Unterwegs zu Fuß

Wernerwerk: Hochhaus und Uhrturm der Siemens-Bauten

Roter Backsteinturm mit Uhr über den Fabrikbauten des Wernerwerks in Siemensstadt

Der Uhrturm am Wernerwerk II, 1918 mit dem ersten Bauabschnitt fertiggestellt.

In Siemensstadt tragen zwei Bauten den Namen Wernerwerk: der Turm mit der großen Uhr am Wernerwerk II und das Wernerwerk-Hochhaus am Siemensdamm. Der Name geht auf Werner von Siemens zurück, in den 1920er Jahren nummerierte der Konzern seine Gebäude als Wernerwerke. Beide Bauten stehen unter Denkmalschutz, es sind aber zwei verschiedene Gebäude mit eigener Adresse. Der Turm steht weiter westlich auf dem Werksgelände, das Hochhaus liegt etwas östlich davon am Siemensdamm.

Der Uhrturm am Wernerwerk II

Das Wernerwerk II an der Adresse Wernerwerkdamm 5 und Wohlrabedamm 32 wurde ab 1914 gebaut und bis 1929 in mehreren Abschnitten erweitert. Die Denkmaldatenbank nennt Karl Janisch als Verfasser des Entwurfs, Hans Hertlein führte ihn aus. Bauherr war Siemens-Schuckert. Der Turm gehörte zum ersten Bauabschnitt und war 1918 fertig, danach dauerte es noch einige Jahre bis zur Inbetriebnahme des Werks.

Der Turm ist rund 70 Meter hoch und hat einen praktischen Grund. Er verbirgt einen Schornstein des Heizkraftwerks und nimmt einen Wasserbehälter auf. Die Uhr am Turm ist beleuchtet. Das Berliner Zentrum Industriekultur nennt ihn ein Wahrzeichen der Siemensstadt.

Das Wernerwerk-Hochhaus

Das Wernerwerk-Hochhaus am Siemensdamm 50 ist ein Bau von Hans Hertlein. Die Denkmaldatenbank gibt 1929 bis 1930 als Bauzeit an, der VDE und das Berliner Zentrum Industriekultur nennen 1928 bis 1930. Bauherr war Siemens & Halske, als Ingenieur ist Gerhard Mensch genannt. Anlass war die Raumnot in den Wernerwerken I und II. Das Hochhaus ist ein Stahlskelettbau mit Backsteinausmauerung, die Fassade ist glatt und hat weiß gestrichene Stahlsprossenfenster mit braunen Terrakotta-Umrahmungen.

Bei der Fertigstellung 1930 hatte das Haus 42.000 Quadratmeter Nutzfläche, geplant waren 70.000. Im Haus saßen zunächst die Zentralbüros für Vertrieb, Konstruktion und Verwaltung. Im Tiefkeller lagen Heizzentrale, Lüftungszentrale, Rohrpostzentrale und ein Aktenlager, im Erdgeschoss ein Kasino, im zehnten Stock die Direktion, im elften ein Vortragssaal für bis zu 250 Personen. Die Bildhauer Joseph Wackerle, Douglas Hill und Max Esser sind in der Denkmaldatenbank genannt, zum Denkmal gehören außerdem eine Brunnenanlage und eine Pergola.

1936 bis 1937 wurde der Südtrakt achtgeschossig nach Osten verlängert, dazu kam ein abgewinkelter fünfgeschossiger Flügel. Im Zweiten Weltkrieg trafen den Bau mehrere Bomben. Die Wiederherstellung dauerte fast 30 Jahre und endete 1972 mit der Einweihung des Vortragssaals. In den 1980er Jahren folgte eine Sanierung wegen Rissen und Korrosion. Das benachbarte Wernerwerk I wurde 1982 abgerissen. Der Standort liegt am Bahnhof Wernerwerk der Siemensbahn.

Heute

Die Verwaltungsfunktion ging nach dem Zweiten Weltkrieg verloren, heute sitzen im Hochhaus mehrere Unternehmen. Im zehnten Stock gibt es das Panorama Congress Center mit Blick über die Siemensstadt. Das Wernerwerk II gehört heute zum Thelen Technopark, in dem sich über 30 Unternehmen angesiedelt haben.

Architekt*in

Hochhaus: Hans Hertlein. Uhrturm (Wernerwerk II): Karl Janisch, ausgeführt von Hans Hertlein

Ort

Siemensdamm 50 (Hochhaus), Wernerwerkdamm 5 und Wohlrabedamm 32 (Uhrturm), Siemensstadt

Gebaut

Uhrturm ab 1914, Turm 1918 fertig; Hochhaus 1929 bis 1930

Zustand

Baudenkmal, von Unternehmen genutzt

Nächste Haltestelle

Siemensdamm (U7, ca. 180 m), Wohlrabedamm/Siemensdamm (ca. 215 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Tour durch Siemensstadt vorbeigekommen: Siemensstadt.

HSiemensdammHWohlrabedamm/Siemensdamm
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Ebenfalls in Siemensstadt steht der Genoveva-Brunnen im Hof der Siedlung Siemensstadt, in Haselhorst liegt die Zitadelle Spandau. Alle Ortsteile von Spandau stehen auf der Seite Spandau.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich