Der Burgenwanderweg ist ein Rundweg von rund 150 Kilometern durch den Naturpark Hoher Fläming in Brandenburg. Er verbindet vier Anlagen: Burg Eisenhardt in Bad Belzig, Burg Rabenstein bei Raben, Schloss Wiesenburg und die ehemalige Bischofsresidenz Ziesar. Ich bin ihn in sechs Etappen gelaufen, zwischen Juni 2021 und April 2022. Es ist kein Weg der großen Aussichten, sondern einer der vielen kleinen Stationen: Dörfer mit Feldsteinkirchen, ruhige Wälder und alle paar Stunden eine Burg, ein Schloss oder ein Park. Die offizielle Beschreibung des Weges findest du bei Reiseland Brandenburg.


Steckbrief
Strecke
151 km
Gehzeit
29,5 h
Etappen
6
Start und Ziel
Bahnhof Bad Belzig
Schwierigkeit
leicht, aber lang
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Der Weg in Zahlen
Je nach Quelle ist der Burgenwanderweg 147 bis 149 Kilometer lang. Meine sechs Aufzeichnungen ergeben zusammen 151 Kilometer. Der Unterschied dürfte unter anderem an meiner Route über Reckahn liegen, die nicht zum offiziellen Weg gehört. Zum Planen reichen „rund 150 Kilometer“.
Auch bei der Zeit gehen die Angaben auseinander. Meine Etappen kommen zusammen auf rund 29,5 Stunden reine Gehzeit laut Komoot. Der Deutsche Wanderverband nennt für den ganzen Weg 39 Stunden, andere Quellen geben zwischen 33 und 44 Stunden an. Wie dort gerechnet wird, steht nicht immer dabei.
Nach dem Deutschen Wanderverband besteht der Weg zu rund 65 Prozent aus naturnahen Wegen, zu 18 Prozent aus Feinschotter und zu 16 Prozent aus Asphalt, die Werte sind gerundet. Er beschreibt den Gesamtweg als leicht und führt die ersten vier offiziellen Etappen als mittel. Mit Gepäck, Hitze oder 30 Tageskilometern kann eine technisch einfache Strecke trotzdem anstrengend werden.
So ist der Weg entstanden
Wer den Weg angelegt hat und wann er eröffnet wurde, kann ich nicht sicher sagen. Fest steht: 2010 wurde er erstmals als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnet und seither mehrfach neu zertifiziert. Bewertet werden unter anderem Wegeführung, Markierung, naturnahe Abschnitte, Sehenswürdigkeiten und Infrastruktur. Das Jahr 2010 sagt nichts darüber, wann der Weg angelegt wurde.
Markiert ist der Weg mit einer roten Burg auf weißem Quadrat.
Meine sechs Etappen
Offiziell hat der Weg acht Etappen, und es gibt zwei Einteilungen. Der Tourismusverband führt Bad Belzig bis Lühnsdorf, Lühnsdorf bis Rädigke, Rädigke bis Jeserig, Jeserig bis Görzke, Görzke bis Ziesar, Ziesar bis Groß Briesen, Groß Briesen bis Dippmannsdorf und Dippmannsdorf bis Bad Belzig, zwischen 13 und 25 Kilometer pro Etappe. Die Wanderfibel des Naturparks hat ebenfalls acht Etappen, aber andere Endpunkte, etwa den Bahnhof Wiesenburg und Friesdorf. Eine „Etappe 3“ ist deshalb ohne Angabe der Quelle nicht eindeutig.
Ich bin in sechs eigenen Tagesetappen gelaufen. Zwei Abweichungen vom offiziellen Weg gibt es in meinen Aufzeichnungen: Von Rädigke nach Raben bin ich nicht über die Neuendorfer Rummel gegangen, und ab Friesdorf führt meine Strecke über Reckahn. Die Etappen im Überblick:
- Etappe 1: Bad Belzig bis Rädigke (22,8 km, 4:15 h, Juni 2021)
- Etappe 2: Rädigke bis Wiesenburg (22,6 km, 4:13 h, Juni 2021)
- Etappe 3: Wiesenburg bis Görzke (17,6 km, 3:26 h, September 2021)
- Etappe 4: Görzke bis Ziesar (24,0 km, 4:46 h, April 2022)
- Etappe 5: Ziesar bis Reckahn (33,6 km, 6:41 h, April 2022)
- Etappe 6: Reckahn bis Bad Belzig (30,3 km, 6:11 h, April 2022)




Was dich auf den Etappen erwartet
- Etappe 1: Burg Eisenhardt in Bad Belzig, das Roger-Loewig-Haus und die ersten Feldsteinkirchen bis Rädigke.
