Ullsteinhaus, ehemaliges Druckhaus des Ullstein Verlags, 1925 bis 1927
Das Ullsteinhaus liegt am Teltowkanal, dort, wo der Mariendorfer Damm den Kanal kreuzt. Eugen Schmohl baute es von 1925 bis 1927 als Druckhaus für die Ullstein AG. Der Turm ist 77 Meter hoch und gilt als Wahrzeichen von Tempelhof. Das Haus ist heute ein Gewerbestandort und nicht öffentlich zugänglich, es lässt sich von außen und vom Kanal aus ansehen.
Ein Druckhaus am Kanal
Der Verlag besaß das Grundstück nach dem Bauwelt-Sonderheft von 1927 schon seit Jahren. Der Teltowkanal begrenzt es im Norden, in der Nähe lagen der Hafen Tempelhof mit Lagerhaus und ein Industriegleis. Redaktionen blieben in der Kochstraße, gedruckt wurde in Tempelhof. An der Straße verlief in etwa 15 Metern Tiefe ein rund 40 Meter breiter Moorstreifen, weshalb der Entwurf geändert und der Büroflügel an der Straße vorgezogen wurde.
Die Denkmaldatenbank beschreibt eine siebengeschossige Vierflügelanlage um einen fast quadratischen Innenhof. In die nordwestliche Hofecke ist der 77 Meter hohe Turm eingestellt. Zur Bauzeit war das Haus der größte Stahlbetonskelettbau Deutschlands, das Skelett liegt hinter einer Klinkerverkleidung. Die vertikalen Wandpfeiler wirken gotisierend, der Turm gibt dem Bau das Bild einer Industriekathedrale. Die Bildhauerarbeiten am Außenbau stammen von Wilhelm Gerstel, die Eule, das Signet des Verlags, von Fritz Klimsch. Für beide gibt es neben der Denkmaldatenbank auch das Künstlerverzeichnis der Bauwelt von 1927.



Schwere Rotationsmaschinen standen im Erdgeschoss, die Maschinensäle liefen in Fluchten von 70 bis 80 Metern, der Rotationssaal war 5,40 Meter hoch. Im zwölften Turmgeschoss sitzen vier Kaltwasserbehälter mit zusammen 120 Kubikmetern. Der Arbeitereingang liegt in der zurückgesetzten Nordwestecke und wird von einem baldachinartigen Vorbau mit schlanken Stützen betont. Die große Eingangshalle am Haupteingang wurde nach dem Krieg verbaut, die Skulpturen von Fritz Röll und die beiden Keramik-Wandbrunnen von Josef Thorak sind nicht erhalten.

Der Verlag und seine Zeitungen
Leopold Ullstein hatte den Verlag 1877 gegründet. In Tempelhof wurde unter anderem die Berliner Morgenpost gedruckt. Die taz nennt für den Verlag außerdem die Berliner Illustrirte Zeitung, die B.Z. am Mittag und die Vossische Zeitung. Zeitweise arbeiteten bis zu 4.000 Menschen im Haus.
1934 wurde die jüdische Familie Ullstein von den Nationalsozialisten enteignet. Die taz schreibt, der Verkauf sei im Juni 1934 für ein Zehntel des Wertes erfolgt, danach habe der Verlag über Strohmänner der NSDAP gehört. 1937 wurde der Verlag in Deutscher Verlag umbenannt, das Haus hieß in dieser Zeit Deutsches Haus.
Nach 1945 erschien der Tagesspiegel als erste von den Amerikanern lizenzierte Zeitung mit seinem ersten Verlagssitz im Haus, er zog Anfang der 1950er Jahre aus. 1952 bekam die Familie Ullstein das Haus zurück. 1959 erwarb Axel Springer die Ullstein-Zeitungen zusammen mit dem Buchverlag, im Haus wurde bis 1985 gedruckt.
Heute
Ab 1986 wurde das Haus zum Gewerbe- und Modezentrum umgebaut, 1991 bis 1993 kam ein Erweiterungstrakt dazu. Nach der Presse hatte das Haus 2015 Mieter aus Mode, Start-up- und EDV-Firmen, dazu Künstler*innen, das Deutsche Pressemuseum und eine Diskothek. Am 1. Oktober 2015 wechselte der Eigentümer, die Fläche wurde dabei mit rund 80.000 Quadratmetern angegeben.
Steckbrief
Architekt*in
Eugen Schmohl
Bauherr*in
Ullstein AG
Ort
Mariendorfer Damm 1-3, Tempelhof
Gebaut
1925 bis 1927
Denkmal
Obj.-Dok.-Nr. 09055109
Zustand
erhalten, Gewerbestandort
Zugang
Nicht öffentlich, von außen zu sehen
Nächste Haltestelle
U Ullsteinstraße (U6, ca. 120 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch Tempelhof vorbeigekommen: Tempelhof.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte in Tempelhof: der Hafen Tempelhof und der Flughafen Tempelhof. Alle Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Tempelhof-Schöneberg.
