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Plänter­wald

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 34 von 74

Plänterwald ist erst seit 1997 ein eigener Ortsteil. Er hat seinen Namen von dem Wald an der Spree, in dem die DDR ihren Kulturpark mit dem Riesenrad baute. Am 27. November 2021 bin ich hier eine Runde von 9,8 Kilometern gelaufen, durch den Wald, die Wohnsiedlungen am Bahndamm und die Kleingärten an der früheren Grenze zu Neukölln.

Länge der Runde9,8 km
Gehzeit1:57 h
Gelaufen am27. November 2021
Einwohner*innen12.048
Fläche3,02 km²
BahnhofS Plänterwald

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Kurz gesagt

  • Der Name kommt vom „Plentern“, einer Art, den Wald zu bewirtschaften. Den Wald an der Spree gibt es seit 1760.
  • 1969 eröffnete im Wald der Kulturpark Plänterwald, der einzige ständige Freizeitpark der DDR. Nach der Wende hieß er Spreepark, seit 2001 ist er geschlossen.
  • An der Kiefholzstraße lag die Mauer. 1966 wurden hier zwei Jungen von Grenzsoldaten erschossen.
  • Heute wohnen in Plänterwald rund 12.000 Menschen.

Geschichte

Der Name des Ortsteils kommt vom Wald, und der vom Plentern. So nennen Förster*innen es, wenn einzelne Stämme entnommen werden, damit Bäume wie die Buche im Schatten nachwachsen können. Angelegt wurde der Wald 1760 am Spreeufer. Ab 1876 entstand nebenan der Treptower Park, und auf Vorschlag des Gartendirektors Gustav Meyer wurde der Plänterwald als Waldanlage gestaltet. Der Berliner Magistrat wollte ihn als Stadtpark ausbauen, als Ausflugsziel im Osten und Gegenstück zum königlichen Tiergarten im Westen. 1890 ließ er an der Spree das Eierhäuschen bauen.

1909/10 bekam die schnell wachsende Landgemeinde Treptow an der Neuen Krugallee ein neues Rathaus. Der S-Bahnhof Plänterwald wurde 1956 eröffnet. An der Straße Am Plänterwald gab es bis in die 1960er Jahre noch Schrebergärten, danach wurden dort Wohnungen gebaut.

Ab 1942 stand neben dem Eierhäuschen ein Barackenlager für Zwangsarbeiter*innen, dort, wo heute die Werkhalle des Spreeparks ist. Im Februar 1945 starben bei einem Luftangriff 17 von ihnen. Ob auch das Eierhäuschen selbst in der NS-Zeit genutzt wurde, ist nicht eindeutig geklärt.

Nach dem Mauerbau 1961 lag Plänterwald an der Grenze. Die Kiefholzstraße im Westen ist bis heute die Bezirksgrenze zu Neukölln. Am 4. Oktober 1969, zum 20. Jahrestag der DDR, eröffnete im Wald der Kulturpark Plänterwald. Bis 1997 gehörte das Gebiet zu Alt-Treptow, dann wurde es ein eigener Ortsteil.

Was Plänterwald ausmacht

Mehr als die Hälfte von Plänterwald ist Grün, vor allem Wald und Kleingärten. Der Wald liegt zwischen Neuer Krugallee und Spree, die Kleingärten an der Kiefholzstraße und nördlich des S-Bahnhofs.

Die meisten Menschen wohnen in mehrstöckigen Blöcken und Zeilenbauten, viele davon gehören Genossenschaften. Älter sind die Häuser an der Köpenicker Landstraße und im Nordwesten Am Treptower Park. Dort steht auch eine geschützte Gruppe von Mietshäusern in der Moosdorfstraße, gebaut 1907 bis 1910 für den Bauherrn Otto Moosdorf. Dazu gehört eine Fabrik von 1896.

Die Spree ist nie weit. Vom Ufer aus siehst du hinüber nach Rummelsburg und Oberschöneweide.

Orte, die sich lohnen

Der Wald

Meine Runde beginnt an der Spree am Ende der Baumschulenstraße, wo die Fähre über den Fluss ablegt. Über die Kiehnwerderallee geht es in den Wald. Der Plänterwald ist 89 Hektar groß und zieht sich am Ufer entlang bis zum Treptower Park. Im Wald liegen die Waldschule Plänterwald und gleich daneben die „Plansche“, ein großes flaches Wasserbecken mit Spielplatz.

