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Adlers­hof

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 12 von 74

Am Wissenschaftsstandort Adlershof stehen ein Trudelturm aus den 1930er Jahren, zwei Kugellabore aus der DDR und der Turm des früheren Fernsehzentrums nur ein paar hundert Meter auseinander. Der Ortsteil liegt zwischen Johannisthal, Altglienicke und Köpenick. Am 31. Juli 2021 bin ich hier 10,2 Kilometer gelaufen, von den Wohnstraßen im Osten über den Wissenschaftsstandort bis zum alten Ortskern an der Dörpfeldstraße.

Länge der Runde10,2 km
Gehzeit1:59 h
Gelaufen am31. Juli 2021
Einwohner*innen23.037
Fläche6,13 km²
BahnhofS Adlershof

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Kurz gesagt

  • Adlershof begann 1754 als Zinsgut mit einer Plantage von Maulbeerbäumen für die preußische Seide.
  • Neben dem Flugplatz Johannisthal entstand 1912 die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt. Ihre Windkanäle und der Trudelturm stehen bis heute.
  • Ab 1952 sendete das Fernsehen der DDR aus Adlershof. Seit 1991 ist hier ein Standort für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien gewachsen.
  • Heute wohnen in Adlershof rund 23.000 Menschen.

Geschichte

Auf einer Waldlichtung, die „sueszen Grundt“ hieß, betrieb der Köpenicker Landjäger Bock Ackerbau, seit 1741 mit Erlaubnis. Am 14. April 1754 wurde hier das Zinsgut Adlershof gegründet, das auch der benachbarten Büdnerkolonie seinen Namen gab. Das Gut legte eine Plantage mit Maulbeerbäumen an, Preußen wollte eine eigene Seidenproduktion aufbauen. Im Siebenjährigen Krieg wurde der Ort mehrmals geplündert, im Jahr 1800 lebten hier 65 Menschen.

1872 begann der Unternehmer Quistorp eine Villenkolonie. Fertig wurden nur sieben Häuser, dann ging er bankrott. An der Görlitzer Bahn bekam Adlershof 1874 eine Haltestelle. 1879 wurde das Gut aufgelöst und Adlershof eine Gemeinde. Mit der Chemiefirma Kahlbaum begann 1882 die Industrie. Die Einwohnerzahl stieg von 344 im Jahr 1880 auf 8.006 im Jahr 1900.

1909 wurde gleich nebenan der Flugplatz Johannisthal eröffnet. Am 20. April 1912 wurde die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt gegründet, kurz DVL, mit Sitz in Adlershof. Ab 1932 baute sie ihre großen Versuchsanlagen: Windkanäle, einen Prüfstand für Motoren und 1936 den Trudelwindkanal. 1944 arbeiteten bei der DVL mehr als 2.100 Menschen. Im Zweiten Weltkrieg gab es in Adlershof mindestens 16 Lager und Unterkünfte für Zwangsarbeiter*innen, unter anderem für AEG, Mannesmann und die Reichsbahn.

1920 wurde Adlershof ein Teil von Groß-Berlin, im Bezirk Treptow. Nach 1945 lag es in Ost-Berlin. 1952 nahm der Fernsehfunk der DDR in Adlershof den Sendebetrieb auf, 1954 endete der Flugbetrieb, und auf dem Flugfeld entstanden Kasernen für das Wachregiment der Staatssicherheit. Dazu kamen Institute der Akademie der Wissenschaften.

Bis Ende 1991 wurden Akademie, Fernsehen und Wachregiment abgewickelt. Am 12. März 1991 beschloss der Senat, hier eine „integrierte Landschaft aus Wissenschaft und Wirtschaft“ aufzubauen. 2011 wurde der neue S-Bahnhof über der Rudower Chaussee eingeweiht.

Was Adlershof ausmacht

Die Bahn teilt Adlershof. Östlich der Gleise liegt der alte Ort. Die Dörpfeldstraße ist seine Hauptstraße, an ihr liegen der Marktplatz mit dem Löwenbrunnen und die Alte Schule. Unter Denkmalschutz stehen etwa die Siedlung der Berliner Baugenossenschaft in der Genossenschaftsstraße von 1886 bis 1892 und die Wohnanlage an der Otto-Franke-Straße aus den 1930er Jahren.

