst: Seit April 2023 fahren auf dem Ring neue Fahrzeuge mit acht statt sechs Wagen.

Für Eilige: drei Stücke zur Auswahl

  • Wasser auf kurzer Strecke: der Anfang von Etappe 1 vom Ostkreuz über die Halbinsel Stralau zum Bahnhof Treptower Park, 3,7 Kilometer.
  • Verkehrsbauten und Rennsport: der Schluss von Etappe 2 von Halensee in einem weiten Bogen über die Nordkurve der AVUS zum Westkreuz, knapp vier Kilometer.
  • Geteilte Stadt, Welterbe und Wandbilder: Etappe 4 von Gesundbrunnen durch den Gleimtunnel bis zum Bahnhof Greifswalder Straße, gut sieben Kilometer.

Fazit

Schön im üblichen Sinn ist der Ring nicht. Es sind 70 Kilometer Gehweg und Asphalt, und jede Etappe hat ein Stück, das sich zieht. Gelohnt hat es sich trotzdem. In vier Tagen einmal um die Innenstadt, das bringt Orte in eine Reihe, die sonst nichts miteinander zu tun haben: Fischerdorf, Flugfeld, Rennstrecke, Schloss, Hafen, Schlachthof. Und die Bahnhöfe, an denen du sonst nur durchfährst, haben danach jeder ein Gesicht.

Am meisten geblieben ist mir die dritte Etappe mit Schlossgarten, Beusselbrücke und Wedding. Zum Anfangen taugt die erste besser: Sie beginnt am Wasser, und nach dem Tempelhofer Feld weißt du, ob dir diese Art zu laufen liegt. Der Weg passt, wenn du neugierig auf die Stadt zwischen den Stationen bist. Ruhe findest du hier nicht. Dafür endet keine Etappe weiter als eine halbe Stunde S-Bahn von ihrem Anfang entfernt.