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Mahlsdorf

Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf · Runde 9 von 74

Mahlsdorf liegt im Osten Berlins und grenzt an Brandenburg. Der Ortsteil besteht vor allem aus Ein- und Zweifamilienhäusern. Am 25. Juli 2021 bin ich hier 19,8 Kilometer gelaufen: durch Siedlungen und ein Gewerbegebiet, über den Ullrichplatz und am Ende durch den alten Dorfkern mit Gutshaus und Dorfkirche.

Länge der Runde19,8 km
Gehzeit3:47 h
Gelaufen am25. Juli 2021
Einwohner*innen30.461
Fläche13,02 km²
BahnhofS Mahlsdorf

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Kurz gesagt

  • Mahlsdorf wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Straßendorf angelegt, die Dorfkirche stammt von etwa 1250. 1920 kam der Ort zu Groß-Berlin.
  • Im Gutshaus am Hultschiner Damm sitzt das Gründerzeitmuseum, das Charlotte von Mahlsdorf aufgebaut hat. Im Keller steht eine Kneipe aus dem Scheunenviertel.
  • Das DDR-Sandmännchen wurde ab 1963 in einem früheren Kino am Hultschiner Damm produziert. Seit 2023 steht am Ullrichplatz ein Denkmal für die Figur.
  • Bruno Taut hat in Mahlsdorf Siedlerhäuser für Kriegsversehrte und kinderreiche Familien gebaut.

Geschichte

Mahlsdorf wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Straßendorf angelegt. Die Dorfkirche war um 1250 fertig. Am 25. Januar 1345 gab Markgraf Ludwig der Ältere das Dorf an Otto von Kethlitz. Das Gutshaus entstand um 1780, den Postmeilenstein im Dorf gibt es seit 1792.

1895 bekam Mahlsdorf eine Anbindung an die Stadtbahn, 1906 eine Straßenverbindung nach Köpenick. Der Ort wuchs: Die Gemeindeschule von 1904/05 hatte 1908 schon 600 Schüler*innen und wurde 1909 erweitert. 1910/11 baute die Gemeinde ein Rathaus nach einem Entwurf von Ernst Denecke. Im Süden wurde Anfang des 20. Jahrhunderts die Villenkolonie Kiekemal angelegt. 1920 kam Mahlsdorf mit damals rund 6.000 Einwohner*innen zu Groß-Berlin und gehörte zum Verwaltungsbezirk Lichtenberg.

Zwischen 1926 und 1931 entstanden die Siedlungen von Bruno Taut für die Genossenschaft Lichtenberger Gartenheim. 1927 wurde das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Hönower Straße eingeweiht. Von 1929 bis 1931 baute die Reichsbahn den S-Bahnhof, von 1934 bis 1936 die Kreuzkirche. Das Rathaus wurde 1943 zerstört.

Das vom Abriss bedrohte Gutshaus übernahm 1958 Lothar Berfelde, bekannt als Charlotte von Mahlsdorf. Am 1. August 1960 öffnete dort das Gründerzeitmuseum, 1972 kam das Haus auf die DDR-Denkmalliste. Charlotte von Mahlsdorf wurde 1928 in Mahlsdorf geboren. 1974 wollte der Staat das Museum übernehmen, unter dem Druck von Steuerforderungen gab sie Teile der Sammlung an Besucher*innen weg. 1976 halfen ihr die Schauspielerin Annekathrin Bürger und der Anwalt Friedrich Karl Kaul, die Aktion zu stoppen. 1991 griffen Neonazis ein Frühlingsfest am Gutshaus an, 1992 bekam sie das Bundesverdienstkreuz. 1995 wurde das Museum geschlossen, 1997 zog sie nach Schweden. Im Juni 1997 öffnete es wieder, getragen von einem Förderverein. Sie starb am 30. April 2002 bei einem Besuch in Berlin.

Aus Mahlsdorf kommt auch das DDR-Sandmännchen. Es lief am 22. November 1959 zum ersten Mal im Fernsehen, 1963 richtete die Produktion ein Studio im früheren Kino Lichtburg am Hultschiner Damm ein. Der Erfinder Gerhard Behrendt wohnte bis zu seinem Tod 2006 in der Nähe des Ullrichplatzes.

Was Mahlsdorf ausmacht

Mahlsdorf ist ein Ortsteil der Einfamilienhäuser. Zusammen mit Kaulsdorf und Biesdorf ist es laut berlin.de das größte zusammenhängende Gebiet dieser Bauform in Deutschland. Dazwischen stehen vereinzelt Villen und Landhäuser. Der alte Dorfkern mit Dorfkirche und Gutspark wird von der Bundesstraße geteilt.

Eine Besonderheit sind die Siedlungen von Bruno Taut. Er baute kleine Häuser auf 800 bis 1.200 Quadratmeter großen Grundstücken, für Kriegsversehrte des Ersten Weltkriegs und für Berliner Familien mit vielen Kindern. Ein zweites Ensemble aus Wohnhäusern von etwa 1900 bis 1910 steht an der Donizettistraße, An der Schule und der Hummelstraße. Im Osten liegt ein Gewerbepark.

Der Verkehr im Ortskern ist ein Thema. Der Senat billigte 2022 die Planungsgrundlagen für eine neue Straße An der Schule, die den Ortskern vom Autoverkehr entlasten soll. Gebaut werden sollte sie frühestens ab 2024.

Orte, die sich lohnen

S-Bahnhof Mahlsdorf

Der S-Bahnhof an der Hönower Straße wurde von 1929 bis 1931 für die Reichsbahn gebaut, um 1960 wurde er umgebaut. Bahnhof und Eisenbahnbrücke stehen unter Denkmalschutz.

Kunsthaus Flora

An der Florastraße liegt das Kunsthaus Flora, ein Haus des Kulturamts mit zwei Räumen und einem großen Park. Die Volkshochschule leitet es seit dem 1. Januar 2021, außerdem sind die Jugendkunstschule und die Musikschule dort.

Kreuzkirche

Die evangelische Kreuzkirche am Pfarrhufenweg wurde 1934 bis 1936 nach Plänen von Otto Risse gebaut, sie ist ein Baudenkmal. 1942 wurden ihre drei Bronzeglocken beschlagnahmt und eingeschmolzen, 1958 kamen Hartgussglocken. 2026 kamen drei neue Bronzeglocken dazu. Eine der alten Glocken bleibt auf Anordnung der Denkmalpflege als nicht läutendes Denkmal im Turm.

Guthmannplatz und Friedhof

Otto und Charlotte Guthmann wohnten mit ihren fünf Kindern in Mahlsdorf, wo heute Gräber stehen. 1942 und 1943 wurden sie deportiert, fast alle wurden ermordet. Nur Leopold überlebte. Er kam 2008 zur Einweihung des Guthmannplatzes nach Mahlsdorf und starb 2009. Am Eingang des Friedhofs an der Lemkestraße liegen seit 2013 sieben Stolpersteine für die Familie, 2018 kam eine Erinnerungstafel dazu. Am Walter-Leistikow-Weg gibt es ein Ehrengrab für Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Ullrichplatz mit dem Sandmännchen

Das Sandmännchen-Denkmal steht am südlichen Ende des Platzes, gegenüber dem Spielplatz. Die Bronzefigur ist rund 1,20 Meter hoch, entworfen hat sie der Bildhauer Claus Lindner. Etwa 1.000 Spender*innen haben die rund 33.000 Euro zusammengebracht, der Verein Lyra e.V. hat das koordiniert. Aufgestellt wurde sie 2023. Als ich 2021 hier war, gab es sie noch nicht.

Ehemaliges Kino Lichtburg

Am Hultschiner Damm, an der Stelle des heutigen Aldi (Hausnummer 140 bis 142), war das Kino Lichtburg. Ab 1963 entstanden hier die Folgen des DDR-Sandmännchens, die Produktion lief bis in die 1990er Jahre. 1990 sammelte eine Elterninitiative unter dem Motto „Rettet den Sandmann!“ über 300.000 Unterschriften und wurde in die Studios nach Mahlsdorf eingeladen. Heute steht dort ein Supermarkt, und am Standort gibt es die Jugendeinrichtung „Hultschi“.

Gutshaus und Gründerzeitmuseum

Nach der Dorfkirche ist das Gutshaus das zweitälteste erhaltene Gebäude des Ortes. Im Museum sind 17 Räume vollständig eingerichtet, mit Möbeln, Uhren, Lampen, Musikautomaten und Grammophonen. Im Souterrain liegt die Mulackritze, nach visitBerlin „die letzte vollständig erhaltene Berliner Kneipe aus dem Scheunenviertel“. Charlotte von Mahlsdorf rettete sie 1963 vor dem Abriss des Hauses und baute sie hier originalgetreu wieder auf. In den 1970er Jahren traf sich dort die Homosexuelle Interessengemeinschaft Berlin, 1978 wurden solche Treffen im Museum verboten.