Westlich der Bahn liegt auf 4,2 Quadratkilometern der Wissenschafts- und Technologiepark mit 445 Unternehmen, elf außeruniversitären Instituten und sechs Instituten der Humboldt-Universität. Rund 146 Medienfirmen sitzen hier, über 14.000 Menschen arbeiten in Adlershof. Im Westen grenzt der Park auf dem früheren Flugfeld an, der zu Johannisthal gehört.

Orte, die sich lohnen

Campus Adlershof

Meine Runde beginnt an der Grünauer Straße im Osten des Ortsteils und führt durch Wohnstraßen und über den Glienicker Weg zum Adlergestell. Zwischen dem Adlergestell und der Rudower Chaussee bin ich dann durch die Straßen des Wissenschaftsstandorts gelaufen. Sie heißen etwa Max-Planck-, Albert-Einstein-, Rutherford- oder Max-Born-Straße. 1997 beschloss die Humboldt-Universität, ihre mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten hierher zu verlegen, 2003 war der Umzug fertig. Die Universität nutzt auch Bauten der DVL weiter.

Aerodynamischer Park

Nach gut fünfeinhalb Kilometern kommt die Runde zum Aerodynamischen Park, in dem die Bauten der DVL aus den 1930er Jahren stehen. Entworfen hat sie Hermann Brenner mit dem Bauingenieur Werner Deutschmann, die Anlage steht als Ganzes unter Denkmalschutz.

Der Trudelturm sieht aus wie ein großes Ei. Er ist 20 Meter hoch, entstand 1934 bis 1936 und war ein Windkanal mit senkrechtem Luftstrom. In ihm wurde das Trudeln untersucht, ein gefährlicher Flugzustand, bei dem ein Flugzeug sich im Sturz um sich selbst dreht. Er war damals die einzige Anlage dieser Art und Größe auf der Welt. Heute taucht er als Filmkulisse auf, in „Æon Flux“ und in „Die Tribute von Panem“.

Gleich daneben liegt der Große Windkanal von 1932 bis 1934, eine 120 Meter lange Röhre mit 12 Metern Durchmesser. Er war einer der modernsten Windkanäle seiner Zeit und lief laut einem Laborbericht noch am 20. April 1945. Heute ist er voller Graffiti und dient als Kulisse für Opern und Filme. Zur Anlage gehört auch der Motorenprüfstand mit zwei 15 Meter hohen Türmen aus Stahlbeton, in dem Flugmotoren schallgedämpft getestet wurden. Auf der Wiese davor stehen 15 rote Ellipsoide, die Klanginstallation „AIR BORNE“. Aus Lautsprechern spielt ein Zufallsgenerator Motorengeräusche von Doppeldeckern, Mitschnitte aus dem Cockpit und Augenzeugenberichte, ausgewählt aus über tausend Tondokumenten des Deutschen Rundfunkarchivs.

Mehr über die Anlage steht in meinem Beitrag über Trudelturm und Windkanal.

Forum Adlershof

Ein paar Schritte weiter steht an der Rudower Chaussee 24 das Forum Adlershof. Es sind die Laborgebäude der DVL von 1912 bis 1914 und damit die ältesten erhaltenen Bauten der Luftfahrtforschung in Adlershof. Im Saal, der nach dem Flugpionier Hans Grade heißt, steht ein Nachbau seiner „Libelle“. Am Forum stehen auf fünf Meter hohen Stelen zwei übergroße weiße Köpfe, die „Kopfbewegungen“ von Josefine Günschel und Margund Smolka. Die Köpfe wenden sich einander zu, verändern ihre Form und wenden sich wieder ab.

Kugellabore

Auf der Rudower Chaussee geht es weiter Richtung S-Bahnhof. Die beiden Kugeln aus Beton wurden 1959 bis 1961 für das Institut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften gebaut, als Labore mit gleichbleibender Temperatur. Entworfen haben sie der Institutsdirektor Karsten Peter Thiessen und der Architekt Horst Welser. Geplant waren Versuche zum Aushärten von Metallen, stattgefunden haben sie nie. Im Adlershof Journal heißen die Kugeln „unbrauchbar, aber wunderschön“, im Volksmund „Adlershofer Busen“. Als der Abriss drohte, gab es Widerstand. Ein Investor hat sie in seine Neubauten eingefügt.

