Unterwegs zu Fuß

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Jüdisches Berlin: Von Charlottenburg nach Mitte

Mahnmal Levetzowstraße: rechts ein stählerner Waggonrahmen mit Puffern und grob behauenen Marmorfiguren, links eine Rampe mit einer zusammengeschnürten Figurengruppe aus Marmor, dahinter eine Brandwand und Bäume

Tour in Berlin, von Charlottenburg nach Mitte · Jüdisches Berlin, Tour 6 von 7 · Alle Touren und Wege

Die sechste Tour der Serie führt vom S-Bahnhof Westkreuz zum Hackeschen Markt, 21,2 Kilometer durch Westend, Charlottenburg, Wilmersdorf, Hansaviertel, Moabit und Mitte. Auf dem Weg liegen Gedenktafeln für verfolgte Menschen wie Gertrud Kolmar, Alfred Döblin und Kurt Singer, der Gedenkort der Gemeinde Adass Jisroel am Siegmunds Hof, das Mahnmal an der Levetzowstraße und das Stelenfeld. Dazu kommen Orte, an denen heute jüdisches Leben stattfindet, ein Laden, ein Theater und mehrere Synagogen.

Ich bin die Tour am 25. Juni 2021 gegangen. Die Linie auf der Karte ist meine Route. Ausführlich beschrieben sind die Orte, die ich fotografiert habe; die Orte, an denen die Route vorbeiführt oder die sie in einer Seitenstraße berührt und von denen kein Foto entstand, stehen unter „Am Wegesrand“. Die fotografierten Orte sind so beschrieben, wie sie im Juni 2021 aussahen, spätere Änderungen stehen jeweils dabei; die Orte unter „Am Wegesrand“ stützen sich auf Quellen. Beschrieben ist, was von außen zu sehen war.

Inhalt dieser Tour

Strecke

21,2 km

durch Westend, Charlottenburg, Wilmersdorf, Hansaviertel, Moabit und Mitte

Art

Streckentour, Stadtwanderung

Start

S-Bahnhof Westkreuz

Ziel

S-Bahnhof Hackescher Markt

ÖPNV

Start und Ziel liegen im Berliner Stadtgebiet, Verbindungen beim VBB prüfen

Untergrund

Gehwege, Straßen und Parkwege

Thema

Orte jüdischen Lebens und Gedenkens zwischen Westend und Mitte

Unterwegs am 25. Juni 2021

Karte: Stadtwanderung von Charlottenburg nach Mitte zu Orten jüdischen Lebens und GedenkensStreckentour vom S-Bahnhof Westkreuz über Westend, Charlottenburg, Wilmersdorf, Hansaviertel und Moabit zum Hackeschen Markt in Mitte, 21,2 km, mit 16 nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Richtung der Tour.12345678910111213141516Start: WestkreuzZiel: Hackescher Markt1 km
Vom S-Bahnhof Westkreuz zum Hackeschen Markt, 21,2 km. Die Linie zeigt meine Route, die Pfeile die Richtung der Tour, die Nummern stehen im Streckenband. Gestrichelt: Bahnstrecken.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0S-Bahnhof WestkreuzStart
  2. Kilometer 1,21Haus des RundfunksMasurenallee 8 bis 14
  3. Kilometer 1,82Gertrud KolmarAhornallee 37, Gedenktafel
  4. Kilometer 2,43Alfred DöblinKaiserdamm 28, Gedenktafel
  5. Kilometer 3,84Edmund RumplerDernburgstraße 9, Gedenktafel
  6. Kilometer 4,85FriedenstempelMarkgraf-Albrecht-Straße 11/12, Gedenktafel
  7. Kilometer 6,76Julius-Morgenroth-PlatzHohenzollerndamm 177
  8. Kilometer 8,67Kurt SingerMommsenstraße 56, Gedenktafel
  9. Kilometer 10,88Museum für FotografieJebensstraße 2
  10. Kilometer 129Siegmunds HofSiegmunds Hof 11, Mahnmal und Stahltafel
  11. Kilometer 12,310Stolpersteine CahnWullenweberstraße 5
  12. Kilometer 12,811LevetzowstraßeLevetzowstraße 7 bis 8, Mahnmal
  13. Kilometer 17,112StelenfeldCora-Berliner-Straße 1, Denkmal
  14. Kilometer 18,513Kindertransport-DenkmalBahnhof Friedrichstraße, Denkmal
  15. Kilometer 19,914Jüdische MädchenschuleAuguststraße 11 bis 13
  16. Kilometer 20,615Stolpersteine MetzgerSophienstraße 22
  17. Kilometer 2116Rosenthaler Straße 39Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
  18. Kilometer 21,2S-Bahnhof Hackescher MarktZiel · Mitte
Kilometer gerundet.

Darum lohnt sich die Tour

  • Das Mahnmal Levetzowstraße steht dort, wo ab Oktober 1941 ein Sammellager für Deportationen eingerichtet war; die Stahlwand nennt die Daten der Transporte.
  • Gedenktafeln in Westend, Charlottenburg und Halensee erinnern an Menschen, die verfolgt wurden, und an die zerstörte Synagoge Friedenstempel: Gertrud Kolmar, Alfred Döblin, Edmund Rumpler und Kurt Singer. In Wilmersdorf trägt ein Platz den Namen des Mediziners Julius Morgenroth.
  • Am Siegmunds Hof erinnern ein Mahnmal von 1986 und eine Stahltafel von 1998 an die Gemeinde Adass Jisroel, die hier 1924 ein Schulwerk und eine Synagoge einweihte.
  • Am Weg liegen Synagogen, in denen heute wieder Gottesdienste stattfinden, und das Deutsch-Jüdische Theater.

