Unterwegs zu Fuß

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Jüdisches Berlin: Von Lichterfelde nach Friedenau

Reihe von 15 Stolpersteinen im Mosaikpflaster vor einer dunkelroten Ziegelmauer, an der Mauer zwei weiße Grablichter, rechts liegen die Steine im Schatten

Tour in Berlin, von Lichterfelde nach Friedenau · Jüdisches Berlin, Tour 7 von 7 · Alle Touren und Wege

Die siebte und letzte Tour der Serie führt von der Wismarer Straße in Lichterfelde zur Stierstraße in Friedenau, 25,2 Kilometer durch Lichterfelde, Steglitz, Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald und Charlottenburg bis nach Friedenau, dazu ein Abstecher nach Schöneberg. Am Anfang stehen Orte, die an die NS-Verfolgung allgemein erinnern: das frühere KZ-Außenlager Lichterfelde und das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt. Danach geht es um jüdische Einrichtungen und die Menschen, die dort lebten: das Jüdische Blindenheim, die Spiegelwand mit ihren Namenslisten, ein Altersheim der Jüdischen Gemeinde, die Synagoge Grunewald und mehrere Stolpersteine. Am Ziel erinnert eine Stolperschwelle an einen jüdischen Betraum in einer Wohnung.

Ich bin die Tour am 26. Juni 2021 gegangen. Die Linie auf der Karte ist meine Route. Die Orte, an denen die Route nur vorbeiführt oder eine Seitenstraße berührt, stehen unter „Am Wegesrand“. Drei Fotos entstanden ein Stück abseits der Linie (Gefesselter 170 Meter, Düsseldorfer Straße 62 Meter, RIAS 430 Meter); das steht jeweils dabei. Die Orte sind so beschrieben, wie sie im Juni 2021 aussahen, spätere Änderungen stehen jeweils dabei. Beschrieben ist, was von außen zu sehen war.

Inhalt dieser Tour

Strecke

25,2 km

durch Lichterfelde, Steglitz, Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald, Charlottenburg und Friedenau, mit einem Abstecher nach Schöneberg

Art

Streckentour, Stadtwanderung

Start

Wismarer Straße 26 bis 36, Lichterfelde (Säule der Gefangenen)

Ziel

Stierstraße 21, Friedenau

ÖPNV

Start und Ziel liegen im Berliner Stadtgebiet, Verbindungen beim VBB prüfen

Untergrund

Gehwege und Straßen im Stadtgebiet

Thema

Orte jüdischen Lebens, der Verfolgung und des Gedenkens zwischen Lichterfelde und Friedenau

Unterwegs am 26. Juni 2021

Karte: Stadtwanderung von Lichterfelde nach Friedenau zu Orten jüdischen Lebens und GedenkensStreckentour von der Wismarer Straße in Lichterfelde über Steglitz, Wilmersdorf, Schmargendorf, Grunewald und Charlottenburg zur Stierstraße in Friedenau, 25,2 km, mit 11 nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Richtung der Tour.1234567891011Start: Wismarer StraßeZiel: Stierstraße 211 km
Von der Wismarer Straße in Lichterfelde zur Stierstraße in Friedenau, 25,2 km. Die Linie zeigt meine Route, die Pfeile die Richtung der Tour, die Nummern stehen im Streckenband. Gestrichelt: Bahnstrecken.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Wismarer Straße 26 bis 36Start · Lichterfelde
  2. Kilometer 01Säule der GefangenenWismarer Straße 26 bis 36, Mahnmal und Infostele
  3. Kilometer 4,92Unter den EichenGedenktafel und Mahnort, Unter den Eichen
  4. Kilometer 5,53Blindenheim WrangelstraßeWrangelstraße 6 bis 7, Stolperschwelle und Stolpersteine
  5. Kilometer 5,54Der GefesselteSchloßstraße 44, Mahnmal
  6. Kilometer 6,35SpiegelwandHermann-Ehlers-Platz, Denkmal
  7. Kilometer 8,16KünstlerkolonieKreuznacher Straße 48 und 52, Gedenktafeln
  8. Kilometer 10,67Altersheim Berkaer StraßeBerkaer Straße 31 bis 35, Gedenktafel
  9. Kilometer 12,78Walther-Rathenau-SchuleSchulportal in Grunewald
  10. Kilometer 13,99Synagoge GrunewaldFranzensbader Straße 7 bis 8, Gedenktafel und Plakate
  11. Kilometer 17,210Stolpersteine Düsseldorfer StraßeDüsseldorfer Straße 49 bis 50
  12. Kilometer 22,811RIAS-FunkhausHans-Rosenthal-Platz, Funkhaus
  13. Kilometer 25,2Stierstraße 21Ziel · Friedenau
Kilometer gerundet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Die Tour beginnt an der Säule der Gefangenen am früheren KZ-Außenlager Lichterfelde. Eine Berliner Gedenktafel an der Straße Unter den Eichen zeigt, wie dieser Ort mit dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt zusammenhängt.
  • In der Wrangelstraße erinnern eine Stolperschwelle und Stolpersteine an die Bewohner*innen des Jüdischen Blindenheims, am Hermann-Ehlers-Platz nennt die Spiegelwand Namen verfolgter Berliner*innen.
  • In Schmargendorf und Grunewald liegen das frühere Altersheim der Jüdischen Gemeinde, das Alexander Beer gebaut hat, und ein Gedenkort für die Synagoge Grunewald, der in einer Bushaltestelle untergebracht ist.
  • Am Ziel in Friedenau erinnert eine Stolperschwelle von 2013 an einen jüdischen Betraum in einer Wohnung.

