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Alt-Treptow
Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 28 von 74
Alt-Treptow liegt zwischen Spree, Landwehrkanal und Treptower Park, gleich an der Grenze zu Kreuzberg und Neukölln. Meine Runde vom 29. Oktober 2021 ist 10,7 Kilometer lang. Sie folgt erst dem früheren Mauerstreifen am Flutgraben, geht dann durch die Wohnstraßen hinter dem Landwehrkanal und zum Schluss durch den Treptower Park zurück an die Spree.
Kurz gesagt
- Treptow taucht 1568 zum ersten Mal in einer Rechnung auf, damals als „Trebkow“. Bis 1920 war es eine eigene Landgemeinde.
- Den Treptower Park hat Gustav Meyer geplant. Von der Gewerbeausstellung, die 1896 im Park stattfand, ist nur die Archenhold-Sternwarte geblieben.
- Im Park liegt das Sowjetische Ehrenmal, eingeweiht am 8. Mai 1949.
- Von 1961 bis 1989 lag Alt-Treptow an der Mauer. Heute wohnen hier rund 13.500 Menschen.
Geschichte
Eine Rechnung von 1568 ist das älteste Schriftstück, das Pacht und Siedlung am Spreeufer nennt. Der Ort hieß damals Trebkow. Der Name ist slawisch und bedeutet wahrscheinlich „feuchter Ort“ oder „Senke“. 1707 ließ der frühere Cöllner Bürgermeister Johann Lauer hier ein festes Gast- und Wohnhaus bauen, 1727 bekam der Pächter von der Stadt Berlin die Erlaubnis, Bier auszuschenken. Im 19. Jahrhundert kamen rund um Lohmühlen-, Bouché- und Kiefholzstraße Fabriken dazu, darunter die Landmaschinenfabrik von Carl Beermann, der Lampenhersteller Ehrich & Graetz und Agfa.
Ab 1876 wurde nach Plänen des Gartendirektors Gustav Meyer der Treptower Park angelegt, eröffnet wurde er 1888. Kernstück seines Plans war ein großer ovaler Spielplatz. 1896 fand im Park die Berliner Gewerbeausstellung statt. Danach sollte alles wieder verschwinden, nur die Sternwarte durfte bleiben.
Zur Ausstellung gehörte die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“. Vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896 wurden 106 Menschen aus Afrika und Ozeanien in einer „Völkerschau“ vor einem Millionenpublikum ausgestellt. Viele von ihnen wehrten sich. Kwelle Ndumbe aus Kamerun kaufte sich ein Opernglas und schaute damit auf das Publikum zurück. Das Museum Treptow in Johannisthal hat dazu eine Dauerausstellung.
Bis 1920 war Treptow eine selbstständige Landgemeinde, mit Groß-Berlin wurde es am 1. Oktober 1920 der 15. Verwaltungsbezirk. Nach dem Mauerbau 1961 war Treptow von Kreuzberg und Neukölln abgeschnitten. Mit 17 Kilometern hatte der Bezirk den längsten Abschnitt der innerstädtischen Grenze, bis 1989 starben an der Treptower Grenze 15 Menschen. In Alt-Treptow lief die Mauer am Landwehrkanal und am Flutgraben entlang bis zur Spree.
Bis 1997 gehörte auch das heutige Plänterwald zu Alt-Treptow, dann wurde es ein eigener Ortsteil. Seit 2001 gehört Alt-Treptow zum Bezirk Treptow-Köpenick.
Was Alt-Treptow ausmacht
Ein großer Teil von Alt-Treptow ist Park. Der Treptower Park ist die drittgrößte Parkanlage Berlins und steht als Gartendenkmal unter Schutz. In den Wohnstraßen dahinter stehen vor allem Mietshäuser aus der Kaiserzeit, einige Häuser kamen in den 1920er Jahren dazu. Am Landwehrkanal lag Industrie, und auf einem früheren Kasernengelände zwischen Elsen- und Bouchéstraße ist heute ein Standort des Bundeskriminalamts.
An der Spree liegen der Treptower Hafen und die Insel der Jugend, im Westen fließen Landwehrkanal und Flutgraben. In die alten Fabriken sind Büros, Ateliers und Veranstaltungshallen gezogen, und auf dem Gelände des größten Industriebetriebs von Ost-Berlin steht heute ein Bürohochhaus.
Orte, die sich lohnen
Arena an der Eichenstraße
Am S-Bahnhof Treptower Park bin ich losgegangen, zuerst nach Westen an der Spree entlang. Nach knapp einem Kilometer kommt die Eichenstraße. Hier war früher die Hauptwerkstatt der Berliner Omnibusse. Die große Shedhalle wurde 1915 bis 1917 gebaut, Verwaltungsgebäude, Wagenhalle und Tor 1927/28. Am Tor sitzen zwei Klinkerreliefs von Arminius Hasemann, Schaffner und Schaffnerin. Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Halle Panzer für die Wehrmacht gebaut und gewartet, nach dem Krieg war sie ein Flüchtlingslager. Heute ist die Arena eine Halle für Konzerte und Messen mit Platz für 7.500 Gäste.
Flutgraben und Grenzturm
Gleich hinter der Arena geht es an den Flutgraben. Er trennt Alt-Treptow von Kreuzberg, nach 1961 lief hier die Mauer. In einem denkmalgeschützten Industriebau direkt am Wasser hat der 1997 gegründete Verein Flutgraben rund 50 Ateliers.
Ein paar Schritte weiter steht im Schlesischen Busch ein früherer Wachturm der Grenztruppen, die Führungsstelle Schlesischer Busch. Von dem zehn Meter hohen Betonturm aus wurden 18 Wachtürme mit ihren Zäunen und Scheinwerfern gesteuert. Seit 1992 ist er ein Denkmal, 2004 wurde er gründlich saniert. Gleich nach der Wende richtete eine Gruppe um den Liedermacher Kalle Winkler hier ein „Museum der verbotenen Kunst“ ein, mit über 40 Ausstellungen in zehn Jahren. Seit 2011 ist der Turm eine Residenz für Künstler*innen.
Agfa-Fabrik an der Lohmühlenstraße
Vom Schlesischen Busch führt die Runde in die Lohmühlenstraße. Das Fabrikgebäude Nummer 65 wurde 1901 nach Plänen von Paul Karchow gebaut. Es gehörte zur Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation, kurz Agfa, die zuerst Farbstoffe herstellte und ab den 1890er Jahren auch Fotochemie. Hier entstanden Entwicklungen für den Agfacolor-Film und für Röntgenmaterial. In den 1930er Jahren zog die Produktion nach Wolfen, das Gebäude verfiel. Seit 2024 sind darin Büros und Veranstaltungsräume.
Karl-Kunger-Straße
Kurz danach biege ich in die Karl-Kunger-Straße ab. Sie hieß früher Graetzstraße, unter ihrem neuen Namen wurde sie am 24. August 1962 eingeweiht. Karl Kunger war Hilfsarbeiter und arbeitete ab 1937 im Lager der AEG-Apparatefabrik. Dort kam er zum Widerstandskreis um Robert Uhrig und half, Flugblätter zu verteilen, die zur Sabotage der Kriegsproduktion aufriefen. Im September 1942 wurde er verhaftet und am 18. Juni 1943 in Plötzensee hingerichtet.
Vor dem Haus Nummer 68 liegen Stolpersteine für Louis und Marie Sonnenfeld. Marie Sonnenfeld wurde am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. In der Nummer 22 wohnte Elly Sieburg. Sie musste als Näherin in einer Textilfabrik Zwangsarbeit leisten und wurde im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und starb am 28. Februar 1946 in Berlin an den Folgen von Haft und Folter.
Sowjetisches Ehrenmal
Über den Lohmühlenplatz und ein kurzes Stück der Neuköllner Harzer Straße kommt die Runde durch Bouché-, Plesser- und Elsenstraße zurück zum S-Bahnhof. Nach knapp fünf Kilometern beginnt an der Puschkinallee der Treptower Park. Wo Gustav Meyer eine große Spielwiese geplant hatte, liegt heute das Sowjetische Ehrenmal. Nach einem Wettbewerb mit 52 Entwürfen baute ein Kollektiv um den Architekten Jakow Belopolski und den Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch die Anlage, rund 1.200 Arbeiter*innen waren beteiligt. Eingeweiht wurde sie am 8. Mai 1949, dem vierten Jahrestag des Kriegsendes. Hier liegen laut Landesdenkmalamt 4.800 gefallene sowjetische Soldaten.

Durch eines der beiden Granitportale kommst du zur sitzenden Mutter Heimat. Dahinter beginnt der Ehrenhain, an seinem Eingang stehen zwei steinerne Fahnen und zwei kniende Soldaten. Entlang der Gräberfelder stehen 16 Sarkophage aus Kalkstein, einer für jede Sowjetrepublik. Ihre Reliefs zeigen Szenen aus dem Krieg.

Am Ende steht auf einem Hügel das Mausoleum mit der elf Meter hohen Figur eines Soldaten, der ein deutsches Kind rettet. Gegossen wurde sie in Leningrad. Die Bepflanzung übernahm der Gartenbaubetrieb Späth aus Baumschulenweg. Am 1. August 1994 verabschiedeten sich hier die russischen Truppen mit einer Parade. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, das Ehrenmal dauerhaft zu erhalten. Jede Änderung muss mit Russland abgestimmt werden.

Die Büste von Gustav Meyer musste für den Bau des Ehrenmals an eine andere Stelle im Park umziehen. Im Wachgebäude, in dem bis Anfang der 1960er Jahre die Wachmannschaft des Ehrenmals wohnte, ist seit 2002 eine Kita.
Mehr über die Anlage steht in meinem Beitrag über das Sowjetische Ehrenmal.
Im Treptower Park
Vom Ehrenmal geht es quer durch den Park zum Karpfenteich. Zum Gartendenkmal Treptower Park gehören auch der Rosengarten von 1969 und die Platanenallee. Der Teich wurde 1880 ausgehoben, an seinem Ufer sitzt die Gruppe „Meeresgrund“ von Otto Petri aus dem Jahr 1907, eine Frau und ein Fabelwesen aus Muschelkalk.


Archenhold-Sternwarte
Ein Stück weiter steht direkt neben dem Weg die Archenhold-Sternwarte. Zur Gewerbeausstellung 1896 brachte der Astronom Friedrich Simon Archenhold ein Riesenfernrohr in den Park. Es ist 21 Meter lang und laut Stiftung Planetarium Berlin bis heute das längste Linsenfernrohr der Welt. Nach der Ausstellung fehlte das Geld, um es wie vereinbart abzubauen, also durfte es bis auf Weiteres stehen bleiben. Daraus wurde die Sternwarte, das Haus in seiner heutigen Form ist von 1909. Am 2. Juni 1915 hielt Albert Einstein im großen Saal den ersten von vier öffentlichen Vorträgen in Berlin über die Relativitätstheorie. Der Saal heißt seit 1979 Einstein-Saal.
Nach 1933 wurde die Familie Archenhold aus der Sternwarte gedrängt. 1936 musste der Sohn Günter Archenhold, der sie inzwischen leitete, gehen, und die Stadt übernahm das Haus ohne Entschädigung. Friedrich Simon Archenhold starb 1939 in Berlin. Seine Frau Alice und seine Tochter Hilde kamen in Theresienstadt ums Leben, die Söhne Günter und Horst gingen nach England. Seit Oktober 2023 liegen vor dem Eingang fünf Stolpersteine für die Familie.
Zenner und Abteibrücke
Von der Sternwarte sind es nur ein paar hundert Meter bis zur Spree. Dort führt die Abteibrücke auf die Insel der Jugend. Sie wurde 1916 fertig und gilt als eine der ersten Stahlbetonbrücken Deutschlands. Vorher fuhr eine Fähre hinüber. 1913 hatte die Stadt Neukölln die Insel gekauft und den Bau der Brücke beschlossen. Ende des 19. Jahrhunderts entstand auf der Insel ein Lokal im Stil einer schottischen Klosterruine, daher der alte Name Abteiinsel. Es brannte 1914 ab. Seit 1949 heißt die Insel Insel der Jugend, die Brücke seit 2005 auch „Brücke der Herzen“. Im Aufgang sind blaue Herzen aus Keramik eingelassen, mit den Namen von Menschen, die sich besonders für Kinder und Jugendliche eingesetzt haben.

Gleich neben der Brücke steht das Zenner. An dieser Stelle ist seit dem 16. Jahrhundert eine Fischerei nachweisbar. 1821/22 entstand hier ein vornehmes Gasthaus. Seinen Namen Zenner hat es von einem seiner Pächter. 1945 wurde es zerstört und 1955 wieder aufgebaut.

Am Treptower Hafen
Vom Zenner führt die Runde auf dem Uferweg zurück Richtung Hafen. Am Weg stehen mehrere Skulpturen aus der DDR-Zeit, darunter der „Schwarze Panther“ aus Granit von Pawel Weselow.
Am Hafen erinnert seit 2005 ein Gedenkstein an das Unglück der „Heimatland“. Am Morgen des 5. Juli 1951 legte das Ausflugsschiff hier ab, an Bord waren über 120 Fahrgäste, vor allem Schulkinder zwischen sechs und neun Jahren aus Prenzlauer Berg auf dem Weg in eine Ferienfreizeit in Hessenwinkel in Rahnsdorf. Knapp zehn Minuten nach dem Ablegen brach ein Feuer aus, dann explodierte der Benzintank. Der Dieselmotor war kurz vorher ausgefallen, als Ersatz war ein alter Benzinmotor eingebaut worden, fehlerhaft und ohne technische Abnahme. Amtlich gab es 30 Tote, darunter 28 Kinder. Ein Historiker hält laut Berliner Zeitung 45 bis 49 Tote für realistisch. Kapitän Bernhard Langwaldt kam mit einem anderen Schiff zu Hilfe und rettete viele Kinder. Der Parkweg am S-Bahnhof trägt seinen Namen.
An diesem Weg steht die „Klingende Blume“ von Achim Kühn aus dem Jahr 1985, eine Blüte aus Edelstahl, die der Wind zum Klingen bringt.
Treptowers und das Apparatewerk
Kurz vor dem Ziel am S-Bahnhof steht an der Spree das Hochhaus Treptowers. Es ist 125 Meter hoch und wurde 1998 als Bürohaus der Allianz eröffnet, die 2019 nach Adlershof gezogen ist. An der Straße, die heute An den Treptowers heißt, baute die AEG 1927/28 ihre Apparatefabrik. 1944 arbeiteten hier über 11.000 Menschen, darunter 3.000 Zwangsarbeiter*innen. Nach dem Krieg wurde daraus das Elektro-Apparate-Werk, kurz EAW. Nach Stalins Tod hieß es eine Zeit lang „Elektro-Apparate-Werke J. W. Stalin“, später nach Friedrich Ebert. 1971 war es mit über 10.000 Beschäftigten der größte Industriebetrieb Ost-Berlins.

Meine Runde
Meine Runde ist 10,7 Kilometer lang, ich war gut zwei Stunden unterwegs. Start und Ziel ist der S-Bahnhof Treptower Park. Die ersten knapp fünf Kilometer führen am Flutgraben, am Landwehrkanal und durch die Wohnstraßen im Westen des Ortsteils, die zweite Hälfte durch den Treptower Park und am Spreeufer zurück.
Am Wegesrand
Mit Sowjetsternen über die Mauer. Am 26. Mai 1989 flogen Ingo und Holger Bethke mit zwei Leichtflugzeugen aus West-Berlin in den Treptower Park. Sie hatten die Maschinen grün lackiert und rote Sowjetsterne an die Leitwerke gemalt. Ihr Bruder Egbert wartete im Park, sie nahmen ihn auf und waren kurz darauf zurück in West-Berlin.
Die Knüppelbahn unter der Spree. Am Platz am Spreetunnel begann ein 454 Meter langer Tunnel unter der Spree hinüber nach Stralau. Er sollte zur Gewerbeausstellung 1896 fertig sein, die erste Probefahrt gab es aber erst 1899. Bis 1932 fuhr darin eine eingleisige Bahn, die „Knüppelbahn“. Nach dem Krieg wurde er zugeschüttet.
Eine Brücke für West-Berlin. Die Lohmühlenbrücke über den Landwehrkanal gehört seit 1988 zu Neukölln. West-Berlin hatte sie gekauft, damit die Harzer Straße keine Sackgasse blieb.
Ein Baum, der nach Kuchen riecht. Im Treptower Park steht ein Kuchenbaum. Im Herbst färbt sich sein Laub gelb bis rot, und das abgefallene Laub riecht stark und süß.
Verschwundene Heinzelmännchen. Die Bronzegruppe „Heinzelmännchen“ von Werner Richter aus dem Jahr 1978 stellte die Sage nach, in der die Heinzelmännchen über ausgestreute Erbsen stürzen. Im November 2014 wurde sie aus dem Park gestohlen. Auch die „Sitzende“ von René Graetz ist nicht mehr da.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Treptower Park (S8, S9, S41, S42, S85) liegt zwischen Spree und Park und direkt an der Runde.
Mehr auf dieser Seite: In der Fanny-Zobel-Straße ist ein großes Wandbild von Caro Pepe. Auf der anderen Seite der Spree, in Stralau, ist ein Wandbild von Herakut. Die dritte Etappe des Berliner Mauerwegs führt am Schlesischen Busch und an der Lohmühlenbrücke vorbei durch den Treptower Park, die erste Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs ebenfalls durch den Park. Der erste Teil meiner Runde um den S-Bahn-Ring führt am Treptower Park vorbei. Am S-Bahnhof Treptower Park beginnt der Kaulsdorfer Weg, der Grüne Hauptweg 8, der nach Osten bis Mahlsdorf führt.
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