Anreise

Hin

Die Tour beginnt am S-Bahnhof Westkreuz; Verbindungen vorher beim VBB prüfen

Zurück

Die Tour endet am S-Bahnhof Hackescher Markt; Verbindungen vorher beim VBB prüfen

Hinweis

Zwischen dem Mahnmal Levetzowstraße (km 12,8) und dem Stelenfeld (km 17,1) gibt es auf dieser Tour keine Station mit eigenem Foto

Die Route

Die Strecke hat drei Teile. Der erste liegt in Westend, Charlottenburg, Halensee und Wilmersdorf und besteht vor allem aus Gedenktafeln für einzelne Menschen und für zerstörte Synagogen; er reicht bis zum Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo; er führt erst nach Norden, dann nach Süden und wieder zurück. Der zweite führt durch das Hansaviertel und Moabit und ist der dichteste: Siegmunds Hof, Stolpersteine und das Mahnmal Levetzowstraße. Der dritte geht durch den Tiergarten nach Mitte, zum Stelenfeld, zum Kindertransport-Denkmal und durch die Spandauer Vorstadt zum Ziel.

Westend: das Haus des Rundfunks an der Masurenallee

Nach gut einem Kilometer zeigt mein Foto das Haus des Rundfunks an der Masurenallee, von schräg unten gesehen. Über dem Eingang stehen goldene Buchstaben, am Haus hängt das Nummernschild „8-14“, die Platanenäste im oberen Bildteil verdecken einen Teil der dunklen Klinkerfassade. Hans Poelzig baute das Funkhaus Ende der 1920er Jahre, eröffnet wurde es am 31. Januar 1931. Ab dem 13. Mai 1945 sendete von hier der „Berliner Rundfunk“ unter sowjetischer Verwaltung, 1957 übernahm der Sender Freies Berlin das Haus, seit 2003 sitzt der rbb dort (Landesdenkmalamt).

Gleich nebenan, an der Masurenallee 6a am Haus der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, erinnert seit dem 29. September 2008 eine Gedenkinstallation an 2.063 jüdische Ärztinnen und Ärzte, denen die Nationalsozialisten am 30. September 1938 die Approbation entzogen (Gedenktafeln in Berlin).

Westend: die Gedenktafel für Gertrud Kolmar, Ahornallee 37

Wenig später hängt an der Ahornallee 37 an einer hellblauen Putzfassade eine Berliner Gedenktafel aus Porzellan. Sie erinnert an die Lyrikerin Gertrud Kolmar, die im Vorgängerbau des heutigen Hauses ihre Kindheit und Jugend verbrachte. „Als Jüdin nach 1933 zur Zwangsarbeit verpflichtet, wurde sie 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet“, steht auf der Tafel, die am 24. Februar 1993 enthüllt wurde (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Gertrud Kolmar hieß eigentlich Gertrud Käthe Chodziesner und wurde am 10. Dezember 1894 in Berlin geboren. Sie musste Zwangsarbeit in der Kartonagenfabrik Epeco in Lichtenberg leisten, wurde am 27. Februar 1943 bei der „Fabrikaktion“ verhaftet und am 2. März 1943 mit dem 32. Osttransport nach Auschwitz deportiert (Gedenktafeln in Berlin, Stolpersteine Berlin). Ihr Vater, der Rechtsanwalt Ludwig Chodziesner, musste im Januar 1939 in die Speyerer Straße 10 in Schöneberg umziehen und wurde am 9. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort starb er am 13. Februar 1943 (Stolpersteine Berlin). Die Stolpersteine für beide liegen vor dem Haus Münchener Straße 18a in Schöneberg, nicht an dieser Route.

Westend: die Gedenktafel für Alfred Döblin, Kaiserdamm 28

Gut einen halben Kilometer weiter hängt am Kaiserdamm 28 an einer graugrünen Rauputzfassade die Berliner Gedenktafel für Alfred Döblin. Hier wohnte und praktizierte er nach der Tafel von 1930 bis 1933 als Arzt, er emigrierte „am Tag nach dem Reichstagsbrand“, und seine Werke, darunter der Roman „Berlin Alexanderplatz“, fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Die Tafel wurde am 13. Mai 2003 enthüllt, Mitte März 2005 gestohlen und durch ein Duplikat ersetzt (Bezirksamt, Gedenktafeln in Berlin). Auf meinem Foto hängt sie an der Fassade.

Der jüdische Bezug steht nicht auf der Tafel. Döblin wurde 1878 in Stettin geboren und gehörte der Jüdischen Gemeinde Berlin an, aus der er 1912 austrat; 1941 trat er zum Katholizismus über (LeMO). Am 28. Februar 1933 floh er über Zürich nach Paris, 1936 wurde er französischer Staatsbürger, 1940 floh er in die USA. Er starb am 26. Juni 1957 in Emmendingen.

