Unterwegs zu Fuß

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MüggelheimGrünau

Schmöck­witz

Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 49 von 74

Die Straßenbahn 68 endet vor der Dorfkirche von Alt-Schmöckwitz, im südlichsten Zipfel Berlins. Ringsum liegen Wald und Seen, dahinter beginnt Brandenburg. Am 27. Februar 2022 bin ich hier eine lange Runde von gut 20 Kilometern gelaufen, durch die Villenkolonie Karolinenhof, über den Schmöckwitzer Werder zwischen Seddinsee, Krossinsee und Zeuthener See und zurück durch das alte Fischerdorf.

Länge der Runde20,1 km
Gehzeit4:06 h
Gelaufen am27. Februar 2022
Einwohner*innen4.501
Fläche17,12 km²
Bahnhöfekeiner

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Kurz gesagt

  • Am Schmöckwitzer Werder wurden Spuren von Siedlungen aus der Mittelsteinzeit gefunden, über 9.000 Jahre alt.
  • 1375 wird Schmöckwitz zum ersten Mal erwähnt, im Landbuch Kaiser Karls IV.
  • Zum Ortsteil gehören das alte Fischerdorf, die Villenkolonien Karolinenhof und Rauchfangswerder und der Schmöckwitzer Werder.
  • Heute wohnen in Schmöckwitz rund 4.500 Menschen.

Geschichte

Schmöckwitz gilt als ältester Siedlungsplatz Berlins. Am Schmöckwitzer Werder wurden Reste von Siedlungen aus der Mittelsteinzeit ausgegraben, die über 9.000 Jahre alt sind. Seit dem 7. Jahrhundert siedelten hier Slawen. Von ihnen hat der Ort seinen Namen, er bedeutet ungefähr „Schlangenort“. Das Fischerdorf wurde im 13. Jahrhundert als Rundling auf einer Halbinsel angelegt. 1375 steht Schmöckwitz im Landbuch Kaiser Karls IV.

1866 brannte das Dorf vollständig ab. Es wurde auf dem alten Grundriss wieder aufgebaut, diesmal aus Stein. Manche neuen Häuser hielten sich an den Typ des eingeschossigen Fischerhauses mit Satteldach. Später kamen Ausflügler*innen, und an die Stelle einzelner Fischerhäuser traten zweigeschossige Wohnhäuser.

1894 kaufte der Bankier Albert Schappach Land am Langen See, nordwestlich des Dorfs. Eine Terraingesellschaft teilte es in Grundstücke auf, und es entstand die Villenkolonie Karolinenhof. Viele Villen wurden erst nach dem Ersten Weltkrieg gebaut. Ganz im Süden liegt Rauchfangswerder, ebenfalls eine frühere Villenkolonie, zwischen Zeuthener See und Großem Zug. Es ist die südlichste Siedlung Berlins.

Schmöckwitz war schlecht an die Bahn angebunden. Die Gemeinde setzte sich deshalb für eine Straßenbahn nach Grünau ein, am 9. März 1912 fuhr die Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn zum ersten Mal.

Was Schmöckwitz ausmacht

Schmöckwitz ist umgeben von Wald und Seen. Ringsum liegen Langer See und Seddinsee, an der Grenze zu Brandenburg Krossinsee, Zeuthener See und Großer Zug. Von Berlin aus kommst du nur über das Adlergestell oder mit der Straßenbahn hierher. Es gibt ein Strandbad an der Dahme, einen Yachthafen am Langen See und mehrere Campingplätze am Wasser.

In der Mitte liegt das alte Dorf, das als Ensemble unter Denkmalschutz steht. Ringsum liegen die früheren Villenkolonien, in Baulücken sind in den letzten Jahren Ein- und Mehrfamilienhäuser dazugekommen. Auf 17 Quadratkilometern wohnen nur rund 4.500 Menschen.

Orte, die sich lohnen

Karolinenhof und die Uferbahn

Meine Runde beginnt an der Haltestelle Richtershorn in Karolinenhof, an der Strecke der Uferbahn. Im Wald an der Grenze zu Grünau fährt die Straßenbahn 68 auf eigenem Gleis zwischen den Bäumen. Die Strecke der Uferbahn ist 7,8 Kilometer lang und folgt der Dahme. 2011 nutzten sie rund 440.000 Fahrgäste im Jahr.

Karolinenhof liegt am Südufer des Langen Sees. Durch die frühere Villenkolonie bin ich über die Vetschauer Allee und die Schappachstraße gelaufen, dann durch die Siedlung nördlich des alten Dorfs bis an den Seddinsee.

Seddinsee

Über die Wernsdorfer Straße und die Dahme bin ich auf den Werder gelaufen. Dort führt die Seddinpromenade am Ufer des Seddinsees entlang. Der See ist 269 Hektar groß und liegt zwischen Schmöckwitz und Gosen in Brandenburg. Auch Müggelheim grenzt an den Seddinsee.

Im See liegen mehrere kleine Inseln, darunter Seddinwall, Nixenwall und Dommelwall, ganz im Süden Weidenwall und Werderchen. Die Inseln im Norden des Sees wurden beim Bau des Gosener Kanals aus dem Sand aufgeschüttet, der dabei anfiel. Im Februar 2022 lag Nebel über dem Wasser.

Schmöckwitzer Werder

Rund die Hälfte meiner Runde liegt auf dem Werder, und der ist fast ganz Wald. Die Wege heißen hier nicht nach Menschen oder Orten, sondern Gestell, mit Buchstaben und Zahlen: Gestell a, Gestell B, Gestell I. Im Osten liegen der Krossinsee und der Große Zug. Den Großen Zug trennt eine Landzunge vom Krossinsee, er gehört schon zu Brandenburg.

