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Kladow
Ortsteil im Bezirk Spandau · Ortsteil 62 von 97
Kladow liegt am südlichen Ende Spandaus, auf der einen Seite die Havel, auf der anderen Brandenburg. Ich bin den Ortsteil am 18. Juni 2023 auf einer Tour von 18,3 Kilometern gelaufen. Sie führt von Alt-Kladow am Havelufer zum Landhausgarten, über den Mauerweg zum Groß Glienicker See und am früheren Flugplatz Gatow vorbei zum Gutspark Neukladow.

Kurz gesagt
- Kladow ist der südlichste Ortsteil Spandaus: Dorfkern, Villen am Havelufer und eine Fähre nach Wannsee.
- Die Tour verbindet zwei Gärten, den Landhausgarten Dr. Max Fraenkel und den Gutspark Neukladow, mit dem Gelände des Flugplatzes Gatow samt Museum.
- Am Groß Glienicker See steht ein Stück Mauer von 1961. Ein Teil der Strecke liegt in Brandenburg und in Gatow.
- Die Gehzeit betrug rund viereinhalb Stunden. Ein Bahnhof liegt nicht an der Tour, du kommst mit der Fähre F10 ab S Wannsee.
Was Kladow ausmacht
Kladow ist der südlichste Ortsteil des Bezirks Spandau. Im Norden grenzt Gatow an, im Osten und Südosten die Havel, im Westen und Südwesten Brandenburg. Der Dorfkern Alt-Kladow ist noch gut zu erkennen, zur Havel hin entstanden Villen und Parkanlagen.
Von Alt-Kladow fährt die Fähre F10 in durchschnittlich 20 Minuten nach S Wannsee.
Geschichte
Alt-Kladow war ein Dorf. Die Dorfkirche entstand in ihrer heutigen Form 1818 bis 1819 und wurde 1953 umgebaut, die alte Dorfschule mit Küsterei stammt von 1876. Nördlich des Dorfes lag das Gut Neu-Kladow. Der Pächter und spätere Besitzer Anastasius Ludwig Mencken ließ dort um 1800 das Herrenhaus bauen. Robert Guthmann kaufte das Gut 1887. Seine Pläne, den Park aufzuteilen und Landhausvillen zu verkaufen, scheiterten unter anderem an der schlechten Verkehrsanbindung. 1920 kamen Kladow und Gatow mit anderen früheren Landgemeinden zum neuen Bezirk Spandau von Groß-Berlin.
Am Havelufer entstanden Villen und Landhäuser. Die denkmalgeschützte Villa Oeding stammt von 1893 bis 1894, das Landhaus Sandmann von 1927 und das Haus Harte von 1938.
1935 bis 1936 ließ das Reichsluftfahrtministerium am Kladower Damm einen Fliegerhorst mit Kriegsschule der Luftwaffe bauen, entworfen von Richard Binder, Josef Braun und Alfred Gunzenhauser. 1945 besetzte zunächst sowjetische Streitkräfte den Flugplatz, am 2. Juli 1945 übernahm ihn die Royal Air Force. Während der Berlin-Blockade von 1948 bis 1949 kam dem Flugplatz eine herausragende Rolle zu. 1994 zogen die britischen Streitkräfte ab, die Bundeswehr übernahm den Platz, und seit 1995 ist im Tower und in den Hangars das Luftwaffenmuseum untergebracht.
Nach dem Krieg wuchs Kladow weiter. Ende der 1950er Jahre entstand beiderseits des Kladower Damms die Finnenhaussiedlung mit 377 Häusern aus vorgefertigten Holzteilen, die in Finnland hergestellt und dem Land Berlin geschenkt worden waren. Von 1961 bis 1989 stand im Westen die Berliner Mauer, zum Beispiel als Grenzanlage am Groß Glienicker See.
Orte, die sich lohnen
Alt-Kladow: Dorfkirche und Dorfschule
Die Tour beginnt in Alt-Kladow und geht zuerst durch den Dorfkern. Dorfkirche, Kirchhofmauer, Kirchhof und Dorfplatz stehen zusammen unter Denkmalschutz. Die alte Dorfschule in Alt-Kladow 25 wurde 1906 und 1933 umgebaut. Ein Stück weiter liegt der Parnemannscher Hof, ein Bauernhof von 1848 und 1893 mit Wohnhaus, Stall und Scheune.
Das Havelufer und seine Villen
Vom Dorf bin ich nach Süden zur Havel gelaufen und dem Ufer gefolgt. Am Weg stehen mehrere denkmalgeschützte Häuser: das Haus Harte am Parnemannweg, die Villa Oeding am Roten Stein und das Landhaus Sandmann an der Imchenallee.

Das Landhaus Sandmann entwarf der Architekt Kurt Heinrich Tischer. Danach folgt die Tour dem Ufer weiter in Richtung Landhausgarten.

Landhausgarten Dr. Max Fraenkel
Am Ortsausgang in Richtung Sacrow liegt der Landhausgarten Dr. Max Fraenkel, eine knapp drei Hektar große, denkmalgeschützte und öffentlich zugängliche Anlage an der Havel. Der Bankier Max Fraenkel kaufte das Grundstück Anfang der 1920er Jahre. Vorher wurde das Gelände als Ziegelei genutzt. Gestaltet wurde der Garten vom Gartenarchitekten Erwin Barth.

Die Anlage ist terrassiert, die Terrassen bestehen aus unregelmäßig verlegten roten Wesersandsteinplatten, die Begrenzungsmauern aus Rüdersdorfer Kalkstein. Im landschaftlich gestalteten Teil liegen vier Teiche, die Bachläufe verbinden. Das Gartenhaus spiegelt sich im größten von ihnen.
Max Fraenkel war ein jüdischer Bankier und floh 1933 nach Paris. Das Anwesen ging unter den Nationalsozialisten in staatlichen Besitz über und kam nach dem Krieg an das Land Berlin. Nach verschiedenen Nutzungen, unter anderem als Zollstation, waren Gartenhaus und Umgebung 1992 in desolatem Zustand. Die Sanierung begann mit dem Gartenhaus und seinem neuen Dachstuhl, später folgten die Terrassen. Seit Ostern 2016 ist der Garten wieder offen, ein Besucherzentrum gehört seitdem dazu.
Am Landhausgarten führt der Berliner Mauerweg vorbei. Ich bin ihm gefolgt, ein Stück davon auf Brandenburger Gebiet bei Sacrow, und nach knapp zwei Kilometern wieder nach Berlin zurückgekehrt.
Groß Glienicker See und die Mauer
Danach führt die Tour nordwärts zum Groß Glienicker See.

An der Gutsstraße steht ein Stück Mauer der ersten Generation von 1961. Sie besteht aus großen quadratischen Blöcken, die ursprünglich für den Wohnungsbau entwickelt wurden. Darüber liegen zwei Lagen kleinerer Hohlblocksteine und oben Y-förmige Abweiser mit Stacheldraht. Der See lag in der Grenzzone vor den eigentlichen Sperranlagen, weiter südlich verlief die Grenze ungefähr in der Mitte des Wassers. Der Spandauer Teil des früheren Sperrgebiets gehört seit einem kleinen Gebietstausch im Dezember 2013 zu Berlin. Am Seeufer führt die Tour noch einmal kurz über Brandenburger Gebiet.
Flugplatz Gatow und das Museum
Vom See führt der Weg ostwärts zum Gelände des früheren Flugplatzes. Dort hat das Militärhistorische Museum der Bundeswehr einen Standort, die Tour führt am Gelände vorbei. Im Außenbereich stehen zahlreiche Luftfahrzeuge, geordnet in zwölf Themengruppen, darunter Lufttransport, Jagdflugzeuge und Aufklärer. Zu den Maschinen gehört eine Phantom II der Luftwaffe, eine RF-4E mit der Kennung 35+62.

Hinter dem Museum führt die Tour in einem Bogen nach Norden und Osten, ein Stück davon schon in Gatow, und dann wieder nach Süden zum Kladower Damm.
Reichsakademie für Luftfahrt und Havelhöhe
Am Kladower Damm 221 kommt die Tour an der früheren Reichsakademie für Luftfahrt vorbei. Die Gesamtanlage entstand 1934 bis 1936 nach Entwürfen derselben Architekten wie der Fliegerhorst. Heute liegt hier das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe.
Gutspark und Gutshaus Neukladow
Danach folgt der Gutspark Neukladow, nördlich des Dorfkerns an der Havel. 1909 übernahm Johannes Guthmann das Gut von seinem Vater und ließ das Herrenhaus von Paul Schultze-Naumburg umbauen. Den Park gestaltete der Gartenarchitekt Karl Foerster, der einige Steilhänge in Blütenkaskaden verwandelte.
1928 kam das Gut an die Stadt Berlin. Ab 1935 wurde das Gelände militärisch genutzt, nach 1945 diente es der Arbeiterwohlfahrt als Erholungsheim. Seit September 2006 gibt es hier wieder kulturelle Nutzung. Nach der Tour wurde der Park saniert, Anfang 2024 war der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Von hier geht es zurück in den Dorfkern.
Meine Tour
Die Tour ist 18,3 Kilometer lang, die Gehzeit betrug rund viereinhalb Stunden. Ich bin in Alt-Kladow gestartet, am Havelufer nach Süden zum Landhausgarten gelaufen und von dort auf dem Mauerweg ein Stück nach Brandenburg. Über den Groß Glienicker See ging es zum Flugplatz Gatow, durch ein Stück Gatow und von dort zurück nach Alt-Kladow. Ein Bahnhof liegt nicht an der Tour.
Am Wegesrand
Stolpersteine am Sakrower Kirchweg. Vor dem Haus Sakrower Kirchweg 70 a liegen seit dem 26. Oktober 2010 Stolpersteine für Louis und Johanna Schloss. Die Tour führt unmittelbar daran vorbei.
Zwei Radome. Zu den denkmalgeschützten Teilen des Flugplatzes gehören zwei Sendetürme (Radome), die die Royal Air Force 1975 und 1980 baute.

Flugplatz Gatow, Ortsteil Kladow. Der Flugplatz trägt den Namen des Nachbarortsteils, das Gelände am Kladower Damm liegt aber im Ortsteil Kladow. Das frühere Flugplatzgelände gehört größtenteils wieder zu Kladow, auch die darauf entstandene Landstadt Gatow liegt auf Kladower Gebiet.
Wasser aus der Havel. Das Wasser für die Teiche im Landhausgarten wurde ursprünglich aus der Havel hochgepumpt. Heute speist ein Tiefbrunnen die Anlage.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Von S Wannsee (S1, S7) fährt die Fähre F10 nach Alt-Kladow, wo auch die Busse 134, 135, 234 und X34 halten. Die Tour beginnt und endet in Alt-Kladow.
Passt dazu: Das Stück zwischen Alt-Kladow und Sacrow gehört zur Mauerweg-Etappe 7 von Wannsee nach Staaken, die mit der Fähre nach Kladow beginnt und in Staaken endet. Zur Luftbrücke passt der Flughafen Tempelhof.
Von Kladow aus weiter
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