Fernsehzentrum und Studio 5

Kurz vor dem S-Bahnhof kommt die Runde am Fernsehzentrum vorbei. Franz Ehrlich hat es für den Deutschen Fernsehfunk der DDR entworfen. Die Formen sind vom Bauhaus beeinflusst und rein funktional, prägend ist das Turmhaus. Nach 1990 kauften Hamburger Investoren den größten Teil und ließen ihn bis 1998 sanieren.

In einem der Bauten plante Ehrlich einen Saal mit bis zu 520 Plätzen in Parkett und Rang, das „Theater des Fernsehens der DDR“. Gesendet wurden von hier Opern und Lustspiele. 1957 wurde der Saal entkernt und zum Studio 5. Von hier lief jeden Abend um 19.30 Uhr die „Aktuelle Kamera“. Im November 2021, ein paar Monate nach meiner Runde, zog das Theater Ost in den Saal.

Anna-Seghers-Museum

Hinter dem S-Bahnhof biegt die Runde von der Dörpfeldstraße in die Anna-Seghers-Straße. In der Nummer 81 wohnte die Schriftstellerin von 1955 bis zu ihrem Tod 1983. An der Tür steht noch „Seghers-Radvanyi“. Ihre Wohnung mit vier Zimmern ist so erhalten, wie sie war, mit 10.000 Büchern und Mitbringseln aus Mexiko. Den kleinen Balkon, auf dem sie schrieb, nannte sie ihren „Mastkorb“, weil sie sich dort wie auf einem Schiff fühlte. Seit 2018 ist die Wohnung ein Museum. Die Straße heißt seit 1984 nach ihr. Auch der Komponist Rudolf Wagner-Régeny lebte von 1950 bis zu seinem Tod 1969 in Adlershof.

Friedhof Adlershof

Durch Wohnstraßen geht es weiter zum Friedhof Adlershof. Dort erinnert eine Gedenkanlage an die Toten nach dem Kapp-Putsch. In der Mitte einer Grabreihe steht die überlebensgroße Bronzefigur „Der Kämpfer“, davor eine Tafel: „Dem Gedenken der im Kampf gegen die Reaktion gefallenen Sozialisten“. Im März 1920 kam es beim Rückzug der Putschisten zu Kämpfen mit der Bevölkerung, dabei starben zwölf Menschen aus Adlershof und drei aus Köpenick.

Gerhard Thieme schuf 1982 für die Gedenkstätte der Verfolgten des Nationalsozialismus eine Stele mit vier Figuren aus Bronze. Tafeln stehen auch an den Ehrengräbern von Liselotte Welskopf-Henrich und Wolfgang Heinz. Eine weitere erinnert an Friedrich Leopold. Er bekam 1869 die Schankkonzession im „Sueszengrundt“, wie die Büdnerkolonie damals hieß, und war von 1880 bis 1886 der erste gewählte Gemeindevorsteher. In seinem Lokal richtete die Post eine Agentur mit Telegraf ein.

Marktplatz und Verklärungskirche

Vom Friedhof sind es nur ein paar Schritte bis zum Marktplatz. Dort steht der denkmalgeschützte Löwenbrunnen. Als ich im Juli 2021 vorbeikam, war der Platz noch nicht umgebaut. Seit 2022 wurde er umgebaut, mit neuen Wegen, Sitzplätzen und Bäumen, im Sommer 2025 wurde er eröffnet.

Gleich dahinter steht die evangelische Verklärungskirche, gebaut 1899/1900 von Baurat Klutmann mit Robert Leibniz. Am 17. November 1900 kam Kaiserin Auguste Victoria in einer offenen Kutsche mit vier Pferden durch die Bismarckstraße zur neuen Kirche. Ihr hoher Turm gilt als Wahrzeichen von Adlershof, ab 2019 wurde er saniert.

Die Kirche liegt in der Arndtstraße. Straße und Platz sind nach Ernst Moritz Arndt benannt. Arndt vertrat ein nationalistisches Weltbild und äußerte sich wiederholt offen antisemitisch.

