Das Kollegienhaus im Juni 2021 mit den Bannern der Ausstellung „Redemption Now“.
Das Jüdische Museum Berlin steht an der Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg und besteht aus drei sehr verschiedenen Bauten. Der Eingang liegt im barocken Kollegienhaus von 1735. Daneben steht der Erweiterungsbau von Daniel Libeskind mit seiner Fassade aus grauem Titanzink, gegenüber die W. Michael Blumenthal Akademie in einer früheren Blumengroßmarkthalle. Als ich im Juni 2021 dort war, hingen am Altbau zwei pinke Banner der Ausstellung „Redemption Now“ von Yael Bartana.
Das Kollegienhaus
Philipp Gerlach entwarf das Haus 1733, gebaut wurde es 1734 und 1735 unter Friedrich Wilhelm I. Es war Berlins erstes eigenständiges Verwaltungsgebäude, hier saßen unter anderem das Kammergericht und die Konsistorien. Über dem Portal sitzt ein Dreiecksgiebel mit dem preußischen Wappen, darauf stehen die Figuren der Justitia und der Prudentia. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus fast völlig zerstört und in den 1960er Jahren für das Berlin Museum wieder aufgebaut, innen weitgehend neu, außen in alter Gestalt.
Der Libeskind-Bau
1989 gewann Daniel Libeskind den Wettbewerb für die Erweiterung, 1992 wurde der Grundstein gelegt, im Januar 1999 der Schlüssel übergeben. Der Bau zieht sich im Zickzack über das Grundstück. Die Fenster sind schräge Schlitze und Bänder, die sich kreuzen, Geschosse sind von außen nicht abzulesen. Ihr Muster ist aus einem Netz von Adressen Berliner Persönlichkeiten abgeleitet. Einen eigenen Eingang hat der Neubau nicht, der Weg führt unterirdisch vom Altbau herüber.
Fast 350.000 Menschen besichtigten das leere Gebäude, bevor die Ausstellung einzog. Eröffnet wurde das Museum am 9. September 2001, für das Publikum am 13. September.

Holzkuben in der Blumenhalle
Die Halle gegenüber baute Bruno Grimmek von 1962 bis 1965 für den Blumengroßmarkt. Libeskind setzte drei schräg gestellte, mit Holz verkleidete Kuben hinein. Einer durchbricht als Eingang die Stirnseite, die beiden anderen stehen unter den Sheddächern und enthalten Vortragssaal und Bibliothek. Die Kuben sollen an Transportkisten erinnern, in denen Nachlässe aus aller Welt ins Museum kommen.
Eröffnet wurde die Akademie im November 2012, ihren heutigen Namen trägt sie seit Januar 2016. Im Juni 2021 kam die Kinderwelt ANOHA dazu.

Steckbrief
Architekt*in
Philipp Gerlach (Altbau), Daniel Libeskind (Neubau und Akademie)
Ort
Lindenstraße 9 bis 14, Kreuzberg
Gebaut
1734 bis 1735, Neubau 1992 bis 1999, Akademie 2012
Zustand
in Nutzung, von außen frei zu sehen
Nächste Haltestelle
U Hallesches Tor (U1, U3, U6), ca. 450 m
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch das jüdische Berlin vorbeigekommen: Von Charlottenburg nach Neukölln.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
