Unterwegs zu Fuß

Zitadelle Spandau: Renaissancefestung in Haselhorst

Wassergraben vor der Backsteinmauer der Zitadelle Spandau in Haselhorst

Die Zitadelle Spandau, gebaut ab 1559.

Die Zitadelle Spandau gehört amtlich zum Ortsteil Haselhorst, auch wenn Spandau in ihrem Namen steckt. Sie ist eine Festung des 16. Jahrhunderts und steht auf einer hochwassersicheren Insel, auf der schon vorher eine slawische Siedlung und eine Burg lagen. Der Juliusturm im Inneren ist älter als die ganze Festung.

Von der Burg zur Festung

Der Juliusturm entstand zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Er ist rund 30 Meter hoch, seine Mauern sind bis zu 3,60 Meter dick. Den Zinnenkranz bekam er 1838 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel. Auch der Palas gehört zur älteren Burg: Er stammt aus dem 14. Jahrhundert und erhielt 1523 eine Renaissancefassade.

1557 beschloss Kurfürst Joachim II., die Burg zur Festung umzubauen. Die Pläne stammen von den Italienern Francesco Chiaramella de Gandino und Rochus Graf zu Lynar, mit dem Bau begann 1559 die Bastion König. Die Bastionen König und Königin ließ Joachim II. errichten, Kronprinz und Brandenburg folgten zwischen 1578 und 1583 unter Kurfürst Johann Georg. Die letzten Arbeiten zogen sich bis 1594 hin.

Gebaut wurde nach dem in Italien entwickelten Bastionärsystem. Die Bastionen lösten die bis dahin üblichen runden Basteien ab, weil sie keinen toten Winkel haben.

Anlage und Bauten

Vor den Mauern liegt das Glacis, ein bewusst unbebautes Vorfeld, damit Angreifer keine Deckung fanden. Zur Anlage gehören außerdem das Torhaus von etwa 1563 und das Ravelin „Schweinekopf“, ein vorgelagertes Festungswerk, das um 1704 fertig wurde. Ein Wassergraben umgibt die Festung.

1813 wurde die Zitadelle im Krieg gegen Napoleon belagert und schwer beschädigt. Bei der Rückeroberung durch die Preußen explodierte das Pulvermagazin und richtete schwere Schäden an. Die Wiederherstellung dauerte von 1821 bis 1842, weil das Geld knapp war. Das Torhaus war beschossen worden und wurde 1839 klassizistisch umgestaltet.

Im 19. Jahrhundert kamen Militärbauten dazu, etwa das Neue Zeughaus von 1856 bis 1857 nach einem Entwurf von Carl Ferdinand Busse und der Nordbau von 1860 bis 1861. Nach 1871 lagerten Teile des Reichskriegsschatzes, der aus einer französischen Reparationszahlung stammte, im Juliusturm, bis 1919. In der Zeit des Nationalsozialismus richtete die Wehrmacht in der Zitadelle Gasschutzlaboratorien ein. Die militärische Nutzung endete 1945.

Beim Restaurieren fanden Archäolog*innen in den Fundamenten von Palas und Ringmauer mittelalterliche jüdische Grabsteine. Sie waren beim Bau der Mauern wiederverwendet worden. Heute werden sie im Archäologischen Fenster gezeigt, neben den freigelegten Resten des slawischen Walls und der späteren Burgmauer.

Die Zitadelle heute

Die Anlage wird ausschließlich kulturell genutzt. Im ehemaligen Zeughaus sitzt das Stadtgeschichtliche Museum Spandau, im Proviantmagazin zeigt die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ Denkmäler aus der Stadt. Der Palas dient als Konzertsaal und Veranstaltungsraum, in der Bastion Kronprinz sind Ausstellungsräume und die Jugendkunstschule untergebracht.

In den Gewölben überwintern jedes Jahr rund 10.000 Fledermäuse. Ein Schauraum ermöglicht es, sie zu beobachten. Die Zitadelle ist als Gesamtanlage mit Juliusturm, Palas, Torbau, Bastionen und weiteren Bauten in der Denkmaldatenbank verzeichnet.

Architekt*in

Francesco Chiaramella de Gandino und Rochus Graf zu Lynar (Festungsbau)

Bauherr

Kurfürst Joachim II. und Kurfürst Johann Georg von Brandenburg

Ort

Am Juliusturm 64, Haselhorst

Gebaut

Juliusturm im 13. Jahrhundert, Festung 1559 bis 1583, letzte Arbeiten bis 1594

Zustand

Denkmalgeschützte Gesamtanlage, heute Museum, Veranstaltungs- und Kulturort

Zugang

Freitag bis Mittwoch 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 13 bis 20 Uhr, Eintritt 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

Nächste Haltestelle

Zitadelle Spandau (ca. 170 m), Zitadelle (U7, ca. 410 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch Haselhorst vorbeigekommen: Haselhorst.

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Ein weiterer Besonderer Ort in Spandau, der mit der Industriegeschichte des Bezirks zu tun hat, ist das Wernerwerk mit Hochhaus und Uhrturm im Nachbarortsteil Siemensstadt. Alle Ortsteile von Spandau stehen auf der Seite Spandau.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich