Unterwegs zu Fuß

Hafen Tempelhof: Teltowkanal, Speicher und Portalkräne

Hafenbecken des Hafens Tempelhof am Teltowkanal mit Lagerhaus am Ufer in Tempelhof

Hafenbecken mit Lagerhaus, Hafen Tempelhof, 1901 bis 1908

Der Hafen Tempelhof liegt am Teltowkanal am Tempelhofer Damm. Er entstand zusammen mit dem Kanal von 1901 bis 1906 und war ein Umschlagplatz zwischen Schiff und Eisenbahn. Zur Anlage gehören das Hafenbecken mit Kaimauern, ein Lagerhaus von 1906 bis 1908 und vier Portalkräne. Seit 2009 ist das Lagerhaus ein Einkaufszentrum. Im Ortsteil Tempelhof gehört er zu den Anlagen aus der Zeit, als am Kanal Industrie angesiedelt wurde.

Kanal und Hafenbecken

Der Teltowkanal sollte Elbe und Oder verbinden und die überlasteten Wasserstraßen in der Stadt entlasten. Initiator war der Landrat des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, wie der Tagesspiegel und das Magazin tip übereinstimmend schreiben. Der erste Spatenstich war am 22. Dezember 1900, eingeweiht wurde der Kanal am 2. Juni 1906. Er ist 37,8 Kilometer lang.

Das rechteckige Hafenbecken wurde in denselben Jahren angelegt, es war nach der Denkmaldatenbank der wichtigste Güterumschlagplatz im Süden Berlins. Eine Treidellok auf einer Treidelbrücke zog die Kähne durch die schmale Einfahrt, zehn bis zwölf Kähne konnten gleichzeitig entladen werden. Die Westseite diente dem Umschlag von Baustoffen. Gleise führten zur Ringbahn und zur Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn.

Der Speicher von Havestadt und Contag

Weil es in Berlin an Lagerflächen fehlte, beschloss der Kreis Teltow, am Hafen selbst ein Lagerhaus zu betreiben. Christian Havestadt und Max Contag bauten es 1906 bis 1908 an der Nordseite, es konnte 14.000 Tonnen aufnehmen und war für Stückgut, Getreide und Zollgut gedacht. Das Haus ist rund 120 Meter lang und 25 Meter breit.

Das Tragwerk besteht aus Eisenbeton, das Dach aus Holz. Von außen sieht das Lagerhaus aus wie ein Getreidespeicher des 18. Jahrhunderts: Der Sockel besteht aus Tuff und Basaltlava, die Wände sind verputzt, es gibt Fachwerkgiebel und ein Mansarddach. Innen standen eine Getreideverteilanlage mit Becherwerken, eine selbsttätige Waage, eine Reinigungsmaschine und Förderbänder.

Vier halbhüftige Portalkräne schlugen zwischen Schiff und Waggon um. Eine Schiene liegt auf einer Konsole an der Langseite des Lagerhauses, die andere an der Kaimauer. Die Kräne sind erhalten, aber nicht mehr in Betrieb. Ein Schiffsbecherwerk entlud Schüttgut.

Krieg, Wiederaufbau und Umbau

Das Lagerhaus wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1951 wiederaufgebaut, Maschinen und Getreideanlagen wurden dabei ausgebaut. 1962 wurde die Hafeneinfahrt verbreitert, damit Schiffe wenden konnten, denn der westliche Teil des Kanals lag auf DDR-Gebiet und war für die Schifffahrt gesperrt.

2007 begann der Umbau zum Einkaufszentrum. Die Grundsteinlegung war am 23. Mai 2007, Bauherrin war die Objektgesellschaft Tempelhofer Hafen, als Investition wurden 100 Millionen Euro genannt. Das Center wurde im April 2009 eröffnet. Das restaurierte Lagerhaus steht dort neben einem Neubau. Die Kräne blieben nach dem Bezirksamt als Erinnerung an die industrielle Vergangenheit stehen.

Architekt*in

Christian Havestadt und Max Contag

Ort

Tempelhofer Damm 227-235, Tempelhof

Gebaut

Hafen 1901 bis 1906, Lagerhaus 1906 bis 1908

Denkmal

Gesamtanlage, Obj.-Dok.-Nr. 09055129

Zustand

erhalten, Lagerhaus seit 2009 Einkaufszentrum

Nächste Haltestelle

U Ullsteinstraße (U6, ca. 350 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Tempelhof vorbeigekommen: Tempelhof.

HUllsteinstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte in Tempelhof: das Ullsteinhaus und der Flughafen Tempelhof. Alle Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Tempelhof-Schöneberg.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich