Die Grabwand im Hof mit den Namen der Familie und der Bronzetafel für Walther Rathenau.
Auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide, An der Wuhlheide 131 A in Berlin-Oberschöneweide, liegt hinter hohen Mauern aus Muschelkalk das Erbbegräbnis der Familie Rathenau. Der Architekt Alfred Messel entwarf den offenen Grabhof, der Bildhauer Hermann Hahn schuf den plastischen Schmuck. Gebaut wurde 1903 und 1904. In der Gruft liegen der AEG-Gründer Emil Rathenau, seine Frau Mathilde und die Söhne Erich und Walther.
Ein Hof mit Giebelwand
Ein schmales Portal mit schwerem Dreiecksgiebel führt über drei Stufen in den Hof. Neben dem Giebel liegen zwei überlebensgroße Figuren, „Morgen“ und „Abend“. Gegenüber dem Eingang steht eine Wand mit Reliefs, auf der die Namen der Beigesetzten stehen. Eine Bronzetafel nennt Walther Rathenau mit Geburts- und Todestag und seinem Amt als Reichsaußenminister.
Die Denkmaldatenbank führt den Grabhof als frühes Hauptwerk der Moderne. Ausgeführt hat ihn das Kabelwerk Oberspree der AEG.
Der Stifter begrub zuerst den Sohn
Emil Rathenau hatte 1902 das Waldgelände für den Friedhof der Gemeinde gestiftet. Im Januar 1903 starb sein jüngerer Sohn Erich, am 14. Februar 1903 wurde er als Erster in der Gruft beigesetzt. Emil Rathenau folgte 1915.
Walther Rathenau wurde am 24. Juni 1922 von Rechtsextremen ermordet und drei Tage später hier bestattet, Mathilde Rathenau 1926. Der Waldfriedhof ist ein kommunaler Friedhof, kein jüdischer.
Zwei Tafeln und eine Sanierung
Am 24. Juni 1962, dem 40. Todestag, wurde in der DDR eine Gedenktafel enthüllt, die Walther Rathenau als Unterzeichner des Rapallo-Vertrags würdigte. Im September 1992 wurde sie abgenommen, die heutige Tafel ist knapper. Seit 1977 steht die Grabstätte unter Denkmalschutz, seit 1992 ist sie Ehrengrab des Landes Berlin.
Feuchtigkeit und die Wurzeln einer Rotbuche hatten die Mauern beschädigt. Deshalb wurden drei Viertel der Anlage abgetragen, restauriert und wieder aufgebaut, das Gittertor wurde rekonstruiert. Seit 2012 ist die Sanierung abgeschlossen.
Steckbrief
Entwurf
Alfred Messel, Bauplastik Hermann Hahn
Ort
An der Wuhlheide 131 A, Oberschöneweide
Gebaut
1903 bis 1904
Zustand
2012 saniert, Denkmal und Ehrengrab
Nächste Haltestelle
Ostendstraße (Tram 27, 60, 67), ca. 700 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Köpenick nach Fennpfuhl.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Zur AEG in Oberschöneweide gehören auch die Rathenau-Hallen.
