Die Stele mit Bronzerelief und Texttafel am Eingang der Flatow-Oberschule.
Vor der Flatow-Oberschule in der Birkenstraße 11 in Berlin-Köpenick steht eine gemauerte, verputzte Stele mit einem Bronzerelief. Sie erinnert an die Cousins Gustav Felix und Alfred Flatow, die 1896 in Athen bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Turnen siegten. Beide wurden als Juden verfolgt und starben im Ghetto Theresienstadt. Der Bildhauer Bernd Finkenwirth schuf das Denkmal, enthüllt wurde es am 14. Oktober 1995.
Relief mit Festungsgrundriss
Die Stele ist 1,70 Meter hoch und 1,10 Meter breit. Oben schließt sie mit einem Gesims ab, unten steht sie auf einem Sockel aus Muschelkalk. In den Putz ist eine gegossene Bronzetafel eingelassen. Sie zeigt die beiden Porträts nebeneinander, daneben Turner an den Geräten. Darum legt sich der Grundriss der Festung Theresienstadt, dessen Umriss an einen Davidstern erinnert. In den Bastionen sind Opfer des Lagers dargestellt.
Auf der kleinen Tafel darunter steht: „Den Siegern der 1. Olympiade der Neuzeit 1896 in Athen Gustav Felix Flatow und Alfred Flatow“. Es folgen die Lebensdaten und der Hinweis, dass beide „wegen ihrer jüdischen Herkunft ausgegrenzt, verfolgt“ und deportiert wurden.

Zwei Turner aus Berlin
Alfred Flatow, 1869 in Danzig geboren, gewann in Athen dreimal Gold und einmal Silber. Er war Turnlehrer und schrieb Bücher über das Turnen. Am 3. Oktober 1942, seinem 73. Geburtstag, wurde er nach Theresienstadt deportiert. Dort starb er am 28. Dezember 1942.
Sein Cousin Gustav Felix, Jahrgang 1875, holte 1896 zwei Mannschaftssiege. Er emigrierte 1933 in die Niederlande, wurde dort Ende 1943 verhaftet und im Februar 1944 deportiert. Ende Januar 1945 starb er in Theresienstadt. Seine Frau und sein Sohn Stefan überlebten.
Aus einem Schulprojekt
Die Idee kam aus einem Projekt der Schule, die seit 1992 den Namen der Flatows trägt. Zur Enthüllung reiste Stefan Flatow aus Rotterdam an, damals 70 Jahre alt.
An derselben Stelle stand vorher die Bronzeplastik „Agitator“ von Senta Baldamus aus dem Jahr 1967. Sie wurde vor den linken Gebäudeflügel versetzt, ihr Muschelkalksockel wurde in die neue Stele eingebaut. Als ich im Juni 2021 dort war, war der Putz fleckig und verwittert.
Steckbrief
Bildhauer*in
Bernd Finkenwirth
Ort
Birkenstraße 11, Köpenick
Eingeweiht
14. Oktober 1995
Zustand
erhalten, Putz verwittert
Nächste Haltestelle
Müggelschlößchenweg (Bus 169, 269), ca. 500 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Köpenick nach Fennpfuhl.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Zur selben Tour gehören das Erbbegräbnis der Familie Rathenau und der Friedhof Baumschulenweg.