Anreise

Hin

Die Tour beginnt an der Wismarer Straße am Teltowkanal in Lichterfelde; Verbindungen vorher beim VBB prüfen

Zurück

Die Tour endet in der Stierstraße in Friedenau; Verbindungen vorher beim VBB prüfen

Hinweis

Zwischen der Waitzstraße (km 18,0) und dem RIAS-Funkhaus (km 22,8) gibt es keine weitere Station; am Weg liegen dort die Meinekestraße, die Joachimsthaler Straße und die Prinzregentenstraße (siehe „Am Wegesrand“)

Die Route

Die Strecke hat drei Teile. Der erste führt durch Lichterfelde und Steglitz bis zur Spiegelwand und verbindet Orte der NS-Verfolgung allgemein mit dem Jüdischen Blindenheim und dem Namensgedenken der Spiegelwand. Der zweite geht von der Künstlerkolonie, einem Ort politischer Verfolgung, durch Wilmersdorf, Schmargendorf und Grunewald und zeigt Orte jüdischen Lebens: ein Altersheim, eine Schule, eine zerstörte Synagoge und Stolpersteine. Der dritte führt durch Wilmersdorf und Charlottenburg nach Friedenau, mit einem Abstecher zum RIAS-Funkhaus in Schöneberg, vorbei an Synagogen und Gedenktafeln, zum Ziel in der Stierstraße 21.

Lichterfelde: die Säule der Gefangenen an der Wismarer Straße

Die Tour beginnt am Teltowkanal in Lichterfelde. Mein erstes Foto zeigt eine hohe graue Steinsäule, in die oben bogenförmige Linien eingeritzt sind; in der Mitte ist sie von einer rostigen Eisenkette umschlungen. Es ist die „Säule der Gefangenen“ des Bildhauers Günther Oellers, enthüllt am 31. Oktober 2000 (Gedenktafeln in Berlin, Tagesspiegel). Sie ist nach Gedenktafeln in Berlin vier Meter hoch, die wellenartigen Linien an der Spitze sollen die Köpfe der namenlos gebliebenen Opfer andeuten. Bezahlt hat sie die Wohnbau GmbH Bonn, die auf dem Gelände des früheren Lagers rund 270 Wohnungen bauen wollte; die Kosten lagen bei rund 70.000 DM (Gedenktafeln in Berlin). Eine hölzerne Gedenktafel aus den 1990er Jahren wurde nach wenigen Stunden von Unbekannten zerstört (Bildhauerei in Berlin).

Im Pflaster vor der Säule liegt eine Bodenplatte, die am 8. Mai 2001 hinzukam. Auf meinem Foto ist sie nur am Bildrand zu sehen; ihren vollständigen Text gibt die Gedenktafel-Datenbank wieder. Danach befand sich von Juni 1942 bis zum 21. April 1945 an der Wismarer Straße 26 bis 36 ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Etwa 1.500 Häftlinge aus mehreren Ländern mussten von hier aus Zwangsarbeit leisten, „sichtbar für die Berliner Bevölkerung“ vor allem bei Räumungen nach Bombenangriffen. Sie waren Häftlinge, „weil sie den politischen, sozialen, religiösen oder rassistischen Normen der Nationalsozialisten nicht entsprachen“ (Gedenktafeln in Berlin).

Rechts hinter der Säule, am Rand der Grünfläche, steht eine rote Informationsstele, die der Bezirk am 14. Oktober 2015 enthüllt hat. Der Stelentext ist mit Frauke Kerstens gezeichnet, den Entwurf lieferte Karin Rosenberg (Gedenktafeln in Berlin). Mein Foto zeigt die Stele im Gebüsch, mit der Überschrift „Das KZ-Außenlager Lichterfelde“ und fünf kleinen historischen Abbildungen.

Nach dem Stelentext bestand das Lager vom 23. Juni 1942 bis zum 21. April 1945, es war eines von mehr als 80 Außenlagern des KZ Sachsenhausen. Rund 1.500 Häftlinge lebten dort, sie mussten bei mehr als 40 SS-Dienststellen, in Ministerien und in Privathäusern von NS-Funktionären im ganzen Stadtgebiet arbeiten. Mindestens 41 Häftlinge kamen zu Tode, darunter 29 Opfer eines Luftangriffs auf das Gebäude des Reichssicherheitshauptamts und der 22-jährige Wilhelm Nowak, der hingerichtet wurde. Am 21. April 1945 löste die SS das Lager auf und trieb die Männer auf den Todesmarsch (Gedenktafeln in Berlin).

Weder die Bodenplatte noch die Stele nennen jüdische Häftlinge eigens. Der Ort erinnert an die NS-Verfolgung allgemein und gehört deshalb nur mittelbar zu dieser Tour; er ist ihr Startpunkt. Bis heute gibt es hier Gedenkfeiern: Für 2025 kündigte das Bezirksamt Veranstaltungen am 27. Januar und am 8. Mai an (Bezirksamt), eine Gedenkfeier am 8. Mai 2026 nennt es ebenfalls (Bezirksamt).

