Unterwegs zu Fuß

Berliner Ortsteile / Treptow-Köpenick / Grünau

KöpenickSchmöckwitzBohnsdorfAltglienickeAdlershof

Grünau

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 32 von 74

Auf der Dahme bei Grünau werden seit mehr als 150 Jahren Regatten gefahren. Am Westufer stehen Bootshäuser, die Regattatribüne von 1936 und zwei frühere Ausflugslokale, dahinter beginnt der Grünauer Forst. Am 14. November 2021 bin ich knapp 15 Kilometer gelaufen, erst durch den Wald an der Krummen Lake vorbei, dann die Regattastraße entlang durch den alten Ort.

Länge der Runde14,8 km
Gehzeit3:00 h
Gelaufen am14. November 2021
Einwohner*innen8.672
Fläche9,14 km²
BahnhofS Grünau

Runde bei Komoot ansehen

Kurz gesagt

  • Grünau wurde 1749 als Dorf „Grüne Aue“ gegründet, die ersten Siedler kamen aus der Pfalz.
  • Seit 1868 gibt es auf der Dahme bei Grünau Regatten, 1936 fanden hier die olympischen Ruder- und Kanuwettbewerbe statt.
  • Die Tribüne von damals ist saniert, in ihr ist das Wassersportmuseum.
  • Heute wohnen in Grünau knapp 8.700 Menschen.

Geschichte

Im März 1749 entstand nicht weit vom Forsthaus Steinbinde am Dahmeufer ein kleines Dorf, das „Grüne Aue“ hieß. Die ersten Siedler kamen aus der Pfalz, anfangs waren es drei, dann vier. Grünau gehört zu den Kolonistendörfern, die zwischen 1747 und 1753 für Zuwanderer aus Böhmen und der Pfalz angelegt wurden, zusammen mit Friedrichshagen und Müggelheim.

1866 bekam Grünau einen Haltepunkt an der Berlin-Görlitzer Eisenbahn und eine Anlegestelle für Dampfer. Danach kamen Tausende Ausflügler*innen, und nach 1875 zogen wohlhabende Bürger*innen her. Es entstanden Villen, Landhäuser und Gaststätten, aber auch Fabriken und Mietshäuser. 1905 baute die Gemeinde zusammen mit Adlershof und Altglienicke ein Wasserwerk, 1908 folgten Gas und Strom.

Ab 1868 gab es auf der Dahme regelmäßig Ruderregatten, 1880 fand hier die erste Berliner Ruderregatta statt. Der Berliner Regattaverein baute die Strecke danach Schritt für Schritt aus, und zu den Rennen kamen Zehntausende. Wilhelm I. stiftete einen Kaiserpreis, Wilhelm II. kam ab 1894 selbst zu den Regatten. 1930 warben in Grünau 6.000 Sportler*innen mit ihren Booten für die Bewerbung Berlins um die Olympischen Spiele, und 1936 fanden die Ruder- und Kanuwettbewerbe vor der neuen Regattaanlage statt.

In Grünau gab es auch den jüdischen Ruderclub Undine. 1938 wurde er verboten, die SA nahm sich sein Bootshaus. Auch der jüdische Berliner Verein Welle-Poseidon verlor sein Bootshaus und bekam es erst 1996 zurück. In der DDR war die Regattastrecke Austragungsort nationaler und internationaler Wettkämpfe. Nach 1990 verlor sie an Bedeutung, weil sie nicht mehr den Standards für internationale Regatten entsprach.

Was Grünau ausmacht

Grünau ist vor allem Wasser und Wald. An der Regattastraße stehen Bootshäuser aus der Zeit von 1902 bis 1930, dazwischen Villen. Grünau ist ein Villenvorort, als bekanntester Grünauer der Nachkriegszeit gilt der Schriftsteller Stefan Heym.

Südlich des Orts liegt der Grünauer Forst, flaches Land im eiszeitlichen Urstromtal mit alten Kiefern, unter denen immer mehr Eichen wachsen. Seit Dezember 2022 sind 874 Hektar Landschaftsschutzgebiet. Durch den Wald fährt die Straßenbahn 68 nach Schmöckwitz, auf der Strecke der Uferbahn, die am 9. März 1912 eröffnet wurde. Sie ist 7,8 Kilometer lang und folgt der Dahme.

Orte, die sich lohnen

Krumme Lake

Vom S-Bahnhof Grünau führt meine Runde nach Süden in den Grünauer Forst. Mitten im Wald liegt das Naturschutzgebiet Krumme Lake mit Wiesen und Bruchwald. Der Bruchwald leidet unter Regenmangel. Meine Runde führt ein Stück daran vorbei.

Waldfriedhof Grünau

Auf dem Weg aus dem Wald kommt die Runde an der Rabindranath-Tagore-Straße am Waldfriedhof vorbei. Für ihn wurde 1920 Wald gerodet und neu bepflanzt. 1921 waren die Feierhalle und zwei Torhäuser fertig, im Oktober 1921 war die erste Beerdigung. Die Feierhalle wurde 1945 zerstört, die heutige steht seit 2005. Hier liegen der Metallbildhauer Fritz Kühn in einem Ehrengrab, der Schriftsteller Karl Grünberg, Horst Kunze, der lange die Staatsbibliothek Unter den Linden geleitet hat, und drei Minister der DDR: Innenminister Friedrich Dickel, Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann und Bauminister Wolfgang Junker. Die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft liegen an der Mittelallee.

Bootshäuser an der Regattastraße

Danach erreicht die Runde die Regattastraße am Ufer der Dahme und folgt ihr nach Norden. Südlich der Tribüne stehen hier mehrere Bootshäuser unter Denkmalschutz. Das Haus des Berliner Segler Clubs in der Nummer 231 wurde 1904 und 1905 nach Plänen von Emil Frey gebaut. Der Ruder-Club Sport-Borussia baute 1905 und 1906 in der Nummer 239. In der Nummer 245 ließ sich die Ruderriege des Akademischen Turnvereins Berlin 1914 und 1915 ihr Bootshaus bauen.

Funkhaus Grünau

Noch weiter südlich an der Regattastraße, abseits meiner Runde, steht in der Nummer 277 ein langes Bootshaus, das 1929 und 1930 für die Danatbank gebaut wurde. Dazu gehören Lindenreihen des Gartenarchitekten Willy Lange. In der DDR saßen hier zwei geheime Propagandasender, daher der Name Funkhaus, und oben probte bis Anfang der 1990er Jahre das Fernsehballett. 2008 wurde das Haus zwangsversteigert. Inzwischen steht es leer und verfällt.

Regattatribüne und Wassersportmuseum

Nördlich der Bootshäuser steht die Tribüne. Herbert Ruhl hat sie für die Olympischen Spiele entworfen, gebaut wurde sie 1935 und 1936. Für die Spiele entstanden auch neue Bootshäuser. Zur denkmalgeschützten Anlage gehören außerdem ein Kassenhaus, das Zielhaus und eine Anzeigetafel von 1989. Während der Spiele war Platz für bis zu 20.000 Zuschauer*innen. Unter Denkmalschutz steht die Tribüne erst seit 2016. Als sie 2017 entkernt wurde, war sie in einem viel schlechteren Zustand als gedacht. Im November 2021 lief noch die Sanierung, am 31. Mai 2024 wurde die Tribüne wieder eröffnet.

In der Tribüne ist das Wassersportmuseum, seit September 2024 mit einer neuen Ausstellung. Angefangen hat es mit einem Lehrer aus Grünau: Werner Philipp sammelte ab 1980 alles rund ums Rudern und baute mit Schüler*innen ein kleines Museum auf. Die Sammlung hat rund 3.000 Stücke, darunter ein Klepper-Boot von 1936. Gegründet wurde es 1990 als erstes Sportspezialmuseum Deutschlands.

Riviera und Gesellschaftshaus

Kurz vor den beiden Ausflugslokalen steht in der Nummer 170 ein Gehöft von etwa 1880 mit Wohnhaus und Stall. Das Lokal Riviera entstand um 1895 für Johanna Bittner, das Gesellschaftshaus nebenan 1897 und 1898. An den Wochenenden kamen hier einmal mehrere tausend Ausflügler*innen her. 2017 standen beide Häuser seit 27 Jahren leer. Inzwischen gehören sie zu einer Seniorenresidenz mit 200 Wohnungen. Der Saal der Riviera wurde wiederhergestellt, vom Gesellschaftshaus blieb die Fassade.

