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Köpenick
Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick · Runde 29 von 74
Köpenick war bis 1920 eine eigene Stadt. Die Altstadt liegt auf einer Insel, das Schloss auf einer zweiten, und gleich daneben der alte Fischerkietz. Am 31. Oktober 2021 bin ich hier eine große Runde von 22,5 Kilometern gelaufen. Sie führt durch die Altstadt und das Allende-Viertel hinauf zum Müggelturm und am Müggelsee und an der Spree entlang zurück.
Kurz gesagt
- Köpenick wird 1209 zum ersten Mal erwähnt, 1325 bekam es das Stadtrecht. Bis 1920 war es eine eigene Stadt.
- Im Schloss tagte 1730 das Kriegsgericht über Kronprinz Friedrich und Leutnant von Katte.
- Am 16. Oktober 1906 besetzte Wilhelm Voigt als falscher Hauptmann das Rathaus und nahm die Stadtkasse mit.
- Zum Ortsteil gehören auch das Allende-Viertel und die Müggelberge. Heute wohnen in Köpenick knapp 74.000 Menschen.
Geschichte
Im 8. Jahrhundert bauten Slawen auf der heutigen Schlossinsel ihre Hauptburg. Der Name kommt wahrscheinlich vom slawischen kopa für Hügel, die Endung -nik steht für eine Siedlung darauf. Im 12. Jahrhundert eroberten die Askanier die Gegend, am 10. Februar 1209 wird der Ort als „Copnic“ zum ersten Mal in einer Urkunde genannt. Am 2. Juli 1325 bekam Köpenick das Stadtrecht, das drittälteste im Berliner Raum nach Berlin/Cölln und Spandau.
Auf der Insel ließ Kurprinz Friedrich ab 1677 ein Barockschloss bauen. Im Wappensaal tagte am 28. Oktober 1730 das Kriegsgericht über Kronprinz Friedrich und Leutnant Hans Hermann von Katte, die nach England fliehen wollten. Die Richter verurteilten Katte zu lebenslanger Festungshaft und blieben dabei, obwohl der König ein anderes Urteil verlangte. Der König machte daraus die Todesstrafe, am 6. November 1730 wurde Katte hingerichtet. Ab 1697 kamen französische Glaubensflüchtlinge nach Köpenick, wohl vor allem Seidenweber, Brauer und Tuchmacher. Für sie wurde um 1705 am Buschgraben die „Kurfürstliche Freiheit“ aufgeschüttet. Daher hat die Straße Freiheit ihren Namen.
1835 bekam Henriette Lustig, die „Mutter Lustig“, die Erlaubnis für eine Lohnwäscherei. Seitdem hieß Köpenick die „Waschküche Berlins“. Aus der Reinigung und Färberei von Wilhelm Spindler wuchs ab 1873 der Ort Spindlersfeld. Rund um die Altstadt entstanden drei Vorstädte, 1892 die Villenkolonie Wendenschloß, und 1898 kam der Kietz zur Stadt.
Am 1. Oktober 1920 wurde Köpenick der 16. Bezirk von Groß-Berlin, seit 1931 schreibt es sich mit K. Schon im März 1920, beim Kapp-Putsch, hatte ein Kriegsgericht in Köpenick Todesurteile gefällt, die sofort vollstreckt wurden. Unter den Toten waren der USPD-Stadtverordnete Alexander Futran und der 17-jährige Kutscher Karl Wienicke. Daran erinnert ein Gedenkstein in Grünau. Im Juni 1933 verschleppte und folterte die SA in der Köpenicker Blutwoche politische Gegner*innen und Jüdinnen und Juden, mindestens 23 Menschen kamen ums Leben. Die Gedenkstätte im früheren Amtsgerichtsgefängnis in der Puchanstraße liegt ein Stück abseits meiner Runde.
Am 23. April 1945 erreichte die Rote Armee Köpenick. In der DDR entstand ab 1971 östlich der Altstadt das Allende-Viertel. Seit 2001 bilden Köpenick und Treptow zusammen den Bezirk Treptow-Köpenick.
Was Köpenick ausmacht
Die historische Mitte bilden die Altstadt auf der Insel, der Kietz und das Schloss. Viele Bauten aus der Zeit um 1900 stammen von Hugo Kinzer, dem Stadtbaumeister: das Rathaus, die Schule in der Lindenstraße, der Straßenbahnhof in der Wendenschloßstraße und das Krankenhaus.
Nördlich der Altstadt liegen die Siedlung an der Bahnhofstraße aus den 1920er Jahren und an der Friedrichshagener Straße alte Fabriken. Östlich der Altstadt stehen die Plattenbauten des Allende-Viertels. Im Süden reicht Köpenick bis an den Müggelsee und in die Müggelberge. Der Große Müggelberg gilt mit 114,7 Metern als höchste natürliche Erhebung Berlins.
Orte, die sich lohnen
Stadion An der Alten Försterei
Vom S-Bahnhof Köpenick führt die Runde zuerst nach Westen bis an den Rand der Wuhlheide. Dort spielt, gut hundert Meter abseits, der 1. FC Union. Der Volkspark Wuhlheide und das FEZ gehören schon zu Oberschöneweide. Das Stadion wurde am 7. August 1920 eröffnet und heißt nach dem alten Forsthaus daneben, in dem heute die Vereinsverwaltung sitzt. Ab Juni 2008 bauten über 2.000 Freiwillige unter dem Motto „Kiek an, wir bauen“ in mehr als 140.000 Arbeitsstunden das Stadion um und überdachten die Stehplätze. Am 8. Juli 2009 wurde das Stadion mit einem Spiel gegen Hertha BSC wieder eröffnet.

Lindenstraße und Platz des 23. April
Durch die Lindenstraße geht es nach Süden Richtung Altstadt. In der Nummer 33 baute Hans Heinrich Müller 1928 bis 1929 für die Bewag den Elektrischen Stützpunkt Köpenick, ein Abspannwerk. In der Villa nebenan, der Nummer 35, wurden Jugendstilmalereien entdeckt und restauriert.
Der Platz des 23. April war früher ein Heutrockenplatz. 1946 wurde er als Gedenkstätte für den Einmarsch der sowjetischen Truppen eingeweiht. Seit 1969 steht hier das Mahnmal für die Opfer der Blutwoche von Walter Sutkowski, mit Stele, Reliefwand und Feuerschale.
Altstadt und Laurentiuskirche
Über die Dammbrücke geht es in die Altstadt. Die evangelische Stadtkirche St. Laurentius wurde 1841 fertig. In der Straße Alt-Köpenick stehen Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert, die Nummer 38 von 1718 und die Nummer 36 von 1736. Das Haus Alt-Köpenick 10 ist von 1712. Mit dem Grundstück sind drei Köpenicker Bürgermeister verbunden, die hier wohnten oder bauten.
In der Freiheit 8 stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde, gebaut 1910, 1938 geplündert und 1945 abgerissen. Ein paar Häuser weiter, im Pfarrhaus Freiheit 14, versteckten Georg und Alide Ratsch während der Blutwoche Verfolgte. Georg Ratsch beschwerte sich beim Bezirksbürgermeister über die SA. Seit 1988 erinnert eine Gedenktafel an die beiden.
Rathaus und Hauptmann
Ein paar Schritte weiter steht in der Straße Alt-Köpenick das Rathaus im Stil der märkischen Backsteingotik bauten Hans Schütte und Hugo Kinzer 1901 bis 1904. Am 16. Oktober 1906 kam der Schuhmachersohn Wilhelm Voigt in Hauptmannsuniform herein, ließ den Bürgermeister und den Stadtkämmerer verhaften und nahm die Stadtkasse mit. Eigentlich hatte er auf einen Pass gehofft. Die Beute betrug 3.557 Mark. Zehn Tage später wurde Voigt gefasst, im Dezember 1906 bekam er vier Jahre Gefängnis. 1908 wurde er begnadigt, danach trat er auf und vermarktete seine Geschichte. Er starb am 3. Januar 1922 in Luxemburg.

Seine Uniform hatte er vom Trödel. Im Kassenraum, in dem alles passierte, ist seit 2016 eine Ausstellung über ihn. Am Rathaus steht seit dem 16. Oktober 1996, dem 90. Jahrestag, eine Bronzefigur des Hauptmanns von Spartak Babajan. Von Februar 2022 an wurde das Rathaus gut drei Jahre lang für den Brandschutz saniert.

