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Hellersdorf

Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf · Runde 6 von 74

Hellersdorf ist eine große Plattenbausiedlung im Osten Berlins, mit einem alten Gutshof mittendrin. Am 18. Juli 2021 bin ich hier 13,5 Kilometer gelaufen: durch die Parks, an der Hönower Weiherkette entlang, an großen Wandbildern vorbei und über den Gutshof zur Helle Mitte.

Länge der Runde13,5 km
Gehzeit2:42 h
Gelaufen am18. Juli 2021
Einwohner*innen95.446
Fläche8,15 km²
BahnhöfeS Wuhletal, U Cottbusser Platz, U Hellersdorf, U Kaulsdorf-Nord, U Kienberg (Gärten der Welt), U Louis-Lewin-Straße

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Kurz gesagt

  • Hellersdorf wird 1375 als Dorf „Helwichstorpp“ erwähnt. 1886 kaufte die Stadt Berlin das Gut.
  • Von 1983 bis 1986 wurde die Dorfkirche ausgegraben, bevor U5 und Plattenbauten kamen. Im Park Hellwichstorp markieren Stahlstelen ihren Standort.
  • Die Plattenbauten entstanden zwischen 1977 und 1990, das Zentrum Helle Mitte wurde erst 1997 eingeweiht.
  • Zur Siedlung gehört viel Kunst am Bau und Streetart, etwa die Wandbilder vom Berlin Mural Fest 2019.

Geschichte

Hellersdorf war lange ein Dorf. Das Landbuch Kaiser Karls IV. nennt es 1375 als „Helwichstorpp“, im Besitz der Brüder Dirike, mit Gutshof und Mühle. 1416 galt es als „wüst“. 1618 kaufte der brandenburgische Kanzler Johann von Löben das Dorf und gliederte es seinem Gutsbezirk Blumberg an, ab 1734 war es ein Vorwerk mit Schäferei. Im 19. Jahrhundert wurde daraus ein Rittergut.

1886 kaufte die Stadt Berlin das Gut. Östlich der Wuhle entstanden Rieselfelder, auf dem Gut wurden zwischen 1888 und 1902 Ställe, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude, eine Schule und Arbeiterwohnhäuser gebaut. 1920 kam Hellersdorf mit Groß-Berlin zum Bezirk Lichtenberg, 1922 wurde das Gut Teil der Berliner Stadtgüter GmbH. Nach 1945 war es in sowjetischem Besitz, ab 1949 ein „Volkseigenes Gut“. Die Landwirtschaft endete 1989/1990.

Dann kam die Großsiedlung. 1972 wurde der alte Dorfkern gefunden, ungefähr am heutigen U-Bahnhof Cottbusser Platz. Von 1983 bis 1986 wurden Kirche und Friedhof ausgegraben, bevor U5 und Plattenbauten gebaut wurden. Fast der gesamte Bestand der Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf entstand zwischen 1977 und 1990. 1979 kam Hellersdorf zum neuen Stadtbezirk Marzahn, am 1. Juni 1986 wurde daraus ein eigener Bezirk, zu dem auch Kaulsdorf und Mahlsdorf gehörten.

Nach der Wende blieb die Helle Mitte unvollendet. Im Dezember 1989 traf sich der Runde Tisch des Bezirks zum ersten Mal in Hellersdorf, 1997 wurde das Zentrum eingeweiht, im April 1998 eröffnete das Rathaus, und die Alice-Salomon-Fachhochschule begann den Lehrbetrieb. Seit dem 1. Januar 2001 gibt es den gemeinsamen Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Nach der Jahrtausendwende wurden in Hellersdorf rund 1.000 Wohnungen abgerissen, dazu Schulen und Kitas.

Was Hellersdorf ausmacht

Hellersdorf ist von Plattenbauten geprägt, sechs- bis elfgeschossigen Blöcken und Punkthochhäusern bis 22 Geschosse. Das Viertel gliedert sich in Hellersdorf-Nord, -Süd und -Ost, mit Vierteln wie dem Grabenviertel, dem Gelben Viertel und dem Kastanienallee-Viertel. Jeder Bezirk der DDR konnte seinen Teil im eigenen Stil gestalten, und die Bauarbeiter aus allen 15 Bezirken brachten ihre eigenen Besonderheiten mit. Im Quartier Boulevard Kastanienallee, gebaut von 1986 bis 1990, stehen rund 2.800 Wohnungen und im Südwesten 70 Reihenhäuser.

Kunst gehörte von Anfang an zum Bau. In Marzahn und Hellersdorf sind 462 Werke dokumentiert, mehr als ein Drittel davon gibt es nicht mehr. Gerettete Werke stehen im Freiluftdepot „Zwischenablage“ an der Riesaer Straße 94.

Dazu kommt viel Grün. Der Hellersdorfer Graben ist ein renaturierter Grünzug, die Parks reichen bis zur Hönower Weiherkette, einem Landschaftsschutzgebiet am Nordrand der Siedlung. Im Osten grenzt Hellersdorf an Brandenburg.