- Etappe 2: das Planetal, Burg Rabenstein mit ihrem Bergfried und am Ende der Bahnhof Wiesenburg.
- Etappe 3: Schloss und Park Wiesenburg, danach der Töpferort Görzke. Die kürzeste Etappe.
- Etappe 4: Kirchenruine Dangelsdorf, der Gutspark Dahlen und die Bischofsresidenz Ziesar.
- Etappe 5: Schloss Reckahn mit dem Rochow-Museum. Mit 33,6 Kilometern die längste Etappe.
- Etappe 6: die achteckige Kirche in Golzow, das Quellgebiet Paradies, das ZEGG und der Galgenberg, danach zurück nach Bad Belzig.
Hintergrund
Die vier Anlagen
Die vier Anlagen sind keine gleichzeitig entstandene Burgenkette, sondern wurden in verschiedenen Jahrhunderten geprägt. Burg Eisenhardt in Bad Belzig: Der Burgward Belizi wird 997 urkundlich erwähnt, das ist aber nicht das Baudatum der heutigen Burg. Der Name Eisenhardt ist laut Burgchronik für 1465 belegt, im 15. Jahrhundert wurde sie zur Landesfestung ausgebaut. Belzig kam erst 1815 von Sachsen zu Preußen, 1956 wurde in der Burg ein Heimatmuseum eingerichtet.
Burg Rabenstein liegt auf dem rund 153 Meter hohen Steilen Hagen. Die Burgchronik nennt 1251 als erste urkundliche Erwähnung, der Bergfried ist etwa 30 Meter hoch. Von 1956 bis 1998 war die Burg Jugendherberge. Schloss Wiesenburg wird nach der Gemeinde 1161 erstmals erwähnt. Nach einem Brand 1547 wurde es als Renaissanceschloss wieder aufgebaut, das heutige Bild stammt von den Umbauten von 1865 bis 1880. Seit 1998 ist es in Privatbesitz, der Landschaftspark ist grundsätzlich frei zugänglich.
Ziesar war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert eine Residenz der Bischöfe von Brandenburg. Die Burgkapelle wurde 1470 geweiht, das Museum 2005 eröffnet. Am meisten Zeit zum Besichtigen braucht von den vier Anlagen nach meiner Einschätzung Ziesar.
Landschaft
Der Hohe Fläming ist nach der Naturparkverwaltung eine Altmoränenlandschaft, die wesentlich von der Saale-Eiszeit geprägt wurde. Die jüngere Weichsel-Eiszeit erreichte den Höhenzug nicht mehr. Die Rummeln, trockene Täler mit bis zu etwa 20 Meter hohen Seitenhängen, entstanden unter eiszeitlichen Bedingungen und wurden durch mittelalterliche Rodungen verstärkt. Große Findlinge brachte das skandinavische Inlandeis. Der Name Fläming geht nach dem Tourismusverband auf flämische Siedler zurück.
Offizielle Stationen, die nicht auf meinen Aufzeichnungen liegen, sind die Schleife durch die Neuendorfer Rummel bei Rädigke und der Abschnitt über Groß Briesen und Klein Briesen. Dort nennt die Naturparkverwaltung unter anderem einen artesischen Brunnen, der 1980 angelegt und 1999 eingefasst wurde. Das Quellgebiet Paradies in Dippmannsdorf liegt dagegen nur gut hundert Meter neben meiner Strecke. Der Aussichtsturm Schöne Aussicht und der artesische Brunnen liegen nach meiner Aufzeichnung etwa vier Kilometer abseits.
Praktisches
Richtung, Einteilung und Navigation
Ich bin den Weg in Richtung der offiziellen Etappennummern gelaufen: von Bad Belzig über Rädigke, Wiesenburg, Görzke und Ziesar zurück nach Bad Belzig. Den Weg fand ich gut ausgeschildert. Die Naturparkverwaltung und die Landes-Tourismusorganisation bieten GPX-Dateien an, ein Track auf dem Handy ist als Absicherung sinnvoll, besonders wenn man meine Abweichungen mitgehen möchte.
