Flughafengebäude Tempelhof, Ernst Sagebiel, 1936 bis 1939
Das Gebäude des Flughafens Tempelhof ist ein bogenförmiger Komplex von rund 1,2 Kilometern Länge. Ernst Sagebiel baute ihn ab 1936 für das Reichsluftfahrtministerium, fertig wurde er nie. Zur Stadt hin zeigt er eine monumentale Fassade, zum Flugfeld hin eine Konstruktion aus Stahl und Beton. Im Ortsteil Tempelhof ist er das größte Gebäude, seit 2008 fliegt hier nichts mehr, und das Tempelhofer Feld ist ein Park.
Das Gebäude
Den Auftrag bekam Ernst Sagebiel 1935, der Baubeginn war im Frühjahr 1936, der Rohbau stand 1937. Die Denkmaldatenbank nennt als Bauzeit 1936 bis 1939, andere Quellen nennen 1941. Der Krieg beendete die geplante Eröffnung, das Gebäude blieb unvollendet, 13 Treppenhäuser blieben im Rohzustand. Das erste Empfangsgebäude von 1925 bis 1929 von Paul und Klaus Engler stand auf dem heutigen Rollfeld.
Die stadtseitigen Fassaden sind mit Muschelkalkplatten aus der Region Tengen verkleidet, Fenstereinfassungen und Gesimse bestehen aus hellem Jurakalkstein. Die Verkleidung trägt nicht, dahinter steht ein Stahlbetonskelett. Die Anlage ist axial auf das Kreuzbergdenkmal von Schinkel ausgerichtet. Zum Flugfeld hin liegt die Stahl- und Betonkonstruktion frei, das Flugsteigdach ist stützenfrei und kragt 40 Meter aus. Die Treppentürme waren für Dachtribünen vorgesehen, von denen Flugschauen für 80.000 Zuschauer*innen verfolgt werden sollten, sie wurden nie fertig.

Im Krieg wurde in den Hangars und im Gebäude Rüstung produziert, unter anderem Flugzeuge des Typs Ju 87 mit Zwangsarbeit. Für den Ausbau des Flughafens wurde 1938 das Columbia-Haus abgerissen, das Gefängnis und KZ am Rand des Feldes, an das ein Mahnmal am Columbiadamm erinnert. Seit September 2024 markiert die 42 Meter lange Schriftinstallation „nicht mehr zu sehen“ den Standort auf der Böschung vor dem Ostflügel.
Vom Exerzierplatz zur Luftbrücke
Das Feld war von 1827 bis 1918 Exerzierplatz der Berliner Garnison, schon früh stiegen hier Ballons auf. Vom 30. August bis 18. September 1909 zeigte Orville Wright auf dem Feld öffentliche Schauflüge. Der Verkehrsflughafen wurde 1923 eröffnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm zuerst die Rote Armee den Platz, im Juli 1945 die US-Armee. Während der Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 war Tempelhof der zentrale Anflughafen der Luftbrücke. Die erste Hilfsmaschine landete am 26. Juni 1948, die Rollbahnen wurden dafür ausgebaut. Das Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke von Eduard Ludwig wurde 1951 eingeweiht, seine drei Rippen stehen für die drei Luftkorridore. Am 9. Juli 1951 übergaben die Amerikaner das Gebäude für den zivilen Verkehr an die Stadt.
1962 wurde der Abfertigungsbereich fertiggestellt, 1975 endete der Linienverkehr, 1985 wurde für den Geschäftsverkehr wieder eröffnet. Am 30. Oktober 2008 wurde der Flugbetrieb eingestellt. Seit 2010 ist das Tempelhofer Feld ein Park. Beim Volksentscheid am 25. Mai 2014 stimmte eine Mehrheit der Teilnehmenden für das Gesetz der Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, das eine Bebauung ausschließt.



Heute
Das Gebäude gehört dem Land Berlin und wird von der Tempelhof Projekt GmbH betrieben. Es steht seit 1995 unter Denkmalschutz, die Gesamtfläche des Hauses wird mit rund 300.000 Quadratmetern angegeben. Die Polizei Berlin sitzt nach der taz seit Jahrzehnten am Platz der Luftbrücke und war 2023 größte Mieterin. In den Hangars war nach einem Bericht von 2026 weiter eine Unterkunft für Geflüchtete in Betrieb. Die Tempelhof Projekt GmbH vermietet die Haupthalle und die Hangars für Messen und Veranstaltungen.
Besucher*innen können im Besucherzentrum CHECK-IN am Platz der Luftbrücke 5 die Ausstellung „Ein weites Feld“ sehen, der Eintritt ist frei. Der THF TOWER am Tempelhofer Damm 45 ist seit 2023 geöffnet, er zeigt eine Ausstellung und hat eine Dachterrasse mit Rundblick. Die Betreibergesellschaft bietet außerdem öffentliche Führungen an, darunter „Mythos Tempelhof“ und „Verborgene Orte“.
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Steckbrief
Architekt*in
Ernst Sagebiel
Bauherr*in
Reichsluftfahrtministerium
Ort
Platz der Luftbrücke 5, Tempelhof
Gebaut
ab 1936, unvollendet, Ausbau bis 1962
Denkmal
Gesamtanlage, Obj.-Dok.-Nr. 09055092
Zustand
erhalten, Flugbetrieb seit 2008 eingestellt
Zugang
Besucherzentrum CHECK-IN Mittwoch bis Montag 10 bis 17 Uhr, Eintritt frei (laut Betreiber, Oktober 2026)
Nächste Haltestelle
U Platz der Luftbrücke (U6, ca. 360 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch Tempelhof vorbeigekommen: Tempelhof.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte in Tempelhof: das Ullsteinhaus und der Hafen Tempelhof. Alle Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Tempelhof-Schöneberg.
