Das Torhaus von 1911, davor „Die Trauernde“ von Fritz Cremer.
Der alte Teil des Friedhofs Baumschulenweg liegt an der Kiefholzstraße 221 in Berlin-Baumschulenweg, am Rand der Königsheide. Angelegt wurde er 1911. Der Weg hinein führt durch ein Torhaus aus demselben Jahr, davor steht die Steinfigur „Die Trauernde“ von Fritz Cremer. Hinter dem Tor läuft eine Allee auf das Krematorium zu, einen Sichtbetonbau von Axel Schultes und Charlotte Frank, der 1999 in Betrieb ging.
Die Trauernde vor dem Tor
Die Figur ist aus Granit und überlebensgroß. Eine barfüßige Frau steht auf einem niedrigen Sockel aus Sandstein, in Gewand und Kopftuch fast ganz verhüllt. Die Hände hält sie vor das Gesicht. Cremer schuf die erste Fassung 1947 und 1948 für das Denkmal der Opfer des Faschismus auf dem Wiener Zentralfriedhof. Die zweite Fassung wurde 1950 in Baumschulenweg aufgestellt. Das Torhaus entwarfen Erich Bientz und Mathias Bardenheuer.
Der Gedenkstein im Ehrenhain
Links vor dem Krematorium liegt ein Ehrenhain. Auf dem Stein steht: „DEN 1195 ERMORDETEN ANTIFASCHISTEN, DEREN ASCHE HIER BESTATTET IST.“ Gemeint sind Häftlinge des KZ Sachsenhausen, deren Asche 1940 und 1941 auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Andere Angaben nennen fast 2.000 Tote.
Auf der Rückseite steht ein Gedicht von Walter Dehmel. Ob der Stein 1949 oder erst 1956 aufgestellt wurde, ist nicht eindeutig belegt. Wer ihn gestaltet hat, ist ebenfalls offen.


Das Krematorium von 1999
Das erste Krematorium an dieser Stelle wurde 1913 eröffnet, ein Kuppelbau von Bientz und Bardenheuer. Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt, danach vereinfacht wieder aufgebaut und 1994 stillgelegt. Den Wettbewerb für den Neubau hatten Schultes und Frank 1992 gewonnen. Gebaut wurde von 1996 bis 1999.
Der Quader misst rund 49 mal 67 Meter und ist 11 Meter hoch. In der Kondolenzhalle stehen 29 schlanke Betonsäulen in unregelmäßigen Abständen, über ihren Köpfen fällt Tageslicht durch runde Öffnungen. Drei Feierhallen schließen an, eine mit 250 und zwei mit je 50 Plätzen.
Steckbrief
Entwurf
Torhaus Bientz und Bardenheuer, Figur Fritz Cremer, Krematorium Schultes und Frank
Ort
Kiefholzstraße 221, Baumschulenweg
Entstanden
Friedhof 1911, Figur 1950, Krematorium 1996 bis 1999
Zustand
Friedhof geöffnet, alter Teil Gartendenkmal
Nächste Haltestelle
S Baumschulenweg (S8, S9, S45, S46, S47), ca. 800 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Köpenick nach Fennpfuhl.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Am selben Tag lagen auch die Flatow-Stele in Köpenick und das Erbbegräbnis Rathenau am Weg.
