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Bohns­dorf

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 11 von 74

Bohnsdorf liegt am Südrand von Treptow-Köpenick, zwischen Grünau, Altglienicke und der Grenze zu Brandenburg. Der Ortsteil hat ein altes Dorf mit barocker Kirche, einen Hügel mit dem Krankenhaus Hedwigshöhe und am Nordrand die bunte Gartenstadt Falkenberg von Bruno Taut. Am 31. Juli 2021 bin ich eine Runde von 9,5 Kilometern gelaufen, von der Gartenstadt über den Falkenberg ins Dorf und durch die Siedlungen im Osten zurück.

Länge der Runde9,5 km
Gehzeit1:50 h
Gelaufen am31. Juli 2021
Einwohner*innen13.984
Fläche6,52 km²
Bahnhöfe in der NäheS Altglienicke, S Grünau, S Grünbergallee

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Kurz gesagt

  • Bohnsdorf wird um 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt.
  • Die Dorfkirche von 1755 bis 1757 gehört zu den wenigen barocken Kirchen der Gegend.
  • Die Gartenstadt Falkenberg ist die älteste der sechs Siedlungen der Berliner Moderne, die seit 2008 zum Welterbe der UNESCO gehören.
  • Heute wohnen in Bohnsdorf knapp 14.000 Menschen.

Geschichte

Gegründet wurde Bohnsdorf vermutlich vor dem Ende des 13. Jahrhunderts, im Landbuch Karls IV. steht es um 1375. Die Herren des Dorfes wechselten oft. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es mehrmals geplündert, 1648 lebte nicht einmal mehr ein Viertel der früheren Bewohner*innen hier. Von 1755 bis 1757 bekam das Dorf eine neue Kirche, um 1885 entstanden die Höfe am Dorfplatz, die heute noch stehen.

Um 1898 ließ sich der königliche Gartenbaudirektor Max Buntzel auf dem Falkenberg eine Villa im Stil der Renaissance bauen. Von 1913 bis 1916 entstand am Fuß des Hügels die Gartenstadt Falkenberg, gebaut von einer Genossenschaft. Das Gemeinschaftsleben dort und rund um die Arbeitergenossenschaft „Paradies“ endete 1933. An sieben Menschen aus Bohnsdorf, die gegen die Nazis Widerstand leisteten, erinnert eine Gedenktafel in der Dahmestraße.

Nach 1945 gehörte Bohnsdorf zu Ost-Berlin. Seit den 1990er Jahren wurde die Gartenstadt restauriert, seit 2008 ist sie Welterbe. Im Süden durchschneidet die Autobahn A117 den Ortsteil, ein kleiner Teil des Flughafens BER liegt auf Bohnsdorfer Gebiet.

Was Bohnsdorf ausmacht

Bohnsdorf ist ein grüner Wohnort mit Einfamilienhäusern und kleinen Siedlungen. In der Mitte liegt das alte Dorf mit Dorfplatz, Anger, Teich und Kirche, das als Ensemble unter Denkmalschutz steht. Im Norden steigt der Falkenberg an, knapp 60 Meter hoch und die höchste Erhebung der Teltowhochfläche. Im Westen sind in den letzten Jahren Hunderte neue Wohnungen entstanden.

Orte, die sich lohnen

Gartenstadt Falkenberg

Meine Runde beginnt am S-Bahnhof Grünau. Über die Bruno-Taut-Straße sind es nur ein paar hundert Meter bis in die Gartenstadt Falkenberg. Sie hat der Architekt Bruno Taut geplant, ein Haus darin stammt von Heinrich Tessenow, die Gärten von Ludwig Lesser. Gebaut wurde sie von 1913 bis 1916 für die Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin. Fertig wurden 128 Wohnungen auf 4,4 Hektar, 80 Einfamilienhäuser und 48 Wohnungen in sechs Mietshäusern. Die ersten Häuser stehen um den kleinen Akazienhof.

Taut verzichtete auf teuren Schmuck an den Fassaden. Stattdessen bekamen die Häuser kräftige Farben, dazu Fenster, Läden, Gesimse und Holzbalkone in Kontrastfarben. Die Siedlung wird auch Tuschkastensiedlung genannt. Von 1992 bis 2002 wurden die Häuser untersucht und instand gesetzt, seit 2001 kommen nach Wettbewerben neue Häuser dazu. 2008 wurde die Gartenstadt als älteste der sechs Siedlungen der Berliner Moderne Welterbe der UNESCO.

Am Akazienhof 26 erinnert eine Kupfertafel an die Opfer des Kapp-Putsches, am Gartenstadtweg 55/56 eine an Bruno Taut. Beide hat Achim Kühn gemacht, 1971 und 1970.

Mehr über die Siedlung steht in meinem Beitrag über die Gartenstadt Falkenberg.

Falkenberg und Hedwigshöhe

Hinter der Gartenstadt geht es den Falkenberg hinauf. Max Buntzel baute sich hier um 1898 eine schlossähnliche Villa. Die Nachbar*innen nannten sie „Buntzelschlösschen“ und den Hügel „Buntzelberg“. Schon 1902 musste Buntzel wegen seines teuren Lebenswandels verkaufen.

Später kaufte das St. Hedwig-Krankenhaus das Gelände und weihte am 23. August 1925 das Erholungsheim „Hedwigshöhe“ ein, später wurde daraus ein Krankenhaus. Ab 1938 lernten in der Villa junge Priester. Im August 1941 beschlagnahmte die Gestapo das Haus, wenig später wurde es ein Lazarett. 1968 wurde der Giebel der Villa abgenommen, nur die große Treppe blieb. Seit 2003 gibt es auf der Hedwigshöhe eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.

Buntzelstraße und Paradiesstraße

Durch die Buntzelstraße und die Paradiesstraße bin ich nach Süden ins Dorf gelaufen. An ihrer Ecke erinnert eine Schrifttafel an die Arbeiterbaugenossenschaft „Paradies“.

Friedhof Bohnsdorf

An der Ecke Buntzelstraße und Parchwitzer Straße liegt der Friedhof, auf dem seit 1851 beerdigt wird. Um 1908 baute Franz Noack eine kleine Feierhalle, sie wurde 1975 geschlossen und später abgerissen. An ihrer Stelle stehen Bänke. 1980 wurde der Friedhof geschlossen, 1990 auf Wunsch der Bohnsdorfer*innen wieder geöffnet.

Dorfkirche und Dorfplatz

Gleich dahinter kommt der Dorfplatz, und mitten darauf steht die Dorfkirche. J. F. Lehmann baute sie von 1755 bis 1757 an der Stelle einer mittelalterlichen Kirche, 1888 wurde sie erweitert, die Turmspitze ist von 1937/38. Neben der Sophienkirche in Mitte und dem Kloster Neuzelle ist sie der einzige barocke Kirchenbau der Region. Im Ersten Weltkrieg wurden die größere Glocke und die Orgelpfeifen eingeschmolzen, im Zweiten Weltkrieg der Kronleuchter aus Messing.

Um die Kirche stehen alte Höfe. Das Bauernhaus Dorfplatz 3 mit Scheune, Ställen und gepflastertem Hof ist um 1885 entstanden, das Taubenhaus 1910. Am Dorfplatz steht auch die Gruppe „Drei Akte“ aus Stein von Karl Blümel aus dem Jahr 1988.

Zum Dorfanger gehören ein Teich, ein kleines Wiegehäuschen und eine Waagegrube, auch sie sind Teil des Denkmalensembles.

Fritz-Kühn-Straße

Vom Dorfplatz geht es über den Hufenweg und die Parchwitzer Straße nach Osten zur Fritz-Kühn-Straße. Der Metallbildhauer Fritz Kühn hatte seine Werkstatt in Bohnsdorf. Mit 26 Jahren richtete er sie in einem früheren Pferdestall auf einem alten Gutshof ein. Von ihm sind unter anderem der Brunnen am Strausberger Platz, das Buchstabenportal der Stadtbibliothek und Gitter an der Staatsoper. Fritz Kühn starb 1967, sein Ehrengrab liegt auf dem Waldfriedhof Grünau. Sein Sohn Achim Kühn schmiedete hier weiter. Von ihm ist auch die „Klingende Blume“ im Treptower Park.

Volkshaus in der Dahmestraße

Durch Wohnstraßen und Siedlungen und über die Waltersdorfer Straße kommt die Runde zur Dahmestraße. In der Nummer 33 steht das frühere Volkshaus Bohnsdorf. Heute heißt es KiezCentrum, darin sind eine Bibliothek und seit 1997 die Bohnsdorfer Kulturküche.

Daneben, an der Ecke Zur Gartenstadt, erinnert eine Gedenktafel an sieben Menschen aus Bohnsdorf, die Widerstand gegen die Nazis leisteten. Sie trägt die Worte „Zum Tode geführt, doch siehe, wir leben“ und die Namen Judith Auer, Karl Materna, Paul Wegmann, Hermann David, Gerhard Fliehs, Alfred Grünberg und Werner Commichau. Judith Auer arbeitete im Krieg im Kabelwerk Oberspree und gehörte zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Sie wurde zum Tode verurteilt und am 27. Oktober 1944 in Plötzensee hingerichtet.

Über den Kablower Weg und das Adlergestell geht es zum Schluss zurück zum S-Bahnhof Grünau.

Meine Runde

Meine Runde ist 9,5 Kilometer lang, ich war knapp zwei Stunden unterwegs. Einen Bahnhof hat Bohnsdorf nicht, Start und Ziel ist der S-Bahnhof Grünau.

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Am Wegesrand

„Verhaftungswürdig“. Die bunten Häuser der Gartenstadt gefielen nicht allen. Laut MieterMagazin verlangten Nachbar*innen und Hausbesitzervereine von den Gemeinden Alt-Glienicke und Grünau, gegen die „Verunstaltung“ vorzugehen. Taut erinnerte sich später, er sei zweimal „als ein Verbrecher an der Seele des Volkes für ,verhaftungswürdig‘ erklärt“ worden. Geplant hatte er rund 1.500 Häuser für etwa 7.000 Menschen.

Kein Schießplatz. 1912 wollte die Berliner Schützengilde am Falkenberg einen Schießplatz bauen. Die Gemeindevertretung von Alt-Glienicke stimmte zu, am Ende wurde die Baugenehmigung aber verweigert.

Eine Heuschrecke gegen den Neubau. Als das Krankenhaus auf der Hedwigshöhe um 2001 erweitert werden sollte, hätte der Heidegrashüpfer, eine bedrohte Art, das Projekt fast gestoppt. Der Grundstein wurde trotzdem gelegt.

Eine Tür, die keiner wollte. Für die Nikolaikirche in Mitte schmiedete Achim Kühn eine dunkelgrüne Tür, rund zehn Meter hoch. Als er sie 1989 fertig hatte, wollte die Kirche sie nicht mehr. 2014 stand sie noch immer im Hof der Werkstatt in Bohnsdorf.

Ein Stein für Alfred Grünberg. Alfred Grünberg ist einer der sieben Namen in der Dahmestraße. An der Ecke Grünbergallee und Kastanienweg steht für ihn ein Stein aus Granit: „Hier lebte der Antifaschist Alfred Grünberg“. Eine Tafel für ihn hängt am S-Bahnhof Grünbergallee.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: In Bohnsdorf gibt es keinen Bahnhof. Der S-Bahnhof Grünau liegt gleich an der Gartenstadt und an der Runde, nicht weit sind auch die S-Bahnhöfe Altglienicke und Grünbergallee (S9, S45).

Mehr auf dieser Seite: Zu den Bootshäusern und zur Regattastrecke geht es nach Grünau. Vom Falkenberg führt die Straße Am Falkenberg zum Wasserturm von Altglienicke.

Von Bohnsdorf aus weiter

2 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

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