Unter den Eichen: der frühere Sitz des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts

Nach fast fünf Kilometern liegt an der Straße Unter den Eichen, an der Grenze von Steglitz und Lichterfelde, ein Ort, der mit dem Start zusammenhängt. Mein Foto zeigt ein rot verputztes Gebäude mit hellen Sandsteinrahmungen, steil von unten fotografiert. Links neben der Glastür des Eingangsvorbaus hängt eine weiße Berliner Gedenktafel. Sie lautet: „Hier befand sich während der NS-Zeit der Sitz des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes“, der „Zentralverwaltung zur Organisation und wirtschaftlichen Nutzung aller Konzentrations- und Vernichtungslager“. Weiter heißt es: „Bis zur Errichtung des KZ-Außenlagers in der Wismarer Straße waren im östlichen Innenhof des Gebäudes von 1940 bis 1942 Häftlinge des KZ Sachsenhausen untergebracht.“ Die Tafel wurde am 17. November 1988 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin).

Am Straßenrand davor steht ein Schaukasten mit dem Titel „Mahnort“, den Ronnie Golz initiiert hat (bpb); die Wall AG bezahlte ihn, eingeweiht wurde er am 24. Mai 2005 (Gedenktafeln in Berlin). Mein Foto zeigt ihn schräg von unten, im Glas spiegeln sich Bäume und eine Fassade. Nach dem Text war das Hauptamt von 1942 bis 1945 an dieser Adresse, zuständig unter anderem für die Waffen-SS und das gesamte System der Konzentrationslager. Es entschied über die Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge, war führend an den Massenmorden beteiligt und organisierte die „Verwertung“ des Eigentums der Ermordeten. Der Amtschef Oswald Pohl wurde 1947 in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet. Eines der drei Bilder auf dem Plakat zeigt nach seinem Bildtext eine Auflistung geraubten jüdischen Besitzes von 1943.

Die Hausnummern werden uneinheitlich angegeben: Die bpb nennt Unter den Eichen 126 bis 135 (bpb), die Berliner Gedenktafel 129 bis 135 (Gedenktafeln in Berlin). Wie der Ort in der Reihe der Orte dieser Tour einzuordnen ist, steht schon in der Tafel: Sie verbindet ihn mit dem Lager an der Wismarer Straße. Auch dieser Ort erinnert an die NS-Verfolgung allgemein, die Zerstörung jüdischen Lebens wird auf dem Plakat nur über das Eigentum der Ermordeten angesprochen.

Steglitz: das Jüdische Blindenheim in der Wrangelstraße 6 bis 7

Nach gut fünfeinhalb Kilometern, in Steglitz in der Wrangelstraße 6 bis 7, zeigt mein Foto eine längliche Messingplatte im Kopfsteinpflaster, in den Fugen liegen gelbe Blütenreste. Die Stolperschwelle trägt die Inschrift: „November 1941. Das jüdische Blindenheim wird geschlossen. Die Bewohner werden verlegt in die Israelitische Taubstummenanstalt in Weißensee. Von dort deportiert und ermordet.“

Das Haus gehörte der „Jüdischen Blindenanstalt“, die Bewohner*innen stellten dort Bürsten und Besen her. 1941 wurden Louis Friedländer, 25 weitere Bewohner*innen und die Leiterin Betty Katz in das „Jüdische Blinden- und Taubstummenheim“ in der Parkstraße 22 in Weißensee verlegt und von dort 1942 deportiert (Stolpersteine Berlin). Die Taubstummenanstalt in der Parkstraße beschreibt Tour 3. Stolpersteine Berlin führt am Ort 28 Personen (Stolpersteine Berlin).

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt eine Reihe von 15 Stolpersteinen im Mosaikpflaster vor einer dunkelroten Ziegelmauer, an der zwei weiße Grablichter stehen; rechts liegen die Steine im Schatten. Die Namen von 13 Steinen kann ich zuordnen, von links nach rechts: Gertrud Bermas, Else Rosenthal, Erna Strauß, Helene Stein, Hertha Pulvermacher, Rudolf Witkowski, Max Pek, Eloise (Alice) Kirschstein, Henriette Breitbarth, Richard Alfred Flichter, Betty Katz, Martha Pariser und Adolf Abraham Heustein. Die letzten beiden Steine der Reihe kann ich auf dem Foto nicht lesen.

Gertrud Bermas, 1868 in Berlin geboren, wurde am 14. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach der Datenbank am 30. November 1942 (Stolpersteine Berlin). Betty Katz, die Leiterin des Heims, geboren 1872 in Posen, wurde am 14. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 6. Juni 1944 (Stolpersteine Berlin). Eloise (Alice) Kirschstein beging am 7. September 1942 in Berlin Suizid, die Datenbank nennt es „Flucht in den Tod“ (Stolpersteine Berlin). Den Transport vom 14. September 1942 nach Theresienstadt beschreibt die Biografie von Louis Friedländer: Es wurden 1.000 Menschen deportiert, von denen nur 45 überlebten (Stolpersteine Berlin). Der erste Stein am Ort, der für Louis Friedländer, wurde am 12. November 2016 verlegt, weitere folgten 2017 und 2018.

Steglitz: das Mahnmal „Der Gefesselte“ an der Schloßstraße

Rund 170 Meter abseits der Linie auf der Karte, in der Grünanlage unterhalb der Matthäuskirche an der Schloßstraße 44, zeigt mein nächstes Foto eine schlanke, grün patinierte Bronzefigur mit gesenktem Kopf. Sie hält die Hände vor dem Körper und steht auf einem Steinsockel, dessen Inschrift das Mahnmal den Verfolgten der Jahre 1933 bis 1945 widmet. Dahinter liegen trockener Rasen, ein roter Ziegelbau und Bäume.

