Eingang der Trabrennbahn Mariendorf, Anlage von 1912/13
Die Trabrennbahn Mariendorf wurde am 9. April 1913 eröffnet. August Endell entwarf die ganze Anlage mit Tribünen, Totalisator, Restaurants, Stallungen und einem 1,2 Kilometer langen Oval. Erhalten ist von seinen Bauten die Tribüne aus gelbem Backstein und Stahl, gerennt wird bis heute. Für den Ortsteil Mariendorf ist die Bahn ein Denkmal und zugleich ein Ort, der den Ortsteil überregional bekannt gemacht hat.
Eine Rennbahn nach Plänen von August Endell
Die Denkmaldatenbank datiert Entwurf und Bau auf 1911 bis 1913, Baubeginn war 1912. Der Architekt August Endell wurde 1871 in Berlin geboren und starb 1925 dort. Auch an der Trabrennbahn verbindet seine Architektur die Materialästhetik des Jugendstils mit einer reduzierten, funktionalen Form. Gebaut wurde für die Trabrenngesellschaft. Wer die Bahn finanzierte, nennt die Denkmaldatenbank nicht.
Die Anlage umfasst rund 24 Hektar. Vorher hatte es Rennvereine in Weißensee, Westend und Ruhleben gegeben. Der Berliner Trabrennsport geht auf Schaurennen zurück, die der Zirkusdirektor Albert Salamonski 1876 veranstaltete.
Pleite und Rettung
Die Anfänge waren schwierig. Schon Ende 1913 war der Rennverein nach Streit im Vorstand zahlungsunfähig und konnte die Pacht nicht mehr bezahlen. Es sprang der Verleger Bruno Cassirer ein, der selbst einen Rennstall besaß. Nach der Denkmaldatenbank gründete er mit verlässlichen Partnern den Trabrenn-Verein Mariendorf, um die Bahn zu retten, und der Tagesspiegel schreibt, er habe sie mit seinem Vermögen gerettet. Die Berliner Zeitung nennt ihn als Leiter des Rennclubs ab 1914.
Cassirer, 1872 in Breslau geboren, führte seit 1901 den Verlag B. Cassirer. 1938 emigrierte er mit seiner Familie nach England, er starb 1941 in Oxford. Das Bruno-Cassirer-Rennen in Mariendorf erinnert an ihn.
Die Tribüne und ihre Nachfolger
Von Endells Bauten ist an der Westseite der Bahn nur die Tribüne erhalten. Sie hat einen Unterbau aus gelbem Backstein und ein offenes Stahlgitter-Dach. Die Rückwand zeigt ein sparsames geometrisches Muster aus farbigen Glasursteinen, die Seitenwände sind mit rhombenförmigen Fenstern verglast. Die Rückseite prägen monumentale, sich nach oben verjüngende Säulen ohne Kapitell, darüber liegen halbkreisförmige Fenster. Ihre Proportionen weichen von klassischen Vorbildern ab.
Verloren sind das Betriebsgebäude und das Totalisatorhäuschen, beide wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Zielrichterturm wurde 1977 abgerissen. Die Stallungen südlich der Bahn sind ländlich wirkende Fachwerkbauten mit einem langen, niedrigen Stalltrakt und giebelständigen Kopfbauten.
Später kamen weitere Bauten dazu. Die Robinson-Tribüne von 1935 bis 1936 nördlich der Bahn hat verglaste Wände und ein überstehendes Dach auf Stahlkonstruktion, sie ist nach einem früheren Restaurantbesitzer benannt. Das Teehaus von Werner Weber von 1960 bis 1961 ist ein kubischer, fast ganz verglaster Bau mit Betonstützen. Das Tribünenhaus von 1972 bis 1974 aus Sichtbeton ist das jüngste der großen Gebäude.
Rennen seit 1946
Das letzte Rennen des Frühjahrsmeetings vor dem Krieg lief am 10. Juni 1939. Nach Kriegsende lag die Bahn verwüstet, mit Bombentrichtern und zerstörten Gebäuden. Trotzdem gab es am 3. Juli 1946 wieder Trabrennen, und die Zuschauer kamen in großer Zahl. Der Fotograf Fritz Eschen hielt die Menschenmengen vor der Endell-Tribüne damals fest, wie die Berliner Zeitung schreibt.
Das Deutsche Traber-Derby wird seit 1895 ausgetragen, 2025 war es das 130. Rennen. Die ersten Austragungsorte waren Westend und Ruhleben, später kam Mariendorf dazu. 1998 und 2001 wurden Flächen verkauft, auf denen eine Altenwohnanlage und ein Einkaufszentrum entstanden. Nach einer Meldung der Betreiber vom Mai 2026 wurde 2025 das rund 1.100 Quadratmeter große Dach der Haupttribüne erneuert, das Teehaus-Dach unter Beachtung des Denkmalschutzes saniert und das Dach des Stallgebäudes am Mariendorfer Damm wird derzeit überarbeitet.
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Steckbrief
Architekt*in
August Endell
Ort
Mariendorfer Damm 222-296, Mariendorf
Gebaut
1912 bis 1913, eröffnet am 9. April 1913
Denkmal
Gesamtanlage, Obj.-Dok.-Nr. 09055082
Zustand
erhalten, nur die Tribüne von Endell, in Betrieb
Nächste Haltestelle
Pilatusweg (Bus 179, M76, ca. 400 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch Mariendorf vorbeigekommen: Mariendorf.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte in Mariendorf: das Gaswerk Mariendorf. Alle Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Tempelhof-Schöneberg.