Im Westen liegt der Zeuthener See. Am Uferweg dort steht eine Ulme, die die Berliner Forsten den dicksten Baum des Reviers nennen. Am Schmöckwitzer Damm, im früheren Ferienheim und heutigen Campus der Teikyo-Universität, steht ein Brunnen von Achim Kühn aus dem Jahr 1985, die „Diskutierenden Wasservögel“.

Schmöckwitzer Brücke

Über die Schmöckwitzer Brücke geht es vom Werder zurück ins Dorf. An der Brücke gab es schon vor etwa 600 Jahren einen Dorfkrug. Daraus wurde 1870 der „Gasthof zur Palme“, den es nicht mehr gibt. Von der Brücke aus ist am Zeuthener See die Hertzog-Villa von 1909 und 1910 zu sehen, die auch Dussmann-Villa heißt.

Alt-Schmöckwitz

Hinter der Brücke beginnt das alte Dorf. Rund um die Kirche ist der mittelalterliche Grundriss des Rundlings erhalten. Das Haus in der Nummer 5 stammt aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, das Wohn- und Geschäftshaus in der Nummer 14 aus der Zeit um 1800. Das Gehöft in der Nummer 2 hat ein Wohnhaus von 1828 bis 1832 und eine Scheune von etwa 1840. Um 1900 wurde das Wohnhaus umgebaut, und ein Gärtnerhaus kam dazu. Die Pläne dafür stammen vermutlich von Alfred Grenander, der für die Berliner Hochbahn viele U-Bahnhöfe entworfen hat.

Dorfkirche und Kriegerdenkmal

Die Dorfkirche steht auf einer Düne an der Endhaltestelle. Der Baumeister Abraham Bocksfeld baute sie 1798 und 1799 im Auftrag des Amts Köpenick, auf den Fundamenten einer Fachwerkkirche von 1734/35. 1910 und 1911 wurde sie teilweise umgebaut, sieht aber noch weitgehend so aus wie damals.

Vor dem Eingang steht ein Kriegerdenkmal aus Sandstein, 1924 von Georg Hengstenberg geschaffen.

Schule und Feuerwache am Adlergestell

Von der Kirche sind es nur ein paar Schritte bis zum Ende des Adlergestells, das als längste Straße Berlins gilt. Dort stehen die Gemeindeschule von 1900 und 1901 und die Feuerwache von 1908, beide nach Plänen von Kurt Berndt. Daneben stand das Straßenbahndepot von 1912, es ist inzwischen abgerissen. Auf dem Grundstück soll eine Kita entstehen.

Die Freiwillige Feuerwehr Schmöckwitz gibt es seit 1892. Ihr roter Ziegelbau überstand den Zweiten Weltkrieg mitsamt Schiebeleiter und Motorspritze. 2008 griff ein Brand vom Nachbarhaus über und beschädigte ihn schwer. Seit 2024 hat die Wehr einen Neubau in der Godbersenstraße, und aus der alten Wache soll ein Nachbarschaftszentrum werden.

Meine Runde

Meine Runde ist 20,1 Kilometer lang, ich war gut vier Stunden unterwegs. Fast zehn Kilometer davon liegen auf Waldwegen auf dem Werder. Einen Bahnhof gibt es nicht, Start und Ziel ist die Haltestelle Richtershorn der Straßenbahn 68, die an mehreren Stellen an der Runde hält.

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Am Wegesrand

Fontane auf der Sphinx. Theodor Fontane kam an Bord der „Sphinx“ nach Schmöckwitz. Er beschrieb die Stelle als eine Art Haff, an dem vier Seen über Kreuz zusammentreffen: Langer See, Seddinsee, Krampe und Zeuthener See.

Eine Tafel für die Straßenbahn. 2006 war im Gespräch, die Uferbahn schon in Grünau enden zu lassen, 2011 stand sie wieder in Frage. Bei den Protesten wurde am 11. März 2011, genau 100 Jahre nach Baubeginn, neben einem alten Prellstein der Strecke am Weg zur Kirche eine Tafel angebracht. Sie endet mit dem Satz „Die Uferbahn muss weiter fahr’n!“. Im April bildeten Bürger*innen eine Menschenkette vom S-Bahnhof Grünau bis Schmöckwitz, einen Monat später sagte der Senat 20 Millionen Euro für die Sanierung zu.

Schienen von 1977. An der Vetschauer Allee und am Adlergestell liegen im Schotter noch einzelne Schienen von 1977. Ein 500 Meter langer Gleisbogen in Karolinenhof wurde vor seiner Erneuerung Ende 2021 nur noch von Spurstangen zusammengehalten.

Ein Pferd aus einem Stamm. Am Badestrand auf dem Werder, gleich hinter der Brücke, haben im Juni 2005 15 Forstleute einen Spielplatz gebaut, mit einem 13 Meter langen Schiff, einer Dampflok und einem Pferd mit Wagen. Das Pferd ist aus einem einzigen Stamm geschnitzt.

Gut zu wissen

Mit der Straßenbahn: Schmöckwitz hat keinen Bahnhof. Die Straßenbahn 68 fährt vom S-Bahnhof Köpenick über Grünau und Karolinenhof bis Alt-Schmöckwitz. Von Frühjahr bis Herbst fährt die Fähre F21 in sieben Minuten über die Dahme zur Krampenburg in Müggelheim.

Mehr auf dieser Seite: Der Dahmeweg, der Grüne Hauptweg 9, kommt aus Grünau durch den Uferwald nach Karolinenhof und weiter nach Alt-Schmöckwitz.

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