Orte, die sich lohnen

Stelenfeld im Park Hellwichstorp

Südlich vom U-Bahnhof Cottbusser Platz stand im 13. Jahrhundert die Kirche des Dorfes Hellwichstorpp. Bei der Grabung Mitte der 1980er Jahre fanden die Archäolog*innen ihre Fundamente und einen Friedhof mit rund 200 Gräbern. Die Fundamente wurden zum Schutz wieder verschüttet, die Kleinfunde liegen im Stadtmuseum Berlin. Heute zeichnen Stahlstelen die Umrisse der Kirche nach. Vor dem U-Bahnhof ist seit 2006 außerdem die historische Dorflage markiert.

Regine-Hildebrandt-Park und Kurt-Julius-Goldstein-Park

Der Regine-Hildebrandt-Park entstand ab 2006 auf einer Brache, die Erweiterung wurde im Juni 2007 eingeweiht. Es gibt eine 50 Meter breite Treppenanlage, ein Stahllabyrinth mit gefrästen Sprüchen, eine Bowl für Skater*innen und BMX und überdimensionale Rohrkolben aus Metall. Die lockeren Sprüche sollen an die Berliner Art der Brandenburger Sozialministerin erinnern, nach der der Park benannt ist.

Der Kurt-Julius-Goldstein-Park wurde im Frühjahr 2010 eröffnet und von der Deutschen Bahn als Ausgleichsmaßnahme bezahlt. Er trägt den Namen des 2007 verstorbenen Antifaschisten.

Pyramide an der Riesaer Straße

Die „Pyramide“ sollte das Rathaus werden. Entworfen haben sie Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, die auch das ICC Berlin entworfen haben. Sie mussten den Rohbau einer geplanten DDR-Polizeizentrale einbeziehen. Die Bezirksverordneten entschieden sich dann doch für die Helle Mitte. Seit 1994 ist die Pyramide das städtische Ausstellungszentrum, mit über 200 Ausstellungen.

Hönower Weiherkette

Die Weiherkette liegt am Nordrand der Siedlung und ist Landschaftsschutzgebiet. Sie gehört zum Grünen Hauptweg 7, dem Hönower Weg, der 23 Kilometer lang ist. Das Kulturamt führt die „Hönower Weiherkette“ außerdem als realisierten Kunstwettbewerb.

Gedenktafel für Ingo Binsch

In der Teupitzer Straße 2 erinnert eine Tafel an Ingo Binsch. Er starb am 5. November 2001 im Alter von 36 Jahren. 2018 wurde sein Tod als Tötung aus sozialdarwinistischer Motivation staatlich anerkannt. Im Juli 2021 gab es hier noch keine Tafel. Eine erste hing im November 2021 nur zwei Tage, auch die Ersatztafel vom Februar 2022 wurde zerstört. Seit dem 5. November 2022 steht eine Tafel aus Edelstahl auf einer Grünfläche zwischen den Häusern.

Wandbilder an der Ludwigsfelder Straße

Beim Berlin Mural Fest 2019 bemalten Künstler*innen Fassaden der Deutsche Wohnen, die zehn Objekte zur Verfügung stellte. Ein Ziel war, Aufmerksamkeit auf Stadtrandviertel wie Marzahn-Hellersdorf zu lenken. In Hellersdorf liegen Wandbilder an der Ludwigsfelder Straße 12 und 14 und an der Alten Hellersdorfer Straße 129 und 133. Zu drei davon gibt es eigene Beiträge: Victor Ash und sein Kosmonaut, Boogie und MadC.

Ernst-Haeckel-Oberschule

An der Luckenwalder Straße 53 steht im Eingangsbereich seit 2013 eine Büste des Namensgebers von Frank Diettrich. Der Schulhof wurde von 2011 bis 2013 mit Stadtumbau-Mitteln umgestaltet. Die Zuschauertribüne am Hang besteht aus wiederverwendeten Großplatten.

Gutsanlage Alt-Hellersdorf

Das Gutshaus an der Straße Alt-Hellersdorf ist um 1890 gebaut und gehört zum Ensemble des Städtischen Rieselguts. Die Anlage ist nahezu vollständig erhalten, obwohl sie lange wenig beachtet wurde. Dazu gehören die Scheune von 1897/1898, der Speicher von 1898 und die Schmiede von 1904. Die Kate Alt-Hellersdorf 7/9 aus Feldstein stammt noch vom früheren Vorwerk, gebaut um 1845. In der Alten Hellersdorfer Straße 57/59 steht ein Landarbeiterhaus von 1889/1890.

Rund um die Gutsgebäude wächst ein Neubauquartier. Im Sommer 2021 zogen die ersten Mieter*innen ein, bis Frühjahr 2023 wurden die letzten Häuser fertig, insgesamt rund 1.500 Wohnungen. Der Stadtplatz zwischen Alter Hellersdorfer Straße und Kastanienallee wurde am 19. Juli 2024 übergeben. Es gibt ein Fontänenfeld und einen Granitblock des georgischen Künstlers Nika Bakhia. Die neun denkmalgeschützten Gutsgebäude sind noch nicht saniert. Die Vermarktung hat im Juli 2026 begonnen, die ersten Gebäude sollen ab Ende 2027 nutzbar sein, mit rund 11.700 Quadratmetern Gewerbefläche.