Friedenskirche

Weiter nördlich, am Don-Ugoletti-Platz, steht die Friedenskirche. Ludwig von Tiedemann baute sie von 1904 bis 1906, in einem neoromanischen märkischen Stil mit gotischen Anklängen. Die Ausstattung hat Wilhelm Walther entworfen. Vor dem 100. Jubiläum 2006 wurde die Kirche restauriert. Dabei legten Restaurator*innen alte Fresken und Heiligenbilder frei, die in den 1950er Jahren unter weißem Latexanstrich verschwunden waren.

Villa und Gemeindeschule

Ein Stück weiter, in der Regattastraße 94, steht eine Villa von etwa 1885. Ein paar Häuser weiter, in der Nummer 84, steht die alte Gemeindeschule, gebaut 1900 bis 1902 für die Gemeinde Grünau, mit einer Turnhalle von 1914.

Gedenkstein am S-Bahnhof

Durch die Straßen am Dahmeufer geht es in den Norden des Ortsteils und zum Schluss zurück zum S-Bahnhof. Auf seinem Vorplatz an der Wassersportallee steht seit 1977 ein Gedenkstein für den Kapp-Putsch. Im März 1920 versuchten rechte Militärs, die Republik zu stürzen. In Köpenick bewaffneten sich Arbeiter und Angestellte gegen den Putsch, angeführt vom USPD-Stadtverordneten Alexander Futran. Als sie die Waffen schon niedergelegt hatten, verhängte ein Kriegsgericht am 21. März 1920 Todesurteile, die sofort vollstreckt wurden. Auch Futran wurde an diesem Tag ermordet. An die Toten aus Adlershof erinnert eine Gedenkanlage auf dem Friedhof Adlershof, in Bohnsdorf eine Tafel in der Gartenstadt Falkenberg.

Meine Runde

Meine Runde ist 14,8 Kilometer lang, ich war drei Stunden unterwegs. Start und Ziel ist der S-Bahnhof Grünau. Fast fünf Kilometer davon führen auf Waldwegen ohne Straßennamen durch den Grünauer Forst.

Runde bei Komoot ansehen

Am Wegesrand

Harry Potter an der Kanzel. Die Kanzel der Friedenskirche hat Gustav Kuntzsch aus Wernigerode geschnitzt. Oben stehen Szenen aus dem Leben Jesu, unten das Böse als Fabelwesen, etwa ein gehörnter Affe und gleich zweimal eine Eule. Grünauer Grundschüler*innen haben unten auch Fabelwesen aus den Harry-Potter-Romanen entdeckt.

Wald gerodet für Wald. Für den Waldfriedhof wurden 1920 die Bäume gefällt und danach neu gepflanzt. Deshalb wachsen auf dem Friedhof andere Laubbäume als in den Mischwäldern ringsum.

Ein Papierboot im Museum. In der Sammlung des Wassersportmuseums liegt der Bug eines Papierboots, das Schüler in der DDR 1951 gebaut haben.

Die teure Decke. 2014 ließ der Bezirk als Notmaßnahme die Decke im Saal der Riviera abstützen und schickte die Rechnung an den Eigentümer. Der klagte, und der Bezirk blieb auf den Kosten sitzen.

Boote aus Müll. Im August 2013 fand am Funkhaus eine Schrottregatta statt. Jedes Boot musste zu mindestens 80 Prozent aus Müll bestehen. Ein Team nannte sich „Goldmann Sachs“ und versuchte, die Jury mit Papiergeld zu bestechen.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Grünau (S46, S8, S85) liegt an der Runde. Zur Friedenskirche fährt auch die Straßenbahn 68, Haltestelle Schule.

Wassersportmuseum: Regattastraße 191, in der Tribüne, mittwochs bis freitags von 11 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet, Eintritt frei.

Mehr auf dieser Seite: Der Dahmeweg, der Grüne Hauptweg 9, führt am Strandbad Grünau vorbei und durch den Wald am Ufer weiter nach Karolinenhof. Mit der Straßenbahn 68 kommst du durch den Wald nach Schmöckwitz. Die zweite Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs führt an der Regattastrecke vorbei durch Grünau. Nicht weit vom S-Bahnhof Grünau liegt in Bohnsdorf die Gartenstadt Falkenberg.

Von Grünau aus weiter

5 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

Alle Berliner Ortsteile