Charlottenburg: die Gedenktafel für Edmund Rumpler, Dernburgstraße 9

In Charlottenburg trägt das Haus Dernburgstraße 9 eine Berliner Gedenktafel mit goldfarbenem Rahmen: „Hier lebte von 1934 bis 1940 Edmund Rumpler, Luftfahrtindustrieller und Techniker, Erbauer von Stromlinienfahrzeugen“, dazu das Stichwort „Tropfenwagen“. Sie wurde am 7. September 1990 enthüllt, an Rumplers 50. Todestag (Bezirksamt, Gedenktafeln in Berlin).

Von der Verfolgung steht auf der Tafel nichts. Edmund Rumpler wurde 1872 in Wien geboren, stammte aus einer jüdischen Familie und war seit 1912 evangelisch (Deutsche Biographie). Nach 1933 musste er seine Arbeit wegen seiner jüdischen Herkunft aufgeben (Bezirksamt). Er starb am 7. September 1940, sein Grab liegt auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf (Gedenktafeln in Berlin).

Halensee: die Tafel für die Synagoge Friedenstempel

In Halensee hängt an der Markgraf-Albrecht-Straße 11/12 über einer Eibenhecke eine Bronzetafel mit dem Relief eines Synagogengebäudes. Sie erinnert an die Synagoge „Friedenstempel“, nach der Inschrift 1922 bis 1923 von G. und C. Gause erbaut, am 9. September 1923 eingeweiht und am 9. November 1938 „angezündet und zerstört von Nationalsozialisten“. Darunter steht ein Satz des Stifters: „Der Tempel soll nicht allein religiösen Zwecken dienen sondern auch eine Versammlungsstätte aller sein, die an der Herbeiführung eines wirklichen Friedens mitarbeiten wollen.“ Er ist mit „Prof. Dr. S. Goldberg anlässlich der Einweihung“ unterzeichnet. Die Tafel hängt seit 1988 am Haus Nummer 11 (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Goldberg war Jurist und besaß den Lunapark am Halensee; die liberale Synagoge hatte nach dem Bezirksamt 1.450 Plätze. 1929 übernahm die Jüdische Gemeinde zu Berlin das Haus. In der Pogromnacht schützte die Feuerwehr nach dem Bezirksamt nur die Nachbargebäude, der Rabbiner Max Nussbaum rettete eine kleine Torarolle; die Ruine wurde 1959 abgerissen (Stadtspaziergang des Bezirksamts). In der Markgraf-Albrecht-Straße liegen 30 Stolpersteine vor fünf Häusern (Stadtspaziergang des Bezirksamts).

Wilmersdorf: der Julius-Morgenroth-Platz am Hohenzollerndamm

Am Hohenzollerndamm liegt vor dem Dienstgebäude Nummer 177 ein kleiner dreieckiger Platz, der seit dem 2. September 1996 Julius-Morgenroth-Platz heißt (Bezirksamt). Mein Foto zeigt das geschwungene Gebäude mit Natursteinfassade, davor auf dem trockenen Rasen das Erläuterungsschild und eine bronzene Sitzfigur. Auf dem Schild steht, Julius Morgenroth sei Arzt und Biologe an der Charité und am Robert-Koch-Institut gewesen, seine Hauptarbeitsgebiete seien Immunitätslehre und Chemotherapie gewesen. 1938 hätten die Nationalsozialisten die nach ihm benannte Straße in Wilmersdorf wegen seiner jüdischen Herkunft in Dünkelbergsteig umbenannt.

Julius Morgenroth wurde am 19. Oktober 1871 in Bamberg geboren, war Assistent bei Paul Ehrlich und gilt als Mitbegründer der Chemotherapie; zu seinen Entwicklungen zählen Optochin und Rivanol. Er starb 1924 (Deutsche Biographie). Die Straße heißt noch heute Dünkelbergsteig; weil sich eine Rückbenennung nicht durchsetzen ließ, erhielt der kleine Platz Morgenroths Namen (Gedenktafeln in Berlin).

Das Gebäude dahinter ist ein früheres Dienstgebäude. Emil Fahrenkamp baute das Dienstgebäude Hohenzollerndamm 174 bis 177 in den Jahren 1930 bis 1935 für einen Versicherungskonzern, in der NS-Zeit war es Hauptsitz der Deutschen Arbeitsfront. Heute sind ein Bürgeramt, die Kommunale Galerie und das Theater Coupé im Haus (Bezirksamt). Im Fenster hängt ein Schild des Deutsch-Jüdischen Theaters, mehr dazu unter „Jüdisches Leben heute“.

Charlottenburg: Kurt Singer und der Kulturbund Deutscher Juden, Mommsenstraße 56

In der Mommsenstraße 56 hängt unter einem ovalen Sprossenfenster an einer weißen Putzfassade die Berliner Gedenktafel für Kurt Singer. Sie nennt seine Lebensdaten, 1885 bis 1944, und die Wohnzeit im Haus von 1932 bis 1934. In seiner Wohnung wurde am 15. Juli 1933 der Kulturbund Deutscher Juden gegründet, dessen Leiter er war; 1938 floh er nach Holland und kam „im Lager Theresienstadt um“. Die Tafel wurde 1997 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin, Bezirksamt).