Öffentlicher Verkehr
Bad Belzig liegt an der RE7 von Berlin Hauptbahnhof Richtung Dessau, die Fahrt dauert nach dem Tourismusverband rund eine Stunde. Auch Wiesenburg (Mark) liegt an der RE7. Görzke, Ziesar, Reckahn und Rädigke haben keinen Bahnhof, dort ist man auf Regionalbusse angewiesen. Ältere Wanderführer und Fibeln nennen teils überholte Linien. Tipps zur Anreise mit der Bahn findest du auch beim Bahnausflug in den Naturpark Hoher Fläming. Deshalb Haltestelle, Richtung und letzte Abfahrt am Tag der Tour im VBB-Fahrplan prüfen.
Versorgung und Unterkunft
Im Süden, in Bad Belzig und Wiesenburg, gibt es reichlich Gastronomie und Unterkünfte, im Norden sollte man früher planen. Auf den langen Abschnitten, etwa zwischen Wiesenburg und Görzke, nach Köpernitz und auf Etappe 5, gibt es unterwegs kaum Einkehr. Als Anlaufstellen nennen die Quellen unter anderem den Gasthof Moritz in Rädigke, das Landhaus Alte Schmiede in Lühnsdorf, die Springbachmühle bei Bad Belzig und das Burghotel Ziesar. Das ist keine Rangliste, freie Zimmer und Öffnungszeiten habe ich nicht geprüft. Ich selbst habe in Ziesar im Burghotel Ziesar und in Reckahn im Gästehaus Reckahn übernachtet.
Jahreszeit und Öffnungszeiten
Der Tourismusverband empfiehlt Frühjahr bis Herbst. Ich bin im Juni, im September und im April gelaufen. Wer Burgen, Museen und Türme von innen sehen möchte, prüft die Öffnungszeiten vorher, sie ändern sich im Jahresverlauf. Die Rhododendronblüte im Wiesenburger Schlosspark liegt im Mai und Juni.
Karten und Literatur
Wer sich in der Region weiter einlesen möchte, findet im Wander- und Naturführer Hoher Fläming Wanderungen, Radtouren und Spaziergänge. Ob der Burgenwanderweg selbst darin beschrieben ist, habe ich nicht geprüft. Der Naturparkverein gibt außerdem eine kostenlose Wanderfibel heraus, deren Busangaben teilweise überholt sind.
Das Buch zu den Burgen
Unterwegs zu den Burgen im Fläming
Ein schmales Heft, das fünf Burgen im Fläming vorstellt: Rabenstein, Wiesenburg, Ziesar und Eisenhardt in Bad Belzig, dazu die Burgruine in Bärwalde bei Wiepersdorf. Vier davon liegen direkt am Burgenwanderweg, das Heft passt also gut als Hintergrund zu den vier Anlagen.
Für Eilige: drei Etappen zur Auswahl
Wer nicht den ganzen Weg gehen möchte, kann eine der Etappen mit einer eigenen Anlage wählen. Burg Eisenhardt lässt sich zusätzlich bei einem Stadtbesuch in Bad Belzig ansehen, der Bahnhof ist Start der ersten Etappe.
- Etappe 2 mit Burg Rabenstein bei Raben und dem Planetal (22,6 km)
- Etappe 3 mit Schloss und Park Wiesenburg und dem Töpferort Görzke, meine kürzeste Etappe (17,6 km)
- Etappe 4 mit Kirchenruine Dangelsdorf, Gutspark Dahlen und der Bischofsresidenz Ziesar (24,0 km)
Übrigens
Der Internationale Kunstwanderweg verbindet Bad Belzig und Wiesenburg auf 37 Kilometern. Infotafeln dazu stehen in Bad Belzig am Start der ersten Etappe und am Bahnhof Wiesenburg, dem Ziel der zweiten und dem Start der dritten Etappe.
Die Bischofsresidenz Ziesar zeigt zwei mittelalterliche Fußbodenheizungen. In Görzke wurde nach dem Tourismusverband die Sandmännchen-Figur hergestellt, in Bad Belzig markiert die Kursächsische Postmeilensäule die ehemalige nördliche Grenze Sachsens. In einer Komoot-Collection eines anderen Nutzers heißt der Weg „Toskana von Brandenburg“, einen offiziellen Beinamen kenne ich nicht.
Fazit
Der Burgenwanderweg ist kein Weg der großen Aussichten, sondern der vielen kleinen Stationen: vier Anlagen aus verschiedenen Jahrhunderten, Dörfer mit alten Kirchen und viel ruhiger Wald dazwischen. Mit rund 150 Kilometern lässt er sich gut in einzelne Tage teilen, von denen jeder eine eigene Station hat.