Das Mahnmal heißt „Der Gefesselte“. Gisela Boeckh von Tzschoppe schuf es, die Gießerei W. Geisler goss es, eingeweiht wurde es am 9. November 1960. Die Figur ist 1,95 Meter hoch, mit Sockel sind es 2,40 Meter; sie stellt nach der Datenbank einen Mann mit gefesselten Händen dar. Das Mahnmal wurde danach wiederholt umgestürzt und gestohlen, 2009 fehlte ein Buchstabe der Inschrift, auf meinem Foto von 2021 ist sie vollständig (Bildhauerei in Berlin). Es ist allen Verfolgten gewidmet und nicht eigens den jüdischen; die Datenbank nennt unter ihrer Literatur Helmut Geisert, „Gedenken und Denkmal. Entwürfe zur Erinnerung an die Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Berlins“ (1988).

Steglitz: die Spiegelwand am Hermann-Ehlers-Platz und das Haus Wolfenstein

Auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz zeigt mein Foto die Spiegelwand. Im unteren Teil des Bildes stehen auf der spiegelnden Fläche weiße Namenslisten, in der Spiegelung stehen Marktstände mit einer Lichterkette; darüber ragen hinter Baumkronen ein eingerüstetes Hochhaus mit Kran und ein Wolkenhimmel ins Bild. An diesem Tag war auf dem Platz Markt.

Die Wand entwarfen die Architekten Wolfgang Göschel und Joachim von Rosenberg zusammen mit dem Historiker Hans-Norbert Burkert. Die Grundsteinlegung war am 19. September 1994, eingeweiht wurde sie am 7. Juni 1995 (Bezirksamt, Bildhauerei in Berlin). Sie ist neun Meter lang und 3,50 Meter hoch, aus Stahl und Chromstahl, mit je neun Spiegeltafeln auf beiden Seiten (Gedenktafeln in Berlin). Die Namenslisten geben Seiten der erhaltenen Berliner Transportlisten wieder, soweit dort Steglitzer Adressen standen, ohne die 1939 aufgezwungenen Zusatznamen Israel und Sara. Laut Inschrift stehen auf der Wand 1.723 Namen, davon 230 aus Steglitz. Andere Quellen nennen abweichende Zahlen; die Angaben hier folgen dem Wandtext. Nach dem Wandtext lebten 1933 in Steglitz 3.385 Angehörige der jüdischen Religionsgemeinschaft (Gedenktafeln in Berlin).

Das Denkmal war umstritten. Der Platz hatte zuvor ein Lichtobjekt, am 11. März 1992 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung einen Wettbewerb. Im Bezirk lehnte eine Mehrheit aus CDU, FDP und Republikanern das Vorhaben ab, im Mai 1994 zog Bausenator Wolfgang Nagel das Verfahren an sich (Gedenktafeln in Berlin, Bildhauerei in Berlin). Am 11. Juni 2025 feierte das Bezirksamt den 30. Jahrestag der Einweihung (Bezirksamt).

Die Wand steht rechtwinklig zur Häuserfront der Düppelstraße und weist auf die frühere Synagoge im Hof der Düppelstraße 41, das Haus Wolfenstein (Bildhauerei in Berlin, bpb). 1897 ließ der Textilkaufmann Moses Wolfenstein ein Nebengebäude hinter seinem Haus zur Synagoge mit 50 Plätzen umbauen, in der Pogromnacht 1938 wurde sie verwüstet und geplündert, aber nicht in Brand gesetzt (Bezirksamt, bpb). Heute ist das Gebäude privat genutzt und vom Platz aus nicht zu sehen; die Initiative Haus Wolfenstein bietet gelegentlich Führungen an (Bezirksamt).

Der Gedenkstein von 1965 vor dem Haus Wrangelstraße 6 bis 7 nennt die „kleine Synagoge in Steglitz, Düppelstraße 41“ und bezeichnet sie als zerstört; nach dem Bezirksamt ist das Gebäude erhalten (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Wilmersdorf: die Künstlerkolonie an der Kreuznacher Straße

Nach gut acht Kilometern erreicht die Route in Wilmersdorf die Künstlerkolonie. Sie wurde von 1927 bis 1930 auf Initiative der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller gebaut, als günstiger Wohnraum für Künstler*innen und Schriftsteller*innen ohne soziale Absicherung. Viele Bewohner*innen standen der KPD oder der SPD nahe. Am 15. März 1933 durchsuchten Polizei und SA die Kolonie in einer großen Razzia, viele gingen danach ins Exil (Gedenktafeln in Berlin). Ein Mahnmal für die politisch Verfolgten der Künstlerkolonie steht am Ludwig-Barnay-Platz.

Mein erstes Foto zeigt an einer ockerfarbenen Rauputzwand in der Kreuznacher Straße 48 die Berliner Gedenktafel für Alfred Kantorowicz. Sie nennt ihn Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, der von 1931 bis 1933 in der Künstlerkolonie lebte und 1933 über Frankreich in die USA emigrierte. Er war Mitbegründer der Exilorganisation „Schutzverband Deutscher Schriftsteller“, lebte seit 1946 in Berlin (Ost) und seit 1957 in der Bundesrepublik. Die Tafel wurde am 15. Juli 1989 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin).