Ein Stück weiter steht in der Radickestraße 43 eine Schule. Das Bezirksamt nennt sie die „erste weltliche Schule in Preußen“, sie ist bis heute eine Schule.

An der Dörpfeldstraße

Über die Radickestraße und die Zinsgutstraße kommt die Runde zum Schluss zurück auf die Dörpfeldstraße. Sie hieß früher Dorfstraße und Bismarckstraße. In der Nummer 75 stand eines der ältesten Gebäude, das Erbzinsgut, um 1880 war darin das Ausflugslokal „Wöllsteins Lustgarten“. Der letzte Stall wurde um 2012 abgerissen, eine Tafel erinnert an die „Wiege Adlershofs“.

Die Alte Schule in der Nummer 54/56 baute Robert Buntzel 1890 bis 1892. Der erste Flügel wurde am 14. April 1890 eröffnet. Geplant war die Schule für etwa 190 Kinder, aufnehmen musste sie 441. Seit 1998 ist sie ein Kulturzentrum mit einer Heimatstube, in der der Ortschronist forscht.

Ein paar Häuser weiter, in der Nummer 58, war früher das Restaurant „Ratskeller“. Sein Festsaal war im Zweiten Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeiter*innen, und den Saal gibt es noch. Im September 2021 wurde hier ein Rundgang zur NS-Zwangsarbeit in Adlershof eröffnet, mit neun Gedenktafeln und 14 Hörstationen. Ein Lager, das fast vollständig erhalten ist, steht in Niederschöneweide.

Meine Runde

Meine Runde ist 10,2 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Sie beginnt an der Grünauer Straße und endet an der Dörpfeldstraße, nicht weit vom S-Bahnhof Spindlersfeld. Der S-Bahnhof Adlershof liegt mitten auf der Runde.

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Am Wegesrand

Der Sandmann umkreist den Turm. Das Sandmännchen kam am 22. November 1959 ins Fernsehen der DDR. Zum Leben erweckt haben es die Fernsehleute in Adlershof. Für den „Abendgruß“ flog der Sandmann im Hubschrauber Runden um den Turm des Fernsehzentrums.

Vier Tage vor dem Westen. Am 21. Dezember 1952 ging der Deutsche Fernsehfunk mit einem Versuchsprogramm auf Sendung, der Nordwestdeutsche Rundfunk im Westen erst am 25. Dezember. Produziert wurde in Adlershof, in einer Siedlung aus Baracken. Wer keinen teuren Fernseher hatte, ging in eine der Fernsehstuben, die meist in Geschäften eingerichtet waren.

Renate in der Baracke. Angela Merkel arbeitete ab 1978 am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften und reichte hier am 8. Januar 1986 ihre Doktorarbeit ein. Ihr Kollege Michael Schindhelm teilte mit ihr das Büro in einer engen Baracke, „die von außen einer Pförtnerei ähnelte“. In seinem Roman „Roberts Reise“ heißt sie Renate. Das Institutsgebäude ist abgerissen.

Der Eiersaal. In einem früheren Bau der Fernsehtechnik sind zwei Räume im Originalzustand erhalten: ein Direktorenzimmer mit dunkler Holzvertäfelung und der „Eiersaal“, benannt nach seinem eiförmigen Tisch. Aus einem Nebenraum ließ sich alles mithören.

Ein Straßenname für Moriz Seeler. Das Studio 5 liegt an der Moriz-Seeler-Straße. Moriz Seeler gründete das „Filmstudio 1929“ und produzierte den Stummfilm „Menschen am Sonntag“, mit Robert und Curt Siodmak, Edgar G. Ulmer und dem damals unbekannten Billy Wilder. Seeler war Jude. Am 15. August 1942 wurde er nach Riga deportiert, wo er wahrscheinlich umkam.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Adlershof (S45, S46, S8, S85, S9) liegt an der Rudower Chaussee und direkt an der Runde.

Anna-Seghers-Museum: Anna-Seghers-Straße 81, dienstags und donnerstags 10 bis 16 Uhr, nur mit Führung.

Mehr auf dieser Seite: Wie der Flugplatz nebenan zu seinem Namen kam und was aus dem Flugfeld geworden ist, steht auf der Seite über Johannisthal.

Von Adlershof aus weiter

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