Der Landhausgarten Dr. Max Fraenkel, angelegt 1925 bis 1930.
Der Landhausgarten Dr. Max Fraenkel liegt am südlichen Ortsrand von Kladow, direkt an der Havel. Der Berliner Stadtgartendirektor Erwin Barth hat ihn für den Bankier Max Fraenkel gestaltet. Heute steht der Garten unter Denkmalschutz und ist wieder für alle offen.
Geschichte
Das Gelände am Schwemmhorn war vorher eine Ziegelei. Der Vorbesitzer Otto Lüdicke ließ dort ein bescheidenes Sommerhaus mit einem terrassierten Garten bauen. Anfang der 1920er Jahre kaufte der Bankdirektor Max Fraenkel das Grundstück. Zuerst wandte er sich an seinen Nachbarn, den Architekten Albert Geßner. Der legte ihm einen repräsentativen Eingangsbereich mit Garagenhaus an. Später beauftragte er Erwin Barth, Hochschullehrer und Stadtgartendirektor von Berlin, mit dem Umbau und der Erweiterung des Gartens. Die Denkmaldatenbank datiert die Anlage auf 1925 bis 1930.
Max Fraenkel war jüdischer Bankier und floh 1933 nach Paris. Im selben Jahr starb Erwin Barth, damit endete die Entwicklung des Gartens. Das Anwesen ging in staatlichen Besitz über und kam nach 1945 an das Land Berlin. Auf dem Gelände entstanden eine Zollgrenzkontrollstelle, Pachtflächen für einen Angelsportverein und Wochenendhäuser. Die Anlage verfiel. Die Teichbecken lagen unter organischem Material, und von Treppen, Mauern und Wegen blieben nur Reste.
1992 begann die Wiederherstellung mit dem Gartenhaus, dessen Dachstuhl erneuert wurde. Ab 1999 folgten Mauern, Treppen und Wege, dazu umfangreiche Nachpflanzungen. Seit Ostern 2016 ist der Garten wieder geöffnet.
Der Garten
Das Gelände fällt steil zur Havel ab. Barth nutzte das Gefälle und legte Terrassen mit unterschiedlichen Gartenbereichen an. Die Mauern und Treppen bestehen aus Rüdersdorfer Kalkstein und Rotem Wesersandstein. Vom ehemaligen Wohnhaus führt die Blütenachse zwischen niedrigen Gartenmauern geradlinig auf das Gartenhaus zu. Auf den Beeten wachsen wieder Stauden aus der Zeit Barths. Dazu gehörten eine Rosenterrasse und ein Obst- und Gemüsegarten.

Das Gartenhaus steht am Ende der Achse neben dem Spiegelbecken. In dem später dazugekauften nördlichen Grundstücksteil ließ Barth den Kiefern-Eichen-Bestand stehen und setzte vier Teiche in unterschiedlicher Höhe hinein, verbunden durch schmale Bachläufe. Im untersten, größten Teich spiegelt sich das Gartenhaus. Das Wasser wurde ursprünglich aus der Havel hochgepumpt, heute speist ein Tiefbrunnen die Anlage.
Zum Wirtschaftsbereich gehörte ein Pferdestall, den der Architekt Crzellitzer 1932 baute. Fraenkel war passionierter Reiter. Auf dem Stall setzte Barth ein Gewächshaus, das nicht erhalten ist. Das reetgedeckte Geflügelhaus auf der höchsten Stelle des Gartens entwarf Barth 1930, es brannte in den 1970er Jahren bis auf die Grundmauern ab.
Heute
Der Garten gehört als Gartendenkmal zum Ensemble mit Geßners Landhaus „Guckegönne“ und der Villa Mendelsohn, die ebenfalls am Schwemmhorn stehen. Die Berliner Denkmaldatenbank führt ihn als Landhausgarten mit Barth als Entwerfer. Im ehemaligen Pferdestall zeigt das Besucherzentrum eine Ausstellung mit historischen Fotos und Plänen von Barth. Das Sommercafé sitzt in der früheren Garage. Im Garten erklären Infotafeln die einzelnen Gartenpartien, Führungen gibt es nach Absprache.
Der Berliner Mauerweg und der Havel-Wanderweg von Alt-Kladow nach Sacrow führen fast am Gartentor vorbei. Vom Fähranleger in Kladow sind es 15 bis 20 Minuten zu Fuß.
Steckbrief
Gartenarchitekt
Erwin Barth
Bauherr
Max Fraenkel, Bankier
Ort
Lüdickeweg 1, Kladow
Gebaut
1925 bis 1930
Zustand
Gartendenkmal, wiederhergestellt, seit Ostern 2016 öffentlich zugänglich
Zugang
Garten von April bis Oktober: Montag bis Donnerstag 7.30 bis 14 Uhr, Freitag 7.30 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und feiertags 10 bis 18 Uhr. Besucherzentrum und Café: Freitag bis Sonntag und feiertags 10 bis 18 Uhr.
Nächste Haltestelle
Hottengrund (Bus 134, X34, ca. 400 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Tour durch Kladow vorbeigekommen: Kladow.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
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