Die Gartenstadt Staaken, gebaut ab 1914.
Die Gartenstadt liegt im Spandauer Ortsteil Staaken. Sie ist eine Genossenschaftssiedlung aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und als Gesamtanlage ein Baudenkmal. Typisch sind die roten Klinkerhäuser, die kleinen Gärten und der Platz in der Mitte, der Heidebergplan.
Wie die Siedlung entstand
1913 kaufte der Staat ein Grundstück von 35 Hektar bei Staaken und gab es in Erbbau an eine neu gegründete Genossenschaft. Die Genossenschaft Gartenstadt Staaken-Spandau wurde am 27. Juni 1913 auf Initiative des Innenministeriums gegründet, sie sollte Wohnraum für Beschäftigte der Königlichen Werkstätten in Spandau schaffen. Den Entwurf lieferte Paul Schmitthenner, der damals 29 Jahre alt war und im Ministerium angestellt war.
Der Bau begann im Mai 1914. Am 1. Dezember 1914 zog der erste Mieter ein, die Genossenschaft zählt von diesem Tag an ihr Jubiläum. Gebaut wurde auch im Krieg weiter, bis 1917 entstanden in drei unterscheidbaren Bauphasen rund 800 Wohnungen. Das Bezirksamt nennt 793 Wohneinheiten, die Genossenschaft spricht von 804 Wohnungen. Geplant waren 1.000 Wohnungen und öffentliche Gebäude für 5.000 Einwohner.
Eine zweite Bauzeit folgte nach dem Krieg. Die Denkmaldatenbank nennt für die Gesamtanlage die Jahre 1914 bis 1917 und 1926 bis 1929 und als Architekten Paul Schmitthenner und Karl Derleder. Die evangelische Kirche wurde bereits am 19. November 1922 eingeweiht.
Straßen, Häuser und Gärten
Schmitthenner orientierte sich an der alten deutschen Kleinstadt. Es gibt einen zentralen Marktplatz, einen Kirchplatz und schmale, gebogene Gassen. Die Häuser haben Freitreppen, Fensterläden und Dachgauben. Hinter den altertümlichen Fassaden steckt eine sparsame Bauweise: Die Siedlung beruht auf nur fünf Haustypen, und alle Fensterformen gehen auf dasselbe Scheibenmaß zurück.
Das Zentrum bildet der Heidebergplan. Dort steht eine Ladenzeile, deren ursprüngliche Architekturornamente teilweise erhalten sind. Ein Wohn- und Geschäftshaus von 1968 schloss an dieser Stelle die letzte Baulücke der Siedlung.

Zu jeder Wohnung gehört ein Garten von bis zu 150 Quadratmetern. Die Wohnungen haben ein bis drei Zimmer und sind 34 bis 69 Quadratmeter groß. Die Grünanlagen entwarf der Gartenarchitekt Ludwig Lesser. Die öffentlichen und gemeinschaftlichen Grünflächen sind ein eigenes Gartendenkmal, die Denkmaldatenbank datiert sie auf 1914 bis 1917 mit einem Umbau von 1926 bis 1929. Sie umfassen unter anderem den Heidebergplan, den Kirchplatz und den Torweg.

Zur Siedlung gehört auch die kleine Kirche am Kirchplatz. Sie ist ein Klinkerbau mit hölzernem Dachreiter und hat den Charakter einer Kapelle. Geplant war eine größere Kirche mit weitem Blick ins Havelland, Krieg und fehlendes Geld verhinderten sie.

Grenze und Denkmal
Die Teilung Staakens traf auch die Gartenstadt. Seit dem 1. Februar 1951 stand der westliche Teil des Ortsteils unter Ost-Berliner Verwaltung, die Sektorengrenze lief mitten durch den Finkenkruger Weg. Am 13. August 1961 wurde dort die Mauer gebaut. Am 27. Mai 1990 öffnete der Grenzübergang am Torweg. Im Zweiten Weltkrieg waren 18 Häuser zerstört worden, der Wiederaufbau am Torweg und am Eschenwinkel folgte in den 1950er Jahren.
Seit 1986 steht die Gartenstadt als Baudenkmal im Denkmalbuch. Eigentümerin der Häuser ist bis heute die Genossenschaft.
Steckbrief
Architekt*in
Paul Schmitthenner, Karl Derleder
Gartenarchitekt*in
Ludwig Lesser
Bauherr
Gartenstadt Staaken-Spandau e.G.m.b.H.
Ort
Heidebergplan, Staaken
Gebaut
1914 bis 1917 und 1926 bis 1929
Zustand
Gesamtanlage in der Denkmalliste, seit 1986 im Denkmalbuch
Nächste Haltestelle
Heidebergplan (ca. 20 m), Am Kurzen Weg (ca. 145 m), Gartenstadt Staaken (ca. 205 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch Staaken vorbeigekommen: Staaken.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Im selben Ortsteil gibt es das Wandbild Face Time an der Obstallee, ein ganz anderes Staaken aus der Zeit der Großsiedlungen. Alle Ortsteile von Spandau stehen auf der Seite Spandau.