Liberty-Park

Die Skateanlage machte den Park bekannt. Im Juli 2021 stand sie noch hier. Wegen befürchteter Lärmkonflikte mit der neuen Wohnbebauung wurde sie abgebaut und an den Beerenpfuhlgraben verlegt. Der Park wird seit 2024 für 3,4 Millionen Euro umgestaltet, bis 2027. Seit November 2025 gibt es dort einen Pumptrack.

Helle Mitte und Alice Salomon Hochschule

Die Helle Mitte ist das Zentrum von Hellersdorf, mit Rathaus, Hochschule und Alice-Salomon-Platz. Die Alice Salomon Hochschule zog 1998 gegen den Willen der Hochschule von Schöneberg nach Hellersdorf. Der damalige Bausenator Nagel soll gesagt haben: „Hellersdorf ist nicht Sibirien“. Das Gebäude war schon beim Einzug zu eng, die Mensa wurde vergessen. An der Südfassade stand seit 2011 das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer. Es wurde ab 2016 als sexistisch kritisiert und 2018 durch ein Gedicht von Barbara Köhler ersetzt. Gomringers Text blieb auf einer Tafel am Fuß der Wand.

Der Alice-Salomon-Platz wurde von 2003 bis 2009 in Teilen umgestaltet, mit einer Fontäne und zwei Reihen rot blühender Rosskastanien. Der Wettbewerb für einen neuen Umbau wurde im Juni 2024 entschieden, Baubeginn war ab 2026 geplant, die Finanzierungszusage wurde jedoch zurückgezogen. Seit Anfang 2026 gehört zur Hochschule ein zehngeschossiger Ergänzungsneubau am Kokoschkaplatz.

Am Kurt-Weill-Platz stand bis in die 1990er Jahre eine Poliklinik. Heute zeichnet ein Band aus Metallplatten die Lebensstationen von Kurt Weill nach, von Dessau über Berlin und Paris nach New York. Straßen und Plätze der Umgebung tragen die Namen von Künstler*innen, die in der NS-Zeit emigrierten, darunter Oskar Kokoschka, Fritz Lang und Lyonel Feininger.

Meine Runde

Meine Runde ist 13,5 Kilometer lang, ich war gut zweieinhalb Stunden unterwegs. Sie führt über den Cottbusser Platz zu den Parks und zum U-Bahnhof Hellersdorf, dann nach Osten bis an die Grenze zu Brandenburg bei Hönow. Von dort geht es an der Hönower Weiherkette entlang und durch das Wohngebiet mit den Wandbildern, weiter über Luckenwalder und Eisenacher Straße nach Alt-Hellersdorf zum Gutshof und an der Senftenberger Straße vorbei zur Helle Mitte. Bahnhöfe an der Runde sind U Kaulsdorf-Nord, U Cottbusser Platz, U Hellersdorf, U Louis-Lewin-Straße, U Kienberg (Gärten der Welt) und S Wuhletal.

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Am Wegesrand

Siedlung über der Landesgrenze. Die Großsiedlung wurde im Osten über die Stadtgrenze hinaus gebaut. Der östliche Teil gehörte zu Brandenburg, bis sich die Grenze nach der Wende verschob.

Der fabelhafte Drache. An der Zerbster Straße 69 liegt ein Wasserspiel von Reiner Uhl, 37 Meter lang, der Kopf 3,80 Meter hoch, gebaut aus rund 80 Kubikmetern Spritzbeton.

Ein abgestellter Brunnen. Der Brunnen am Eingang des Boulevards Kastanienallee wurde 1995 gebaut und 1999 außer Betrieb genommen. Das Grundstück gehörte der Deutsche Wohnen.

Balancierende Figuren. Auf einem Hochhausdach in der Eisenacher Straße balancieren Figuren.

Giebelkunst im Grabenviertel. 1993 schrieb die Wohnungsbaugesellschaft einen Wettbewerb für Giebelwände in der Cottbusser und der Senftenberger Straße aus. Von 23 Teilnehmer*innen wurden fünf ausgewählt. Erika Klagge greift an der Senftenberger Straße 17 und 43 Michelangelos „Erschaffung Adams“ auf.

Gut zu wissen

Mit der Bahn: Die U5 hält mehrfach im Ortsteil: U Kaulsdorf-Nord, U Cottbusser Platz, U Hellersdorf, U Louis-Lewin-Straße und U Kienberg (Gärten der Welt). Dazu kommt S Wuhletal (S5 und U5).

Museumswohnung WBS 70: Hellersdorfer Straße 179, eine Dreizimmerwohnung von 1986 im Originalzustand mit DDR-Einrichtung. Sie ist sonntags von 14 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Schau vorher nach, ob das noch gilt.

Mehr auf dieser Seite: Der Hönower Weg führt an der Hönower Weiherkette entlang. Das Wuhletal begrenzt die Siedlung, dort verläuft der Wuhletalweg. Mehr zur Umgebung steht auf den Seiten zu Marzahn, Kaulsdorf und Mahlsdorf.

Von Hellersdorf aus weiter

4 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.

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