Unterwegs zu Fuß

Trudelturm und Windkanal: der Aerodynamische Park in Adlershof

Eiförmiger Trudelturm aus Beton von 1934 bis 1936 im Aerodynamischen Park in Berlin-Adlershof

Der Trudelturm, gebaut 1934 bis 1936.

Zwischen den Instituten und Laborbauten des Wissenschaftsstandorts Adlershof steht ein großes Ei aus Beton. Es ist der Trudelturm der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, kurz DVL. Mit dem Großen Windkanal und dem Motorenprüfstand bildet er den Aerodynamischen Park, der als Ganzes unter Denkmalschutz steht.

Forschung am Flugfeld

Die DVL wurde am 20. April 1912 gegründet. Ihren Sitz nahm sie in Adlershof, nah am Flugplatz Johannisthal, mit Bahnanschluss und nicht weit von der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Aus dieser Zeit stammen die Laborgebäude von 1912 bis 1914 an der Rudower Chaussee, heute das Forum Adlershof. Von 1932 bis 1936 entstanden die großen Versuchsanlagen, entworfen von Hermann Brenner mit dem Bauingenieur Werner Deutschmann.

Trudelturm, Windkanal, Motorenprüfstand

Der Trudelturm ist rund 20 Meter hoch und war ein Windkanal mit senkrechtem Luftstrom. In ihm wurde das Trudeln untersucht, ein gefährlicher Flugzustand, bei dem ein Flugzeug sich im Sturz um sich selbst dreht. Er war damals die einzige Anlage dieser Art und Größe auf der Welt.

Gleich daneben liegt der Große Windkanal von 1932 bis 1934, eine 120 Meter lange Röhre aus Stahlbeton mit 12 Metern Durchmesser. Er galt als einer der modernsten Windkanäle seiner Zeit und lief laut einem Laborbericht noch am 20. April 1945. Seit 2002 gehört er der Humboldt-Universität, innen ist er voller Graffiti und dient als Kulisse für Opern und Filme. Im Motorenprüfstand mit seinen zwei 15 Meter hohen Betontürmen wurden Flugmotoren schallgedämpft getestet, heute ist darin ein Zentrum für Studierende.

Filmkulisse und Klangkunst

Der Trudelturm taucht als Filmkulisse auf, in „Æon Flux“ und in „Die Tribute von Panem“. Auf der Wiese stehen 15 rote Ellipsoide, die Klanginstallation „AIR BORNE“ von Nils-R. Schultze. Aus ihren Lautsprechern spielt ein Zufallsgenerator Motorengeräusche von Doppeldeckern, Mitschnitte aus dem Cockpit und Augenzeugenberichte, ausgewählt aus über tausend Tondokumenten des Deutschen Rundfunkarchivs.

Die Denkmaldatenbank zählt die Anlage zum Ortsteil Johannisthal, der Wissenschaftsstandort, zu dem sie gehört, heißt Adlershof.

Architekt*in

Hermann Brenner, Bauingenieur Werner Deutschmann

Ort

Aerodynamischer Park, Zum Trudelturm, Wissenschaftsstandort Adlershof

Gebaut

1932 bis 1936, Trudelturm 1934 bis 1936

Zustand

Baudenkmal, genutzt von der Humboldt-Universität

Zugang

Park frei zugänglich, die Bauten nur von außen

Nächste Haltestelle

Magnusstraße (ca. 210 m), Karl-Ziegler-Straße (ca. 220 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Adlershof vorbeigekommen: Adlershof.

HMagnusstraßeHKarl-Ziegler-Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte in Treptow-Köpenick: der Peter-Behrens-Bau und die Gartenstadt Falkenberg. Alle 15 Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Treptow-Köpenick.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich