Burgenwanderweg, Etappe 1 von 6 · Zum Gesamtbericht
Der Burgenwanderweg ist ein Rundweg im Naturpark Hoher Fläming und beginnt dort, wo er auch endet: in Bad Belzig. Die erste Etappe führt vom Bahnhof durch die Altstadt und an Burg Eisenhardt vorbei hinaus aufs Land. Über Kranepuhl und Lühnsdorf geht es nach Rädigke, 22,8 Kilometer in gut vier Stunden Gehzeit.
Ich bin am Samstag, dem 5. Juni 2021, am Bahnhof Bad Belzig losgegangen. Der Weg ist mit einer roten Burg auf weißem Quadrat markiert. Offiziell wird der Abschnitt je nach Quelle in eine oder zwei Etappen geteilt, ich bin ihn an einem Tag gegangen. Wie der Weg aufgebaut ist und warum ich ihn in sechs Etappen gelaufen bin, steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
22,8 km
Gehzeit
4:15 h
Schwierigkeit
leicht
Start
Bahnhof Bad Belzig
Ziel
Rädigke
Gelaufen am
5. Juni 2021
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Anreise
Bad Belzig liegt an der RE7, die von Berlin Hauptbahnhof Richtung Dessau fährt. Die Fahrt dauert nach Angaben des Tourismusverbands rund eine Stunde. Der Bahnhof ist Start und Ziel des gesamten Rundwegs, die Altstadt liegt gut einen Kilometer entfernt.
Rädigke hat keinen Bahnhof. Zurück nach Bad Belzig kommt man mit dem Regionalbus, unter anderem über Niemegk. Linie, Haltestelle und Abfahrtszeit prüfst du am besten am Tag der Tour im VBB-Fahrplan.
Die Route
Bad Belzig: Altstadt und Burg Eisenhardt




Gleich am Anfang steht eine Infotafel zum Internationalen Kunstwanderweg. Er verbindet nach Angaben des Tourismusverbands Bad Belzig und Wiesenburg auf 37 Kilometern, ist auf zwei Tage angelegt und umfasst 28 Kunstwerke. Am Bahnhof Wiesenburg, dem Ziel der nächsten Etappe, taucht er noch einmal auf.
Durch die Altstadt führt der Weg hinauf zur Burg Eisenhardt. Der Burgward Belizi wird urkundlich 997 erwähnt, das ist aber nicht das Baudatum der heutigen Anlage. Der Name Eisenhardt ist für 1465 überliefert, im 15. Jahrhundert wurde die Burg zur Landesfestung ausgebaut. Schwedische Truppen zerstörten sie 1636. Nach dem Besuch von König Friedrich Wilhelm IV. wurde sie umfangreich restauriert, eine weitere Sanierung dauerte von 1989 bis 2008. Bei Grabungen seit 1993 wurde eine romanische Burgkapelle freigelegt.

Im Burghof steht der Bergfried, der Butterturm. Für den Namen gibt es zwei Erklärungen: Er soll die Form eines Butterfasses haben, oder es soll Buttermilch im Mörtel stecken. Der Eingang liegt in 17 Metern Höhe an der Nordseite, der untere Teil besteht aus Feldstein, der obere aus Backstein. Das Heimatmuseum sitzt im spätgotischen Torhaus. Es behandelt Stadt- und Regionalgeschichte, Handwerk, die Schlacht bei Hagelberg 1813 und auch die NS-Zeit, darunter das Frauenlager Roederhof. Den Turm kann man während der Museumszeiten besteigen.


Postmeilensäule und Roger Loewig
Nach der Burg geht es noch einmal in die Stadt. An der Kreuzung von Wittenberger Straße und Bahnhofstraße steht die Kursächsische Postmeilensäule. Nach dem Datenblatt des Vereins Kursächsische Postmeilensäulen wurde die ursprüngliche Distanzsäule 1725 aufgestellt, heute steht dort eine Rekonstruktion, Originalteile liegen im Museum der Burg. Die Säule markiert laut Tourismusverband die ehemalige nördliche Grenze Sachsens.
Kurz danach liegt das Roger-Loewig-Haus, Museum und Gedenkstätte für den Künstler und Schriftsteller Roger Loewig (1930 bis 1997). Nach der Darstellung der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung wurde er nach einer privaten Ausstellung 1963 verfolgt. Das Museum sitzt im Schweizerhaus hoch über Bad Belzig, Öffnungszeiten und Anfahrt findest du bei Reiseland Brandenburg.

Kranepuhl, Klinkeberg und Lühnsdorf
Hinter Bad Belzig beginnt der ländliche Teil. Eine Wegbeschreibung von Wildganz nennt für den Abschnitt bis Lühnsdorf offene Agrarlandschaft mit Obstbäumen, kleine Waldstücke und das Trockental Steile Kieten. Bei Kilometer 10,8 steht eine Infotafel zum Wildapfel.



Bei Kilometer 13,7 erreicht die Strecke Kranepuhl. Die Wanderfibel des Naturparks nennt Feldsteinkirchen unter anderem in Preußnitz, Kranepuhl und Rädigke. Den Klinkeberg führt Komoot auf dieser Strecke als Gipfel, in meiner Aufzeichnung liegt er bei Kilometer 15,7. Lühnsdorf folgt bei Kilometer 18. Nach der Amtsseite wurde dort 2016 ein Münzschatz entdeckt, dessen Münzen in die Zeit von 1270 bis 1325 datiert werden. Die heutige Kirche entstand 1898 nach dem Abbruch des älteren Baus, nicht jede Dorfkirche am Weg ist also ein romanischer Feldsteinbau.




Rädigke
Rädigke ist auch der Startpunkt der dritten offiziellen Etappe des Burgenwanderwegs (Reiseland Brandenburg). Die romanische Feldsteinkirche hat einen Altaraufsatz von 1690 und eine Kanzel von 1703. Im Ort gibt es ein Landmaschinenmuseum und ein Taubenhaus, mehr dazu kann ich nicht sagen. Im Gasthof Moritz gibt es die Fläming-Bibliothek, eine 2006 gegründete, ehrenamtlich getragene Gasthofbibliothek.


Am Wegesrand
Gertraudenkapelle
Die Gertraudenkapelle am Rand der Altstadt ist ein spätgotischer Feldsteinbau, den die Stadt Bad Belzig in das 15. Jahrhundert datiert. Sie war die Kirche eines inzwischen geschlossenen Hospitals und diente Reisenden und Kranken, heute ist sie Friedhofskapelle. Nach einer vorübergehenden Entweihung wurde sie 1615 erweitert und wiederhergestellt. Im 16. Jahrhundert fanden laut Komoot sieben Bedürftige und der Totengräber in ihr Unterkunft.

Bricciuskirche
Die Bricciuskirche steht direkt vor der Burg Eisenhardt. Nach Angaben von Reiseland Brandenburg ließen sie die Herzöge von Sachsen-Wittenberg als eigenständigen Bau errichten, ihr Vorgängerbau stand auf dem Burggelände. Die Wettiner bezogen sie später in ihr Bauprogramm ein. Heute ist sie eine offene Kirche und Radwegekirche. Seit 2014 saniert der Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow sie Schritt für Schritt, 2019 erhielt er dafür den brandenburgischen Denkmalpflegepreis.

Axis Mundi 2 von Jens Kanitz
Kurz nach der Burg steht am Weg die Skulptur Axis Mundi 2 von Jens Kanitz, ein Werk des Internationalen Kunstwanderwegs. Mehr zum Kunstwanderweg gibt es bei Reiseland Brandenburg. Es gab 114 Einsendungen, die Nordroute wurde am 5. August 2007 eröffnet.

Gut zu wissen
- Offiziell ist dieser Abschnitt je nach Quelle in eine oder zwei Etappen geteilt (Bad Belzig bis Lühnsdorf, Lühnsdorf bis Rädigke) und mit rund 19 bis 29 Kilometern angegeben. Meine Aufzeichnung kommt auf 22,8 Kilometer.
- Ich fand den Weg gut ausgeschildert. Ein Track auf dem Handy ist trotzdem eine sinnvolle Absicherung.
- In Bad Belzig gibt es Gastronomie und Geschäfte rund um Altstadt und Burg. Danach folgen überwiegend kleine Dörfer, Wasser und Proviant sollte man für den Mittelteil mitnehmen. Im Gasthof Moritz in Rädigke ist eine Einkehr möglich, Öffnungszeiten vorher prüfen.
- Burg und Museum haben eigene Öffnungszeiten, die sich im Jahresverlauf ändern. Aktuelle Angaben stehen auf der Seite der Burg.
Fazit
Als Einstieg funktioniert die Etappe gut: Der Zug hält direkt am Start, Altstadt und Burg liegen gleich am Anfang, danach wird es ländlich und ruhig. Mit 22,8 Kilometern ist sie keine kurze Tour, aber technisch einfach.