Wenige Schritte weiter, in der Kreuznacher Straße 52, hängen zwei Tafeln übereinander. Oben steht die Berliner Gedenktafel für Ernst Bloch. Sie nennt ihn Philosoph, der hier von 1931 bis 1933 lebte und sein Werk „Erbschaft dieser Zeit“ begann, seit 1933 im Exil war, zuletzt in den USA, und dort „Das Prinzip Hoffnung“ schrieb. Seit 1949 war er Professor in Leipzig, wurde dort 1957 zwangsemeritiert und lehrte seit 1961 in Tübingen. Sie wurde am 27. November 1991 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin). Darunter hängt eine weiße Tafel im Metallrahmen für den Lyriker Peter Huchel, der ebenfalls von 1931 bis 1933 hier lebte. Sie nennt seine Zeit als Chefredakteur der Zeitschrift „Sinn und Form“ von 1949 bis zum erzwungenen Rücktritt 1962 und seine Ausreise in die Bundesrepublik 1971 nach neun Jahren Isolation und Überwachung. Sie wurde am 9. April 2003 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin).

Alle drei Tafeln erinnern an Exil und politische Verfolgung. Einen jüdischen Bezug nennen sie nicht, deshalb stehen die drei Männer hier für die NS-Verfolgung allgemein. Ein belegter jüdischer Bezug in derselben Straße ist die Tafel für Georg Hermann, siehe „Am Wegesrand“.

Schmargendorf: das frühere Altersheim der Jüdischen Gemeinde in der Berkaer Straße

In Schmargendorf, in der Berkaer Straße 31 bis 35, zeigt mein Foto eine Bronzetafel an einer roten Ziegelwand; die untere Bildhälfte füllt eine Kirschlorbeerhecke. Vom Gebäude ist auf dem Foto nichts zu sehen. Die Tafel lautet: „Dieses Haus wurde 1930 von dem Architekten Alexander Beer als Altersheim für die Jüdische Gemeinde zu Berlin erbaut. Es wurde 1941 von der SS beschlagnahmt, die letzten Bewohner und das Pflegepersonal deportiert und im Konzentrationslager ermordet. Alexander Beer wurde 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort am 8.5.1944 ermordet.“ Sie wurde am 8. November 1988 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin).

Das Landesdenkmalamt nennt 1929 bis 1931 als Bauzeit und 180 Plätze. Zur Beschlagnahme weichen die Quellen ab: Nach dem Landesdenkmalamt musste die Gemeinde das Grundstück 1939/40 an das Reichsinnenministerium abtreten, 1941 wurde das Heim aufgelöst und die letzten Bewohner*innen wurden deportiert. Ab 1941 war das Haus eine Wehrmachtskaserne, nach 1945 belegten es zuerst kanadische, dann britische Truppen, ab 1956 war es ein Krankenhaus (Landesdenkmalamt). Heute ist es das Pflegeheim „Haus Wilmersdorf“ der Vivantes Hauptstadtpflege (Bezirksamt, Kiezspaziergang 2018).

Alexander Beer wurde am 10. September 1873 in Hammerstein in Westpreußen geboren, am 17. März 1943 deportiert und starb am 8. Mai 1944 in Theresienstadt. Er baute zahlreiche Häuser für die Jüdische Gemeinde (Gedenktafeln in Berlin). Seine Mädchenschule in der Auguststraße zeigt Tour 6, seine Synagoge in der Prinzregentenstraße liegt unter „Am Wegesrand“.

Grunewald: die Walther-Rathenau-Schule

In Grunewald zeigt mein Foto das Portal einer Schule in der Herbertstraße (Bezirksamt); das Foto zeigt die Hausnummer 4: eine helle Natursteinfassade mit drei vergitterten Türöffnungen und einer Freitreppe, darüber ein Kopfrelief mit Helm. Auf der Fassade steht „Grunewald-Gymnasium“, darunter in Goldbuchstaben „Walther Rathenau-Schule“. Die Schule wurde 1903 als „Realgymnasium zu Grunewald in Berlin“ gegründet, hieß seit 1919 Grunewald-Gymnasium und trägt seit 1946 den Namen Walther Rathenaus (Bezirksamt).

Der jüdische Bezug liegt in der Geschichte der Schule: Nach dem Tagesspiegel war am früheren Grunewald-Gymnasium ein Drittel der Schüler*innen jüdischen Glaubens, und 200 Abmeldebriefe jüdischer Eltern von 1933 wurden in einem Buch zugänglich gemacht (Tagesspiegel). Die Schule erinnert mit Gedenktafeln an ehemalige jüdische Schüler*innen und an Widerstandskämpfer unter ihren Ehemaligen, genannt werden Dietrich Bonhoeffer, Justus Delbrück, Hans von Dohnanyi und Bernhard Klamroth (Bezirksamt).

Walther Rathenau, geboren am 29. September 1867 in Berlin, war Reichsaußenminister und wurde am 24. Juni 1922 an der Koenigsallee ermordet (Gedenktafeln in Berlin). Zwei Tage vor meiner Tour jährte sich der Mord zum 99. Mal. Eine Berliner Gedenktafel in der Hedemannstraße hält fest, dass eine Tafel für Rathenau 1933 entfernt wurde, „weil Rathenau Jude war“ (Gedenktafeln in Berlin). Gedenkstein und Villa an der Koenigsallee liegen nicht an der Route.