Kurt Singer wurde am 11. Oktober 1885 in Berent in Westpreußen geboren und starb am 7. Februar 1944 im Ghetto Theresienstadt. Zu Singers Rolle im Kulturbund siehe das Jüdische Museum Berlin (Jüdisches Museum Berlin). Singer war Neurologe und Musikwissenschaftler, die Idee zum Kulturbund stammte nach LeMO von ihm und dem Regieassistenten Kurt Baumann, die Gründung wurde im Juli 1933 genehmigt. 1935 hatten die mehr als 36 regionalen Kulturbünde zusammen etwa 70.000 Mitglieder, am 11. September 1941 löste die Gestapo den Kulturbund auf.

Charlottenburg: das Museum für Fotografie und Helmut Newton

Am Bahnhof Zoo, in der Jebensstraße 2, zeigt mein Foto das Museum für Fotografie: eine Sandsteinfassade mit Dreiecksgiebel, davor Banner einer Ausstellung, auf denen unter anderem die Namen Meyerowitz und Newton zu lesen sind. Das Haus wurde 1908/09 nach Plänen von Heino Schmieden und Julius Boethke als Kasino für die Offiziere der Landwehr gebaut und am 2. September 1909 eingeweiht, die Giebelinschrift nennt das Jahr „MCMIX“ (Staatliche Museen zu Berlin, Gedenktafeln in Berlin). Heute ist es auch der Sitz der Helmut Newton Stiftung.

Der Bezug zu dieser Tour ist ein biografischer. Helmut Newton wurde am 31. Oktober 1920 in Berlin als Helmut Neustädter geboren, als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten, wie die Jüdische Allgemeine schreibt. Von 1936 bis 1938 lernte er bei der Fotografin Yva, die später von den Nationalsozialisten ermordet wurde. 1938 verließ er Berlin (Quelle: Helmut Newton Stiftung). Das Museum liegt direkt hinter diesem Bahnhof. Newton starb am 23. Januar 2004 bei einem Autounfall und wurde in einem Ehrengrab in Berlin beigesetzt.

Hansaviertel: der Gedenkort der Adass Jisroel am Siegmunds Hof

Am Spreeufer im Hansaviertel liegt der Siegmunds Hof. Hier stand das zweite Zentrum der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel. Ihr erstes Haus stand in der Artilleriestraße, der heutigen Tucholskystraße; von diesem Haus erzählt Tour 4. Am Siegmunds Hof weihte die Gemeinde 1924 in einem umgebauten Atelierhaus ein Schulwerk mit Grundschule, Mädchenlyzeum und Gymnasium und eine zweite Synagoge ein, dazu kamen Verwaltung und Bibliothek. Nach den Angaben der Gemeinde wurde die Synagoge in der Pogromnacht weder angezündet noch geplündert, Gottesdienste waren danach verboten, die Schulen wurden 1938/39 geschlossen. Das Haus überstand den Krieg beschädigt und wurde in den 1950er Jahren veräußert und abgerissen (Adass Jisroel, Bildhauerei in Berlin).

Das Mahnmal, das mein erstes Foto zeigt, schuf der Bildhauer Georg Seibert 1985 bis 1986 aus Cor-Ten-Stahl auf einem Granitsockel. Die gestaffelten Pfeiler bilden die abstrahierte Form einer Menora, die oberen Enden sind pultartig abgeschrägt. Auftraggeber war der Bezirk Tiergarten auf Antrag der Alternativen Liste, eingeweiht wurde das Mahnmal am 25. Juni 1986 (Bildhauerei in Berlin, Gedenktafeln in Berlin). Mein Foto entstand auf den Tag 35 Jahre später.

In die Pfeiler sind Inschriftfelder eingelassen, die Einrichtungen und Personen der Gemeinde nennen: die Artilleriestraße 31 mit Synagoge, Verwaltung, Ritualbädern, Religionsschule und Rabbiner-Seminar, das Israelitische Krankenheim und Altersheim in der Elsasser Straße 85, den Friedhof in der Wittlicher Straße in Weißensee, den Tour 3 zeigt, und die Rabbiner und Rektoren der Gemeinde.

Wenige Schritte weiter steht eine aufrechte Stahlplatte mit dreisprachiger Inschrift, oben hebräisch, links englisch, rechts deutsch. Die deutsche Spalte beginnt mit „Gedenke!“ und berichtet, die Gemeinde sei 1869 als aufgeklärte orthodoxe jüdische Gemeinde gegründet worden, ihr erster Rabbiner sei Esriel Hildesheimer gewesen. „Hier, in Siegmundshof 11, wurden am jüdischen Neujahr 5685 (1924) das Schulwerk und eine Synagoge eingeweiht. 1939 wurden alle Gemeindeeinrichtungen von den Nazis zerschlagen.“ Seit dem 18. Dezember 1989 sei die Gemeinde wieder in ihrem Gemeindehaus in der Tucholskystraße 40 tätig. Die Tafel ist mit dem 17. September 1998 datiert, dem Tag der Enthüllung (Gedenktafeln in Berlin).

Die Route verbindet beide Orte der Gemeinde: Das Haus in der Tucholskystraße 40 liegt rund acht Kilometer weiter an der Strecke, ich habe dort kein Foto gemacht. Spätere Änderungen: Am Haus Siegmunds Hof 21 erinnert seit dem 8. Oktober 2025 eine Berliner Gedenktafel an die Schriftstellerin Gabriele Tergit, die im Nachbarhaus Nummer 22 wohnte; am 4. März 1933 wollte die SA sie in ihrer Wohnung festnehmen, sie floh (Gedenktafeln in Berlin). Seit dem 2. Juni 2026 hängt dort außerdem eine Tafel für die jüdischen Familien, die bis 1938 im Haus Nummer 21 lebten (Gedenktafeln in Berlin). Beide Tafeln gab es im Juni 2021 noch nicht, die Keramiktafel von 1987 für die Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger am Haus Nummer 20 dagegen schon (Gedenktafeln in Berlin).

