Gelber Klinker, rote Buchstaben: der Giebel an der Ecke zur Edisonstraße.
An der Ecke Wilhelminenhofstraße und Edisonstraße in Berlin-Oberschöneweide, an der Treskowbrücke, steht ein Hallengiebel aus gelbem Klinker mit drei roten Buchstaben: AEG. Er gehört zur früheren Transformatorenfabrik des Konzerns, die heute Rathenau-Hallen heißt. Der Hallenkomplex dahinter entstand zwischen 1898 und 1941. Mit dem Kabelwerk Oberspree und dem Peter-Behrens-Bau an derselben Straße ist er nicht zu verwechseln, auch wenn alle drei zur AEG gehörten.
Von Niles zur AEG
Gebaut wurde das Werk ab 1898 für die Deutsche Niles-Werkzeugmaschinen-Fabrik, an der die AEG beteiligt war. Baumeister Paul Tropp bevorzugte gelben Backstein, daher die hellen Fassaden an der Wilhelminenhofstraße. 1920 übernahm die AEG das Werk, ein Jahr später zog die Transformatorenfertigung aus dem Wedding hierher.
Der Giebel mit dem Schriftzug gehört wohl zur Montagehalle von 1915 und 1916, die bis zur Edisonstraße reicht. In der DDR hieß der Betrieb VEB Transformatorenwerk „Karl Liebknecht“, Mitte der 1990er Jahre wurde er geschlossen.
Emil und Walther Rathenau
Emil Rathenau, 1838 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, erwarb 1882 die Rechte an Edisons Patenten für Deutschland. 1883 gründete er die Deutsche Edison-Gesellschaft, die seit 1887 AEG heißt. 1895 kaufte der Konzern Land an der Spree in Oberschöneweide, 1897 nahm das Kabelwerk Oberspree den Betrieb auf.
Sein Sohn Walther kam 1899 in den Vorstand und war ab 1912 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Als Reichsaußenminister wurde er am 24. Juni 1922 von Rechtsradikalen erschossen. Die Familie liegt auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide begraben.
Zustand heute
Nach der Schließung dienten die Hallen für Modeschauen und Filmaufnahmen, Künstler*innen zogen in Ateliers. 2019 kaufte das Unternehmen BaseCamp das Areal und kündigte an, die denkmalgeschützten Hallen zu sanieren. Der Giebel ist von der Straße aus frei zu sehen, das Gelände dahinter ist privat. Führungen bietet der Industriesalon Schöneweide an.
Steckbrief
Entwurf
Paul Tropp und andere (Gesamtanlage)
Ort
Wilhelminenhofstraße 83 bis 85 / Edisonstraße 1, Oberschöneweide
Gebaut
1898 bis 1941
Zustand
Giebel mit Schriftzug erhalten
Nächste Haltestelle
Wilhelminenhofstraße/Edisonstraße (Tram 27, 60, 67), ca. 150 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Köpenick nach Fennpfuhl.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Das Grab der Familie hat einen eigenen Beitrag: das Erbbegräbnis Rathenau auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide.