Schmargendorf: der Gedenkort Synagoge Grunewald in der Franzensbader Straße

In der Franzensbader Straße 7 bis 8 hängt an einer hell verputzten Hauswand zwischen zwei Fenstern eine Bronzetafel, links mit dem Relief eines Gebäudes mit Turm. Sie lautet: „An dieser Stelle stand einst die Synagoge Grunewald. Umgebaut von B. u. O. Neubauer 1923. Eingeweiht am 9. September 1923. Angezündet und zerstört von Nationalsozialisten am 9. November 1938.“ Darunter steht ein Satz aus dem „Grunewald-Echo“ vom 16. September 1923: „Mögen von dem neuen Gotteshaus die edelsten und nachhaltigsten Wirkungen auf die ganze Gemeinde ausgehen.“ Die Tafel wurde am 8. November 1988 enthüllt und ersetzt eine kleinere von 1982, auf der stand, die Synagoge sei „durch Unverstand zerstört“ worden (Gedenktafeln in Berlin). Das Grundstück liegt im heutigen Ortsteil Schmargendorf; der Name geht auf den „Synagogenverein Grunewald“ zurück. Das Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald liegt rund einen Kilometer abseits der Strecke und gehört nicht zur Tour.

Wenige Schritte entfernt zeigt mein Foto die Wartehalle einer Bushaltestelle mit zwei Plakatvitrinen, dazwischen hängt eine gelbe Informationstafel der BVG. Beide Plakate tragen einen Davidstern. Das linke Plakat heißt „Juden in Wilmersdorf“, das rechte „Gedenkort Synagoge Grunewald“. Die Plakate wurden am 12. September 2003 enthüllt, die Haltestelle hat die Firma Wall als Gedenkort gestaltet (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Nach dem Plakat „Gedenkort Synagoge Grunewald“ erwarb der Synagogenverein eine um 1900 erbaute Villa, ein früheres Tanz- und Ausflugslokal, und baute sie zu einer Synagoge mit 400 Plätzen um. In der Pogromnacht im November 1938 wurde sie in Brand gesetzt, die Ruine 1941 abgerissen. Das Plakat „Juden in Wilmersdorf“ nennt für die Weimarer Republik einen Anteil jüdischer Bewohner*innen von 13,5 Prozent, den höchsten aller Berliner Bezirke. Der Verein richtete in der Delbrückstraße 20 eine Religionsschule ein; Rabbiner der Gemeinde war von 1925 bis 1936 Dr. Emil Bernhard Cohn, der sich auch als Schriftsteller einen Namen machte. Cohn lebte nach dem Plakat von 1881 bis 1948 (Gedenktafeln in Berlin).

Wilmersdorf: die Stolpersteine in der Düsseldorfer Straße 49 bis 50

In Wilmersdorf, in der Düsseldorfer Straße 49 bis 50, liegen fünf Stolpersteine in dunklem Kleinpflaster, in den Fugen Blütenreste. Mein Foto entstand rund 62 Meter abseits der Linie auf der Karte. Drei Steine liegen in der oberen Reihe, zwei darunter.

Frieda Weinstein, geborene Rawitscher, geboren am 19. Juni 1891 in Berlin, Fred Weinstein, geboren am 3. März 1929 in Berlin, und Liebmann Weinstein, geboren am 19. März 1881 in Memel, wurden am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet; ein Todesdatum nennt die Datenbank nicht. Fred Weinstein war bei der Deportation 13 Jahre alt (Stolpersteine Berlin, Fred Weinstein). Emma Koch, geborene Krebs, geboren am 18. Februar 1857 in Gleiwitz, wurde am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 27. August 1942 (Emma Koch). Jenny Hirschfeld, geborene Stein, geboren am 26. Dezember 1864 in Offenburg, wurde am 11. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach der Datenbank am 19. September 1942 (Jenny Hirschfeld). Die Steine wurden im August 2011 verlegt. Biografien enthalten die Einträge nicht, auch nicht, ob die drei Weinsteins verwandt waren.

Schöneberg: das RIAS-Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz

Das letzte Foto der Tour zeigt den Eingang des RIAS-Funkhauses in Schöneberg, von schräg unten: an der Fassade ein blau-weißer Neonschriftzug „RIAS“, daneben ein Messingschild „RIAS Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz“, im Vordergrund ein Laternenmast mit Kamera. Das Funkhaus liegt rund 430 Meter abseits der Linie auf der Karte.

Walter Borchard baute das Haus als Bürogebäude für die Bayerischen Stickstoffwerke AG, ein Unternehmen des IG-Farben-Konzerns; Hans-Joachim Schröder erweiterte es später. Der Sender begann am 7. Februar 1946 als DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor), hieß ab dem 4. September 1946 RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) und sendete ab dem 30. Juni 1948 aus diesem Haus. 1993 endete das RIAS-Programm, heute nutzt das Deutschlandradio das Haus (Landesdenkmalamt, Tagesspiegel).

Der jüdische Bezug liegt im Namen des Platzes, der seit 1993 an Hans Rosenthal erinnert (Tagesspiegel). Rosenthal wurde am 2. April 1925 in Berlin geboren und starb am 10. Februar 1987. Er überlebte die Verfolgung versteckt in einer Kleingartenkolonie, unterstützt von Ida Jauch, Emma Harndt und Maria Schönebeck, bis zur Befreiung im April 1945 (Gedenktafeln in Berlin). Nach dem Krieg arbeitete er als Quizmaster beim RIAS und moderierte von 1971 bis 1986 „Dalli Dalli“ im ZDF (Gedenktafeln in Berlin); er war Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (Gedenktafeln in Berlin). Die Tafel zur Kolonie zeigt Tour 5. 2025 wurde sein 100. Geburtstag gefeiert (Tagesspiegel).

