Die Basaltsäule mit der Eisenkette, davor die Bodentafel von 2001.
An der Wismarer Straße in Berlin-Lichterfelde steht neben der Brücke über den Teltowkanal eine vier Meter hohe Säule aus Basalt, um die eine rostige Eisenkette liegt. Die „Säule der Gefangenen“ des Bildhauers Günther Oellers erinnert an ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, das hier von Juni 1942 bis April 1945 bestand. Enthüllt wurde sie am 31. Oktober 2000.
Köpfe ohne Gesichter
Im oberen Teil der Säule sind Bögen in den Stein geritzt und dunkel hinterlegt. Es sind stark vereinfachte Kopfprofile einer dicht gedrängten Gruppe. Gesichter haben sie nicht, weil die Säule an alle Gefangenen erinnern soll, auch an die unbekannten. Die Kette deutet an, dass die Gruppe gefesselt ist.
Vor der Säule liegt seit dem 8. Mai 2001 eine Bronzetafel im Boden. Sie beginnt mit den Worten „KZ-AUSSENLAGER BERLIN-LICHTERFELDE“ und nennt etwa 1.500 Häftlinge.
Das Lager an der Wismarer Straße
Das Lager lag an der Wismarer Straße 26 bis 36. Häftlinge aus dem Stammlager bauten es ab Dezember 1941 auf, weil die Bauleitung der Waffen-SS und Polizei hierher verlegt worden war. Die rund 1.500 Gefangenen kamen aus Deutschland, Polen, Frankreich, den Niederlanden, der Ukraine und weiteren Ländern. Sie mussten für SS-Dienststellen, Ministerien und Firmen bauen, renovieren und Trümmer räumen.
Mindestens 41 von ihnen starben. Der 22-jährige Wilhelm Nowak wurde nach einem Fluchtversuch auf dem Appellplatz erhängt. Am 21. April 1945 löste die SS das Lager auf.

Bezahlt vom Bauherrn der Wohnungen
Die Säule kostete rund 70.000 Mark. Bezahlt hat sie die Wohnbau GmbH Bonn, die das frühere Lagergelände mit Wohnungen bebaute und auch den Künstler aussuchte. Oellers, 1925 in Linz am Rhein geboren, hatte 1972 mit Joseph Beuys und Heinrich Böll die Free International University gegründet.
Die Bodentafel geht auf den Verein Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde zurück. Er lädt jedes Jahr am 8. Mai zu einer Gedenkfeier an die Säule ein.
Steckbrief
Bildhauer*in
Günther Oellers
Ort
Wismarer Straße 26 bis 36, Lichterfelde
Eingeweiht
31. Oktober 2000
Zustand
erhalten, frei zugänglich
Nächste Haltestelle
S Osdorfer Straße (S25, S26), ca. 800 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Lichterfelde nach Friedenau.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