Moabit: die Stolpersteine für Philipp und Sophie Cahn, Wullenweberstraße 5

Etwas abseits der Route liegen in der Wullenweberstraße 5 im Granitkleinpflaster zwei Stolpersteine. Auf dem einen steht: „Hier wohnte Philipp Cahn, Jg. 1887, deportiert 17.5.1943 Theresienstadt, tot 5.3.1944“. Der andere nennt Sophie Cahn, geborene Sawady, Jahrgang 1894, ebenfalls am 17. Mai 1943 nach Theresienstadt deportiert und „ermordet in Auschwitz“. Ein Datum nennt der Stein dafür nicht.

Philipp Cahn wurde am 8. November 1887 in Westhofen geboren und war Direktor der Israelitischen Taubstummenanstalt in Weißensee (Stolpersteine Berlin). Sophie Cahn, 1894 in Ritschenwalde in der Provinz Posen geboren, wurde nach den Stolpersteinen Berlin am 9. Oktober 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz gebracht (Stolpersteine Berlin). Die Steine wurden im November 2009 verlegt. Die Taubstummenanstalt in der Parkstraße 22 gehört zu Tour 3.

Moabit: das Mahnmal Levetzowstraße

In der Levetzowstraße stand die Synagoge, die nach Plänen des Architekten Hoeniger 1912 bis 1914 gebaut wurde, 1914 eingeweiht und bis 1919 erweitert; sie war eine der größten Synagogen Berlins (Bildhauerei in Berlin, Bezirksamt Mitte). In der Pogromnacht 1938 wurde der Innenraum zerstört (bpb). Ab Oktober 1941 nutzten die Nationalsozialisten das Haus als Sammellager für die Deportationen (berlin.de). Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt als Zerstörung die Bomben von 1944 (bpb), das Bezirksamt den Abriss der Reste 1955 (Bezirksamt Mitte).

Das erste Erinnerungszeichen entstand um 1960: eine grün patinierte Bronzetafel an einer Klinkermauer, enthüllt am 5. Juli 1960 von Bezirksbürgermeister Joachim Karnatz und Heinz Galinski (Gedenktafeln in Berlin). Mein Foto zeigt sie unter Weidenzweigen. Ihr Text lautet: „An dieser Stätte stand eine Synagoge. Sie wurde in der Schreckensnacht des 9. November 1938 zerstört. Von hier aus mussten in den Jahren des Nationalsozialismus viele unserer jüdischen Mitbürger ihren letzten Weg antreten. Ihr Andenken ist unvergessen.“

Das Mahnmal von 1988 geht auf einen Wettbewerb von 1985 zurück, der Bau begann im Frühjahr 1987, übergeben wurde es im November 1988. Entworfen haben es die Architekten Jürgen Wenzel und Theseus Bappert zusammen mit dem Bildhauer Peter Herbrich. Auf dem Gelände stehen ein Güterwaggon aus Stahl mit Figuren aus Marmor und eine Rampe mit weiteren Figurengruppen, eine hohe Stahlwand mit den Daten der Transporte und im Boden Eisenplatten mit Reliefs und Daten Berliner Synagogen (Gedenktafeln in Berlin, bpb).

Die Stahlwand nennt in jeder Zeile Datum, Zahl und Ziel eines Transports, ausgestanzt in den Cortenstahl. Die erste Zeile lautet „18. Oktober 1941, unbekannte Zahl Juden nach Lodz“, und die Liste reicht bis 1945. Weiter unten steht zum Beispiel „12. Januar 1943, 1210 Juden nach Auschwitz“ und „17. Mai 1943, 395 Juden nach Auschwitz“. Das sind die Zahlen der Inschrift.

Im Boden liegen Eisenplatten, auf jeder das Relief einer Berliner Synagoge mit einer Textzeile zu Adresse, Sitzplätzen, Baujahr und Schicksal. Auf meinem Foto steht unter anderem: „Synagoge Rykestraße 53, 2000 Sitzplätze, gebaut 1903 bis 1904, beschädigt 1938, renoviert 1953“, und für die Brunnenstraße 33: „Baujahr unbekannt, beschädigt 1938, Lagerraum bis heute“. Auf einigen Platten steht „Kein Bilddokument auffindbar“ statt eines Reliefs.

Das Bezirksamt Mitte ließ das Mahnmal 2019 sanieren, mit dem Ziel, das Konzept von 1988 wiederherzustellen; es kostete 250.000 Euro, vier Baumkronen wurden zurückgeschnitten und eine Hainbuchenhecke neu gepflanzt (Bezirksamt Mitte, Mitte Blog). Jedes Jahr am 9. November findet am Mahnmal eine Gedenkveranstaltung statt (berlin.de).