Am Wegesrand

Diese Orte liegen am Weg oder an Seitenstraßen, durch die die Route führt. Ich beschreibe sie nach den Quellen, nicht nach dem Zustand im Juni 2021.

Kreuznacher Straße 28: Georg Hermann

In derselben Straße wie die Tafeln der Künstlerkolonie, in der Kreuznacher Straße 28, hängt eine Berliner Gedenktafel für den Schriftsteller Georg Hermann, eigentlich Georg Borchardt. Sie wurde am 19. November 1988 enthüllt. Nach der Tafel lebte er von 1931 bis zur Emigration 1933 in dem früher hier stehenden Haus; er wurde am 16. November 1943 von Westerbork nach Auschwitz deportiert, nach Auskunft des niederländischen Roten Kreuzes „aus rassischen Gründen und zwar wegen jüdischer Abstammung“, und starb dort vermutlich am 19. November 1943. Die Datenbank merkt an, dass Hermann nach anderen Quellen seit 1914 überwiegend in Neckargemünd lebte (Gedenktafeln in Berlin).

Meinekestraße 10: das Haus der zionistischen Organisationen

Die Route führt durch die Meinekestraße. Eine Berliner Gedenktafel erinnert an das Haus der zionistischen Organisationen: Hier befanden sich das Palästinaamt der Jewish Agency, das nach der Tafel „bis zu seiner Schließung 1941 etwa 50 000 Menschen zur Auswanderung verhalf“, die Zionistische Vereinigung für Deutschland und die Jüdische Rundschau. Es war die erste Porzellantafel des Berliner Gedenktafelprogramms, angebracht nach der Datenbank 1985, nach dem Bezirksamt 1986 (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt). Nach dem Bezirksamt erwarb die Jüdische Rundschau das Haus 1925 und war bis zum Verbot 1938 das wichtigste Kommunikationsorgan der Jüdinnen und Juden in Deutschland; bis Ende 1942 hatten rund 30 zionistische Organisationen hier ihren Sitz. Eine Informationstafel von 2019 erinnert an das Zionistische Zentralarchiv: Es wurde 1919 in der Sächsischen Straße 8 gegründet, zog 1924 in die Meinekestraße 10, und Ende 1933 brachte Georg Herlitz es in 154 Kisten nach Palästina. Seit Ende 1941 nutzten Dienststellen der Gestapo das Haus (Senatsverwaltung für Kultur, Gedenktafeln in Berlin).

Joachimsthaler Straße 13: die orthodoxe Synagoge im Hof

Die Route führt in die Joachimsthaler Straße hinein; die Angaben stammen aus den Quellen. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin schreibt „Joachimstaler Straße“ (Jüdische Gemeinde zu Berlin), amtlich gilt seit 2014 wieder „Joachimsthaler“ (Bezirksamt). Im Haus Nummer 13 befand sich früher die jüdische Loge Bnei Brith. Ab 1933 war dort die Joseph-Lehmann-Schule der Jüdischen Reformgemeinde untergebracht, ab 1939 zugleich die VIII. Volksschule der Jüdischen Gemeinde; die letzten Schüler*innen wurden 1942 deportiert. Der Logensaal im Hof ist heute die Synagoge, im Keller liegt eine Mikwe. Während der Teilung Berlins saß die Hauptverwaltung der Gemeinde in dem Haus. Es ist eine orthodoxe Synagoge im aschkenasischen Ritus.

Prinzregentenstraße 69 bis 70 und 66: die frühere Synagoge Wilmersdorf und Walter Benjamin

Die Route führt durch die Prinzregentenstraße. Am Haus Nummer 69 bis 70 hängt eine Bronzetafel mit Relief: „An dieser Stelle stand einst die Synagoge Wilmersdorf“, erbaut von Alexander Beer, eingeweiht am 16. September 1930 und am 9. November 1938 von Nationalsozialisten angezündet und zerstört. Dazu steht ein Zitat des Rabbiners Manfred Swarsensky auf der Tafel. Die Ruine wurde 1958 gesprengt, heute steht auf dem Grundstück ein Wohnheim des Allgemeinen Blindenvereins Berlin (Gedenktafeln in Berlin). Die Datenbank nennt als Hausnummer 70, das Bezirksamt 69 bis 70 (Bezirksamt).

In der Nummer 66 erinnert eine Berliner Gedenktafel an Walter Benjamin. Er lebte von 1930 bis zur Emigration 1933 in dem früher hier stehenden Haus und schrieb Teile der „Berliner Kindheit um 1900“. Die Tafel nennt seinen Freitod an der französisch-spanischen Grenze am 27. September 1940, als ihm die Auslieferung an die Gestapo drohte; sie wurde am 14. Juli 1989 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Stierstraße 21: das Ziel mit der Stolperschwelle für einen Betraum

Das Ziel der Tour liegt in Friedenau, in der Stierstraße 21. Im Gehweg liegt eine Stolperschwelle, auf der steht: „Stierstraße 21, Vorderhaus, 1. Etage rechts. In dieser Wohnung war von 1933 bis 1938 ein jüdischer Betraum. Von den Nazis verboten. Novemberpogrom 1938.“ Gunter Demnig hat sie verlegt, eingeweiht wurde sie am 28. März 2013, nach Gedenktafeln in Berlin war sie die erste Stolperschwelle in Berlin. Die Anregung kam von Henry Kuttner aus London, der als Kind in diesem Betraum war. In der Nacht nach der Einweihung wurden die Schwelle und zahlreiche Stolpersteine in der Straße und den Nachbarstraßen mit schwarzer Farbe beschmiert (Gedenktafeln in Berlin).

