Unterwegs zu Fuß

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Zigarettenfabrik Garbáty in Pankow und das Denkzeichen

Fassade aus weiß glasierten Ziegeln mit Erkern und den Schriftfeldern Cigaretten-Fabrik J. Garbáty

Schriftfelder an der Fassade aus weiß glasierten Ziegeln.

Zwischen Berliner Straße und Hadlichstraße in Berlin-Pankow, nahe dem Bahnhof, steht die frühere Zigarettenfabrik Garbáty. Josef Garbáty-Rosenthal zog mit seiner Firma 1906 hierher, als Pankow noch nicht zu Berlin gehörte. An einer Fassade aus weiß glasierten Ziegeln steht bis heute „Cigaretten-Fabrik J. Garbáty“. 1938 wurde das Unternehmen der jüdischen Familie „arisiert“. Heute sind in den Gebäuden Wohnungen, und am Bahnhof erinnert ein Stahltor mit dem Namen an den Gründer.

Die Fabrik und ihr Gründer

Die Anlage steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Die ersten Bauten an der Hadlichstraße entstanden ab 1905 nach Plänen von Paul Ueberholz, 1913 kam der Trakt zur Berliner Straße dazu, 1930 eine Erweiterung, an der Fritz Höger beteiligt war.

Garbáty hatte die Firma 1881 gegründet. Ihre Marken hießen Königin von Saba, Garbáty Kalif und Kurmark. Zeitweise arbeiteten hier rund 1.600 Menschen. Für sie gab es eine Kantine, eine Bibliothek und einen Sportclub, und 1918 schloss Garbáty für die Belegschaft eine Arbeitslosenversicherung ab.

1938 und danach

1929 übernahmen die beiden Söhne die Firma. 1938 mussten sie verkaufen, die Familie verlor ihren Besitz, die Söhne emigrierten in die USA. Josef Garbáty blieb in Pankow und starb dort am 29. Juni 1939. Sein Grab liegt auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee.

In der DDR lief die Produktion als volkseigener Betrieb weiter. Nach 1990 lief sie aus, 1995 war endgültig Schluss. Die Fabrik stand leer, bis sie ab 2010 zu Eigentumswohnungen umgebaut wurde.

Das Denkzeichen am Bahnhof

Auf dem Garbátyplatz vor dem S- und U-Bahnhof Pankow steht seit dem 29. Juni 2002 das Garbáty-Denkzeichen der Bildhauerin Susanne Ahner. Vier Stützen tragen einen Balken mit den Buchstaben GARBÁTY, 5,50 Meter hoch und 12 Meter breit. Vorbild war der Schriftzug, der früher auf dem Dach der Fabrik stand. Bezahlt wurde das Denkzeichen aus privaten Spenden, zur Einweihung kam Garbátys Enkel Thomas aus den USA.

Im Gehweg darunter liegt seit 2003 eine Eisenplatte mit dem Satz: „»Eigentum verpflichtet« war ihm nicht Wort sondern Tat.“ Sie ist rostig und schwer zu lesen.

Architekt*in

Paul Ueberholz, Fritz Höger (Fabrik); Susanne Ahner (Denkzeichen)

Ort

Berliner Straße 123 / Hadlichstraße, Pankow

Gebaut

1906 und 1913, erweitert 1930; Denkzeichen 2002

Zustand

Fabrik saniert, Wohnungen; Denkzeichen frei zugänglich

Nächste Haltestelle

S+U Pankow (S2, S8, S85, U2), ca. 300 m

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Pankow nach Mitte.

HS+U Pankow
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Das H markiert die nächste Haltestelle.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ein weiteres Unternehmen einer jüdischen Familie auf diesen Touren: das Kaufhaus Jandorf an der Brunnenstraße.