Zwischen Köpenicker Landstraße und Dammweg

Nach gut einem Kilometer verlässt die Runde den Wald und führt über die Eichbuschallee in die Wohnstraßen. In der Wohnanlage an der Köpenicker Landstraße steht der „Bäckerjunge“ von Arthur Wellmann aus Sandstein und Klinker. An der Eichbuschallee 30 steht die Gedenkstele „Fichte“ von Renate Stötzer aus dem Jahr 1978. Am Dammweg, Ecke Bergaustraße, steht der Möwenbrunnen von Hans Peter Goettsche von 1968.

In der Erich-Lodemann-Straße steht ein Gedenkstein für Erich Lodemann, 1988 von Werner Richter. Auf dem Stein steht, dass er „von den Faschisten ermordet“ wurde.

S-Bahnhof Plänterwald

Kurz hinter dem Dammweg kommt der S-Bahnhof Plänterwald. Er wurde 1956 eröffnet. Auf dem Vorplatz an der Köpenicker Landstraße steht seit 1961 das „Tanzpaar“, eine Bronze von Ingeborg Hunzinger. 1969 kam ein Brunnen dazu, bei dem Wasser aus vier Schalen auf Metallrohren in ein Becken läuft. Meine Runde kommt zweimal am Bahnhof vorbei.

Mahnmal an der Kiefholzstraße

Vom Bahnhof führt die Runde am Heidekampgraben entlang durch die Kleingärten bis an die Kiefholzstraße. Am Abend des 14. März 1966 schossen Grenzsoldaten an der Kiefholzstraße, nahe der Kleingartenkolonie „Sorgenfrei“, auf zwei Jungen. Jörg Hartmann war zehn Jahre alt, Lothar Schleusener dreizehn. Es fielen mehr als 40 Schüsse, beide Jungen starben.

Die DDR vertuschte die Tat. Jörgs Familie erfuhr, er sei in einem See in Köpenick ertrunken und in eine Schiffsschraube geraten, Lothars Familie, er sei an einem Stromschlag gestorben. Jörgs frühere Lehrerin Ursula Mörs glaubte der offiziellen Darstellung nicht. Der Schulleiter verbot ihr nachzufragen, noch im selben Jahr floh sie in den Westen. 1997 wurde ein früherer Grenzsoldat zu 20 Monaten auf Bewährung verurteilt, der zweite Schütze war schon tot.

Das Mahnmal wurde 1999 aufgestellt, gestaltet von Rüdiger Roehl und Jan Skuin. Ursula Mörs hat es mitbezahlt.

Stolpersteine um die Defreggerstraße

Auf der Kiefholzstraße geht es nach Norden und dann durch das Viertel um Puder-, Defregger- und Rethelstraße. In der Defreggerstraße 10 wohnte der Holzhändler Hermann Einhorn mit seiner Frau Else. Sein Geschäft in der Rethelstraße 5 musste er nach 1933 schließen. Die Söhne flohen 1939 nach England und Neuseeland. Am 15. August 1942 wurden Hermann und Else Einhorn nach Riga deportiert und drei Tage später erschossen. Im selben Haus lebte eine Zeit lang Blima Strenger, Hermanns ältere Schwester, mit ihrem Mann Jakob. Er war polnischer Staatsbürger und wurde im Oktober 1938 bei der sogenannten Polenaktion nach Polen abgeschoben. Seine Spur endet 1939 im Lager Bentschen. Die Stolpersteine für die beiden Familien liegen seit September 2025.

Am selben Tag wurde aus der Rethelstraße 6 a Max Seelig nach Riga deportiert, ein 21 Jahre alter Schlosser, der Zwangsarbeit leisten musste. Auch er starb am 18. August 1942. Aus demselben Haus wurde Leo Lustig am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Rathaus Treptow

Über die Köpenicker Landstraße, die Straße Am Plänterwald und die Bulgarische Straße kommt die Runde zum Rathaus an der Neuen Krugallee. Es entstand 1909/10 im Stil der Renaissance, gebaut von Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth. Die beiden hatten vorher schon die Rathäuser in Steglitz und Charlottenburg gebaut, kurz danach bauten sie die Kirche Zum Vaterhaus in Baumschulenweg. Heute tagt im Rathaus die Bezirksverordnetenversammlung. Am Bau stehen vier allegorische Figuren von Johann Michael Bossard aus Muschelkalk.

Vor dem Rathaus steht der Fischerbrunnen mit dem „Stralauer Fischer“ von Reinhold Felderhoff, einer Marmorfigur von 1916. Sie erinnert an den Stralauer Fischzug und an Fischfang und Fischhandel, die für Treptow lange wichtig waren. Ebenfalls am Rathaus steht seit 1998 die „Karpfenjule“ von Peter Dietzsch, eine Marktfrau aus Bronze. Sie erinnert an den Fischhandel und war als Gegenstück zum Hauptmann von Köpenick gedacht. Anders als der Hauptmann hat sie kein echtes Vorbild.

Spreepark

Hinter dem Rathaus führt die Runde zurück in den Wald und an der Spree entlang am Gelände des Spreeparks vorbei. Der Kulturpark Plänterwald war der einzige ständige Freizeitpark der DDR. Vor der Wende kamen jedes Jahr 1,5 Millionen Besucher*innen. Sein Riesenrad war 1969 laut taz das zweithöchste in Europa, nach dem in Wien. Im Oktober 1989 bekam der Park ein neues, 45 Meter hohes Rad.

Nach der Wende führte die Schaustellerfamilie Witte den Park als Spreepark weiter. Einige Fahrgeschäfte kamen aus einem pleitegegangenen Freizeitpark in Frankreich. Am 4. November 2001 war der letzte Öffnungstag, danach meldete die Betreibergesellschaft Insolvenz an. Seit 2016 kümmert sich die landeseigene Grün Berlin um das Gelände und baut den Park um. Das Riesenrad wurde Anfang 2021 abgebaut, seit Herbst 2025 steht sein Stahlgerüst wieder.

Eierhäuschen

Am Ufer, am Rand des Spreeparks, steht das Eierhäuschen. Schon im 18. Jahrhundert gab es hier eine Gastwirtschaft. Ihr Name kam von der Hühnerhaltung und dem Verkauf von Eiern. Das heutige Eierhäuschen ließ der Magistrat 1890 nach Plänen von Karl Frobenius bauen, aus Backstein, mit Turm und hölzernen Galerien. Die Formen sind von der norwegischen Holzbaukunst abgeschaut, angeregt von den Nordlandreisen Kaiser Wilhelms II. Im Giebel steht „Zum Eierhäuschen“, daneben der Berliner Bär. Theodor Fontane kam mehrmals her, in seinem Roman „Der Stechlin“ kommt das Lokal vor.

Bis 1989 war das Haus Verwaltungsgebäude und Café des Kulturparks, danach verfiel es. Im November 2021 wurde es gerade saniert. Die Turmspitze war im Juli 2019 abgenommen worden und kam etwa zwei Jahre später zurück auf den Turm. Seit März 2024 ist das Eierhäuschen wieder offen, mit Ausstellungen im Spreepark Art Space. Von hier ist es am Ufer entlang noch gut ein Kilometer bis zur Fähre, an der die Runde begonnen hat.

Meine Runde

Meine Runde ist 9,8 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Start und Ziel ist die Fähre am Ende der Baumschulenstraße. Gut die Hälfte führt durch Wohnstraßen und Kleingärten, der Rest durch den Wald und am Spreeufer entlang. Der S-Bahnhof Plänterwald liegt an der Runde.

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Am Wegesrand

Kokain im Fliegenden Teppich. Norbert Witte ging nach der Pleite 2002 mit seiner Familie nach Peru und nahm sechs Fahrgeschäfte mit, die ihm zum Teil gar nicht gehörten. 2003 entdeckten Ermittler*innen, dass in Teilen des Fahrgeschäfts „Fliegender Teppich“ 167 Kilogramm Kokain nach Deutschland gebracht werden sollten. Witte wurde dafür zu einer Haftstrafe verurteilt.

Spuk unterm Riesenrad. 1979 wurde im Kulturpark „Spuk unterm Riesenrad“ gedreht, ein Kultfilm für Kinder aus der DDR. 2013, als der Park längst geschlossen war, lief auf einer Naturbühne vor dem Riesenrad eine Theaterfassung der Geschichte.

Abbau vor der Brutzeit. Das Riesenrad musste im Winter 2021 bis Ende Februar abgebaut sein. Ab März beginnt im Plänterwald die Brutzeit der Vögel.

Abitur am Plänterwald. In der Straße Am Plänterwald 17 war die EOS „Klement Gottwald“. Dort hat Tamara Danz, später Sängerin der Band Silly, 1971 ihr Abitur gemacht.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Plänterwald (S8, S9, S85) liegt an der Runde.

Fähre: Am Spreeufer an der Runde legt eine Fähre nach Oberschöneweide ab.

Mehr auf dieser Seite: Die dritte Etappe des Berliner Mauerwegs führt an der Kiefholzstraße am Mahnmal für die beiden Jungen vorbei. Die erste Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs folgt am Plänterwald dem Spreeufer, am Spreepark vorbei bis zur Fähre.

Von Plänterwald aus weiter

6 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

Rummelsburg2,1 km im NordostenOberschöneweide3,7 km im SüdostenBaumschulenweg2,5 km im Süden
Neukölln2,6 km im Westen · Beitrag folgt
Alt-Treptow2,3 km im Nordwesten
Friedrichshain4,0 km im Nordwesten · Beitrag folgt

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