Mitte: das Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Nach gut vier Kilometern durch Hansaviertel und Tiergarten, auf denen kein Foto entstand, erreicht die Route das Denkmal für die ermordeten Juden Europas an der Cora-Berliner-Straße. Mein Foto vom Südrand zeigt die Stelen im Vordergrund, dahinter Bäume und eine Glaskuppel unter bedecktem Himmel. Peter Eisenman entwarf das Denkmal mit 2.711 Stelen, eröffnet wurde es am 10. Mai 2005. Der Bundestag hatte es am 25. Juni 1999 beschlossen, ebenfalls ein 25. Juni (Stiftung Denkmal, bpb). Mehr zum Denkmal steht in Tour 4.

Mitte: das Kindertransport-Denkmal am Bahnhof Friedrichstraße

Am Bahnhof Friedrichstraße stehen die Bronzekinder des Denkmals „Züge in das Leben, Züge in den Tod“ von Frank Meisler, eingeweiht am 30. November 2008 (Bildhauerei in Berlin, Gedenktafeln in Berlin). Mein Foto zeigt vorn, hell patiniert, einen Jungen mit Rucksack und Koffer und ein Mädchen mit Teddy, nach Bildhauerei in Berlin die Kinder, die gerettet wurden. Dahinter stehen mit dem Rücken zur Kamera die dunkel patinierten Kinder für die deportierten, im offenen Koffer liegen weiße Blumen. Was die Kindertransporte waren, steht ausführlicher in Tour 4.

Mitte: die frühere Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße

In der Auguststraße 11 bis 13 zeigt mein Foto eine dunkelrote Klinkerfassade mit vier Fensterreihen und roten Sprossenfenstern. Das Haus war die Jüdische Mädchenschule der Gemeinde, gebaut 1927/28 vom Gemeindebaumeister Alexander Beer (Gedenktafeln in Berlin, Denkmaldatenbank). Anna Metzger, deren Familie im nächsten Abschnitt vorkommt, besuchte diese Schule. Gegenüber, in den Häusern Nummer 14 bis 16, lagen früher das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde (bis 1914), ab 1922 das Kinderheim „Ahawah“ und ab 1941 ein Sammellager für Deportationen (Gedenktafeln in Berlin). Beide Häuser beschreibt Tour 4.

Mitte: die Stolpersteine für Oskar und Max Metzger, Sophienstraße 22

In der Sophienstraße 22 zeigt mein Foto zwei Stolpersteine in dunklem Kleinpflaster. Auf dem einen steht „Hier wohnte Oskar Metzger, Jg. 1895, abgeschoben 28.10.1938 Bentschen/Zbąszyń, tot in Ghetto Lemberg“, auf dem anderen „Hier wohnte Max Metzger, Jg. 1922, abgeschoben 28.10.1938 Bentschen/Zbąszyń, tot“.

Oskar Metzger wurde am 12. Dezember 1895 im galizischen Brody geboren und handelte in Berlin mit Textilien. Seine erste Frau Sobel starb 1927, Anfang der 1930er Jahre zog er mit seinen Kindern, darunter Max (geboren 1922) und Anna (geboren 1924) nach Berlin, 1936 heiratete er Sophie Katz aus Zwickau, die ihren Sohn Gerhard mitbrachte. Max besuchte ab 1931 die jüdische Knabenschule in der Kaiserstraße, Anna die Mädchenschule in der Auguststraße (Stolpersteine Berlin, Max Metzger).

Vater und Sohn wurden wegen ihrer polnischen Staatsangehörigkeit nach Bentschen ausgewiesen. Das Datum ist nicht gesichert: Die Steine nennen den 28. Oktober 1938. Die Biografie auf der Stolperstein-Seite schreibt, Tochter und Stiefsohn hätten „im Oktober oder November 1938“ berichtet, das „könnte“ die sogenannte Polenaktion gewesen sein, und ein Schreiben der Berliner Polizei vom April 1943 nennt den 26. Juli 1939. Bei der Polenaktion wurden rund 17.000 Jüdinnen und Juden polnischer Staatsangehörigkeit abgeschoben, darunter etwa 1.500 aus Berlin (Stolpersteine Berlin).

Das letzte Lebenszeichen von Oskar Metzger ist eine Postkarte vom 10. Oktober 1940 aus dem Ghetto Litzmannstadt; nach dem Stiefsohn kam er später ins Ghetto Lemberg und starb dort. Wo und wann Max starb, ist nicht bekannt. Sophie Metzger wurde am 29. November 1942 mit dem 23. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet. Gerhard Katz kam im Dezember 1938 mit einem Kindertransport nach England, Anna im April 1939 mit der Jugend-Alijah nach Palästina. Die Steine wurden im November 2009 verlegt.

Mitte: Rosenthaler Straße 39

Kurz vor dem Ziel liegt in der Rosenthaler Straße 39 das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt. Mein Foto aus der Hofdurchfahrt zeigt das Türschild des Museums mit einem Pfeil in den Hof und den Schaukasten „Alles über Anne“ des Anne Frank Zentrums, das im selben Haus sitzt. Otto Weidt beschäftigte hier in seiner Blindenwerkstatt vor allem seh- oder hörbehinderte Jüdinnen und Juden und half ihnen, die Verfolgung zu überleben (Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt). Mehr dazu steht in Tour 4. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Hackeschen Markt, wo die Tour am S-Bahnhof endet.

Am Wegesrand

Diese Orte liegen am Weg oder an Seitenstraßen, durch die die Route führt. Ich habe sie nicht fotografiert und beschreibe sie deshalb nach den Quellen, nicht nach dem Zustand im Juni 2021.

