Zwischen den Namenslisten spiegeln sich die Stände des Wochenmarkts.
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Berlin-Steglitz steht dort, wo Wochenmarkt gehalten wird, eine Wand aus hochpoliertem Stahl, 9 Meter lang und 3,50 Meter hoch. In beide Seiten sind Namen, Geburtsdaten und Adressen von Jüdinnen und Juden geätzt, die aus Berlin deportiert wurden. Die Architekten Wolfgang Göschel und Joachim von Rosenberg haben die Spiegelwand mit dem Historiker Hans-Norbert Burkert entworfen. Eingeweiht wurde sie am 7. Juni 1995.
Namen im Spiegel
Jede Seite besteht aus neun Tafeln. Die Listen stammen aus den erhaltenen Berliner Transportlisten und nennen 1.723 Menschen, rund 230 von ihnen wohnten in Steglitz. Dazwischen stehen Texte und Bilder zum jüdischen Leben in Berlin, darunter ein Foto der Steglitzer Synagoge und ein Zitat von Robert M. W. Kempner. Wenn du davorstehst, siehst du dich selbst und die Marktstände zwischen den Zeilen.
Die Synagoge im Hof
Die Wand ist auf den Hof der Düppelstraße 41 ausgerichtet. Dort ließ der Textilkaufmann Moses Wolfenstein 1897 ein Nebengebäude zur Synagoge umbauen. Sie diente dem Religiösen Verein Jüdischer Glaubensgenossen in Steglitz, der 1878 gegründet worden war. Im Novemberpogrom 1938 wurde sie verwüstet und geplündert, aber nicht angezündet. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, wird privat genutzt und ist vom Platz aus nicht zu sehen.
Zwei Jahre Streit im Bezirk
Der Entwurf gewann 1992 einen Wettbewerb des Bezirks. Im Jahr darauf ließ die Bezirksverordnetenversammlung die Wand um 2 Meter kürzen. Im Frühjahr 1994 stimmte eine Mehrheit aus CDU, FDP und Republikanern dafür, das Vorhaben ganz aufzugeben. Daraufhin zog Bausenator Wolfgang Nagel im Mai 1994 das Verfahren an sich. Am 19. September 1994 wurde der Grundstein gelegt.
Rund zwanzig Jahre nach der Einweihung war die Wand nahezu unbeschädigt.
Steckbrief
Entwurf
Wolfgang Göschel, Joachim von Rosenberg, Hans-Norbert Burkert
Ort
Hermann-Ehlers-Platz, Steglitz
Eingeweiht
7. Juni 1995
Zustand
erhalten, frei zugänglich
Nächste Haltestelle
S+U Rathaus Steglitz (S1, U9), ca. 100 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Lichterfelde nach Friedenau.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