Gutspark

Der Landschaftspark hinter dem Gutshaus hat geschwungene Wege, Bäume und Blumenbeete. Im Park steht ein Gedenkstein aus rotem Sandstein für Charlotte von Mahlsdorf, den der Förderverein gestiftet hat. Er wurde 2003 eingeweiht.

Postmeilenstein

In Alt-Mahlsdorf steht ein Postmeilenstein von 1792. Er ist ein Baudenkmal und liegt auf dem Weg vom Gutshaus zur Dorfkirche.

Alte Pfarrkirche

Die Feldsteinkirche an der Hönower Straße, die Dorfkirche des Ortes, stammt von etwa 1250 und wurde 1401 bis 1600 sowie 1830 bis 1850 umgebaut. Zur Ausstattung gehören ein barocker Altar von 1710 und eine Orgel von Schuke. Auf dem Alten Kirchhof daneben steht das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs von 1927.

Taut-Siedlung am Frettchenweg

Westlich der Dorfkirche liegt am Frettchenweg ein Teil der Streusiedlung Mahlsdorf II, die Bruno Taut zwischen 1926 und 1931 für die Lichtenberger Gartenheim gebaut hat. Nur einige der Häuser stehen unter Denkmalschutz. Frettchenweg 29 und 31 sind als Mustersanierung angelegt: Dort kannst du sehen, wie die Häuser ursprünglich aussahen und welche Farben sie hatten. Ein zweiter Teil der Siedlung liegt im Norden, vor der Grenze zu Hönow.

Gemeindeschule An der Schule

Die Gemeindeschule An der Schule 13 bis 17 wurde 1904 bis 1905 nach einem Entwurf von Pohl und Paul Tarruhn gebaut und 1908/09 umgebaut. Die Straße hieß früher Walderseestraße und wurde 1951 umbenannt.

Meine Runde

Meine Runde war 19,8 Kilometer lang, ich war knapp vier Stunden unterwegs. Zuerst bin ich durch die Siedlungen im Norden gelaufen, dann nach Osten bis an die Landesgrenze und durch ein Gewerbegebiet. Danach ging es in den Süden, vorbei an Friedhof und Ullrichplatz bis zu den Siedlungen am südlichen Rand. Zurück bin ich durch den alten Dorfkern mit Gutshaus und Dorfkirche gelaufen. Der S-Bahnhof Mahlsdorf liegt an der Runde.

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Am Wegesrand

Der Sandmann im Stromkasten. Am Ullrichplatz sind drei Stromkästen mit dem Sandmännchen gestaltet: auf einem Floß, auf einem Fahrrad und beim Sandstreuen. Der Graffiti-Künstler Mario Winkler hat sie gemalt, enthüllt wurden sie 2023.

Eine Glocke von 1488. Die Marienglocke der Alten Pfarrkirche ist die einzige alte Glocke, die die Kriege überstanden hat. Die anderen wurden für Rüstungszwecke eingeschmolzen. 2024 sollten neue Bronzeglocken dazukommen.

Pelikan und Kanzler. Auf dem Schalldeckel der Kanzel in der Dorfkirche sitzt ein Pelikan. Im Sandstein ist das Wappen der Familie Diestelmeyer zu sehen: Lampert Diestelmeyer war unter Kurfürst Joachim II. Kanzler der Mark Brandenburg und Herr des Gutes Mahlsdorf.

Ein Rathaus, das es nicht mehr gibt. Das Rathaus von 1910/11 stand an der Ecke Köpenicker Allee, dem heutigen Hultschiner Damm, und Rahnsdorfer Straße. Nach 1920 blieb es eine Amtsstelle des Bezirks Lichtenberg, 1943 wurde es zerstört.

Stolpersteine statt Tafeln. An der Akazienallee 4 liegen seit 2023 Stolpersteine für Alice und Helga Herz. Für die Widerstandskämpfer Karl Vesper, Arthur Weisbrodt und Johann Przybilla hingen Tafeln aus den 1950er Jahren, die nach 1993 und 1995 entfernt wurden. 2023 und 2024 wurden stattdessen Stolpersteine verlegt.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: S Mahlsdorf (S5).

Mehr auf dieser Seite: Bei S Birkenstein trifft die Runde auf den Hönower Weg. Gegen Ende führt sie über den Wilhelmsmühlenweg, an dem mit dem Gleichrichterwerk schon ein Baudenkmal in Kaulsdorf steht. Der Kaulsdorfer Weg hat einen eigenen Beitrag, mehr zum Nachbarortsteil steht auf der Seite zu Kaulsdorf. Das große Gebiet mit Einfamilienhäusern setzt sich in Biesdorf fort.

Von Mahlsdorf aus weiter

3 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

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