Pestalozzistraße 14: die Synagoge im Hof

Die Route führt durch die Pestalozzistraße, ich habe dort kein Foto gemacht; die Angaben stammen aus den Quellen. Die Synagoge steht im Hof der Häuser Nummer 14 und 15 und ist von der Straße aus nicht zu sehen. Ernst Dorn entwarf den Zentralbau aus roten Klinkern mit neoromanischer Fassade, Rundfenster und Davidstern (Denkmaldatenbank). Sie entstand 1911/12 auf Initiative der Charlottenburger Geschäftsfrau Betty Sophie Jacobsohn und hatte 1.400 Plätze (Jüdische Gemeinde zu Berlin); eingeweiht wurde sie nach der Jüdischen Allgemeinen am 19. Mai 1912. Ursprünglich folgte die Gemeinde dem orthodoxen Ritus.

In der Pogromnacht 1938 blieb die Synagoge mit Schäden erhalten: Die Denkmaldatenbank nennt Brandschäden, die Jüdische Gemeinde zu Berlin schreibt, sie sei nicht in Brand gesetzt worden. Später wurde sie enteignet und bis 1945 als Wäscherei genutzt (Denkmaldatenbank). Zu Rosch Haschana 1947 wurde sie wieder eingeweiht (Gedenktafeln in Berlin). Seitdem ist der Ritus liberal, Estrongo Nachama, in Thessaloniki geboren und Auschwitz-Überlebender, war bis zu seinem Tod Anfang 2000 Kantor. Nach rund eineinhalb Jahren Sanierung wurde die Synagoge im Dezember 2014 wiedereröffnet (Jüdische Allgemeine).

Wielandstraße 14 und 15: Artur Schnabel und Charlotte Salomon

Kurz nach der Mommsenstraße 56 hängen in der Wielandstraße zwei weitere Tafeln. An der Nummer 14 erinnert eine Berliner Gedenktafel an den Pianisten Artur Schnabel (1882 bis 1951), der dort von 1906 bis 1933 lebte und 1933 emigrierte; sie wurde am 1. November 1991 enthüllt (Gedenktafeln in Berlin). An der Nummer 15 erinnert eine Tafel des Landesjugendrings an Charlotte Salomon, geboren am 16. April 1917, die dort bis zur Flucht im Januar 1939 lebte und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde (Gedenktafeln in Berlin).

Düsseldorfer Straße 47 und Bregenzer Straße 1 bis 2

In der Düsseldorfer Straße 47 hängt seit 1966 eine Bronzetafel für den Komponisten Leon Jessel, 1871 in Stettin geboren, der dort von 1925 bis 1941 lebte. Er wurde am 15. Dezember 1941 verhaftet und starb am 4. Januar 1942 im Jüdischen Krankenhaus an den Folgen der Misshandlungen (Gedenktafeln in Berlin). In der Bregenzer Straße 1 bis 2 erinnert eine Messingtafel an 21 jüdische Bewohner*innen des Hauses. Sie wurde am 10. November 2025 enthüllt, im Juni 2021 gab es sie noch nicht (Gedenktafeln in Berlin).

Steinplatz 3: Bernhard Weiß

Am Steinplatz 3 hängt eine Berliner Gedenktafel für Bernhard Weiß, 1880 in Berlin geboren und von 1927 bis 1932 Polizeivizepräsident. „Als Jude und Demokrat vom NS-Regime verfolgt“, steht darauf. Die SA stürmte am Abend des 5. März 1933 seine Wohnung, er floh über Prag nach London und starb dort am 29. Juli 1951 (Gedenktafeln in Berlin).

Lessingstraße 6: der Stein für die Synagoge im Hansaviertel

Die Route führt auch durch die Lessingstraße im Hansaviertel, ein Foto habe ich dort nicht gemacht. Im Vorgarten des Hauses Nummer 6 steht ein Stein mit einer Bronzetafel für die Synagoge des „Synagogenvereins Moabit und Hansabezirk“. Nach dem Wortlaut der Tafel weihte der Rabbiner Adolf Rosenzweig dort am 6. September 1898 das Gotteshaus ein; an den Gottesdiensten nahmen Albert Einstein, Ismar Elbogen, Prof. Mittwoch und der Maler und Grafiker Hermann Struck teil, letzter Rabbiner war Chaim Heinrich Cohn. In der Pogromnacht wurde die Synagoge geplündert und zerstört, die Ruine 1939 abgerissen (Gedenktafeln in Berlin).

Kleine Auguststraße 10: der Gedenkort für eine Synagoge

Die Route führt außerdem durch die Kleine Auguststraße, ein Foto habe ich dort nicht gemacht. An der Nummer 10 stand die Synagoge der Vereinigten Synagogenvereine Ahawas Scholaum und Mogen David, die 1906 gebaut und 1938 zerstört wurde; seit 2006 erinnert ein Gedenkort an sie (Gedenktafeln in Berlin). Mehr dazu steht in Tour 4.