Mehr über das Rathaus und den Hauptmann steht in meinem Beitrag über das Rathaus Köpenick.
Luisenhain und Kugelspielerin
Gegenüber dem Rathaus liegt am Ufer der Luisenhain. Karl Otto Asseburg schenkte der Stadt 1906 das Grundstück, unter der Bedingung, dass es nach seiner Schwester Luise heißt und ein öffentlicher Park bleibt. Die Bronzefigur im Park, die „Kugelspielerin“ von Walter Schott, wurde um 1950 gestohlen. Der Verein „Volkspark Luisenhain“ fand ein Exemplar in Düsseldorf, auf der Königsallee. Düsseldorf erlaubte einen Abguss, aber nur, wenn eine Düsseldorfer Kunstgießerei ihn macht. Seit 2019 steht die neue Kugelspielerin wieder im Luisenhain.
Schloss und Schlossinsel
Vom Luisenhain sind es nur ein paar Schritte bis zur Brücke auf die Schlossinsel. Das Schloss baute Rutger van Langervelt 1677 bis 1681, die Schlosskirche Johann Arnold Nering 1682 bis 1684. Sie gilt als erster protestantisch-reformierter Kirchenbau der Mark Brandenburg. Seit 1963 ist im Schloss das Kunstgewerbemuseum, in der Teilung zeigte es hier die Bestände, die im Ostteil Berlins lagen. Zur Ausstellung gehören ein großes Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses und eine Vertäfelung von etwa 1548 aus Schloss Haldenstein bei Chur.

Mehr über Schloss und Schlosskirche steht in meinem Beitrag über Schloss Köpenick.
Kietz
Zurück von der Schlossinsel geht es in den Kietz östlich der Altstadt, eine ursprünglich slawische Fischersiedlung. Bis 1898 war er eine eigene Gemeinde. Seine 31 Hausstellen sind ab 1589 belegt. Das Haus Kietz 27 wurde 1727 fertig, sein Bauherr war Christian Schulze, vermutlich ein Fischer.

Allende-Viertel
Über die Wendenschloßstraße führt die Runde nach Süden ins Allende-Viertel. Ab 1971 entstanden zwischen Altstadt und Müggelbergen rund 6.800 Wohnungen, erst auf Kleingartenland, ab 1980 im Wald. Nach dem Putsch in Chile am 11. September 1973 bekamen zwei Straßen neue Namen, die Salvador-Allende-Straße und die Pablo-Neruda-Straße. Etwa 2.000 Verfolgte aus Chile fanden in der DDR Exil. Bald hieß die Siedlung nur noch Allende-Viertel.

Für das Viertel schufen etwa 22 Künstler*innen fast 60 Werke. An der Pablo-Neruda-Straße steht die Bronzebüste Salvador Allendes von Dietrich Rohde. Sie wurde 1983 im Hof der Allende-Oberschule enthüllt und 2013 hierher versetzt. Etwas weiter, an der Salvador-Allende-Straße, baute Hugo Kinzer 1912 bis 1913 das Kreiskrankenhaus Cöpenick. Vor der Schule in der Birkenstraße, ein Stück abseits, steht die Flatow-Stele.
Müggelturm
Hinter dem Viertel beginnt der Wald, und es geht hinauf in die Müggelberge. Nach knapp zwölf Kilometern kommt die Runde zum Müggelturm auf dem Kleinen Müggelberg. Carl Spindler ließ hier um 1880 einen zehn Meter hohen Holzturm bauen. Seit 1890 stand hier ein 27 Meter hoher Turm im Pagodenstil. 1945 nutzte die SS ihn als Beobachtungsposten. Ein langjähriger Bewohner verhinderte laut DDR Museum kurz vor Kriegsende, dass er gesprengt wurde. Am 19. Mai 1958 brannte der Turm ab, vermutlich durch Schweißarbeiten.

Die Berliner Zeitung schrieb einen Wettbewerb aus, 32 Entwürfe kamen. Gewonnen haben drei Studierende der Kunsthochschule Weißensee, Jörg Streitparth, Siegfried Wagner und Klaus Weißhaupt. Gebaut wurde mit Spenden und freiwilligen Arbeitsstunden, in der Silvesternacht 1961 wurde der neue Turm eröffnet. Er ist etwa 30 Meter hoch, 126 Stufen führen hinauf. Nach der Wende sprangen mehrere Investoren wieder ab, im Mai 2018 öffnete er mit einem neuen Investor wieder.
Mehr über den Turm steht in meinem Beitrag über den Müggelturm.
Teufelssee
Vom Turm geht es hinunter zum Teufelssee, einem kleinen See aus der Eiszeit, 1,5 Hektar groß. Er ist nur etwa zwei Meter tief, darunter liegt eine rund 17 Meter dicke Schicht aus Morast, Schlick und Pflanzenresten. Um den See führt ein Lehrpfad, am Rand des Moors steht die Waldschule Teufelssee.

Am Müggelsee
Vom Teufelssee führt der Weg weiter hinab an den Müggelsee. Auf der Müggelseepromenade bin ich am Südufer des Sees entlanggelaufen. Gegenüber am Nordufer liegt Friedrichshagen, durch den Spreetunnel kommst du zu Fuß hinüber. Weiter östlich liegt Rahnsdorf mit dem Strandbad Müggelsee. Am Müggelsee lag die Zeltkolonie Kuhle Wampe, gegründet 1913. Ende der 1920er Jahre zogen immer mehr Erwerbslose dorthin, im Sommer 1932 standen hier 93 Zelte mit etwa 400 Menschen. Im selben Jahr kam der Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?“ ins Kino, nach einem Drehbuch von Bertolt Brecht und Ernst Ottwalt. Die Zensur ließ unter anderem eine Nacktbadeszene herausschneiden. Der heutige Zeltplatz „Kuhle Wampe“ an der Großen Krampe in Müggelheim trägt den Namen seit 1976 zur Erinnerung an die alte Kolonie.

An der Friedrichshagener Straße
Am Ufer und an der Müggelspree entlang komme ich zur Salvador-Allende-Brücke und auf die Friedrichshagener Straße. Dort stehen zwei große Fabriken. Das Kabelwerk der C. J. Vogel Draht- und Kabelwerke baute Karl Stodieck 1916 bis 1921, die Filmfabrik der Glanzfilm AG entstand 1922 bis 1925.

Dahinter liegt der Bellevuepark. Das Schlösschen Bellevue, das ihm den Namen gab, wurde 1766 gebaut, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und danach abgerissen. Erhalten ist in der Friedrichshagener Straße 42 das Gärtnerhaus Schloß Bellevue. Es ist auf 1715 datiert und damit älter als das Schlösschen.

Meine Runde
Meine Runde ist 22,5 Kilometer lang, ich war gut vier Stunden unterwegs. Sie beginnt am S-Bahnhof Köpenick und endet nah an Hirschgarten, das schon zu Friedrichshagen gehört. Die S-Bahnhöfe Köpenick, Spindlersfeld und Wuhlheide liegen an der Runde.
Am Wegesrand
Eine Briefmarke zu fünf Pfennig. Nach dem Coup geriet in Weißensee ein Mann in Verdacht, der ausgerechnet Josef Hauptmann hieß. Er bat die Polizei um den Namen der Frau, die ihn angezeigt hatte, und legte eine Briefmarke bei. Den Namen bekam er nicht. Am 1. Dezember 1906, dem Tag, an dem Voigt verurteilt wurde, quittierte er: „Die 5=Pfennig=Freimarke habe ich heute vom 48. Polizei=Revier wieder zurück erhalten.“
Ein Tor in der Brücke. Die Dammbrücke zwischen Altstadt und Dammvorstadt war bis 1891 aus Holz. Sie hatte ein „Dammtor“, durch das die Schiffe fuhren.
Der Fang der Fischfrauen. An der Müggelheimer Straße liegt ein kleiner See, der Frauentog. Der Name soll auf einen legendären Fang der Kietzer Fischfrauen zurückgehen. Am Ufer steht ein Denkmal für Henriette Lustig, die Mutter der Köpenicker Wäschereien.
Ein Relief für Katte. Am 20. September 2018 wurde im Museum Köpenick am Alten Markt ein Relief für Hans Hermann von Katte enthüllt. Gestiftet hat es seine Familie, die Idee kam von einer Bürgerin.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Die S-Bahnhöfe Köpenick und Wuhlheide (S3) und Spindlersfeld (S47) liegen an der Runde, Hirschgarten (S3) in der Nähe.
Schloss Köpenick: Schloßinsel 1, von April bis September mittwochs bis sonntags geöffnet, von Oktober bis März donnerstags bis sonntags, jeweils ab 11 Uhr.
Hauptmann-Ausstellung: im historischen Kassenraum des Rathauses, täglich von 9 bis 19 Uhr.
Mehr auf dieser Seite: Die Synagoge in der Freiheit, die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche und den früheren jüdischen Friedhof in der Gehsener Straße beschreibt der Beitrag von Köpenick nach Fennpfuhl aus meiner Serie Jüdisches Berlin. Die zweite Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs führt durch Spindlersfeld, die Altstadt, den Kietz und Wendenschloß. Der Dahmeweg, der Grüne Hauptweg 9, beginnt am S-Bahnhof Köpenick und führt durch den Bellevuepark, durch die Altstadt und am Schloss vorbei nach Süden, über Grünau bis Schmöckwitz. Der Wuhletalweg endet an der Mündung der Wuhle in Köpenick, nahe dem Stadion An der Alten Försterei.
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