Es ist also kein Bauwerk und keine Synagoge, sondern ein Betraum in einer Wohnung im ersten Stock. Zu seinem Ende weichen die Wortlaute ab: Die Schwelle spricht von „verboten“, das Bezirksamt schreibt, der Gebetsraum sei am 9. November 1938 verwüstet und zerstört worden (Bezirksamt).

Jüdisches Leben heute

Diese Tour führt nicht nur zu Orten der Erinnerung. Am Weg liegen eine Synagoge, ein Zentrum der Chabad Lubawitsch, ein Laden und ein neuer Campus.

In der Joachimsthaler Straße 13 liegt eine aktive orthodoxe Synagoge, siehe „Am Wegesrand“; sie ist kein Besichtigungsziel.

In der Waitzstraße 13 in Charlottenburg, bei km 18,0, zeigt mein Foto das Schaufenster des „Kosher Daily Markt“: ein Schild über dem Fenster, in der Auslage Snacks und eine lange Reihe Weinflaschen. Die Jüdische Allgemeine berichtete am 10. August 2020 über die Eröffnung: Betreiber*innen sind Olga Sloniuk und Andrey Mints, rund zwei Drittel des Sortiments sind israelische Produkte, es gibt mehr als 100 Weinsorten, und die Räume waren vorher ein Fahrradladen (Jüdische Allgemeine). Im Juni 2021 gab es den Laden also, wie das Foto zeigt. Ob er heute noch besteht, kann ich nicht belegen.

In der Münsterschen Straße 6 liegt das Jüdische Bildungs- und Familienzentrum mit Synagoge und Tora Kolleg der Chabad Lubawitsch, Rabbiner und Direktor ist Yehuda Teichtal. Es nutzt ein früheres Umspannwerk von 1922, das Sergei Tchoban umgebaut hat; eingeweiht wurde es am 2. September 2007 (Bezirksamt, Baunetz). Die Route führt in der Nähe vorbei. Gleich daneben wurde am 25. Juni 2023 der Pears Jüdische Campus an der Westfälischen Straße eröffnet, mit Kita, Grundschule, Gymnasium, Sport- und Veranstaltungshalle, Kino und koscherem Deli, ebenfalls nach Plänen von Sergei Tchoban (Jüdische Allgemeine, Pears Foundation). Den Campus zeigt auch Tour 6.

An der Auguste-Viktoria-Straße in Schmargendorf liegt die Botschaft des Staates Israel; die Route führt daran vorbei. Die Villa ließ Hermann Schöndorff 1928/29 bauen. 1934 musste die Familie unter dem Druck der antijüdischen Politik verkaufen. Seit 1998 gehört das Grundstück dem Staat Israel, Botschaft und Residenz wurden am 9. Mai 2001 eingeweiht (Botschaft des Staates Israel, Jüdische Allgemeine).

Gut zu wissen

  • Nimm dir Zeit: 25,2 Kilometer sind lang, die Orte liegen weit verteilt. Teilstrecken kannst du dir nach Karte und Streckenband zusammenstellen, Verbindungen findest du beim VBB.
  • Die meisten Orte sind Gedenktafeln und Denkmäler im Freien, die du vom Gehweg aus lesen kannst.
  • Das Haus Wolfenstein in der Düppelstraße ist privat genutzt und vom Platz aus nicht zu sehen; die Initiative Haus Wolfenstein bietet gelegentlich Führungen an (Bezirksamt).
  • Die Synagoge in der Joachimsthaler Straße und das Chabad-Zentrum sind aktive Einrichtungen und keine Besichtigungsziele. Informationen zur Synagoge stehen bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Prüfe das vor deinem Besuch.
  • Der Pears Jüdische Campus wurde am 25. Juni 2023 eröffnet. Ob der Kosher Daily Markt heute noch besteht, kann ich nicht belegen.
  • Die Tour ist Teil meiner Serie Jüdisches Berlin mit sieben Touren aus dem Juni 2021.

Fazit

Diese Tour hat drei Teile. Der erste verbindet Orte der NS-Verfolgung allgemein (das KZ-Außenlager, das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt, „Der Gefesselte“) mit dem Jüdischen Blindenheim und der Spiegelwand. Der zweite führt von der Künstlerkolonie, einem Ort politischer Verfolgung, zu jüdischen Einrichtungen und Stolpersteinen in Wilmersdorf, Schmargendorf und Grunewald. Der Schluss verbindet jüdisches Leben heute (Waitzstraße), das RIAS-Funkhaus und den Betraum in Friedenau. Wenn du nur einen Abschnitt gehen willst, nimm den von der Wrangelstraße über das Mahnmal an der Schloßstraße bis zur Spiegelwand: Die drei Orte liegen auf weniger als einem Kilometer. Mehr zu jüdischem Leben und Gedenken in Charlottenburg findest du in Tour 2 und Tour 6, in Wilmersdorf ebenfalls in Tour 6, in der Mitte der Stadt in Tour 3 und Tour 4, im Osten in Tour 5.

Alle sieben Touren, eine Karte ihrer Routen, die Orte nach Bezirk und die Zeitleiste „Jüdisches Berlin seit 1244“ stehen im Gesamtbericht.

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