Weitere Gedenktafeln am Weg

Nach den Angaben von Gedenktafeln in Berlin liegen außerdem an der Route: in der Sybelstraße 35 die Tafel für den Kulturkritiker Siegfried Kracauer, der dort von 1931 bis 1933 lebte und nach dem Reichstagsbrand emigrierte (Kracauer); in der Cicerostraße 14 die Tafel für Friedrich Hollaender, der 1933 aus diesem Haus über Paris nach Hollywood fliehen musste (Hollaender); in der Wilhelmstraße 70 der Gedenkstein für Frank Foley, der als britischer Passport Control Officer in Berlin Tausende Jüdinnen und Juden vor der Verfolgung rettete (Foley); und in der Gipsstraße 3 die Tafel für Sala und Martin Kochmann, die zur Widerstandsgruppe um Herbert Baum gehörten und 1942 und 1943 hingerichtet wurden (Kochmann).

Jüdisches Leben heute

Diese Tour führt nicht nur zu Orten der Erinnerung. Am Weg liegen Gemeinden, ein Theater und ein Laden, die zum jüdischen Leben der Stadt gehören.

In der Herbartstraße 26 liegt im Leo-Baeck-Altenwohnheim die 1981 eingeweihte liberale Synagoge. Seit den Hohen Feiertagen 2013 feiert hier die Synagogengemeinde Sukkat Schalom ihre Gottesdienste im egalitär-reformierten Ritus, Rabbiner ist (Stand Oktober 2026) Andreas Nachama (Jüdische Gemeinde zu Berlin). Auch in der Pestalozzistraße 14 finden Gottesdienste statt, siehe oben. Beide sind aktive Synagogen und keine Besichtigungsziele.

In der Damaschkestraße 31 zeigt mein Foto das Schaufenster des Ladens „Lampari“ mit aufgemalten Weingläsern und einem Wellenornament, die Tür steht offen. Chabad Berlin führt Lampari in seiner Liste koscherer Betriebe (Abruf im Oktober 2026). Was der Laden im Juni 2021 verkaufte und unter welcher Aufsicht, kann ich nicht belegen.

Das Deutsch-Jüdische Theater (DJT), dessen Schild am Fenster des Hauses Hohenzollerndamm 174 bis 177 zu sehen ist, wurde 2001 von Dan Lahav als „Bimah“ gegründet. Lahav starb im Dezember 2016, die künstlerische Leitung übernahm Alexandra Julius Frölich (Jüdische Allgemeine). Seit November 2017 spielt das Theater im Coupé, Spielplan und Termine stehen auf djthe.de.

Das Deli Mogg, dessen Aufsteller vor der früheren Mädchenschule in der Auguststraße stand, ist inzwischen nach Neukölln in die Karl-Marx-Straße umgezogen (Mogg). An der Westfälischen Straße in Wilmersdorf gibt es seit Juni 2023 den Pears Jüdischen Campus mit Kita, Grundschule, Gymnasium, Sport- und Veranstaltungshalle, Kino und koscherem Deli, entworfen von Sergei Tchoban. Im Juni 2021 war er noch im Bau (Jüdische Allgemeine).

Gut zu wissen

  • Nimm dir Zeit: 21,2 Kilometer sind lang, die Orte liegen weit verteilt. Teilstrecken kannst du dir nach Karte und Streckenband zusammenstellen, Verbindungen findest du beim VBB.
  • Die Gedenkorte am Weg stehen im Freien. Das Mahnmal Levetzowstraße ist nach der Bundeszentrale für politische Bildung jederzeit frei zugänglich.
  • Die Synagogen in der Pestalozzistraße und in der Herbartstraße sind aktive Gotteshäuser. Für die Gottesdienste in der Herbartstraße ist eine Anmeldung nötig (Stand Oktober 2026). Prüfe das vor deinem Besuch.
  • Das Museum für Fotografie und das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt haben eigene Öffnungszeiten; schau vorher auf den Seiten der Staatlichen Museen und des Museums nach.
  • Seit Juni 2021 neu oder verändert: der Pears Jüdische Campus (Juni 2023), die Tafeln für Gabriele Tergit (8. Oktober 2025) und für die jüdischen Familien am Siegmunds Hof 21 (2. Juni 2026), die Tafel in der Bregenzer Straße 1 bis 2 (10. November 2025) und der Standort des Delis Mogg.
  • Die Tour ist Teil meiner Serie Jüdisches Berlin mit sieben Touren aus dem Juni 2021.

Fazit

Diese Tour hat drei Teile. Im Westen erinnern Gedenktafeln an einzelne Menschen: Gertrud Kolmar, Alfred Döblin, Edmund Rumpler und Kurt Singer, dazu kommen der Friedenstempel und der Morgenroth-Platz. Im Hansaviertel und in Moabit geht es um Gemeinden und Deportationen: Siegmunds Hof, die Stolpersteine der Familie Cahn und die Levetzowstraße. In Mitte folgen Stelenfeld, Kindertransport-Denkmal, Mädchenschule, die Stolpersteine der Familie Metzger und die Blindenwerkstatt. Wenn du nur einen Abschnitt gehen willst, nimm den zweiten: Siegmunds Hof und Levetzowstraße liegen nur etwa einen Kilometer auseinander, und der Bahnhof Zoo (km 10,8) ist der nächste Einstieg. Mehr zu jüdischem Leben und Gedenken in Charlottenburg findest du in Tour 2, in Mitte in Tour 3 und Tour 4.

Alle sieben Touren, eine Karte ihrer Routen, die Orte nach Bezirk und die Zeitleiste „Jüdisches Berlin seit 1244“ stehen im Gesamtbericht.

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